Pressure

Originaltitel
Pressure
Jahr
2026
Laufzeit
100 min
Genre
Release Date
Bewertung
7
7/10
von Volker Robrahn / 16. September 2026

Gibt es noch Geschichten aus dem 2. Weltkrieg, die noch nicht erzählt wurden? Vielleicht sogar welche von großer Bedeutung? Offenbar schon, denn die Landung der Alliierten an der Küste der Normandie war sicher von entscheidender Bedeutung für diesen Krieg und so ziemlich jeder Kinogänger dürfte dazu sofort die harten Bilder aus Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ vor Augen haben. Aber diese nicht nur extrem aufwändige sondern auch außerordentlich riskante Aktion musste natürlich entsprechend vorbereitet und geplant werden, mit besonderem Blick auf die am Einsatztag herrschenden Witterungsbedingungen unter denen die Soldaten von See an Land gelangen sollten. Davon erzählt die europäische Co-Produktion „Pressure“, die auf packende Weise demonstriert an welch seidenem Faden das Gelingen der Operation hing.

Im Juni 1944 ist der Versuch mehr als hunderttausend Mann im besetzten Frankreich an Land zu bringen beschlossene Sache. Das Datum der Invasion geheimzuhalten ist dabei die eine Aufgabe, sich überhaupt erst einmal für eines zu entscheiden, das den größten Erfolg verspricht, die Andere. Klar ist jedenfalls, dass es den Soldaten bei starkem Sturm und Regen kaum gelingen wird schnell an Land zu gelangen. Doch da der bereits in den Afrikafeldzügen mit zutreffenden Wettervorhersagen erfolgreiche Colonel Krick (Chris Messina) seinem Vorgesetzten General Dwight D. Eisenhower (Brendan Fraser) für den 5. Juni Sonne und klares Wetter zusichert, scheint die Sache klar. Bis der hinzugezogene britische Chefmeteorologe James Stagg (Andrew Scott) plötzlich Einwände erhebt, da er bei seinen Berechnungen zu gänzlich anderen Ergebnissen kommt und darauf beharrt, dass die Erfahrungen aus Afrika bei der Kalkulation für nordeuropäisches Wetter überwiegend nutzlos seien. Der auch von menschlichen Spannungen angefeuerte Konflikt der Experten stellt den Oberbefehlshaber vor eine extrem schwierige Entscheidung.

Jawohl, auch ein Spielfilm über Wettervorhersagen kann tatsächlich ziemlich spannend sein. Zwar ist der hauptsächlich im südenglischen Hauptquartier der Alliierten spielende „Pressure“ über weite Strecken ein recht dialoglastiges Kammerspiel, aber eben eines das mit den unter großen Zeitdruck zu treffenden Entscheidungen mächtig Spannung erzeugt. Und die Maßnahme den Briten Stagg dabei als eine Art wissenschaftliches Genie mit starken Defiziten im Sozialverhalten zu schildern sorgt für zusätzliche Angespanntheit. Denn dieser hält rein gar nichts von freundlichem Small Talk und bemüht sich – ganz im Gegensatz zu seinem jovialen und durchgehend Lebensfreude versprühenden Gegenpart Krick - nicht im Geringsten darum irgendwelche Sympathien zu gewinnen. Für diesen schroffen und introvertierten Mann zählt einzig und allein das Ergebnis seiner Arbeit und Andrew Scott (kürzlich in „Blue Moon“ zu sehen) verkörpert ihn mit einem feinen Gefühl dafür die Grenze zur unglaubwürdigen Kunstfigur nie zu überschreiten. Ein Nebenstrang um seine durch einen Bombenangriff in Lebensgefahr schwebende schwangere Ehefrau trägt zusätzlich dazu bei diesen Charakter ein wenig zu erden und fürs Publikum zugänglicher zu gestalten.

Auch bei dem Darsteller der bekanntesten Figur in dieser Geschichte, dem General und späteren US-Präsidenten Eisenhower wird der eine oder andere nicht nur durch dessen polterndes Auftreten sondern auch durch den Namen seines Darstellers Brendan Fraser eventuell befürchten, dass dieser zur Cartoon-Figur verkommen könnte. Doch der einstige Komödien- und „Mumien“-Star ist ja nicht erst seit seiner oscargekrönten Leistung in „The Whale“ mittlerweile auf gänzlich anderen Pfaden seiner Karriere unterwegs und schafft es auch seiner nach außen stets vor Selbstsicherheit strotzenden Figur mehrere Facetten und Vielschichtigkeit zu verleihen. „Pressure“ lässt den Betrachter nicht nur den titelgebenden Druck spüren, unter dem die Protagonisten stehen und handeln, der Film schafft es trotz begrenzter Schauwerte und dem fast völligen Verzicht auf irgendeine Form von Action sein im ersten Moment unspektakulär klingendes Thema fesselnd aufzubereiten. Da überrascht es dann fast wenn wir zum Schluss tatsächlich auch noch ein paar Szenen und Bilder von der Landung in der Normandie zu sehen bekommen. Im Grunde hätte der Film auch mit der finalen Entscheidung über das Datum enden können, denn alles Folgende ist nicht nur bekannt sondern wurde anderswo dann doch eindrucksvoller geschildert.

Bilder: Copyright

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