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Auch
wenn mit dem Begriff Kult heutzutage inflationär umgegangen wird
- die ZDF-Krimiserie "Derrick" besitzt zu Recht wahren
Kultcharakter (und das nicht nur hierzulande). Nicht zuletzt auch
durch die unglaublich beliebte "RTL - Samstag Nacht"-Parodie,
der es gelang den Satz "Harry, hol schon mal den Wagen"
derart populär zu machen, dass man vergaß, dass dieser in keiner
einzigen der 281 Folgen tatsächlich fiel. Dennoch war 1998 nach
25 Jahren Schluss und der in die Jahre gekommene Horst Tappert hing
Dienstwaffe und -toupet an den Nagel. Nun sind er und sein "Kollege"
Fritz Wepper zurück - wenn auch nur als Trickfiguren. Diesmal ermittelt
das Duo im ungewohnten Milieu des mörderischen deutschen Schlagers.
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Hier hat der ungekrönte und zahnlose Schlagerstar Arno Hallo
(gezeichnet nach Jürgen Drews und auch von diesem gesungen) das feste Ziel vor
Augen, beim Euro Song Contest (einer Art Vorentscheid des Grand Prix) den
ersten Platz zu belegen. Dafür geht er über Leichen und räumt nach und nach
seine skurrilen Mitbewerber aus dem Weg. So kommt Oberkommissar Stephan
Derrick (Horst Tappert spricht höchstpersönlich) einfach nicht dazu, seinen
verdienten Urlaub in Lappland anzutreten und sein Assistent Harry Klein
(gesprochen von Fritz Wepper), der nach all den Jahren zweiter Geige
mittlerweile an einem ausgewachsenen Minderwertigkeitskomplex leidet, muss
auf "sturmfreie Bude" verzichten. Gemeinsam macht sich das
ungleiche Paar daran, den Schlagerschuft zu überführen.
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Eine dürftige und vollkommen abstruse
Geschichte muss nicht schaden, wenn es darum geht in einem Trickfilm
etwas auf die Schippe zu nehmen, und eigentlich wäre der pensionierte
ZDF-Kommissar doch genau der Stoff, mit dem man eine amüsante, selbstironische
Komödie gestalten könnte. Hätte, wäre, könnte - die Wahrheit sieht
leider ganz anders aus. Das Witzige an "Derrick" waren
immer die von Drehbuchautor Herbert
Reinecker unglaublich steifen
und realitätsfern konstruierten Dialoge, die tatsächlich ernst gemeint
waren und dennoch wirkten wie eine Parodie. Und so ist es sicher
kein leichtes Unterfangen eine derartige "Persiflage"
zu persiflieren. Man kann die Drehbuchautoren förmlich vor sich
sehen, wie sie sich verkrampft ans Werk machten, den doch eher farblosen
Derrick in eine "crazy" Story zu verpacken, die auch den
"Kids" gefallen und die möglichst viel Bezug zu aktuellen
Geschehnissen haben sollte. Und was war 1998 aktueller und witziger
als Guildo Horn beim Grand Prix? - Nicht sehr viel. Und was hat
das noch mit 2004 und Derrick zu tun? - Richtig, gar nichts.
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Doch schon ganz andere wussten mit einem Nichts noch etwas anzustellen.
So sitzt man im Kino und hofft. Schließlich gab es in den
letzten Jahren eine ganze Reihe guter und witziger deutscher Animationsfilme,
wie z.B. "Werner" oder "Das kleine Arschloch",
und erfreulicherweise waren die doch auch von Regisseur Michael
Schaack. Tatsächlich sind Derrick und Harry ganz niedlich gezeichnet
- das war es dann leider aber auch. Alle anderen Charaktere, die
im übrigen viel zu viel Raum einnehmen, wirken eher wie lieblose,
billige Karikaturen. Wer ist eigentlich verantwortlich für diese
lächerlichen, schon peinlichen Namen und Wortkreationen, die man
bisher nur aus der "Micky Maus" kannte? Da ist die Rede
von "Wolfgang Petrus", Derrick ist "Voll im Trench",
"tappert im Dunkeln" und als wäre der Name "Arno
Hallo" noch nicht albern genug, ruft er mehrmals "Ich
bin ein Star, holt mich hier raus!". Auch der Gag einer unersetzbaren
Boygroup, die ständig ersetzt wird, und die etlichen Karikaturen
bekannter Zeitgenossen wie "Let's Get Happy"-Lou, Moshammer
oder Thomas Gottschalk (mit schwarzen Haaren) sind eher quälend.
Auch ein Navigationssystem, das mit der Stimme von Harrys Mutter
spricht und ein verrückter Wissenschaftler namens "Dr. Zark"
(gesprochen von Wolfgang Stumph) sind mehr als überflüssig und rufen
statt Belustigung beim Zuschauer eher fragendes Kopfschütteln hervor.
Ein wenig mehr Bezug zum eigentlichen Objekt des Spotts, zu dem
was Derrick ausmacht, und weniger vollkommen überzeichnete Witzfiguren
und Gags wären sicher wesentlich erheiternder gewesen.
Ist also im
Endeffekt wirklich nichts Positives zu berichten? Nun ja, immerhin sprechen
sich die Stars selber und legen dabei viel Selbstironie und Mut an den Tag.
Allerdings wirken leider viele der Dialoge so, als hätte Horst
Tappert sie im Wachkoma oder bei künstlicher Beatmung gesprochen, was an
den wichtigen Stellen eher Mitleid als Spaß aufkommen lässt. Und bei Jürgen
Drews hat es leider (oder Gott sei Dank) nur dazu gereicht einen Schlager
immer wieder anzusingen, ansonsten wird er von einem relativ unbekannten
Schauspieler gesprochen.
Durch "Derrick - Die Pflicht ruft!" werden Hape
Kerkeling und Heinz Schenk doch noch eines Besseren belehrt: Witzigkeit
hat definitiv ihre Grenzen, vor allem Schmerzgrenzen, und diese
werden hier mit Leichtigkeit durchbrochen. 80
Minuten, die sich uninspiriert und ohne Lacher in die Länge ziehen
- vielleicht die kürzeste Überlänge der Welt.
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