Neues aus der Welt

Originaltitel
News of the World
Land
Jahr
2021
Laufzeit
118 min
Genre
Release Date
Streaming
Bewertung
7
7/10
von Frank-Michael Helmke / 13. Februar 2021

Die Berlinerin Helena Zengel ist gerade mal zwölf Jahre alt und steht möglicherweise am Anfang einer großen Hollywood-Karriere. Als sie 2019 im bemerkenswerten Sozialdrama "Systemsprenger" mit einer atemberaubenden Naturgewalt die Leinwand erstürmte, wurde man auch jenseits des Atlantiks darauf aufmerksam, und kaum ein Jahr später stand die kleine Helena nun mit niemand geringerem als Tom Hanks vor der Kamera. Und erntete für "Neues aus der Welt" jetzt auch schon bereits eine erste Golden Globe-Nominierung als beste Nebendarstellerin. Es ist ein kometenhafter Aufstieg - und wahrscheinlich die einzige Sache, die von diesem Film langfristig in Erinnerung bleiben wird. Denn sonst fehlt es bei dieser zweiten Kollaboration zwischen Hanks und Regisseur Paul Greengrass (nach "Captain Phillips") leider an wirklich denkwürdigen Aspekten.

Dabei ist "Neues aus der Welt" eigentlich ein sehr wohltuendes Filmerlebnis in diesen aufreibenden Zeiten: ein ruhig und bedächtig erzählter Film aus einem klassischen Genre, das man immer wieder gerne sieht - gerade jetzt, wo ein Western in eine ganz andere Welt entführen kann. So richtig aus dem Hier und Jetzt kann man hier allerdings nicht entkommen, denn Greengrass' Film ist vollgestopft mit mehr oder weniger subtilen Allegorien auf das aktuelle politische Geschehen, spezifisch das amerikanische.

Tom Hanks spielt den Bürgerkriegs-Veteran Captain Kidd, der fünf Jahre nach Kriegsende sein Dasein fristet, indem er in Texas von Stadt zu Stadt reist und den Menschen aus regionalen und überregionalen Zeitungen vorliest - quasi eine wandernde Ein-Mann-Nachrichtensendung. Das Schicksal will es, dass Kidd über das einst von Kiowa-Indianern entführte Mädchen Johanna (Zengel) stolpert und ungewollt die Verantwortung zugeschustert bekommt, sie zu ihren einzigen noch lebenden Verwandten zu bringen.

Während der alte Soldat und das junge Mädchen trotz Kommunikationsbarriere (Johanna beherrscht nur die Sprache der Kiowa) langsam Vertrauen zueinander fassen, durchleben sie strukturell betrachtet einen typischen "Road Movie": Während ihrer Reise reihen sich mehrere kleine Episoden aneinander, die sich hier nicht wirklich zu einer durchgehenden Erzählung zusammensetzen, und die mal mehr, mal weniger stark sind. Sehr holzhammerig-allegorisch wird es, wenn Kidd und Johanna auf einen rassistischen Quasi-Diktator treffen, der seinen kleinen Landstrich mit autokratischen Methoden und "Fake News" über seine eigenen Heldentaten regiert. Die gelungenste und spannendste Episode wiederum hat so gar nichts Allegorisches, sondern erfreut das Publikum mit einem reinrassigen Western-set piece, in dem sich der Held und das Mädchen gegen drei bewaffnete üble Gestalten zur Wehr setzen müssen. 

So macht "Neues aus der Welt" am meisten Freude, wenn er mit filmemacherischer Wonne in den klassischen Stilmitteln und Motiven seines Genres badet. Echte Tiefe kann der Film dabei allerdings nicht entwickeln. Was auch daran liegt, dass Hanks zwar gewohnt großartig und zurückgenommen eine seiner typischen "bescheidener Jedermann"-Rollen darbietet, seine Filmfigur aber einfach nicht sonderlich interessant daherkommt und die emotionalen Wunden, mit der dieser Captain Kidd zu kämpfen hat, auch nicht sehr spannend sind. Das wird besonders deutlich im Vergleich zu den traumatischen Untiefen, die in der Vergangenheit der kleinen Johanna angedeutet werden, und die Helena Zengel allein mit der Ausdruckskraft ihrer hypnotischen blauen Augen erschütternd anklingen lässt. 

Was nur noch einmal unterstreicht: "Neues aus der Welt" ist ein schön anzusehender Western und eine nette kleine Ode auf die Kraft des Geschichtenerzählens, aber wirklich in Erinnerung bleibt hier allein sein Nachwuchsstar. Sorry, Tom.        

Bilder: Copyright

5
5/10

Paul Greengrass, Tom Hanks und auch noch Shootingstar Helena Zengel: Was kann da schief gehen? Eigentlich nix. Und doch schafft es "Neues aus der Welt" kaum über Mittelmaß hinaus. Das liegt vor allem an der zerfasernden, wenig stringenten Story, aber auch daran, dass nie so wirklich klar wird, was der Film eigentlich erzählen will. Kriegstrauma, Nachwehen des Bürgerkriegs, Härte des Lebens im Wilden Westen, Verlust, Trauer, Gewaltwillkür und einige Themen mehr deutet der Film an - und ist doch am besten, wenn Tom Hanks in "Unforgiven"-Manier die "Bösen" mit selbstgebastelten Kugeln förmlich umpustet. Diese deutliche Unwucht ist spürbar und sorgt dafür, dass der Film nie so richtig in Fahrt kommt - trotz der starken Besetzung vor und hinter der Kamera.

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