Godzilla Minus Zero

Originaltitel
Gojira Mainasu Zero
Land
Jahr
2026
Laufzeit
135 min
Genre
Release Date
Bewertung
8
8/10
von Volker Robrahn / 5. November 2026

Das Duell hatte vor drei Jahren einen eindeutigen und überzeugenden Sieger, zumindest wenn es nach den Fans und Kritikern ging. Denn während sich die in Hollywood produzierte Serie um die klassischen Monster Godzilla und King Kong nach einem vielversprechenden Start spätestens mit „The New Empire“ zu einem bombastischen Effektspektakel ohne Herz und Handlung entwickelt hat, überraschten die Japaner mit einem Film, wie es ihn in den siebzig Jahren ihrer eigentlich ja ureigenen Franchise so noch nie gegeben hatte: „Godzilla Minus Zero“ bot zwar ebenfalls beeindruckende Tricktechnik und Actionszenen, stellt aber doch ganz klar die menschlichen Charaktere in den Mittelpunkt und behandelte auch erstmalig das tiefe Trauma das die Geschehnisse des zweiten Weltkriegs in Japan verursacht hatten sowie die schwierige soziale Situation in der sich viele Bewohner in den Nachkriegsjahren befanden. Die Begeisterung war weltweit einhellig und gipfelte schließlich darin, dass man das US-Produkt selbst in der Rubrik ausstach, in der es noch als Einziges mit diesem sonst in allen Punkten stärkeren Film konkurrieren konnte – indem „Godzilla Minus One“ sich nämlich den Oscar für die besten Spezialeffekte schnappte.

Nach solch einem Erfolg muss es natürlich weitergehen und so können wir nun das weitere Schicksal des ehemaligen Kamikaze-Piloten Koichi Shikishima (Ryunosuke Kamiki) und seiner Freundin Noriko (Minami Hamabe) verfolgen. Die haben sich zwei Jahre nach den Geschehnissen von Teil Eins zusammen mit ihrer Ziehtochter Akiko ein halbwegs erträgliches Leben aufgebaut, das aber in Frage gestellt wird als plötzlich ein neues, riesiges Monster auftaucht, das von den Behörden „Ghidorah“ getauft wird. Nachdem Koichi den an einer Lösung arbeitenden Wissenschaftlern zunächst nur in beratender Funktion zur Seite steht, fühlt er sich bald dafür verantwortlich auch wieder in seiner Funktion als Kampfpilot gegen die Bedrohung aktiv zu werden – gegen den Willen seiner Familie, die nicht wirklich verstehen kann warum er erneut sein Leben riskieren will. Doch auch Noriko wird schließlich tiefer in die Sache verwickelt als ihr lieb ist, denn anscheinend ist der mächtige „Godzilla“ doch noch am Leben und ausgerechnet sie steht in einer besonderen Verbindung zu diesem Wesen.

Ein neues, noch bedrohlicheres Monster und dazu die Rückkehr von Godzilla. Das klingt zunächst mal nach dem typischen Fortsetzungs-Muster nach dem es nun eine Nummer größer zugehen und von allem mehr geben muss. Und obwohl das im Kern auch so ist bleibt „Godzilla Minus Zero“ doch dem Prinzip des Vorgängers treu seinen Schwerpunkt auf die menschlichen Figuren zu setzen. Das gilt neben den eine weitere Entwicklung durchmachenden, bereits bekannten Figuren vor allem auch für die neu eingeführten, wie den Wissenschaftler Murakami (Min Tanaka), der bei den Atombombenabwürfen seine Familie verlor und unendlich viel Leid mitansehen musste. Der Hass, den er seitdem gegen die Amerikaner hegt führt sogar soweit, dass er ihnen am liebsten die Riesenmonster auf den Hals schicken würde – und auch ernsthaft darüber nachdenkt wie das gelingen könnte. So zwiespältig wie diese Figur werden aber auch die amerikanischen Militärs und Politiker geschildert, mit denen man zwar kooperiert denen aber tatsächlich nicht zu trauen ist. Was die Charakterzeichnung angeht erreichen die neuen Godzilla-Filme also weiterhin eine ganz andere Tiefe als es die naiven und oft kindlich verspielten Klassiker aus den 50er bis 70er Jahren überhaupt je versucht haben.

Was aber nicht bedeutet, dass den Liebhabern dieser Werke hier nicht auch ein paar nette Dinge geboten werden, die deren Herz erfreuen können. Und wer sich als Kenner fragt wieso denn der in diesem Film neu eingeführte Ghidorah zunächst nicht dem Original entspricht und auch kein „King“ vor seinem Namen trägt, der braucht einfach nur etwas Geduld bis seine Fragezeichen zur völligen Zufriedenheit beantwortet werden. Und an den nochmals verbesserten Effekten können sich sowieso alle gemeinsam erfreuen, wobei es auch diesmal wieder einige sehr harte und grausame Bilder zu ertragen gilt, Stichwort Hiroshima. Im letzten Drittel wird es dann aber auch hier recht bombastisch und es entfaltet sich ein Spektakel an Action und Emotionen, das zumindest ein bisschen zu lang gerät. Zudem bewegen wir uns hier, was die psychischen Fähigkeiten einer der menschlichen Hauptfiguren angeht, deutlich mehr in den phantastischen SF-Bereich, was einen gewissen Kontrast zum ansonsten so geerdeten Bemühen um Realismus bildet. Doch das sind letztlich Marginalien in einer ansonsten sehr gelungenen Fortsetzung, die ihre Geschichte überzeugend und mit erkennbarem Enthusiasmus weiterschreibt.

Bilder: Copyright

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