Fleisch ist mein Gemüse

Jahr
2008
Laufzeit
107 min
Release Date
Bewertung
5
5/10
von Volker Robrahn / 9. Juni 2010

 

Was sich aus so einer armseligen "Landjugend mit Musik" machen lässt, ist schon erstaunlich. Nachdem der Mann mit dem Pseudonym Heinz Strunk seine Jugenderlebnisse erfolgreich zu Papier gebracht hatte, folgte alsbald nicht nur die Hörbuchversion sondern sogar noch ein Spektakel auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses. Daher konnte die Ankündigung einer Verfilmung von "Fleisch ist mein Gemüse" also nicht mehr allzu sehr überraschen. Die liegt nun vor und bietet für die Kenner der Vorlage einen hübschen Nachschlag zum Buch und die Gelegenheit sich über wieder gefundene Zitate und erkannte Anspielungen zu freuen. Den unbedarften Zuschauer dürfte der Film allerdings eher etwas ratlos zurücklassen.

"Swing time is good time, good time is better time."

Ähnlich sinnentleert wie die Parolen seines Bandleaders "Gurki" kommt dem jungen Heinz auch der Rest seines Lebens vor. Geplagt von extremem Hautauschlag, seiner psychisch kranken Mutter und der lebensmüden Nachbarin bietet da das Engagement als Saxofonist in der Tanzkapelle "Tiffanys" eine echte Abwechslung und fast schon den Höhepunkt seines ansonsten noch trüberen Alltags im von ihm "die falsche Seite der Elbe" genannten Stadtteil im Süden Hamburgs. Doch auch wenn "Heinzer" sein Instrument beherrscht und einen ordentlichen Job macht, bleibt er in jeder Hinsicht unbefriedigt. Denn bei den Frauen geht für die Musiker kaum mal was, die Gage ist übersichtlich und nur Dauergrinser Gurki ist tatsächlich der Meinung, diese Vorhölle aus Schützenfesten und Dorfhochzeiten sei nun mal das Show-Business. Der Zustand von Mutter und Nachbarin wird nicht besser und auch mit der doch eigentlich angestrebten Karriere als Hitproduzent will es nicht so richtig klappen.

"Wir alle müssen abliefern. Am Ende zählt doch nur, ob du ordentlich abgeliefert hast."

Wobei die Realität ja trotzdem so aussieht, dass auch jahrelange Ochsentouren nicht automatisch irgendwann zum großen Durchbruch führen. Und so ist es auch eine ziemlich trübe Realität, die uns Regisseur und Drehbuchautor Christian Görlitz hier mit großem Bemühen um eine authentische Wiedergabe der 80er Jahre anbietet. Damit entspricht er den Wünschen und Vorgaben von Buchautor Heinz Strunk, der stark in die Verfilmung seines Werks eingebunden wurde. So stark sogar, dass man offenbar recht verzweifelt nach irgendeinem Weg suchte, Strunk (der sich natürlich schon aus Altersgründen nicht selbst spielen konnte) trotzdem mit in den Film einzubinden. Und das führt nun also dazu, dass der Autor in diversen Einschüben das Geschehen kommentiert - schräg aus der Wand hängend und im Zwiegespräch mit dem ausgestopften Elchkopf vom Buchcover als Gegenüber. Ein Einfall, den man bei näherer Überlegung vielleicht doch besser hätte verwerfen sollen.
Auch sonst hat man sich bemüht, alles was nur irgendwie nach typisch deutscher "Comedy" aussehen könnte zu vermeiden. Eine Einstellung, die sicher ehrenwert ist und auch durchaus dem Geist der Vorlage entspricht. Letztendlich landen wir dann aber eben auch deutlich mehr im Gebiet der Tragödie, denn diese Bezeichnung ist für die viel Raum einnehmenden Abschnitte um die Schicksale von Mutter und Nachbarin sicher angebracht. Und im Bereich Komödie gibt es dann eben doch einen ganz entscheidenden, so sicher nicht angestrebten Unterschied zum Ausgangswerk: Denn da die agierenden Figuren so deutlich aus einer ganz anderen Zeit stammen und kaum mehr nachvollziehbar agieren, entsteht daraus eine Distanz zum Publikum, die dazu führt, dass man bei all den Missgeschicken und Peinlichkeiten wirklich nur über sie lacht und kaum einmal mit ihnen.

"Der Mensch ist kein Beilagenesser. Fleisch ist mein Gemüse."

Sie kommen fast alle vor, die markantesten Zitate aus dem Buch, welches einen so schön zum Fremdschämen bewegen konnte, dabei eine schwer erklärbare Unbehaglichkeit erzeugte und trotzdem immer weiter lesen ließ. Daher die Bewertung der Verfilmung als eine Art Zugabe, die leider nur dann so richtig Freude bereitet, wenn im Hintergrund Chris Roberts "Ich mach ein glückliches Mädchen aus Dir" trällert und der Dorffest-Veranstalter wieder den Bandnamen falsch ausspricht. Da macht man amüsiert ein Häkchen und erkennt ansonsten an, dass die Darsteller sich redlich mühen.
An Maxim Mehnet (gerade auch im "Roten Baron" zu sehen) in der Hauptrolle vergeben wir dabei einfach nur ein "okay", denn bleibenden Eindruck hinterlässt er eher nicht; für Susanne Lothar als schwierige Mutter ein "routiniert", denn man erwartet schließlich, das sie so etwas mühelos darstellen kann; und natürlich ist Andreas Schmidt als Nichtsmerker "Gurki" ziemlich großartig, aber er hat schließlich auch die mit Abstand witzigste und dankbarste Rolle abgestaubt.
Denn über ihn lachen sicher auch jene Zuschauer, die sich ohne jegliche Vorkenntnisse in einen Film trauen, der für die meisten wohl etwas merkwürdig und rätselhaft bleiben dürfte und als eigenständiges Werk leider nicht so ganz überzeugen kann.

Bilder: Copyright

3
3/10

Hier war der falsche Regisseur am Werk ! Die Vorlage ist sehr lustig , das Hörbuch phänomenal. Versemmelt !!schade

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die sachen von heinz strunk sind ja teilweise wirklich sehr lustig, der trailer für diesen film wirkt allerdings eher wie einer dieser funnymovies von pro 7.....

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7
7/10

der regisseur vermittelt die tragik heinzens und seines umfelds sehr viel stärker als den witz. ich finde das ok. so eine verpickelte vorstadtjugend ist halt nicht nur zum lachen.
statt kalauern stellt der film persönlichkeiten in den mittelpunkt: akne-heinz, die übergewichtige nachbarin, die versoffenen schützenbrüder, die verwirrte mutter, den durchgeknallten bandleader gurki. diese figuren bieten an sich so viel komik, dass der film weder langweilig wird noch auf das niveau der "funnymovies von pro 7" abstürzt.
könnte mir zwar vorstellen, dass der film ohne vorkenntnis des buchs etwas unvermittelt daherkommt - für die, die das buch kennen ist er eine perfekte ergänzung zum lesespass.

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4
4/10

tatsächlich. überraschend öde der film.

da fand ich sogar ossis eleven noch wesentlich interessanter.

++

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10
10/10

ich finde den film durchaus gelungen. meine heimat ist nun nördlich von der elbe, genauer gesagt altona, und was im film rüberkommt ist absololut authentisch.
das sind genau meine erfahrungen die ich als mucker, damals in den 80er südlich von der elbe machen durfte. todtglüsingen, seevetal, tostedt, harburg, tötensen etc,.dieses ganze randgemeinden spießertum finde ich sehr gut rüber gebracht.

deshalb von mir 10 augen.

ps.: ich kenne das das hörbuch und das buch nicht.

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10
10/10

Absolut super.

Der Film hat mich ganz schön überrascht.

Wer sich in dieser (Musik)"Szene" auskennt der kann hier wunderbar mitlachen.

Außerdem überzeugen die Schauspieler, die Ausstattung und so weiter, super gelungen!!

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