Es war an sich keine unclevere Idee als zweiten Film für den Neustarts des DC-Universums „Supergirl“ anzukündigen. Denn erstens ist die Cousine des letztlich doch nicht einzigen Überlebenden vom Planeten Krypton längst nicht so oft fürs Kino adaptiert worden wie andere Figuren aus diesem Kosmos (es gab nur in den achtziger Jahren einen ziemlich misslungenen und zu recht fast vergessenen Versuch) . Und außerdem kam ihr Kurzauftritt als rotzig-verpeilte junge Frau mit leichter Punk-Attitüde in „Superman“ ja allgemein auch recht gut an. Doch über die gesamte Laufzeit von diesmal sogar unter zwei Stunden kann der unter der Aufsicht von James Gunn entstandene Film leider nicht überzeugen, obwohl die Charakterisierung der Titelfigur sogar noch am Besten gelingt.

Kara Zor-El fühlt sich seit ihrer Ankunft auf der Erde im Gegensatz zu ihrem Cousin Kal-El dort nicht wirklich zuhause. Während der bereits als Baby auf dem blauen Planeten landete, verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend gemeinsam mit ihrem Eltern in der durch einen Schutzschirm vor dem Untergang Kryptons geretteten Stadt Argo City. Aktuell lässt sie sich aber ziellos und vereinsamt durch die Galaxis und von einer Party zur Nächsten treiben, lediglich begleitet von ihrem treuen (und ziemlich wilden) Hund Krypto. Und eigentlich kümmert sie sich auch nicht gern um die Probleme anderer Leute, doch als die junge Ruthye auf der Jagd nach dem Mörder ihrer Eltern in Gefahr gerät erwacht in Kara tatsächlich so etwas wie ein Beschützerinstinkt. Die beiden Frauen tun sich zusammen und unternehmen eine sehr gefährliche Reise, denn ihre Superkräfte stehen Kara nur bei bestimmten Sonnenkonstellationen zur Verfügung.

Auch die Entscheidung dem Publikum in „Supergirl“ ein buntes Weltraumabenteuer nach einer populären Comicvorlage zu servieren, ist als Abwechslung zum auf der Erde spielenden Vorgänger durchaus nachvollziehbar. Wobei das mit dem „bunt“ so eine Sache ist, denn so farbenprächtig wie sich die diversen Plakate zum Film präsentieren (und wie ja auch „Superman“ daher kam) geht es hier nicht zu. Wie so oft im modernen Kino üblich haben wir es stattdessen mit ziemlich abgerockten, düsteren und schmutzigen Settings zu tun, in denen sich genauso runtergekommene Gestalten rumtreiben denen man keinesfalls vertrauen sollte. Was die Gestaltung und das Make-Up der einzelnen außerirdischen Spezies betrifft hat man sich ein paar schräge Figuren ausgedacht, die einem aber im Grunde auch in der Cantina Bar auf Tatooine oder in der Welt der Guardians of the Galaxy begegnen könnten. Letzerer ja ebenfalls von James Gunn verantwortet und man muss hier nicht nur die Wiederaufbereitung von ihm bereits verwendeter Konzepte notieren sondern auch ein im Vergleich zu früheren Werken leider arg einfalls- wenn nicht sogar lustloses Worldbuildung. Das ist sowohl visuell als auch von den Figuren her leider alles andere als originell oder gar aufregend hier. Zudem wurde auch die tragende Rachegeschichte bereits zigfach durchgekaut und der Hauptbösewicht bleibt bemerkenswert blass.

Bleibt als letzte Hoffnung eigentlich nur einer, Stichwort „abgerockt“. Und das ist natürlich Lobo, der coole und zynische, intergalaktische Kopfgeldjäger, der als Comicfigur in den neunziger Kultstatus erlangte und mit dafür sorgte, dass Beschimpfungen wie „Warmduscher“ oder „Schattenparker“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergingen. Groß angeteasert, mit Ex-Aquaman Jason Momoa körperlich passend besetzt und optisch auch tatsächlich eine 1:1 Umsetzung der Comicvorlage. Aber was macht man draus? Eine Figur die für die Handlung keine relevante Rolle spielt, das Geschehen überwiegend von der Seite kommentiert und dabei ab und zu mal fies grinst. Es kommt nicht mal zu einem ernsthaften Konflikt mit der Hauptfigur und der Charakter wirkt extrem verschenkt - ein Appetizer der nicht wirklich Appetit auf einen eigenen „Lobo-Film macht. Am besten gelingen daher noch die als Unterbrecher eingebauten Flashbacks in denen wir Einiges über Karas Vergangenheit erfahren und in denen sogar recht überzeugend vermittelt wird, warum sie sich so gibt wie sie es hier überwiegend tut und wie sie sich dann letztlich doch mit dem Vermächtnis ihrer Eltern auseinandersetzt und ihre Rolle als „Supergirl“ akzeptiert.

In diesen Szenen überzeugt auch Milly Alcock in ihrer Rolle, die dafür sowieso keine schlechte Besetzung ist. Ein Charakter mit Ecken und Kanten, der auch optisch nicht ganz dem früher üblichen, glatten Schönheitsideal für solche Figuren entspricht. Ihre rebellische Attitüde wirkt dabei zwar ab und zu etwas aufgesetzt, aber letztlich ist sie das ja auch, daher passt das schon. Es genügt aber nicht, um einen über weite Strecken dahinplätschernden Film zu retten, der absolut nichts Neues bietet und das Altbekannte auch nur uninspiriert aufbereitet. Und der viel zu wenig Humor beinhaltet um das Ganze zumindest damit kurzweiliger zu gestalten. Und das obwohl man doch einen Lobo dabei hat – ziemlich enttäuschend.
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