Clayface

Originaltitel
Clayface
Land
Jahr
2026
Laufzeit
109 min
Genre
Release Date
Bewertung
4
4/10
von Volker Robrahn / 21. Oktober 2026

Mit „shaky“ ist der bisherige Neustart des filmischen DC-Universums wohl ganz gut in einem Wort beschrieben. Nachdem zunächst „Superman“ von Kritik und Publikum noch recht freundlich aufgenommen wurde, zeigten beide Gruppen dem Nachfolger „Supergirl“ fast einhellig die kalte Schulter, obwohl dahinter im Kern die gleichen Köpfe steckten. Da werden dann schnell gleich wieder sämtliche Planungen in Frage gestellt, aber vielleicht kann ja der bereits fertiggestellte dritte Film das Ruder schon wieder in die andere Richtung herum reißen, zumal der Horror- und Stephen King erfahrene Mike Flanagan für das Drehbuch verantwortlich zeichnet? Nach Sichtung des von vornherein als hartem Horrorfilm angekündigten (und hierzulande mit einer „Ab 16“ Freigabe versehenem) „Clayface“ lautet die ernüchternde Antwort auf diese Frage allerdings „eher nicht“.

Abweichend von der Comic-Vorlage aus den 60er Jahren ist die Hauptfigur hier nun Schauspieler statt Abenteurer und erlangt ihre übernatürlichen Fähigkeiten durch einen medizinischen Eingriff. Den riskiert der aufstrebende Filmstar Matthew Hagen nachdem er mit der falschen Frau im Bett gelandet ist und dafür von deren Freund, dem mächtigen Gangsterboss Szabo nicht nur brutal verprügelt sondern auch im Gesicht entstellt wurde. An eine Fortsetzung der Filmkarriere ist mit diesem Antlitz nun nicht mehr zu denken und auch Matthews Klage vor Gericht scheitert, da der brutale Mobster sämtliche Zeugen unter Druck setzt und Hagens Image in der Öffentlichkeit ruiniert. Als sich dadurch auch noch die Freunde und Kollegen abwenden sieht er den letzten Ausweg in der Behandlung durch die Forscherin Caitlyn Corr, die Mithilfe einer ganz besonderen, selbst entwickelten Art von den Körper heilenden Zellen vielleicht die Lösung bereithält. Die folgende Prozedur sorgt auch tatsächlich dafür, dass Matthews Gesicht wiederhergestellt wird, doch hören die Zellen deshalb nicht mit ihrer „Arbeit“ auf. Hagen entwickelt Selbstheilungskräfte und kann irgendwann seinen Körper fast beliebig verwandeln – die ideale Voraussetzung, um sich auf einen blutigen Rachefeldzug zu begeben.

Der dann in der Tat in einer für Mainstream-Superheldenfilme bemerkenswert brutalen und was die Bilder von Wunden und mutierendem Gewebe angeht ziemlich unangenehmen Art und Weise vonstatten geht. Aber erstens soll „Clayface“ ja – wie schon geschrieben – kein typischer Film über kostümierte Kämpfer sein und zweitens ist die Titelfigur hier sowieso alles andere als ein Held. Sondern ein Schurke aus dem Batman-Kosmos, wenn auch im Gegensatz zum „Joker“ oder „Pinguin“ eigentlich schon immer einer aus der zweiten Reihe – was zumindest den Vorteil birgt, dass es hier kaum große Fan-Erwartungen gibt die man enttäuschen kann. Dafür finden sich aber leider andere Wege und da ist zuallererst die bemerkenswerte Zeichnung der Hauptfigur als unfaßbaren Dummkopf zu nennen. Dieser zunächst vom Erfolg verwöhnte Bursche bringt sich nicht nur selbst in seine unangenehme Situation weil er Warnungen und Ratschläge in den Wind schlägt, er sorgt dann auch noch höchstpersönlich dafür, dass die Zellbehandlung außer Kontrolle gerät indem er sich selbst bewusst eine Überdosis injiziert. Und dass sein anschließender Rachefeldzug dann noch weit über jedes irgendwie zu rechtfertigende Maß hinausgeht sorgt endgültig dafür, dass man als Zuschauer praktisch gar keine Möglichkeit hat für diese Figur noch irgendwelche Empathie aufzubringen.

Dass Schurken oder zumindest fragwürdig agierende Charaktere äußerst faszinierend wirken können haben ja gerade die Verfilmungen aus dem Batman-Universum schon mehrfach bewiesen, siehe die beiden oben bereits genannten Namen. Wenn man sie denn psychologisch interessant und vielschichtig gestaltet, aber das sind Attribute an denen es „Clayface“ nicht nur bei seiner Titelfigur mangelt. Der ganze Film entwickelt seine Geschichte vollkommen unoriginell, es ist durchgehend extrem einfach zu erraten was als Nächstes passieren wird. So simpel gestrickt, dass man sich fast in einem typischen B-Picture der 50er oder 60er Jahre wähnt, in einer abstrusen Monstergeschichte, die ihr Publikum mit oberflächlichen Reizen erschrecken will. Und weil das heutzutage nicht mehr ganz so einfach möglich ist, packt man halt ein paar Ekel- und Splattereffekte dazu und meint offenbar, das sollte dann schon reichen. Allerdings ist das hier eben keine Billigproduktion für den Heimkinomarkt sondern ein großer Studio-Film. Und wenn der dann auch noch bei den Effekten derart mäßig und unmotiviert daher kommt, ist die Enttäuschung beim Betrachter eigentlich vorprogrammiert. Als Beispiel sei hier die (eh schon sehr unglaubwürdige) Fähigkeit von Hagen genannt sich äußerlich blitzschnell in jeden anderen Menschen verwandeln zu können. Das geschieht aber nicht etwa durch eine trickreiche, visuell aufregende Verformung seines Körpers sondern einfach durch einen sekundenschnellen Schnitt von einem Gesicht zum Anderen. Eine simple Überblende und fertig ist die Verwandlung – da haben sich selbst die TV-Serien der 70er Jahre ja mehr Mühe gegeben (Grüße an Lou „Hulk“ Ferrigno).

Ungefähr eine halbe Stunde lang hat man bei „Clayface“ das Gefühl, dass das Ganze durchaus Potential bietet und man vielleicht etwas Interessantes draus machen wird, auch wenn da bereits eine gewisse Formelhaftigkeit auffällt. Stattdessen baut der Film aber in Sachen Niveau kontinuierlich ab, bis er schließlich im absurden Trash versinkt und da bis zum Ende auch nicht mehr herauskommt. In dem auch die soliden Darsteller irgendwann nichts mehr bewirken können.  Und in dem selbst die Stadt Gotham, die hier den so ziemlich einzigen konkreten Bezug zur bekannten Welt von „Batman“ bietet, sich abgesehen von ein paar aufgestellten Mülltonnen völlig charakterlos zeigt und im Grunde jede x-beliebige amerikanische Großstadt darstellen könnte. Einfach ein bisschen zu lieblos, das alles.

Bilder: Copyright

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