Die Kunst zu gewinnen - Moneyball

Originaltitel
Moneyball
Land
Jahr
2011
Laufzeit
133 min
Genre
Release Date
Bewertung
8
8/10
von Patrick Wellinski / 29. Januar 2012

Es gibt einen Moment in Bennett Millers Sportfilm „Die Kunst zu gewinnen - Moneyball“, der sich sichtlich vom Rest des Films unterscheidet. Es ist Weihnachten, der verletzte und aussortierte Baseballspieler Scott Hatteberg (Chris Pratt) sitzt vorm Fernseher, während seine Frau im Nebenzimmer mit sorgenvoller Mine auf einen Stapel von Rechnungen blickt. Es ist das einzige mal, dass der Film derart genau und hintergründig den heiklen Alltag von ausrangierten Spitzensportlern zeigt. Denn „Moneyball“ ist kein Sportfilm im herkömmlichen Sinn. Er erzählt nicht die altbekannte Geschichte des Aufstiegs, des Über-sich-Hinauswachsens eines Teams, das aller Widerstände zum Trotz die Meisterschaft gewinnt. Nein, „Moneyball“ ist ein Film, der hinter den Kulissen spielt, abseits des Spielfeldes (hier: Baseball), in den klinischen Managerzimmern, den Beratungskammern der Koordinatoren und Trainer - daher stehen auch nicht die Athleten, sondern ein ganz anderes Personal im Vordergrund.

Brad Pitt spielt Billy Beane, den Manager der Oakland A's, eines durchschnittlich erfolgreichen Baseballteams, das in der kommenden Saison die wichtigsten Spieler an die Konkurrenz verliert und mit ihrem geringen Budget wohl keine neue Gewinnermannschaft zusammenstellen wird. Beane hadert mit seinen Talentsuchern, die immer noch nach traditionellen Methoden potentielle Spieler aussuchen. Beane weiß, dass dieser Weg mit den vorhandenen, bescheidenen Finanzmitteln nie zum großen Erfolg führen wird, also sucht er eine andere Methode, ein anderes Auswahlsystem. Daher engagiert er den jungen und unerfahrenen Yale-Absolventen Peter Brand (Jonah Hill). Dessen Idee, allein auf der Basis statistischer Erhebungen ein Team aus zum Teil verletzten, alten und vergessenen Spielern zusammenzustellen, überzeugt Beane. Mit seinem Entschluss sportliche Entscheidungen allein anhand einer Datenanalyse zu treffen, verliert der Manager aber nicht nur das Vertrauen seiner Angestellten, inklusive des Trainers Art Howe (Philip Seymour Hoffman), sondern riskiert zudem seinen Job.

„Moneyball“ basiert auf einem in den USA zum Bestseller avancierten Sachbuch von Michael Lewis mit dem Titel "Moneyball: The Art of Winning an Unfair Game". Und es hat sicherlich eines Drehbuchautoren-Teams wie Steven Zaillian ("Schindlers Liste", „Verblendung“) und Aaron Sorkin („The Social Network“) bedurft, um ein Buch über die statistische Revolution des Baseballs (im Fachjargon nennt sich die Methode, die ursprünglich von einem Statistik-Nerd namens Bill James entwickelt und von Beane erstmals aktiv kultiviert wurde, „Sabermetrics“) in einen hoch interessantes und unterhaltsames Spielfilmskript zu verwandeln. Findet der Zweikampf in Sportfilmen üblicherweise auf dem Feld statt, so wird er hier in den Dialogen ausgefochten. Gerade zwischen Brad Pitt und Jonah Hill entwickelt sich immer wieder ein herrlicher – mal leichter, dann wieder wuchtiger – Schlagabtausch, ein sprichwörtlicher „pitch and catch“, der das Werfen und Fangen eines Baseballs sehr geschickt in die Handlung transformiert. Die Oscarnominierungen für Pitt und Hill sind daher mehr als verdient. Und gerade Brad Pitt, der nächstes Jahr immerhin 50 (!) Jahre alt wird, liefert hier definitiv seine beste Performance als Charakterdarsteller ab (ja, noch besser als in Terrence Malicks „Tree of life“). Seinem Spiel haftet eine gewisse Einfachheit und Leichtigkeit an. Dieser introvertierte Ton steht ihm besonders gut. Er vermittelt uns das Gefühl, es wäre sehr einfach eine so problematische Person zu sein, wie sie Beane im Verlauf des Films noch werden wird.

Sicherlich funktioniert der Film für Freunde des Baseballs (die in Deutschland nicht gerade zahlreich vorhanden sind) auf ein paar mehr Ebenen als für Zuschauer, denen die Dramatik der Wendung „die erste Base erobern“ entgeht, oder die die folgenschwere Entscheidung, einen Pitcher als Baseman umzufunktionieren, nicht auf Anhieb als solche begreifen. Das ist aber auch gar nicht so schlimm. Denn der Film besitzt trotz seiner kalten und sterilen Aufmachung einen tragischen und damit sehr emotionalen Kernkonflikt. In schön unauffällig eingewebten Rückblenden erzählt „Moneyball“ die Lebensgeschichte Beanes, einst ein vielversprechendes Baseballtalent, der auf eine gute Uni-Ausbildung verzichtete, um als junger Bursche direkt im Profizirkus durchzustarten, und dann doch keine Karriere machte, der sein ganzes berufliches Leben einem Ziel und einer Sportart widmete, die ihn dann aber immer wieder enttäuschte und ihn auf die Bank verwies. Daher ist ein unwiderstehlicher Egoismus in allen professionellen und privaten Entscheidungen Beanes, der diese Figur so ambivalent macht. Er will das „System Baseball“ ändern, um seinem eigenen Scheitern einen Sinn zu geben.

Diese Rache eines Verletzten inszeniert Bennett Miller („Capote“) mit einem untrüglichen Gespür für Bilder, die die Protagonisten in sterilen Räumen platziert. Sie wirken entrückt, allein und verlassen in ihrer Umgebung. Es scheint, als würden allein diese Bilder das Scheitern aller Pläne, Handlungen und Entwürfe bereits vorwegnehmen. Miller – darauf sollten man hinweisen – gehört mit seiner entschleunigten Art der Inszenierung zu den interessantesten Regisseuren Hollywoods, da er äußerst geschickt im Mainstream arbeitet, ohne sich dabei den bekannten Formeln und Methoden zu unterwerfen. Dass die Academy dieses Jahr seine Leistung nicht anerkannte und ihn nicht für den Regieoscar nominierte, wirkt da schon fast bezeichnend. Verdient hätte er es. Inklusive einem breiten Publikum, das diesem stillen und klugen Film jene Beachtung schenkt, die er verdient.

Bilder: Copyright

9
9/10

Großer Sport. Aus so einem vermeintlich trockenen Thema einen so geilen Film zu machen, das ist eine Leistung, die kann man kaum hoch genug loben. Das Drehbuch ist der Hammer. Und Brad Pitt auch. Natürlich ist der Film ein bisschen geiler, wenn man grundsätzlich weiß, wie Baseball geht, und vom Fachvokabular nicht völlig überfordert ist. Aber wenn man ausreichend Ahnung hat, ist "Moneyball" einer der besten Filme des Jahres. Jetzt schon.

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8
8/10

Baseball, in den USA ein Nationalsport, hat bei uns keinen guten Stand. Ein Film, der den (wahren) Aufstieg einer Mannschaft schildert, der ein neuartiges System zur Bewertung von Spielerleistungen zu ungeahnter Form verhilft, muss sich deswegen an seinem Premierentag im Kino in der Kulturbrauerei mit dem kleinsten Saal begnügen. Schade drum. Allein die Tatsache, dass ein sich für Sportübertragungen bloß zur Fußball-EM und -WM begeisternder Typ wie ich trotzdem „Moneyball“ schaut und sehr zufrieden wieder rauskommt, sollte Beweis genug für die Qualität des Film sein. Vorbildlich, diese punktgenauen Dialoge von Steven Zaillan („Schindlers Liste“) und Aaron Sorkin („The Social Network“), genauso wie die gekonnte Inszenierung von Bennett Miller („Capote“) oder das Spiel von Jonah Hill („Superbad“). Im Mittelpunkt aber steht Brad Pitt, der dem Manager und gescheiterten Nachwuchsstar Billy Bean ein Maß an innerer Verwundung gibt, das „Moneyball“ unabhängig aller Fachsimpelei über Spielzüge und Spielereigenschaften als universelle Geschichte übers Verlieren funktionieren lässt.

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9
9/10

Sportfilme sind grundsätzlich nicht mein Metier, aber dieser Streifen war schon begeisternd und dass obwohl ich nahezu keine Ahnung vom Baseball habe. Hier passt einfach alles, Inszenierung, Ensemble (ein Brad Pitt wäre zu einer solchen Leistung ohne die wirklich starken Nebenrolle nicht fähig gewesen), Drehbuch usw.

Vielleicht hätte man sogar einen Punkt mehr noch geben können für einen ruhigen, aber starken Film.

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8
8/10

Ein sehr stiller, aber auch äußersts kluger und intelligenter Film, wie ich finde. Auch die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Brad Pitt und seiner Tochter ist interessant umgesetzt. Ein Film, der auf vielen Ebenen funktioniert.

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4
4/10

Konnte mich Null begeistern. Kühl, emotionslos und unspektakulär inszeniert. Passt zur Story rund um Zahlen, Statistiken und Computerprogramme. Brad Pitt spielt auf Sparflamme einen völlig unterkühlten, unsympathischen Sturkopf, der hoch gepokert und gewonnen hat. Grausam, wie dann der Höhepunkt der Story lahm vorbeizieht. Letztendlich sogar deprimierend.

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