Science of Sleep - Anleitung zum Träumen

tragikomödie, fra 2006
original
la science du reves
regie
michel gondry
drehbuch
michel gondry
cast

gael garcia bernal,
charlotte gainsbourg,
alain chabat,
emma de caunes,
miou-miou, u.a.

spielzeit
105 min.
kinostart
28.09.2006
homepage
www.science-of-sleep.de
bewertung


(6/10 augen)




 

 

 

 


 

 

Filmkritiker lassen sich ja generell ungern mit Pawlowschen Hunden vergleichen. Trotzdem ist es natürlich unumgänglich, dass so ein Film wie "The Science of Sleep - Anleitung zum Träumen" gerade diese Berufsgruppe auf die Probe stellt. Ermüdet vom jahrelangen Betrachten der Dutzendware, die von Hollywood so serviert wird, neigen wir ja doch dazu, bei Filmen die "anders" und "originell" sind, sofort Begeisterung zu zeigen, eben weil diese Filme durch ihr Anderssein schon mal Bonuspunkte einsammeln. Aber "anders" heißt nicht zwangsläufig auch immer besser, und Michel Gondrys neuer Film ist das beste Beispiel dafür.
Dabei waren die Voraussetzungen nicht schlecht: Ein visuell und stilistisch eigenwilliger Regisseur, der einen der besten Filme der letzten Jahre ("Vergiss mein nicht") als letzte Arbeitsprobe vorweisen kann; ein talentierter junger Hauptdarsteller, der in vielen Kritikerhits der letzten Jahre auftauchte; eine völlig abgedrehte und auf diese Art garantiert noch nicht visualisierte Geschichte und - als Bonus für alle Cappuccinoschlürfenden Baskenmützenträger in der Filmkritikerzunft - eine Hauptdarstellerin aus dem Herkunftsland des Kinos.

Was ging also schief? Nun, abgefahrene Ideen allein machen eben noch keinen Film aus. Bindet man sie gut und stimmig in eine entsprechende Geschichte ein, die daneben auch Wärme, Glaubwürdigkeit und Rhythmus hat, dann werden auch aus abgefahrenen Ideen tolle Filme. Gut nachzusehen bei eben jenem "Vergiss mein nicht". Dort allerdings war Michel Gondry nur einer von drei Schreibern, und nach Betrachten von "Science of Sleep" muss man konstatieren, dass die Menschlichkeit und philosophische Tiefe jenes Films wohl eher von Charlie Kaufmann oder Gondrys damaligem Schreibpartner Pierre Bismuth herrührt. Hier auf sich allein gestellt, bleiben dann nur noch eine sehr dünne Handlung (Tagträumer Stéphane zieht zurück in die Stadt, hat einen langweiligen Job und verliebt sich in seine Nachbarin Stéphanie) und die Absurditäten übrig, die im Mittelteil von "Vergiss mein nicht" bei der Flucht der Jim Carrey-Figur in ihr eigenes Unterbewusstsein auftauchten. Dort waren sie witzig, auch anrührend und poetisch, aber es war eben nur ein kleiner Teil eines Films, der drum herum viele andere (und noch tollere) Sachen bot.
In "Science of Sleep" sind diese absurden Momente quasi der ganze Film, fortlaufend folgt man Stéphane hinaus aus der Realität und hinein in seine abgedrehten Träumereien, und auf über anderthalb Stunden gestreckt wirkt das Ganze eher ermüdend denn erfrischend, bemüht statt berührend. Natürlich sind hier auch wirklich witzige Szenen dabei, kleine "Aha" und "Oh"-Momente. Aber auch diese fügen sich immer noch nicht zu einem zufrieden stellenden Ganzen - soll heißen: einem guten Film - zusammen. Dazu bleibt das Ganze zu sehr Selbstzweck, ein mühsam auf kindlich getrimmter Trip durch die Fantasiewelt, der dann in entscheidenden Momenten statt kindlich kindisch rüberkommt. Und das ist dann eben entscheidend.

Andererseits kann man Gondry den schon in seinen legendären Musikvideos präsenten, visuellen Einfallsreichtum nicht absprechen, und diverse der Fantasieeinstellungen sind schon toll. Wenn etwa einige Töne des eigentlich verstimmten Klaviers den Traum mit Wolken aus Wattebäuschen füllen oder Stéphane seine obskure Zeitmaschine benutzt, dann gelingen Gondry inmitten des Wahnsinns doch anrührende und schöne Momente, die den Film über den Durchschnitt heben. Etwas ist immer los, auch wenn man nicht immer sicher ist, was es ist. Und meistens auch nicht recht weiß, was man davon halten soll. Unterhaltsam bleibt es demnach trotz der angesprochenen Mängel meistens. Und damit hat dieser beizeiten etwas zu selbstverliebte Nonsens sogar solchen Schnarchern wie "Superman Returns" noch etwas voraus.

Einen wichtigen und entscheidenden Fehler begeht Gondry allerdings mit der Annahme, sein Alter Ego Stéphane werde durch die dargestellten Fantasiehöhenflüge durch Traumwelten automatisch zum Sympathieträger. Das fällt aber bei der Ansicht eines so offensichtlich dysfunktionalen Menschen nicht immer leicht. Denn wo Gondry alle negativen Interpretationen weglässt und durch die rosarote Brille einen Freigeist sieht, der die Fesseln des Erwachsenseins sprengt und sich in die unschuldige und freie Kinderzeit zurück fantasiert, so sieht der böse rationale Erwachsenenblick einen mit Schizophrenie-Symptomen kämpfenden Menschen mit Persönlichkeitsstörung, dem es unmöglich ist mit seiner Umwelt eine richtige Beziehung aufzubauen. Spätestens wenn Stéphane dann im (enttäuschenden) Finale unvermittelt und grundlos seine Angebetete aufs Übelste beschimpft, hat man das Gefühl, er hätte zusätzlich zu seinen anderen Problemen auch noch ein Stück Tourette-Syndrom abbekommen. Den Zuschauer haben Stéphane und Michel zu diesem Zeitpunkt jedenfalls längst verloren, denn spätestens jetzt mag man Stéphanes Eigenwilligkeiten nicht mehr so bedingungslos folgen, wie sich der Regisseur und Drehbuchautor das wohl gedacht hat.
Da kann dann selbst der eigentlich immer gut spielende Gael Garcia Bernal nicht wahnsinnig viel machen. Auch Charlotte Gainsbourg spielt ihre Rolle durchaus charmant, aber ihre Figur bleibt viel zu holzschnittartig, um zu überzeugen. Man erfährt schlichtweg nicht genug über sie. Noch mehr als Stéphane wird Stéphanie über Fantasie und Kreativität definiert, hat aber offenbar kaum andere Eigenschaften. Wenn der Film dann mal andere Charaktereigenschaften abbildet, wie etwa ihre Flirtwilligkeit während einer Party, weiß er nicht, wie er damit umzugehen hat und nimmt die Position des Protagonisten ein, nämlich die eines bockigen Kindes. Erwachsensein ist halt nicht nur schwer, sondern - eingeschränkte Kreativfreiheit hin oder her - manchmal auch nötig.

Und daher ist Herr Gondry vielleicht doch besser damit beraten, zukünftig Co-Drehbuchschreiber mit heran zu lassen, die seinen Ideen Struktur und Stringenz verleihen und vielleicht auch mal "Stop" rufen, wenn es zu albern wird und eine erwachsene Stimme der Vernunft braucht. Denn ungezügelte und nicht kontrollierbare Fantasie - das müssen sowohl der Protagonist Stéphane als auch sein Erfinder Michel erkennen - ist nicht immer nur Segen, sondern beizeiten auch ein Fluch.

S. Staake

 


Name: e
Email: e
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Eine absolut hervorragende Kritik.



Name: alathriel
Email: alathriel@google.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Selten aber wahr, auch ich bin manchmal mit Herrn Staake nicht einer Meinung:

Der Erbe der Surealisten schlägt zurück.Stéphane ist nicht ganz von dieser Welt. In Paris hofft der junge Mexikaner seine Kreativität ausleben zu können, doch der neue Job ist trist. So taucht er immer mehr in die Welt seiner Träume ab, die uns mit überbordender Fantasie präsentiert werden. Kinozauberer Michel Gondry hat wieder ein kleines Wunder zu Wege gebracht: ein Film, in dem Traum und Realität vollkommen gleichberechtigt nebeneinander bestehen. Mehr noch: Hier sehen wir förmlich den Stoff, aus dem die Träume sind – verwandelte Wirklichkeit. Und die Hauptdarsteller Gaël García Bernal und Charlotte Gainsbourg sind natürlich ein Traumpaar.

Ich möchte hier niemanden etwas vorwerfen, aber es geht doch eigentlich immer um die Eisntellung mit der man ins Kino geht. Kino ist auch dazu da den zuschauer in verschiedene Welten und Lagen zu versetzten, zu denen er in der Wirklichkeit nicht in der Lage ist. Im heutigen mainstreamatisierten Kino ist so etwas Mangelware und was in dieser Kritik etwas plump so formuliert wird:

"neigen wir ja doch dazu, bei Filmen die "anders" und "originell" sind, sofort Begeisterung zu zeigen, eben weil diese Filme durch ihr Anderssein schon mal Bonuspunkte einsammel"

Dazu kann ich nur sagen. Das stimmt nicht. Allein die Animationen die an die ersten Osteuropäischen Schnittfilme erinnert sind Traumhaft. Was den Film außerdem noch auszeichnet ist, dass es keine Traumdeutung und auch keine traumpsychologische Erklärungen gibt. Es ist eine Hommage an das frühe Kino. Also an die Filmgeschichte. Das alles hat mich an die ersten Filme von Georges Millies erinnert.

Sience of Sleep ist ein Film zum reingehen und einfach zum Aufgehen.

BITTE an alle! Ins Kino gehen, zurückglehnen und das Kino, als Erlebnis, genießen.



Name: McJ
Email: McJ@McJ.de
Bewertung:                 (7 von 10 Digital Eyes)

Die zentrale Kritik hier (und in anderen Besprechungen) an "Science of Sleept" trifft schon zu: vor lauter schönen Spielereien fehlt es leider ein wenig an der Geschichte. Sowohl im Großen wie im Kleinen.
Die Story ist insgesamt ein wenig dünn: junger Mann trifft junge Frau. Das ist okay, solange dann die Hauptfiguren, die Figuren drumherum, die kleinen Episoden und Geschichten eine schönen Film zusammenweben. Leider hapert es hier ziemlich deutlich. Viele der nicht-traumhaften Sequenzen bleiben letztlich ziemlich banal (der Klaviertransport, der Besuch bei der Mutter, der Besuch beim Kollegen zu Hause). Hier scheint Gondry einfach das erzählerische Talent zu fehlen. Man vergleiche dass nur einmal mit der Fülle an interessanten Nebenfiguren bei "Amelie"!
Vielleicht fällt das so stark auf, weil "The eternal beauty of a spotless mind" so ein wunderschöner, toll erzählter Film war. Da erscheint "Science of Sleep" eher wie der Vorgänger: voller Ideen, aber diese sind noch nicht in eine Geschichte eingewoben.
Dennoch: das kindliche an diesem Film kann auch begeistern, die beiden Hauptdarsteller sind klasse, manche Szene (insbesonder an Stephanes Arbeitsplatz) herrlich absurd. Ich bin zufrieden aus dem Kino gekommen - würde den Film aber trotzdem nur an wenige Leute empfehlen.



Name: priscilla2603
Email: priscilla2603@web.de
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

für mich ein wunderschöner film. wie die einzelnen charaktere drauf sind erklärt sich kurz aus gesprächen und dem was sie "machen". sie bleiben konsequent aber nicht simpel. dass sie nicht besonders vielschichtig sein müssen um viele verschiedene seiten zu haben empfinde ich als erfrischend authentisch. ich habe mich irgendwann gefragt: will der film mir eigentlich was sagen? - und war glücklich dass ich bis zum schluss den eindruck hatte : nein, hier werde ich mir selbst und meinen sinnen überlassen um an der wunderbaren phantasie eines anderen teilhaben zu dürfen. mir wird keine geschichte aufgedrückt, sondern ich darf in eine andersartige welt eintauchen und werde dabei nicht unnötig von einer tiefschürfenden story oder den erklärungen zu dem was ich sehe abgelenkt. ich darf hinschauen, genießen, mich von den absulot professionell aber gott sei dank nicht zu perfekt sondern liebevoll umgesetzten ideen und eindrücken gefangen nehmen lassen. und so war´s dann auch. meine zusammenfassung lautete: lebensfreude , happy-end und glück können gefunden werden. so positiv habe ich schon lange nicht mehr gedacht. eigentlich war schon in der ersten szene klar : mein film! one two three und dann geht´s los mit unglaublicher dynamik tanzt der hauptdarsteller ins bild und in den film. das ist zugegeben kein film für jeden. ich hantiere selbst gerne mit materialien herum und finde fast alle werkstoffe toll. dass ein anderer diese in seinem film als "mitwirkende" einsetzt ist wie ein geschenk. die hauptdarsteller sind die kulisse und die trickszenen . die liebesgeschichte kommt so schwer daher als hätte das leben sie geschrieben und endet dann ganz leicht wie ich´s mir kitschig wünsche. ein sehr erfüllender film. (noch was abgeschriebenes : Was den Film außerdem noch auszeichnet ist, dass es keine Traumdeutung und auch keine traumpsychologische Erklärungen gibt.)



Name: zelig
Email: egal@egal.de
Bewertung:               (6 von 10 Digital Eyes)

Als Musikvideo-Regisseur ist Michel Gondry Gott. Doch scheint die liebevolle Energie, die er in diese Kleinstkunstwerke steckt ihn so ausgepowert zurückgelassen zu haben, daß für einen weiteren großen Spielfilm etwas die Luft fehlt.

Im Ansatz ist das alles wunderbar. Gael Garcia Bernal ist ein fantastischer Schauspieler und Charlotte Gainsbourg steht ihm kaum nach. Nach der ersten vergnüglichen halben Stunde fängt der Film dann aber schon so langsam an auseinanderzufallen. Die fortwährende Abfolge von Szenen des realen Lebens und Traumsequenzen nutzt sich allzubald ab und fängt dann tatsächlich an zu nerven. Hätte ein höchst amüsanter Kurzfilm werden können – so reicht es nur zu einem mittelprächtiger Spielfilm. Weniger wäre da mehr gewesen.

Da schaut man sich doch lieber noch ein weiteres mal den hervorragenden „Vergiß mein nicht” an. Hier stimmt die Mischung – und Gondrys Qualitäten kommen spielfilmgerecht zum tragen.



Name: kinomax
Email: nomail@ever.net
Bewertung:   

Der Film wirkt über weite Strecken so, als hätte Michel Gondry "seinen" Teil von "Vergiß mein Nicht" nun nachträglich nochmal getrennt verfilmt.
Dabei herausgekommen ist erwartungsgemäß ein um einiges unkonventionellerer Film, der aber seltsam kalt läßt.
Lange verfolgt man die Hauptfigur in ihren fieberhaft verbastelten Traumgespinnsten und ist mit ihr unfähig Fantasie und Traum auseinanderzuhalten - leider viel zu lange, als daß einen die auf diese Weise sehr wenig nachvollziehbar verlaufende Liebesgeschichte und die Entwicklung der sozialen Umgebung der Hauptfigur irgendwie nahekommen würde.
Gondrys absurde Sybolik ist ja oft aus seinen eigenen Kindheitserlebnissen abgeleitet, was seinen bisherigen Arbeiten oft eine psychologische Wahrhaftigkeit verliehen hat, die hier aber zu einer in der Tat etwas überbordenden Albernheit (ich denke nur an den Auftritt im Bärenkostüm) verkommen ist.
Meine Vermutung ist, daß er Film um einiges länger gewesen sein muß, dafür spricht der Kommentar auf der DVD (ebenfalls etwas unangenehm-chaotisch) in dem einige offensichtliche Absurditäten des Films mit fehlenden Szenen erklährt werden.
Trotzdem ein nicht ganz unsehenswerter Trip - zwischen dem ganzen hyperaktiven Bastelkram gibt es eben doch einige Symbole die etwas mehr tragkraft haben - besonders die kleine Zeitmaschine! :o)



Name: Zahra Sengöl
Email:
Bewertung:                    (8 von 10 Augen)

Das war ein echt toller Film. Alain Chabat und Miou-Miou waren am bessten.



Name: DanielMF
Email:
Bewertung:                        (10 von 10 Augen)

Für mich war es einer der stärksten Film des Jahres und sogar einer der besten der letzten Jahre. Die impliziten (oder auch nicht so impliziten) normativen Forderungen, die in der Rezension an Filme gestellt werden, sollten nochmal überdacht werden. Ein ernstzunehmender Tip: Unbedingt im Original anschauen, sonst funktioniert da nicht mehr viel.



Name: Switchina
Email:
Bewertung:                      (9 von 10 Augen)

Ach, Alain Chabat ist ein hervorragender Schauspieler, er wurde schon oft Ausgezeichnet, Charlotte Gainsbourg macht zusätzlich noch tolle Musik.

SCHAUT EUCH DEN FILM AN, ICH WAR BEEINDRUCKT.



Name: Buci
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Bewertung:                (6 von 10 Augen)

Ich hab den Film vor gezeiten mal im Kino geschaut, aber jetzt wo mir der name hier aufgefallen ist, ist mir gleichzeitig auch wieder das gefühl eingefallen, dass ich beim schauen des Filmes hatte...

Man kann auch ein wenig zuviel Phantasie reinschmeißen und ein wenig zu wenig Handlung drin haben

der Film kam mir vor, als hätte er sich an die fabelhafte Welt der Amelie versucht, ist dabei aber in einer Traumblase stecken geblieben

Also nach dem Kinobesuch war ich nicht sonderlich.... sagen wir mal.... befriedigt. hat zuviel versucht, aber es nicht wirklich zuende geschafft. Meine Begleitung war übrigends der selben Meinung



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