Was waren das für Zeiten, damals Mitte
der achtziger Jahre. Jeder neue Eddie Murphy-Film, der auf Video
erschien, garantierte eine Menge Spaß und durch mehrmaliges
Ansehen reichlich neue Zitate von unserem „Kultkomiker“. Ich
spreche hier von Klassikern wie „Nur 48 Stunden“ , „Die Glücksritter“,
„Beverly Hills Cop“ und mit Abstrichen auch noch „Der Prinz
von Zamunda“ und „Auf der Suche nach dem goldenen Kind“.
Danach folgte ein totaler Absturz („Harlem Nights“, „Vampire
in Brooklyn“) und mühevolle Comebackversuche („Boomerang“,
„Ein ehrenwerter Gentleman“). Und heute? Heute ist Herr Murphy
kommerziell gesehen erfolgreicher denn je, denn familienfreundliche,
harmlose Komödien wie „Der verrückte Professor“ oder
„Dr. Doolittle“ erreichen ein Millionenpublikum.
Dem Fan des „alten“ Eddie Murphy geben diese Werke allerdings
wenig, im Gegenteil, er ist eher genervt. Die Vorfreude hält
sich also in Grenzen, wenn man jetzt „Lebenslänglich“ vorgesetzt
bekommt. Aber irgendwie hofft man ja doch immer auf einen neuen
„großen Wurf“.

Das
ist „Lebenslänglich“ sicher nicht. Aber auch kein totaler
Reinfall, sondern irgendwo dazwischen. Die Handlung ist schnell
wiedergegeben: Der Kleinganove Ray (Eddie Murphy) und der eigentlich
gesetzestreue, aber abgebrannte Buchhalter Claude (Martin Lawrence)
lernen sich unter reichlich konstruierten Umständen kennen,
müssen mehr oder weniger gezwungenermaßen einen Schmuggelauftrag
gemeinsam abwickeln, geraten dabei ins Visier eines korrupten
und rassistischen Kleinstadtsheriffs und werden unschuldig wegen
Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Claude wird Ray ewig
die Schuld dafür geben und sowieso können sich die
beiden ja grundsätzlich nicht ausstehen. Können sie
natürlich doch, und die jahrelangen Sticheleien und Hahnenkämpfe
zwischen den beiden verdecken nur die Tatsache, daß sie
ohne den jeweils anderen gar nicht mehr auskommen könnten.
Im Prinzip hat der Film ab der Verurteilung der beiden Protagonisten
gar keine wirkliche Handlung mehr, sondern wird zu einer Aneinanderreihung
einzelner Episoden aus dem Gefängnisalltag. Im Knast gibt
es die

übliche
Mischung aus fiesen Aufsehern und gutherzigen Direktoren (Ned
Beatty), sowie gewohnt schräge und skurrile Mitgefangene,
die eigentlich alle viel zu nett sind, um als verurteilte Massenmörder
durchzugehen. Aber so liebenswert und gemütlich diese Knastgemeinschaft
auch ist, unsere beiden Helden versuchen trotzdem ständig,
die Flucht zu ergreifen. Allerdings ohne den geringsten Erfolg.
Und so wird die „Welcome back“-Begrüßung durch die
Knastbrüder schnell zur Routine. Diese Geschichte erzählt
der Film über eine Zeitspanne von 65 Jahren (von 1932 bis
heute) und wird damit seinem Titel durchaus gerecht.

Lebenslänglich“
ist ein zwiespältiger Film. Die Einführungsgeschichte
ist mit rund 30 Minuten viel zu lang und völlig unkomisch.
Sie soll es aber sein, und deshalb ist der Zuschauer versucht,
frühzeitig zu gehen. Als Ray und Claude dann aber endlich
im Gefängnis ankommen, beginnt der Spaß und der Film
wird kurzweilig und unterhaltsam.
Nur ist es ja eigentlich nicht komisch, ein ganzes Leben unschuldig
im Knast zu verbringen Dem trägt der Film ausreichend Rechnung,
indem immer wieder ernste und melancholische Momente eingeflochten
werden („Unschuldig? Den Gag erzählen mir doch alle hier“
– „Verzeihen Sie, daß ich nicht lache, Sir!“). Während
der Trailer zum Film eine unbeschwerte Kömodie vorgaukelt,
ist das finale Werk eine etwas unbefriedigende Mischung, da
die heiteren und ernsten Teile sich nicht wirklich stimmig zusammenfügen.

Daß
Eddie Murphy hier einen gleichwertigen Partner zuläßt
ist ungewöhnlich, aber gut. Martin Lawrence („Der Diamanten-Cop“)
spielt keineswegs nur die zweite Geige und läßt das
Dauergequassel von Murphy erträglicher ausfallen, als wenn
dieser den ganzen Film mal wieder als Egotrip nutzen würde.
Die Zeitsprünge der im Rückblick erzählten Geschichte
lassen natürlich viel Raum für die Arbeit der Maskenbildner
beim Alterungsprozeß der Figuren. Dazu kommt ein hübsches
Setting der dreißiger Jahre, das einem über den zähen
Beginn hinweghilft.
Das Fazit? „Lebenslänglich“ ist zumindest keiner der geglätteten
Familienfilme aus Murphys jüngster Vergangenheit. Die Klasse
seiner Frühwerke erreicht er allerdings auch nicht; dafür
ist er zu unausgegoren, obwohl er in Ansätzen wirklich
wie eine kleine, dreckige Komödie aus besseren Zeiten wirkt.
Und damit ist man heutzutage ja schon fast zufrieden.