VHS, 56k, DivX und my exploding heart – The Whole Bloody Affair
In meiner persönlichen Bibel, dem Buch des Kinos, ist Kill Bill vielleicht nicht unbedingt Genesis, mindestens aber der Beginn des Neuen Testaments.
Wie viele andere Filmfans meiner Generation bin ich vor allem mit dem amerikanischen Mainstream-Kino der späten 90er- und frühen 2000er-Jahre aufgewachsen. Das Fundament meiner Filmbegeisterung wurde in jungen Jahren auf der originalen Star Wars-Trilogie errichtet, von Matrix 1999 um ein verstandessprengendes neues Stockwerk erweitert und mit der Herr der Ringe-Trilogie mit einer neuen Definition von Epik gekrönt, bei deren Geburt wir, im Gegensatz zu Star Wars, live dabei sein durften.
Vertieft wurde meine Passion zum Beispiel durch ein Lieblingsritual jeden zweiten Freitag beim Erscheinen der neuen „TV Spielfilm“ im elterlichen Wohnzimmer: Akribisch und voller Vorfreude bin ich das ganze Magazin durchgegangen, auf der Suche nach allem, was nach Klassiker, Kultfilm oder anderweitig interessant aussah. Auf Leer-VHS-Kassetten aus dem Supermarkt wuchs so schnell eine eigene kleine Filmsammlung heran, die von Brian De Palma bis Howard Hawks mit jeder Videorekorder-Programmierung immer mehr Bewusstsein dafür schuf, wie sehr ich noch an der Oberfläche kratzte.
Daneben gab es noch einen anderen Strang der Filmliebe, den ich mit den begeisterten Mitverschwörern meines Taekwondo-Vereins sogar teilen konnte. Seit mein Vater mich mit sieben Jahren via Enter the Dragon Bruce Lee vorgestellt hatte, war das asiatische Kino – und insbesondere Martial-Arts-Filme mit Jackie Chan, Jet Li oder meinem persönlichen Favoriten dieser Zeit, Mark Dacascos – ein stetiger Begleiter. Sowohl als sportliche Wettkampf-Motivation als auch als erste Ahnung, dass es noch ein anderes, so viel wilderes Kino gab als das, was man zwei-, dreimal im Monat im damals brandneuen Multiplex in Wuppertal bewundern konnte.
Dieser Nährboden war natürlich optimal beschaffen für den Tarantino-Samen der späten 90er. Ich habe Pulp Fiction und Reservoir Dogs um 2001 herum und natürlich viel zu jung gesehen. Und ob man’s glaubt oder nicht: Zweitgenannter war damals wirklich schwer zu bekommen und so independent, dass unsere örtlichen Videotheken nicht mal eine Kopie davon führten. Wie so ziemlich jeder damals war ich sofort begeistert von dem neuartigen Gefühl der Erzählweise, der Zitierfähigkeit der Dialoge, der Ikonografie, der Musik – yadayadayada. Meine Eltern haben die Filme damals nicht wirklich verstanden und vielleicht auch deswegen fühlten sie sich irgendwie gefährlich an. Tarantinos erste Filme, nicht die Eltern. Eine Form von Kult für Eingeweihte, die man sich erst erschließen musste, dann aber umso leidenschaftlicher zelebrieren konnte.
Um 2002 erfuhr ich dann in den mit 56K-Modems betriebenen, nur langsam befahrbaren Spielstraßen des damaligen Internets von seinem nächsten Projekt Kill Bill. Der Titel, das Konzept und etwas später das geleakte Drehbuch feuerten meine Fantasie an wie wenig zuvor. Der Typ mit dem Geheimrezept für absolute Coolness, dessen Gesicht als Poster tatsächlich in Plattenläden hing, macht einen Martial-Arts-Revenge-Actionfilm, der mit einem Katana einmal durch die komplette Filmgeschichte fräst?!!
You had my curiosity, but now you got my attention.
Erwartung und Vorfreude waren anders in dieser Zeit. Ist ja auch klar. Weniger Bildschirme, weniger Content, weniger Mega-Blockbuster … Natürlich strahlen wenige Sterne umso heller an einem klaren Nachthimmel als im pausenlosen Stroboskopflackern unserer reizüberfluteten Gegenwart. Star Wars Episode 1, die Matrix- und Herr der Ringe-Fortsetzungen waren unglaubliche Ereignisse, die mit einer Bedeutung und Tragweite durch die Popkultur und unser Heranwachsen donnerten, die heute kaum noch vorstellbar ist. All das sahen wir zu der Zeit immer in ausverkauften Mitternachts-Premieren, weil einfach niemand auch nur eine Sekunde länger darauf warten wollte, dem potenziell größten Ereignis des Jahres beizuwohnen.
Aber die Wartezeit auf Kill Bill hat mir die fiebrigste, freudig angespannteste Vorfreude überhaupt beschert. Auch wenn ich mich heute immer noch ziemlich auf bald Erscheinendes freue und für ein eine Woche früheres Erlebnis gerne bereit bin, lange Wege auf mich zu nehmen, war meine Antizipation bei Kill Bill auf einem Level, das ich danach nie wieder verspürt habe. Die damals populäre Seite Ain’t It Cool News veröffentlichte regelmäßige Set-Berichte, die ich wie Benzin in das in mir lodernde Hype-Feuer goss und außerdem aus dem Internet herunterlud (!) und zusammen mit jedem Foto, jedem Interview, jedem Schnipsel Information und dem Trailer in 240p-Auflösung (den ich circa zweitausend Mal gesehen habe) auf eine externe kleine Festplatte speicherte (56K hieß natürlich: jede Minute Lesezeit kostet bares Geld) – ein Denk- (und Mahn?)mal adoleszenter Obsession.
Ich hatte Kill Bill-Träume, in denen das Script durch meine Fantasie zum Leben erwachte. Ich habe Tage und Stunden gezählt bis zur ersten Vorstellung. Und natürlich kann kein Film der Welt eine solche extreme, gedankendefinierende Erwartungshaltung erfüllen.
Außer, dass er es tat.
Diese erste Vorstellung von Volume 1 ist bis heute tief in meine Erinnerung eingebrannt. Vom eröffnenden klingonischen Sprichwort (dessen Fehlen mein einziger Wermutstropfen an der Whole Bloody Affair ist) an erlebte ich Kill Bill als einzigen Rausch, bei dem ich buchstäblich vergaß, Luft zu holen – vor lauter Aufregung und purem Adrenalin. Es war wie angekündigt die ultimative, noch nie dagewesene „roaring Rampage of Revenge“, die tausende Exploitationposter in ihren wilden, spektakulären Motiven versprachen, aber nur hier zum ersten Mal wirklich wahr wurde.
Zwanzig Jahre habe ich auf die Whole Bloody Affair gewartet.
Ein Mythos schon zum Release von Volume 2, weiter angeheizt durch die Japan-Fassung von Vol. 1. Auch die war damals eine große Sache, und die DivX-Version, die mehrere Tage zum Download brauchte (Kazaa und Bearshare anyone?), war die einzige Möglichkeit, in den Genuss des unzensierten Crazy-88-Fights zu kommen. Besagte DivX-Version hatte keine Untertitel in den japanischen Passagen, die brauchte ich nach fünf Kinobesuchen aber auch nicht mehr, um mich zu erinnern, dass Hattori Hanzos Stimme am Ende des ersten Kapitels das Mantra der ultimativen Rache proklamiert:
Kill whoever stands in thy way, even if that be Lord God, or Buddha himself. This truth lies at the heart of the art of combat. Die Whole Bloody Affair restauriert übrigens wieder die schön knalligen gelben und grünen Untertitel, die den Heimkino-Fassungen abhandengekommen waren.
Und auch wenn natürlich bei jedem Rewatch zu Hause nach der DivX-CD-ROM die Vol. 2-DVD in den Player wanderte, war die ultimative Fassung als eine fortlaufende Geschichte – ohne den störenden Cliffhanger und trailerartigen Vorausblick am Ende von Vol. 1, ohne den Recap zu Beginn von Vol. 2 und vor allem ohne die für den westlichen Markt angepasste Selbstzensur der Gewalt zugunsten des Flows der Choreografien – ein unerfüllter Traum.
Der anderthalb Jahrzehnte später sogar die vorübergehende Idee einer Reise zu Tarantinos New Beverly Cinema irgendwann als valide Option erscheinen ließ. Dort lief nämlich regelmäßig die Langfassung, die ansonsten nur 2004 zum Release von Vol. 2 in Cannes zu sehen gewesen war. Zumindest nach London habe ich es zur neuen Version der Whole Bloody Affair letztes Jahr im November geschafft.
Und nun ist sie tatsächlich hier in Deutschland angekommen. Regulär im Programm und zu bewundern, zum Beispiel von mir direkt zum Kinostart am 16. April auf der riesigen Leinwand der ehrwürdigen Essener Lichtburg – mit fantastischem Ton und bildmäßig leider nur okayer 2K-DCP. Und nach all der Zeit, unzähligen Sichtungen, vage wieder auftauchenden Erinnerungen an David Carradines Kill Bill Diary, den inoffiziellen Kill Bill Guide durch alle Referenzen – alles verblasst wie die einst knallgelben Poster, die damals in meinem Kinderzimmer hingen – darf ich verkünden:
The magic still works.
The Whole Bloody Affair ist die Fassung, die ich mir immer gewünscht habe, aber vor allem generell immer noch die Krönung von pulpy Kino-Kino und mit großem Abstand mein liebster Tarantino-Film.
Diese lange Einleitung ist der Versuch einer Veranschaulichung, why Kill Bill mich in der exakt richtigen Zeit in meinem Leben erwischt hat und einer der zentralen Meilensteine meiner filmischen Sozialisation werden konnte. Mein Körper war bereit. Der Film war eine Mixtur aus so vielen verschiedenen Dingen, die mich zu der Zeit begeistert haben, von Argento bis Zatoichi. Ich wusste gerade genug, um zu wissen, wie cool es ist, Uma Thurman in Bruce Lees Jumpsuit aus Game of Death zu stecken und Godzilla mit einer offensichtlichen Plastik-Flugzeug-über-Plastik-Tokio-Hommage Ehrerbietung zu zollen.
Aber Kill Bill hat mit einem krachenden Crashzoom die Tür in eine größere Welt eingetreten.
Für mich war der Film ein Wegweiser in so viele bisher unbekannte Gebiete der Filmgeschichte; sein Sammelsurium aus unzähligen Zitaten eine Wundertüte ohne Boden, die weit über den Film hinauswies, aber vor allem auch seine eigene Wirkung verstärkte. Ich hatte vorher z.B. keine wirkliche Vorstellung, wer die Shaw Brothers waren oder dass es neben Leone noch mindestens zwei andere wichtige Sergios gibt. Von Lady Snowblood und Female Prisoner über Samurai Fiction zu The Streetfighter, Lone Wolf and Cub, Sonny Chiba, King Hu, Takashi Miike, Lucio Fulci – eine gigantische Liste („ich habe das Wort immer geliebt, gigantisch; leider kann man es so selten in einem Satz verwenden“). Kurz gesagt war es eine wilde Entdeckungsreise durch das Exploitation- und Genre-Kino dies- und jenseits der Death List Five und es hat neue Vorlieben entstehen lassen und Leidenschaften vertieft.
Allein dafür bin ich dem Film für immer dankbar.
Aber natürlich wäre das Interesse an Referenzen und Einflüssen bei mir gar nicht entstanden, wenn das Werk an sich mich nicht so tief beeindruckt hätte.
Schon allein das Intro ist von so einer messerscharfen konzeptionellen Klarheit und erzählt uns in zwei kraftvollen Einstellungen alles, was nötig ist, als Startpunkt dieser Tale of Bloody Revenge. Und der Jump Scare in den Directing Credit funktioniert immer noch vorzüglich, wie ich an meinem Vordermann im Kino letzte Woche erleben durfte. Ich habe die Betonung des vierten Films von QT übrigens immer als Klarstellung empfunden, dass True Romance, From Dusk Till Dawn etc. eben nicht als seine eigenen Werke zu verstehen sind. Die spielten im damaligen Diskurs um ihn nämlich immer auch eine sehr große Rolle und die Aussage, From Dusk Till Dawn sei ein Lieblings-Tarantino-Film, war weit verbreitet.
Dann folgen die Credits und mit ihnen direkt der erste Needle Drop, für den das Wort ikonisch noch zu gering ist. Nancy Sinatras Bang Bang war in unseren Breitengraden praktisch vergessen, heute ist er auf alle Zeiten unsterblich und für immer verwachsen mit der Geschichte der Braut.
Das ironisch „2“ betitelte vorstädtische Blaxploitation-Kapitel wirft der Braut SOFORT die erste von gleich vier (!) der most badass weiblichen Bösewicht-Figuren der ganzen Filmgeschichte vor die Fäuste und etabliert direkt Kill Bills filmische Grammatik aus Extreme Close-ups, Crashzooms, zitierenden Musik-Cues mit Vintage-Anmutung bei gleichzeitig maximal druckvoller Inszenierung, brillantem Schnitt und brachial-detailliertem Sounddesign.
Allein wie in zwei Einstellungen (Schulbus und Nickys Reveal nach Vernitas Tod) die Tiefe des Raums im Bild eingesetzt wird, ist eine Masterclass in Staging und Blocking. Ansonsten viel Ironie und Verspieltes in diesem Kapitel – vom fiktiven Eigennamen der Frühstückscerealien über Umas Luft-Finger-Square-Pulp Fiction-Zitat bis zur Enthüllung eines der besten Filmfahrzeuge aller Zeiten.
Dass QT den Pussy Wagon nachher auch privat gefahren ist, ist mir allerdings genau wie der Twisted Nerve-Klingelton in Death Proof ein Schritt zu tief hinein in die selbstreferenzielle Arroganz, mit der er heute immer mal wieder ein bisschen übers Ziel hinausschießt.
Nach der grafischen Härte der ersten Listen-Streichung von Vivica A. Fox und der Ankündigung aus dem Off (des noch anonymen) Sonny Chibas, dass bei konsequent verfolgtem Rachegedanken sogar Gott oder Buddha persönlich aus dem Weg geräumt werden müssen, erinnere ich mich noch gut an das verängstigte Raunen, das allein die Titeleinblendung von Kapitel 2 THE BLOOD SPLATTERED BRIDE im Kinosaal erzeugt hat. Michael Parks etabliert in seiner zweitbesten Performance in diesem Film dann neben seiner beachtlichen Sonnenbrillen-Sammlung vor allem Mythos und Namen von The Bride.
Bevor uns der dritte Zeitsprung unvermittelt in eine Giallo-artige Atmosphäre schmeißt und mit Bernard-Herrmann-Pfeifen, Daryl Hannahs bemaltem weißen Mantel, rotem Regenschirm und im De-Palma-Gedächtnis-Splitscreen präsentierten Dressed to Kill-Krankenschwester-Outfit (samt roter Kreuz-Augenklappe) endgültig den verspielten Tonfall dieser Exploitation-Zentrifuge offenbart. Nur um mit dem Aufwachen der Bride und ihrem markerschütternden Schrei um den Verlust ihres Kindes diesen mit aufrichtiger, heftiger Emotionalität direkt wieder zu brechen.
Was uns zu einem der Hauptgründe bringt, warum das Ganze überhaupt so hervorragend funktioniert: Uma Thurman.
Für mich eine der sträflichst übersehenen Performances der Academy-Geschichte. Sie ist das pumpende, blutende, laut schlagende Herz einer Versuchsanordnung, die ansonsten schnell zur nackten Pose verkommen könnte. Ihr intensives, beherztes Spiel von enormer Bandbreite ist der wichtigste Schlag der „Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik“, ohne den die anderen gar nicht wirken könnten. Ihre Rolle verlangt alles ab, was man einer Schauspielerin abverlangen kann, und Thurman meistert jede Szene und jeden Moment – von extremer Kaltblütigkeit, mütterlicher Wärme, totaler Verzweiflung bis zu ekstatischem Triumph – mit absoluter Bravour. Und obwohl bei all den Schmerzen, die diese Figur durchleiden muss, reichlich Tränen fließen, gibt es nicht eine einzige ausgestellte einzelne Träne Oscar-Moment -Szene, sie sind immer nur Nebenprodukt von wirklich gefühlten Emotionen.
Wie in der Wackel-mit-dem-großen-Zeh-Szene, in der sie komplett uneitel die post-komatöse Fertigkeit der Figur sowie Tarantinos Signature-Fußfetisch bedient.
Ich glaube, es kann aus heutiger Sicht nicht mehr wirklich nachvollzogen werden, wie gewagt der Wechsel in Anime-Animation für THE ORIGIN OF O-REN ISHII im Jahre 2003 gewirkt hat. Das in der tragischen Backstory aufgefahrene Gewalt- und Gore-Level in Zusammenhang mit einem sehr jungen Kind hätte man wohl selbst Tarantino mit realen Schauspielerinnen nicht durchgehen lassen. Wie selbstverständlich klassische Italo-Western-Musik von Luis Bacalov hier japanische Animationskunst untermalt, die auch noch im urjapanischen Milieu des Yakuza- und Auftragskiller-Subgenres spielt, ist so ein Schachzug, der jetzt naheliegend wirkt, damals aber bahnbrechend war.
Und hier findet sich mit der siebenminütigen Ausgestaltung von O-Rens Rache an Pretty Riki, einer der Handlanger im Mord an ihren Eltern, auch die größte (und einzige) Neuerung der Whole Bloody Affair, die nicht im Japan-Cut von Vol. 1 enthalten war. Die absolut gelungene Sequenz, die damals aus Zeit- und Kostengründen vom Animationsstudio Production I.G. nicht rechtzeitig umgesetzt werden konnte, erweitert die Genre-Palette um ein derbes Horror-Feeling, das ansonsten nur kurz im Grab von Paula Schulz angedeutet wird und natürlich zu den allerwichtigsten Exploitation-Genres gehört. Es beendet außerdem die jahrzehntelange Fan-Theorie, dass Pretty Riki aufgrund seines Rings Bill sein könnte, und rundet den ansonsten ins Leere laufenden, sorgfältigen Aufbau dieser Figur endlich befriedigend ab. Das Ganze fügt sich auch absolut nahtlos als schon immer so geplant ein, mit einer Überblendung von dem Feuer, in dem O-Rens Kindheit verbrennt, hin zu eben besagtem Ring.
THE MAN FROM OKINAWA ist eine kondensierte Lektion in World Building, in der Sonny Chiba in seiner schönsten Rolle den Yoda des Tarantinoverse gibt und die eigene Mythologie der Welt endgültig auf ein überhöhtes Level hebt, bei dem auch dem Letzten klar werden sollte, dass das hier Gezeigte absolut rein gar nichts mit unserer Realität zu tun hat. Denn etwas so Scharfes und Cooles wie Hattori-Hanzo-Samurai-Schwerter existiert in Wirklichkeit leider nicht. Die sakrale Andächtigkeit, mit der die Bride das Schwert in die Hände nimmt, sowie das beseelte Flirren, das immer in der Luft liegt, sobald der edle Stahl aus der Scheide gezogen wird, machen Hanzo Steel Katanas zur einzigen Filmwaffe, die in puncto Coolness den Lichtschwertern aus Star Wars Konkurrenz machen kann. Die Episode enthält außerdem viel Slapstick-Comedy-Duo-Vibes, eine Überdosis überraschender Niedlichkeit seitens Uma Thurman und ein gerahmtes Bild von Bill, das mich seit zwanzig Jahren aus irgendeinem Grund an Hitler erinnert.
Es geht von Okinawa nach Tokio in ein auf Anschlag gedrehtes Yakuza-Meeting, bei dem der extrem charismatische Miike- und Kitano-Regular Jun Kunimura großartig gebellte Flüche sowie seinen Kopf loswerden darf. Wie ausnahmslos alle beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler (und hinter dieser Aussage stehe ich) liefert auch Lucy Liu als O-Ren Ishii in Kill Bill ihre Karrierebestleistung ab und gibt den unterkühltesten, aber auch respektvollsten Gegner der Death List Five. Und weil wir gerade dabei sind, wirft Tarantino uns in ihrer Gang mit Sofie Fatale und Go-Go Yubari einfach noch zwei weitere legendär ikonische Frauenfiguren vor die Füße (und filmt später natürlich auch ihre Füße). Ich teile zwar nicht QTs eigene Aussage, dass Go-Go der beste Charakter ist, den er je geschaffen hat, aber selten konnte ein Zwischengegner in so kurzer Zeit einen solchen Eindruck hinterlassen.
Nachdem der letzte Tropfen aus Boss Tanakas Halsschlagader geflossen ist, beginnt ein circa 30-minütiger ununterbrochener filmischer Orgasmus, der für mich bis heute ungeschlagen ist und der sich SHOWDOWN AT HOUSE OF BLUE LEAVES nennt. Die Drehzeit dieser Passage verschlang acht Wochen – so viel wie die kompletten Dreharbeiten von Pulp Fiction – und jede Sekunde davon hat mich 2003 wie heute mit einem Glücksgefühl wie filmisches Crack erfüllt. Zur Titelmelodie der Bruce-Lee-Serie The Green Hornet gibt es erstmal Motorrad- und Model-City-Porn deluxe und den Startschuss für gleich mehrere der besten Needle Drops aller Zeiten, bei denen Bild und Musik so untrennbar zu etwas Neuem verschmelzen, wie es ausschließlich der Kunstform Film vorbehalten ist.
Wenn O-Ren und ihre Crazy 88 Leibgarde in Zeitlupe zu Battle Without Honor or Humanity das House of Blue Leaves betreten, ist das jugendsprachlich ultimative main character energy und so cool, dass es ein Wunder ist, dass im Kino der Projektor nicht einfriert. Das Stück wechselt sich unmittelbar mit japanischem Surf-Rock ab, und die 5,6,7,8s verleihen einer eleganten Plansequenz ihren Groove, bei der wir die Geografie des Clubs und die Gefährlichkeit von Go-Go kennenlernen dürfen.
Es folgen vier (!) aufeinanderfolgende Action Set Pieces, die allesamt komplett unterschiedlich sowie absolut atemberaubend sind. Thurman in Bruce Lees Game of Death Jumpsuit und dem Schriftzug Fuck unter ihren Onitsuka Tiger-Sneakern zerlegt erstmal eine kleine Gruppe von O-Rens Leibgarde in einem Chambara-Kurosawa-Samurai-Stil, bei dem langgezogene Momente von Stille in kurze Schwerthiebe und lange Blutfontänen explodieren. Danach folgt Go-Gos großer Auftritt und ein unvergesslicher Kampf, dessen sehr besondere Waffe Erinnerungen an The Flying Guillotine wach werden lässt. Wie die Kette immer lauter und schneller durch die Surround-Lautsprecher des Kinos fetzt, um dann krachend Holz zu zersplittern, klingt auch heute dank des herausragenden Sounddesigns noch maximal spektakulär. Und auch wenn der Versuch, etwas so inhärent Filmisches wie diese Sequenz in Worten zu beschreiben, zwangsläufig scheitern muss:
Eine der großen Besonderheiten an den Action-Szenen von Kill Bill ist für mich die Art der Auflösung in Kombination mit dem meisterhaften Schnitt der leider viel zu früh verstorbenen Sally Menke. Während heutige Action-Sequenzen häufig den John Wick-Weg gehen und versuchen, in möglichst langen, ununterbrochenen Einstellungen die Physis der Performer und die Choreografie am Stück zu zeigen, zollen die Kill Bill-Fights der Tatsache Tribut, dass Uma Thurman, Darryl Hannah und Co. keine gelernten Martial-Artists sind, und sind sehr stark in viele kleine Einzelteile fragmentiert. Allerdings nicht auf effektheischende und Schwächen kompensierende Art wie z. B. eine beliebige Liam-Neeson-Auseinandersetzung, sondern so, dass jeder einzelne move in der klarst-möglichen Einstellung eingefangen ist und mit maximalem Impact rhythmisch zur nächsten Einstellung führt. Die Braut fliegt z.B. von rechts nach links mit großer Übersicht einmal durchs komplette Bild, bevor der nächste Shot ihren Aufprall von oben zeigt; eine lange Ausholbewegung des Nagelbretts mit befestigter Sam-Raimi-Kamera führt zu einer Nahaufnahme der Bride-Reaktion beim Kontakt, bevor im nächsten Bild Go-Gos City of the Living Dead Blutaugen offenbart werden. Jede einzelne Einstellung ist dabei ausnahmslos mit maximalem Fokus auf Präzision, Schönheit und Klarheit von Kameramann Robert Richardson sorgfältig komponiert.
Mit einem vielsagenden Blick auf ihr Kurzschwert (der sich erst durch den neuen Pretty Riki Part des Anime-Kapitels erklärt) ruft O-Ren die Crazy 88 herbei und der aufwendigste Teil des Films kann beginnen, in einem traditionellen Eine-Person-vs.-eine-riesige-Übermacht-Duell irgendwo zwischen Fist of Fury und Sword of Doom. Die Gore-Effekte der KNB Group sind dabei allesamt unfassbar over the top, wunderbar handgemacht und strahlen nun endlich allesamt in Farbe und einem wunderbaren Rot-Ton, der weit weg ist von „realistischem“ Filmblut. Gerade hier ist der Fluss der Szene sooo viel besser als die selbstzensierte Vol. 1-Fassung, und es sei noch einmal hervorgehoben, was für eine fantastische Figur Uma Thurman und ihr Stunt-Double Zoë Bell hier machen, auch und gerade in Kombination mit dem Bezwinger der 36 Kammern der Shaolin höchstpersönlich, Gordon Liu, ebenfalls in seiner zweitbesten Performance in diesem Film.
In jedem anderen Film wäre die Szene erstens maximal halb so lang und zweitens jetzt definitiv endgültig vorbei, doch nachdem die Braut klargestellt hat, dass die unzähligen abgetrennten Gliedmaßen nun ihr gehören, leitet eine aufgeschobene Trennwand über in einen wunderschönen japanischen Garten, in dem noch eine weitere (!) der besten Kampfszenen der Filmgeschichte eingeleitet wird. Mit den spanischen Klängen von Santa Esmeralda und der italienischen Ruhe und Kraft eines Sergio Leone entsteht wieder eine gänzlich andere Art Choreografie, in der O-Ren in Aussicht stellt: You may not be able to fight like a Samurai, but you can at least die like a Samurai. Die Sequenz ist neben vielen anderen Elementen und der kompletten Struktur am stärksten aus dem Film entliehen, dem Kill Bill wohl am meisten zu verdanken hat: Lady Snowblood. Selbst ein absolutes Meisterwerk mit Meiko Kaji, von der in Kill Bill nicht nur der Titelsong von Lady Snowblood, sondern auch noch der ihrer Sasori-Jailhouse-Female Prisoner-Reihe rekontextualisiert wird. Und nachdem O-Rens verbleibender gespaltener Schädel feststellen muss: It was truly a Hanzo Sword, war und bin ich einfach absolut geplättet und beinahe so bewegungsunfähig wie Sofie Fatale, deren Zweitarm-Amputation wir in der Whole Bloody Affair nicht nur hören, sondern diesmal auch zu sehen kriegen.
Und dankenswerterweise geht es dann ohne Cliffhanger in die:
INTERMISSION
Und zu meinen Top 3 Lieblings-Close-Ups in Kill Bill (und Movie History):
3. Uma mit Clarences goldener Sonnenbrille aus True Romance auf der Nase: „Pussy Wagon. Fucker!“ Das Licht, die Farben, die Plastizität… ein Pop-Art-Meisterwerk, diese Einstellung.
2. Der Leone-Close-Up von O-Ren Ishii, in dem ihre bildfüllenden Augen so schwarz aussehen wie die des Teufels persönlich: „Attack me... with everything you have“.
1. Wie die Kamera kontinuierlich verdichtet, bis nur noch Elle Drivers einzelnes Auge die gesamte Leinwand besetzt und sie dabei voller Genuss die Zeilen „To me, the word of an old fool like you is worth less than NOTHING“ auskostet.
Der Beginn der zweiten Hälfte MASSACRE AT TWO PINES setzt nun sofort einen tonalen Wechsel und nimmt erstmal ordentlich Tempo raus. Nachdem Bill in der ersten Hälfte inszeniert wurde wie ein Bond-Bösewicht, der statt einer Katze sein Hanzo-Schwert streichelt, darf David Carradine nun endlich vor die Kamera treten und im Herbst seines Lebens eine Performance so voller Gravitas und Herzblut abgeben, dass seine Wiedererweckung denen von Pam Grier in Jackie Brown und John Travolta in Pulp Fiction in absolut nichts nachsteht.
Das Schwarz-Weiß-Kapitel etabliert nun eine emotionale und menschliche Komponente, die auch in einer deutlich dialoglastigeren Umsetzung verhandelt wird, die bisher in der hyperstilisierten Achterbahnfahrt nur vereinzelt anklang. Neben einem netten Sam-Jackson-Cameo gibt es hier auch meinen persönlichen Lieblings-Comedy-Moment in der Art und Weise, in der Carradine die Selbstbeschreibung von „Arlene Plimptons“ Bräutigam „I guess I just believe in living dangerously“ mit „I know just what you mean“ beantwortet. Konsequent bleibt die Gewalt in diesem Kapitel im Off, obwohl FUN FACT in den ursprünglichen Kill Bill Trailern einige Shots der in der Kapelle rumballernden D.I.V.A.S. (die Abkürzung der Deadly Viper Assasination Squad) enthalten waren.
THE LONELY GRAVE OF PAULA SCHULTZ ist vor allem die Geschichte von Michael Madsens Budd, einer wahnsinnig spannenden Figur zwischen tragischem Alkoholiker mit gebrochenem Herzen und gemeiner Arschgeige. Auch Madsen war nie besser, allein die Körpersprache und die Achtlosigkeit, mit der er Requisiten durch die Gegend oder seinen heruntergekommenen Trailer wirft, ist auf merkwürdige Weise rührend. Das dürfte die Bride anders sehen, die bei einem „Texas Funeral“ lebendig begraben wird, begleitet von einer erneut wahnsinnig intensiven Tonmischung, die gerade im Kino markerschütternd die Klaustrophobie der Situation einhämmert. Schon damals war ich von der bedrückenden Situation so beeindruckt, dass unterbewusst bestimmt der Grundstein für mein eigenes Regiedebüt TRUNK gelegt wurde, das ebenfalls der (nur scheinbar) ausweglosen Klaustrophobie verpflichtet ist.
Doch die Rettung liegt in der Vergangenheit, genauer gesagt in THE CRUEL TUTELAGE OF PAI MEI, dem Shaw-Brothers-Kapitel, das seine sehr eigene Farbgestaltung allerdings weniger aus den echten und extrem bunten Shaw-Brothers-Filmen entleiht, sondern die Anmutung der verwaschenen VHS-Kopien imitiert, auf denen QT die Filme als Jugendlicher gesehen hat. Ein schönes Beispiel für die persönliche Färbung, die auch ein so deutliches Zitat-Kino enthalten kann. Die Hardcore-Trainingseinheit, die die Bride unter Dauer-Bart-Streichler und praktisch unbesiegbarem Übermensch Pai Mei durchleben muss, ist in ihren Eastern-Klischees so überhöht und darum so witzig, dass die Episode gefühlt nach wenigen Minuten schon wieder vorbei ist. Gott sei Dank hat Tarantino von seiner ursprünglichen Idee, den Meister des White Lotus selbst zu spielen, abgesehen und stattdessen Gordon Liu in seiner zweiten Kill Bill-Rolle eine so perfekte Interpretation dieser im Shaw-Brothers-Kosmos bereits existierenden Figur abliefern lassen, dass nicht wenige beim Wort Kung-Fu-Meister sein Bild im Kopf haben dürften.
Besonnen auf ihren Special Move eines Schlages aus extrem kurzer Distanz, der glücklicherweise im Zentrum von Pai Meis Ausbildung stand, befreit sich die Braut dann auch zu aufbauenden Ennio-Morricone-Klängen schnell aus ihrem Todesgrab und tritt nach einer kleinen Erfrischung (tolles Detail: die kurze Glas-Wasser-Szene) ihren langen Marsch durch die Wüste zu Budds Trailer an.
Dort wartet ELLE AND I und damit Darryl Hannah, die der Redewendung chewing the scenery alle Ehre macht und als der böseste aller Antagonisten in Kill Bill mit ihrem eigenen hinterhältigen Mord an Budd der Braut zuvorkommt. Glücklicherweise benutzt sie mit einer echten Black Mamba stilvollerweise eine Schwester im Geiste und hat neben ihrem Notizblock voller Infos aus dem Internet auch ein super ikonisches Kostüm. Sie bekommt dann auch den Moment, in dem der wahre Name der Bride als Beatrix Kiddo offenbart wird. Die kurze, die Richtigkeit dieser Tatsache beweisende Szene einer erwachsenen Uma Thurman in einer Grundschule ist dann allerdings meine unliebster Kill Bill-Moment.
Doch sofort fliegen zwei Füße die Trailer-Türe hinein und dropkicken uns in eine meiner liebsten und die größte Actionszene der zweiten Hälfte. Der Erfindungsreichtum der Choreografie speist sich hier vor allem aus der Enge des Schauplatzes und fokussiert explizit den körperlichen Schmerz, den die beiden großen, blonden Grazien einander zufügen. Auch die schärfste Klinge der Welt kann nicht zum Einsatz kommen, wenn die Klinge beim Herausziehen gegen die Decke stößt, weswegen hier Gitarren, Antennen, Konserven und Toiletten zweckentfremdet werden, um sich richtig, richtig doll weh zu tun.
Dabei wird wie in den meisten wirklich guten Actionszenen die Geschichte und Charaktere immer weitererzählt, und so überrascht neben dem sehr unerwarteten Einsatz eines Split Screens vor allem auch die irgendwie bewegende Enthüllung, dass Budd das Hanzo-Schwert seines Bruders doch nicht verpfändet hat und es dementsprechend für die finalen Momente dieses Cat-Fights des Jahrhunderts zur Verfügung steht. Doch auch das gar nicht mal so endgültige Ende von Elle überrascht auf Augen-öffnende Art und Weise dann noch mal.
Anders als das jahrelang durch Tarantino befeuerte Gerücht hätte mich auch in einem potenziellen Kill Bill Vol. 3 eher eine Rückkehr von Elle Driver als blinder Samurai, als der Rachefeldzug von Vernitas Tochter Nicci interessiert. Doch nach unzähligen einst in Aussicht gestellten und immer noch unverfilmten Projekten wird auch ein weiterer Kill Bill-Teil zum heutigen Stand niemals erscheinen. Wenn der Mann überhaupt noch einen weiteren und höchstwahrscheinlich letzten Film in sich hat.
Das finale Kapitel FACE TO FACE beginnt mit der merkwürdigsten Veränderung gegenüber der Kinoversion, und zwar ein paar längeren Totalen und Mood Shots von Estebans Acuña Sex-Arbeiterinnen-Refugium. Kein wirklicher Mehrwert und wirkt eher wie ein reines Marketing-Instrument, das nämlich auch in der Einzelauswertung genau wie der Japan-Cut des ersten Teils damals gesondert veröffentlicht wurde. Trotzdem ist die Szene mit dem in die Jahre gekommenen Zuhälter im Ruhestand durch Michael Parks – der die zusätzliche Rolle nur bekommen hat, weil die ursprüngliche Besetzung nicht zur Drehbuch Lesung aufgetaucht ist – wieder ein schauspielerischer Hochgenuss und stimmt ein auf die finale Begegnung von Rächerin und ihrem endgültigen Ziel.
Doch spätestens in Bills spanischer Villa kommt dann alles ganz anders als gedacht. Denn dass Beatrix' Tochter B.B. noch am Leben ist, hat jetzt nochmal eine wuchtigere Wirkung als in den Einzel-Filmen und gibt der Familienzusammenführung dann eine gänzlich andere Färbung als die blutrote, die am Ende einer viereinhalbstündigen Rache-Saga zu erwarten war.
Hier muss dann definitiv auch nochmal die emotionale Feinfühligkeit herausgestellt werden, mit der Tarantino ja selten in Verbindung gebracht wird, die sich aber in wenigen Elementen seiner Filmografie so stark zeigt wie in den wirklich sensiblen Szenen, die Beatrix' Schwangerschaft, ihre Muttergefühle und das sehr komplexe Verhältnis zu Bill zum Thema haben. Es ist dann auch schlicht ziemlich einzigartig, dass statt der herbeigesehnten finalen Abrechnung nun in langen Dia- und Monologen Gefühle, Erwartungen und Enttäuschungen verhandelt und relativiert werden. Außerdem darf Carradine die Besonderheit von Superman in der Popkultur, das Konzept des Todes für Kinder anhand von Goldfischen oder die Frage, wie man beim Sandwich-Schmieren maximal viel Essen verschwenden kann, erklären. Selbst bei der ultimativen Rachephantasie sind die Dinge eben nie so schwarz-weiß, wie man vermutet, und komplexer, nuancierter und auch einfach viel emotionaler als erwartet. "There are consequences to breaking the heart of a murdering bastard."
Der finale Kampf ist dann eine sehr kurze, höchst originelle Attacke im Sitzen auf zwei Stühlen bei einem Glas Tequila statt Bills angekündigtem Samurai-Schwert-Kampfes im Sonnenaufgang am Strand. Am Ende der Geschichte zu überraschen und die Erwartungen zu unterlaufen, ist dann eben doch etwas, auf das Tarantino selbst bei einem vermeintlich so geradlinigen Genre wie dem des Rachefilms nicht verzichten möchte. Und so ist dann auch der Kill von Bill gänzlich anders als zu erwarten war und eher ein wehmütiger Abschied zweier Liebender, die dann vielleicht doch besser ohne als miteinander können, als der große, blutige Showdown.
Wie David Carradine die letzten fünf Schritte macht, rührt heute mehr denn je, da er (und seit letztem Jahr auch Michael Madsen) leider nicht mehr unter uns weilt. Es ist ein Abschied für die Ewigkeit, besiegelt durch die Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik – jenen Schlag, der nicht nur Bills Herz explodieren ließ, sondern auch meins.
Seit über zwanzig Jahren trage ich diese Begeisterung nun mit mir herum. Dass ich sie nun endlich aufgeschrieben habe, liegt vor allem daran, dass sie kein bisschen verflogen ist. Auch wenn das Vorhaben, sie vermitteln zu wollen, genau darum auch so einschüchternd war. Denn Filme sind keine objektiv erfassbaren Objekte, sondern like a forest, and like a forest it’s easy to lose your way, to get lost, to forget where you came in. Doch in diesem Wald habe ich mich gerne verloren. Zum xten Mal. Und sicherlich nicht zum Letzten.
Denn am Ende ist die Löwin immer wieder vereint mit ihrem Jungen und everything is right in the jungle again.
And because it’s so much fun, Jan, get it.
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