Eine Gangster-Komödie von Guy Ritchie, Ja, das kennen wir, schließlich machen diese Art Filme einen Großteil der gesamten Filmbiographie des Briten aus. Ein Genre in das er also immer wieder gerne zurückkehrt, wobei sich die Machart seiner Werke seit den späten neunziger Jahren doch deutlich verändert hat. Handelte es sich bei „Bube, Dame, König, grAS“ oder „Snatch – Schweine und Diamanten“ noch um kleinere , dafür aber umso witzigere, mit schrägen Typen und Sprüchen angereicherte Beiträge, so bewegt sich Ritchie seit einiger Zeit vorwiegend im Bereich der stylishen Hochglanz-Produktionen, in denen schicke Leute in traumhaften Urlaubskulissen mit Summen jonglieren von denen die Kleinganoven seiner Anfangszeit nicht mal zu träumen wagten. Das gilt auch für „In the Grey“, worin über Milliardenbeträge verhandelt und gestritten wird und ein oder zweihundert Millionen zur Verhandlungsmasse gehören die keinen allzu großen Unterschied.

Jedenfalls nicht für die im Hintergrund bleibenden Finanzjongleure, für die Rachel Wild (Eliza Gonzales) arbeitet und denen sie das Geld zurückbringen soll, dass diese bei ihrem Milliarden-Monopoly ab und zu mal verlieren. Wenn sie es zum Beispiel einem zwielichtigen Gangsterboss wie Manny Salazar (Carlos Bardem) überlassen, der sich einfach weigert seine Schulden zurück zu zahlen. Erste Versuche den Despoten zur Vernunft zu bringen verursachten lediglich ein paar Leichen und so kommen schließlich Rachel und ihr Team ins Spiel, auch wenn diese ein geradezu unverschämtes Honorar als Belohnung fordert. Nachdem man es zunächst mit Hilfe einiger Anwälte schafft das Firmenimperium des unwilligen Schuldners ins Wanken zu bringen stimmt Salazar schließlich einem Treffen auf seiner hoch gesicherten Privatinsel zu. Zweifellos ein gefährlicher Ausflug für Rachel, die sich aber stets auf ihre Helfer Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal) verlassen kann.

Das erste Drittel von “In the Grey“, in welchem dem Zielobjekt erst einmal mit (halb)-legalen Mitteln finanziell die Kehle zugeschnürt wird erweist sich als das stärkste des Films, dessen Titel sich auch genau aus diesem Vorgehen erklärt: Denn was Rachel und ihre Leute tun ist nicht komplett illegal sondern bewegt sich meist in der Grauzone des vielleicht gerade noch Erlaubten. Und mit welchen Tricks, Täuschungen und kleinen Sabotagen man sich hier daran macht das Firmenimperium des Gegners Stück für Stück lahmzulegen ist zwar nicht wirklich realistisch, macht aber aufgrund des Einfallsreichtums und der mit schnellen Schnitten vorangetriebenen Erzählweise eine Menge Spaß. Auch die Vorbereitungen mit denen das Team Rachels Treffen auf der Insel vorbereitet und dabei jede denkbare Entwicklung samt diverser Fluchtmöglichkeiten vorausplant ist ein großes Vergnügen. Als diese dann zunächst anscheinend gar nicht gebraucht werden ist dem Betrachter aber eigentlich dennoch die ganze Zeit klar, dass die Handlung sicher eine weitere Wendung nehmen wird – schließlich wird man kaum soviel Aufwand treiben und all diese Geräte und Fallen präsentieren wenn diese dann überhaupt nicht genutzt werden.

Und damit kommen wir zur deutlich weniger interessanten zweiten Hälfte des Films, in der es dann natürlich sehr viel von dem zu sehen gibt was bei dieser Art Film unvermeidlich ist: Jede Menge Action, Verfolgungsjagden und Schießereien, alles sehr hübsch anzusehen und ungefähr so glaubwürdig wie in den „Fast & Furious“-Filmen. Und ziemlich ermüdend letztlich, denn natürlich entkommen unsere Helden jedem Kugelhagel und das Gefühl von echter Bedrohung kommt nie wirklich auf. Am gelungensten sind dabei dann noch die Szenen mit den Herren Cavill & Gyllenhaal, die als charakterlich höchst unterschiedliches Team agieren, sich dabei gerne gegenseitig necken und aus einer schier endlosen Trickkiste bedienen. Hier in Sachen Leinwandzeit aber tatsächlich nur die zweite Geige hinter Eliza Gonzales („Fountain of Youth“) spielen, die ebenfalls eine gute Leistung abliefert, dabei aber nur selten Gelegenheit hat aus ihrer coolen „Ich bin allen überlegen und hab alles im Griff“-Attitüde auszubrechen. Letztlich also einmal mehr (wie zuletzt schon bei „Operation Fortune“) ein Beitrag der Kategorie „Style over Substance“ vom Herrn Ritchie, bei dem man sich zurücklehnen und das Ganze durchaus genießen und sich (auch aufgrund der eher kurzen Laufzeit) wunderbar unterhalten kann. Bei dem sich aber die zu Beginn noch angedeutete Originalität was den Einblick in die Hochfinanz und den Verlauf der Handlung betrifft letztlich doch nicht einstellt.
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