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Joker

Joker
drama , usa 2019
original
joker
regie
todd phillips
drehbuch
todd phillips, scott silver
cast
joaquin phoenix,
robert de niro,
zazie beetz,
brett cullen,
francis conroy, u.a.
spielzeit
122 Minuten
kinostart
10. Oktober 2019
homepage
https://www.warnerbros.de/kino/joker.html
bewertung

5 von 10 Augen

joker 1Der „Joker“ ist mit Sicherheit die faszinierendste Schurkenfigur im Superhelden-Universum von DC Comics, wenn nicht gar im Medium Comic generell. Bei mehreren Darstellern, die den Clownprinzen des Verbrechens schon verkörpert haben, überschlug sich die Kritik und sprach von der ultimativen, perfekten Besetzung. So war es einst bei Jack Nicholson, bevor Heath Ledger diese Einschätzung mit seiner Interpretation in „The Dark Knight“ dann doch ein wenig relativierte. Aber auch nach dieser Vorgabe waren viele dann doch wieder elektrisiert als bekannt wurde, dass Joaquin Phoenix sich nun der Figur annehmen wird. Ein Schauspieler , der bekannt dafür ist sich gerne mit Haut und Haaren in seine Rollen zu stürzen und noch nie vor extremen Charakteren zurückgeschreckt ist. Doch auch wenn Phoenix erwartungsgemäß überzeugt, kann der Film das als Ganzes nur bedingt.
 

joker 2Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) ist ein im Grunde gutmütiger Typ, dem aber in seinem Leben nur wenig gelingen will. Seinen eher armseligen Job als Werbefigur für eine Agentur, die Clowns vermittelt, übt er zwar mit Engagement aus, wird aber öfter gemobbt und eines Tages sogar von einer Straßengang verprügelt. Seine kranke Mutter erfordert viel Aufmerksamkeit, er bekommt regelmäßig Psychopharmaka verschrieben, bis auch seine Betreuerin schließlich einer Rationalisierung zum Opfer fällt. Als er aus der Situation heraus schließlich zur Waffe greift und drei übergriffige, angetrunkene Anzugträger erschießt, löst das in Arthur jedoch ein unerwartetes Gefühl der Befreiung aus. Nie zuvor fühlte er sich so selbstbewusst und seine Tat löst zudem auch noch eine Bürgerbewegung aus, die sich gegen die Dominanz der reichen Kaste richtet und zu deren Feindbildern der Industrielle Thomas Wayne gehört. Arthur jedoch erregt mit einigen bizarren Auftritten als mäßig witziger Comedian die Aufmerksamkeit seines großen Idols, des Late Night-Gastgebers Murray Franklin (Robert De Niro).
 

joker 3Acht Minuten Standing Ovations bei den Filmfestspielen in Venedig? Man könnte zu dem etwas überraschenden Schluss kommen, dass das dortige Publikum filmhistorisch nicht allzu bewandert ist, denn es ist ja nun wirklich nicht so, dass der frühere „Hangover“-Regisseur Todd Phillips bei seinem Wechsel ins seriösere Fach etwas bahnbrechend Neues präsentieren würde. Sein nicht exakt datierter, aber klar erkennbar in den späten 70er oder frühen 80er Jahren verorteter Film wirkt wie ein Pastiche einiger Klassiker aus dieser Zeit. Denn noch nie war „Gotham“ klarer als New York zu identifizieren, und man stutzt sogar erst mal, wenn irgendwann der Name der Phantasie-Stadt genannt wird. Zu stark sieht das alles nach dem Moloch aus, den wir aus Filmen wie „Taxi Driver“ oder „Ein Mann sieht rot“ kennen.

Womit auch gleich die beiden Filme genannt wären, auf die „Joker“ am stärksten reflektiert. Wie einst Travis Bickle bekommt auch Arthur Fleck hier einen Nackenschlag nach dem anderen verpasst, wird entweder ignoriert oder verlacht und stellt sich auch im Umgang mit dem anderen Geschlecht sehr ungeschickt an. Bis auch er schließlich seinen eigenen, gewalttätigen Weg aus der Bedeutungslosigkeit findet und damit zu einem Medienphänomen mutiert. Und wenn Fleck eher unvermittelt in einem U-Bahn-Wagen in die Auseinandersetzung mit einer Gruppe unangenehmer Typen gerät und dabei die Waffe zieht, dann ist das fast schon eine 1:1-Umsetzung der entsprechenden Charles Bronson-Sequenz, mit dem Unterschied, dass der dabei natürlich nie gelacht hat.

joker 4Story und Kamera kreisen dominant um die Entwicklung des Arthur Fleck vom verhuschten, problembeladenen, aber keinesfalls einzigartigen Loser-Typen zu einem, der schließlich heraussticht und Dinge in die Tat umsetzt, die bei anderen nur Phantasie bleiben. Das wird alles höchst schlüssig und nachvollziehbar erzählt, doch genau das ist eben bei dieser Figur kein Kompliment. Denn was den Joker schon immer (und vor allem bei der Verkörperung durch Heath Ledger) so eindrucksvoll und beklemmend wirken ließ, war eben gerade seine Verweigerung der üblichen, stereotypischen Motive. Er war derjenige, der ohne nachvollziehbaren Grund Schrecken verbreitet, der wahllos zuschlägt und tötet und der durch seine Unberechenbarkeit eine Art von Terror erzeugte, gegen die man mit bekannten Erklärungsansätzen und Methoden machtlos war. Und letztlich derart hilflos, dass nur eine mindestens genauso absurde, schizophrene Figur wie Batman sich zu einem ernsthaften Gegenspieler aufschwingen konnte, der eine die jeweilige Nemesis des Anderen. Dieser Widerpart fehlt hier nun komplett, es wird lediglich eine recht konstruierte Beziehung zur Familie Wayne aufgebaut, die zumindest einen vagen Bezug zum Batman-Universum herstellt.

joker 5Dieser Joker aber erhält von Beginn an unser Verständnis und unsere Sympathie, ist der Außenseiter, der Freak, dem übel mitgespielt wird und aus dem es halt irgendwann herausbricht. Mysteriös oder erschreckend ist eigentlich überhaupt nichts an dieser Figur, und das muss als Enttäuschung empfunden werden, denn es nimmt ihr fast komplett ihren Reiz. Joaquin Phoenix ist dabei nichts vorzuwerfen, er agiert absolut glaubwürdig und nicht so bemüht überzogen wie etwa ein Jared Leto in „Suicide Squad“ (und im Grunde damals auch Jack Nicholson). Robert De Niro sehen wir immerhin mal wieder in einer etwas seriöseren Rolle, aber wirklich anspruchsvoll ist die des etwas schmierigen Talk Show-Hosts auch nicht und es wirkt eher wie ein PR-Stunt, den Darsteller des „Taxi Driver“ und auch des „King of Comedy“ hier auf der seinen damaligen Rollen genau entgegengesetzten Seite zu besetzen.

Der Ansatz, sich vom bisher sowieso nicht allzu gut funktionierenden, verbundenen DC-Filmuniversum zu lösen und eigenständige Geschichten zu erzählen, die in der Tonalität völlig anders ausfallen, ist sicher nicht verkehrt und bietet mehr Möglichkeiten als das ständige Bemühen, die Marvel-Filme zu kopieren. Und der zweifellos aus der Art der Comicverfilmungen schlagende „Joker“ wird dabei wie es ausschaut auch als großer Kritiker- und Publikumserfolg verbucht werden. Wer etwas genauer hinschaut könnte jedoch zu dem Ergebnis kommen, dass dieser Film weder besonders aufregend noch originell ausgefallen ist. Denn der Kaiser trägt gar keine neuen Kleider, sondern kommt ziemlich nackt daher.

Volker Robrahn

Dieser Film wird

8

Dieser Film wird polarisieren, da bin ich mir sicher. Es kommt hier wohl stark auf die eigene Erwartungshaltung an.

Die Trailer zum Film haben mich anfangs relativ kalt gelassen und ich konnte mich eigentlich schon mit der Idee zu diesem Film nicht richtig anfreunden. Aber ich war gespannt auf die Interpretation des Jokers durch Joaquin Phoenix. Und was soll ich sagen? Nun, zuerst sollte man sich darüber im klaren sein, das es für den Joker in den Comics eigentlich keine klare Herkunft gibt. Es gab zwar ein paar Geschichten dazu, aber diese waren nicht bindend und deckungsgleich. Des weiteren sollte man sich verdeutlichen, das es sich hier definitiv nicht um einen Actionfilm dreht. Die in sehr überschaubarer Zahl eingesetzten Szenen sind dann allerdings wuchtig, teilweise extrem brutal und fühlen sich relevant an.
Der Film ist sehr ruhig und konzentriert sich auf die Charakterentwicklung der Hauptfigur. Die Wandlung des Arthur Fleck zum Joker ist absolut nachvollziehbar.
Joaquin Phoenix spielt wieder einmal alle anderen Akteure des Films an die Wand. Er versucht glücklicherweise auch nicht, die Version von Heath Ledger zu kopieren (obwohl es in der Schlußphase des Films eine Szene gibt, die eindeutig eine Referenz an "Dark Knight" darstellt).
Dieser Film verhält sich zu den bisherigen Batman-Filmen so, wie "Logan" zu den X-Men-Filmen, dessen sollte man sich bewußt sein. Für mich gute 8 von 10 Augen!

Dem Autor der Kritik empfehle

9

Dem Autor der Kritik empfehle ich ein Umschulung.

Ich kann Herrn Robrahn leider

4

Ich kann Herrn Robrahn leider nur zustimmen.

Um Donald Trump zu ziteren: Most overrated actor

Ich gebe es zu, ich mag Joaquin Phoenix auch sonst nicht, aber hier kommt es noch
dazu, dass es eine Kultfigur dermassen zerlegen muss, dass fast nichts mehr von dem
alten Joker übrig bleibt. Ich rede nicht von den vorherigen Schauspielern, wobei man
ja auch zu Jack Nickolsons Ehrenrettung sagen muss, dass es zu der Zeit ja auch verlangt
wurde, die Figur so anzulegen.
Ich meine nur, dass man zu weit von dem Comicgedanken abgeht und ich eher das Gefühl hatte
ein Remake von Taxi-Driver anzusehen.
Und wie ein anderer Kritiker an anderer Stelle geschrieben hat: "Würde der Film, Arthur Fleck,
Geschichte eines Komikers heissen, würde kein Hahn danach krähen"
So sehe ich das auch.

Hm, die Kritik kommt ein

Hm, die Kritik kommt ein WENIG bekannt vor. Hat sich Herr Robrahn etwas von RLM inspirieren lassen. Ist mir neulich schon Mal aufgefallen, ...

Da ich erst einmal

Da ich erst einmal nachschauen musste was RLM überhaupt ist lautet die Antwort: Definitiv nein.
Aber ich habe jetzt beim Rumschauen festgestellt, dass ich mit meinen Eindrücken doch nicht so allein stehe. wie ich dachte. Stichwort"Taxi Driver".

Ich kann die Kritik gut

8

Ich kann die Kritik gut nachvollziehen in fast allen ihren Aspekten, komme allerdings trotzdem zu einem deutlich besserem Gesamturteil.
Ist der Film in Teilen sehr stark von "Taxi Driver" inspiriert? Ja
Hat man in einigen Situationen Mitleid mit der Hauptfigur? Ja
Ist der Joker deshalb bedingungslos Sympathieträger und einfach nur Opfer? Sicherlich Nein
Aber am Ende ist es eben ein extrem fesselnder und gut erzählter Film, der dabei rauskommt und das ist was am Ende zählt.

Dieser Film ist tatsächlich

8

Dieser Film ist tatsächlich nicht einfach zu bewerten, denn es ist schwer, ihn losgelöst zu betrachten. Ich kann die Kritikpunkte der Rezension verstehen, stimme ihnen aber nicht zu. Denn unter dem Strich steht hier eine wirklich eigene Version des Jokers, von Phoenix wunderbar verkörpert. Auch ich bin ein absoluter Fan der Version von Heath Ledger, und ich finde, hier gibt es eine Verbindung - denn in den letzten 20-30 Minuten baut sich etwas auf, was durchaus eine Brücke zu Ledgers Joker sein kann (abgesehen vom Alter); ab hier ändert sich alles, die Weltsicht, das Eintauchen in die Anarchie.

Sehenswert.

Der Film ist leider nicht gut

4

Der Film ist leider nicht gut und ich muss mich Pennwhizze anschließen, würde der Film nicht Joker heißen, wäre es jedem egal. Die Hauptfigur ist erst der Looser und steht dann für nichts, das eine passt damit nicht zum anderen und zerstört die Magie des Jokers. Desweiteren ist eine psychische Krankheit kein Symptom eines Wirtschafts oder Gesellschaftssystem, sondern eine natürliche Variante der Natur.

Kein System der Welt würde es verhindern, dass sich Menschen darüber lustig machen oder diesen wie einen nicht Außenseiter behandeln. Tiere töten Invalide oder lassen sie einfach zurück, Menschen kümmern sich um diese. Ein wirklich perverses System wie zu Zeiten der Nazis kann ich nicht erkennen, wenn man den Film als Parabel auf die heutigen Verhältnisse sieht. Psychisch Kranke können auch berühmt oder einflussreich sein und trotzdem Außenseiter, es besteht zwar eine Korrelation zur Armut, ist aber nicht der Grund. Denn es besteht eine eindeutige Wechselwirkung, also armut macht physisch krank und vice versa, bei Arthur ist de Grund aber seine physische Krankheit, verursacht durch seine psychisch kranke Mutter/Adoptivmutter.

Und genau das sieht man dann auch im Film, er lässt nach der Entdeckung das es einfach eine persönlich Tragödie ist, warum er die neurologischen Schäden hat an seinem Umfeld aus, zunächst die Mutter, dann der Arbeitskollege.
Und parallel entwickelt sich eine Bewegung die diese Tragödie als politisches Signal interpretiert und zu einer Systemfrage aufbläht. Nun könnte man sagen, es ist das geniale da genau solche perfiden Zufälle zu so etwas führen, leider wird dieses Bonnie und Clyde narrative nicht überzeugend dargestellt. Zudem lösten die beiden zwar Sympathie aus, aber keine Bewegung, die für nichts steht.

Dieser Nihilismus erdrückt den Film und macht aus einer Charakterstudie mit Potential etwas das er eigtl. nicht sein sollte, eine sinnloser Gewaltfilm zum Ende hin. Der zudem auf Teufel komm raus im Batman Universum spielen muss und dort sämtliche Figuren entmyzifiziert.
Was bei Logan zu einer expliziten Comicerzählreihe gepasst hat, ist hier fehl am Platz, weil nur der Name Joker drauf steht, aber nicht drin ist. Der Name dient als billiges Zugpferd eines verschnitts aus Taxi Driver, sämtlichen Figuren der Puplic Enemy Ära während der großen Depression, gepaart mit pseudointellektueller Gesellschaftkritik.

Phoenix Oscar, Film selbst nicht.

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