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Yesterday

Yesterday
musik-komödie , großbritannien 2019
original
yesterday
regie
danny boyle
drehbuch
richard curtis
cast
lily james,
kate mckinnon,
himesh patel,
ed sheeran, u.a.
spielzeit
116 Minuten
kinostart
11. Juli 2019
homepage
https://upig.de/micro/yesterday
bewertung

7 von 10 Augen

yesterday 1Danny Boyle ist einer der wenigen Filmemacher, der sich auf überhaupt kein Genre festlegen lässt, sondern ständig etwas Neues ausprobiert. Ob Sci-Fi, Horror, Thriller, Biographie oder Literaturverfilmung, Boyles Werke haben inhaltlich wenig gemeinsam, finden aber stets einen originellen Ansatz um das gewählte Thema aufregend zu präsentieren, was dem Filmemacher wohl am überzeugendsten bei seinem oscarprämierten „Slumdog Millionär“ gelang. Bei Richard Curtis sieht das etwas anders aus, denn der hat sich einen Ruf als Spezialist für die herzerwärmende romantische britische Komödie erworben, ob „Bridget Jones“,“Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ oder „Tatsächlich Liebe“, überall taucht sein Name als Autor oder Regisseur auf. Wenn sich diese beiden Meister nun zusammen tun, darf man also auf das Ergebnis gespannt sein. Ein richtig großer und aufregender Film ist „Yesterday“ dabei allerdings nicht geworden – dafür aber ein umwerfend sympathischer und unterhaltsamer.
 

yesterday 2Der liebenswerte Jack (Himesh Patel) ist kurz davor seinen Traum von der Karriere als Singer/Songwriter aufzugeben, denn der Zuspruch des Publikums ist eher kläglich, meist sind es hauptsächlich seine treuen Freunde die ihm zujubeln, allen voran seine Freundin Ellie (Lily James), die unbeirrt an ihn glaubt. All das ändert sich, als eines Nachts ein mehrminütiger, weltweiter Stromausfall für kurze Panik und bei Jack für ein Erwachen im Krankenhaus sorgt, nachdem er von einem Bus angefahren wurde. Dass sich die Welt ein wenig verändert hat bemerkt er aber erst als er auf einer Gitarre, kurzerhand „Yesterday“ anstimmt – und ihn ringsum alle für das schöne Lied loben und fragen wann ihm das denn eingefallen sei. Eine kurze Google-Suche ergibt, dass unter dem Begriff „Beatle“ lediglich ein Pilz bekannt ist, von der gleichnamigen Musikgruppe hat die Welt jedoch noch nie etwas gehört. Jack scheint der Einzige zu sein, der sich an die genialen Songs der Fab Four erinnert und hat damit auf einmal ein gewaltiges Archiv an potentiellen Hits zur Verfügung. Der Weg zum Pop-Superstar scheint damit vorgezeichnet – oder etwa doch nicht?
 

yesterday 3Schon bei seinem letzten Film „Alles eine Frage der Zeit“ baute Richard Curtis auch ein übernatürliches, phantastisches Element mit ein, ohne sich die Mühe zu machen die Zeitsprünge seiner Hauptfigur irgendwie rationell zu erklären. Auch für den kollektiven Gedächtnisverlust der gesamten Menschheit gibt es hier nun keine, es wird lediglich Stück für Stück deutlich, welche Allgemeingüter noch davon betroffen sind: Einen gewissen Zauberlehrling hat es daher genauso wenig gegeben wie Coca Cola, die Marke Pepsi ist dagegen allgegenwärtig.

Da Jack musikalisches Talent besitzt, ist er natürlich genau der Richtige um mit dem Schatz der Beatles-Songs beschenkt zu werden, auch wenn er diese nun aus dem Gedächtnis rekapitulieren muss. Der sofortige Erfolg stellt sich jedoch nicht ein und wirft so die interessante Frage auf, ob den jemand der heutzutage mit dem Beatles-Katalog auftauchen würde überhaupt die entsprechende Aufmerksamkeit generieren könnte, oder ob deren Erfolg nicht halt auch und vor allem einer der damaligen Zeit und Umstände war.

yesterday 4Die Antwort darauf lautet letztlich aber doch „Nein“, die Lieder des Quartetts aus Liverpool erweisen sich tatsächlich als zeitlose Klassiker, und wer Jack schließlich entdeckt und auf die Sprünge hilft ist einer, der halt das richtige Ohr dafür hat, nämlich Ed Sheeran. Nicht etwa jemand, der Ed Sheeran spielt, sondern der englische Wuschelkopf höchstpersönlich in einer Rolle, die weit mehr als ein kleiner Cameo-Auftritt ist. Und dabei beweist er die Fähigkeit zur Selbstironie, die sogar ein Hauch von Tragik umweht wenn er erkennen muss, dass der von ihm geförderte Jack offenbar ein weitaus größerer Songschreiber ist als er selbst.

Sheeran kommt dabei deutlich natürlicher rüber als eine Kate McKinnon ("Ghostbusters"), die in der Rolle der rücksichtslosen Managerin hart an der Grenze zur Karikatur entlang balanciert. Neuentdeckung Himesh Patel eignet sich die großen Pop-Klassiker dagegen auf eine Art an, die sie zwar absolut wiedererkennbar bleiben lässt, ihnen dabei aber dennoch eine ganz eigene Note verleiht. Vor allem diese Fähigkeit war es die Danny Boyle beim Casting überzeugte, wie er uns im Interview erzählt hat.

yesterday 5Dass der Bluff irgendwann wohl doch auffliegen muss scheint klar, aber das Drehbuch findet dafür eine sehr hübsche Lösung, die zumindest zum Teil auch die Frage beantwortet was denn aus den jungen Männern aus Liverpool in dieser Realität geworden ist. Die Romanze selbst verläuft in recht konventionellen Bahnen, inklusive der genretypischen Verwicklungen und den unvermeidlich auftretenden Problemen und Selbstzweifeln, so dass sich „Yesterday“ als Gesamtkonstrukt ein Stück mehr nach Richard Curtis-Terrain anfühlt, während sich Regisseur Boyle hier mit visuellen Spielereien aber eben auch in Sachen "Biss" eher zurücknimmt. Sein Film bietet dafür aber genug nette Einfälle um durchgehend kurzweilig und amüsant zu bleiben. Und dass es hier auch jede Menge verdammt gute Musik zu hören gibt versteht sich ja wohl von selbst.

Volker Robrahn

Wir haben die letzte in

6

Wir haben die letzte in unserem Kino mögliche Vorstellung des Films gesehen, da wir ihn zunächst als "muss nicht im Kino sein" abgetan haben, aber an diesem Freitag kam dann doch die Lust darauf zusammen mit "Hey Jude" in der Playlist.

Wir sind generell immer interessiert an Danny Boyle-Filmen, weil man eigentlich immer etwas Neues geboten bekommt. Hier sollte es also eine leichte Komödie mit interessanter Prämisse sein.

Im Großen und Ganzen würde ich der Rezension auch zustimmen, aber insgesamt habe ich die guten Momente nicht als SO gut und die schlecht als etwas schlechter gesehen. Zunächst störte mich die arg klischeehafte Liebesgeschichte, die trotz guter Schauspieler leider zu keinem Zeitpunkt besonders tragisch oder romantisch wirkt, weil sie einfach sehr vorhersehbar wirkt und letztendlich auch genau das liefert, was man als gemeinsamen Nenner aller Liebeskomödien bezeichnen könnte. Die furchtbare Managerin war dann meiner Meinung nach nicht mehr hart an der Grenze zur Karikatur, sondern eine absolute Pappfigur und ein Bösewicht-Prototyp wie aus einem schlechten Kinderfilm. Das hätte man auch glaubwürdiger lustig gestalten können, beispielsweise durch bissigen Sarkasmus.

Die Songs waren schön arrangiert und gut eingebunden, der Schnitt zusammen mit der Musik war dann auch für alle Highlights verantwortlich (Beispiel "erste Aufnahme im Tonstudio" oder "Wie ging der Text nochmal?"). Was mich viel mehr störte, war die merkwürdige Geschichte bzw. deren Verlauf. Die Wichtigkeit des Hotels und der große Auftritt dort kamen irgendwie aus dem Nichts und waren schwer nachvollziehbar, vor allem weil der Auftritt letztendlich nichts so richtig bewirkte und der eigentliche "Highlight-Auftritt" erst danach kam. Auch der Sprung von "die Beatles-Songs interessieren keinen" zu "zeitlose Klassiker setzen sich eben doch durch" kam irgendwie holprig.

Pluspunkte gibt es tatsächlich für Ed Sheeran (hätte ich ja nicht gedacht) und generell die sympathischen Figuren sowie die clevere Idee. Es war ja auch schön und nett und man möchte gar nicht meckern. Aber man hätte als versierter Drehbuchautor und Regisseur eigentlich merken müssen, dass da noch etwas geschliffen werden muss und dass man teilweise blöde Klischees trifft, die man locker hätte umschiffen können.

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