Astronaut

Originaltitel
Astronaut
Land
Jahr
2019
Laufzeit
97 min
Genre
Release Date
Bewertung
7
7/10
von Volker Robrahn / 14. Oktober 2020

Richard Dreyfuss reiste schon einmal ins All, im Kino zumindest. Das war im Jahr 1978 in „Unheimliche Begegnung der 3. Art“ und dieser zweite Spielberg-Blockbuster mit ihm nur kurz nach dem „Weissen Hai“ katapultierte den Schauspieler für ein paar Jahre in die oberste Kategorie Hollywoods. Das ist aktuell zwar nicht mehr der Fall, aber wenn Dreyfuss nach diversen Kurzauftritten im Kino und Fernsehen nun noch einmal mit einer Hauptrolle zurückkehrt, in der seine Figur darum kämpft ins Weltall aufbrechen zu dürfen, dann besitzt das natürlich schon eine gewisse Meta-Ebene. Doch „Astronaut“ ist weit weniger ein Science-Fiction-Film als es „Unheimliche Begegnung“ war, und Aliens gibt es hier auch keine zu sehen. Dafür ein gut gespieltes, intensives Drama, das sich im Hinblick auf den Realismus der präsentierten Geschichte allerdings ein paar Freiheiten nimmt.

Angus Stewart (Richard Dreyfuss) hat sein ganzes Leben davon geträumt eine Reise ins All zu unternehmen. Mittlerweile ist der Witwer deutlich über siebzig Jahre alt und lebt eher ziel- und auch etwas antriebslos in den Tag hinein, auch seinen Kindern scheint er oft eher lästig. Als sich bei einem Gewinnspiel die Chance bietet einen Platz für den ersten kommerziellen Weltraumflug zu ergattern, nimmt er nur durch den Einfluss seines Enkels daran teil, wird aber tatsächlich als Gewinner ausgelost. Was sein Alter angeht hat Angus allerdings gelogen und auch sein Gesundheitszustand entspricht definitiv nicht den Anforderungen. Seinen Traum möchte er aber dennoch nicht so leicht aufgeben.

Wofür man lebt und was man bereit ist dafür zu tun ist eine auch im Kino schon oft verhandelte Frage. Die Entscheidung ins All aufzubrechen und alles zurückzulassen ist allerdings eine, vor die sich nur wenige Menschen gestellt sehen. Dem Film der Schauspielerin und Regie-Debütantin Shelagh McLeod gelingt es dabei sehr gut deutlich zu machen, wie außergewöhnlich und aufregend es ist so eine Gelegenheit zu bekommen – unverhofft und zu einem Zeitpunkt, an dem man seine Träume im Grunde schon allesamt begraben hat. Dass unser Angus zudem eine Koryphäe auf dem Gebiet der Astrophysik ist und sich sein Leben lang als gelernter Ingenieur damit beschäftigt hat, wird dabei allerdings ein wenig übertrieben, wenn er schließlich als Mahner auftritt, der über die Beschaffenheit des Untergrunds, von dem die Raumfähre starten soll, mehr weiß als sämtliche Wissenschaftler des dafür verantwortlichen Hightech-Konzerns. Die Entwicklung dieses Handlungsstrangs und dessen Auflösung lassen „Astronaut“ dann doch ein wenig zum Märchen werden, wobei es aber eine Geschmacksfrage ist, ob das dann als starkes Manko empfunden wird oder nicht.

In anderen Momenten unterläuft die Geschichte aber auch gängige Erzählmuster, etwa wenn Angus sich in einer Vorauswahl dem TV-Publikum präsentieren darf und man erwartet, dass er dort mit einem emotionalen und anrührenden Auftritt die Herzen der abstimmenden Zuschauer gewinnt, während sein Konkurrent in Person eines eitlen, jungen Selbstdarstellers natürlich abgestraft werden wird. Doch diese Episode verläuft dann völlig anders, so wie Angus auch seine Freunde und Verwandten immer wieder mit unvorhersehbaren Aktionen überrascht, die allerdings weit öfter zu Kopfschütteln und leichter Panik führen als zu Begeisterung. Eine herrliche Altersrolle für Richard Dreyfuss, der seiner Figur mühelos die Sympathien sichert, trotz oder eben gerade wegen deren eigenwilligen und störrischen Verhaltens.

An Spezialeffekten und aufwändigen Sets gibt es hier nicht viel zu sehen, stattdessen wird die Schönheit und Faszination des Weltalls auf eher poetische Weise vermittelt, dabei auch gerne und bewusst auf der Gefühls-Klaviatur gespielt ohne aber die Grenze zum Kitsch wirklich zu überschreiten. Das Finale ist dann zwar auch sehr emotional angelegt, überzeugt jedoch durch seine Konsequenz. Und beendet einen schönen, kleinen Film mit einem Ausflug ins All, der völlig anders daherkommt als einst vor gut vierzig Jahren.

Bilder: Copyright

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