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"America's Sweetheart" ist eigentlich ein Synonym für
Julia Roberts. In der gleichnamigen Komödie von Joe Roth ist
damit zunächst aber nicht Julia, sondern das Star-Pärchen
Gwen (Catherine Zeta-Jones) und Eddie (John Cusack) gemeint. Beide
sind Big Shots in Hollywood und nicht nur privat, sondern auch in
ihren gemeinsamen Filmen ein Paar. Als die Beiden sich trennen,
ruft Studioboss Kingman in Tinseltown den Notstand aus, da er berechtigterweise
befürchtet, dass sich die Trennung negativ auf die Einspielergebnisse
auswirken könnte. In den Krisenstab wird PR-Profi Lee Phillips
(Billy Crystal) berufen, der die frisch Entliebten bei einem Presse-Junket
in Nevada wieder zusammenführen soll. Eddie beginnt jedoch
zunehmend, sich für Kiki (Julia Roberts), Schwester und Assistentin
der zickig-egozentrischen Gwen zu interessieren, und gerät
damit ins Kreuzfeuer der Interessen aller Beteiligter...
Was
viel versprechend wie eine nostalgische Komödie im Stil der
40er Jahre beginnt, entpuppt sich leider schnell als altbacken und
vorhersehbar - sobald ein Kaktus im Bild auftaucht, ist klar, dass
der Protagonist sich Stachel an einer empfindlichen Stelle einfangen
wird. Wirklich lustig ist das nicht. Auch die folgenden Scherzchen
bleiben in diesem Stil platt bis lau ohne jeglichen Ansatz von Biss.
Überhaupt ist Roths "America's Sweethearts", sein
erster Film nach elfjähriger Pause, voll von ungenutztem Potenzial.
Das Ensemble an sich ist zwar schon sehenswert: Roberts gibt überzeugend
die Schwester der Diva, die zwar im Hintergrund agiert, deshalb
aber bei weitem nicht auf ein verhuschtes Mauerblümchen zu
reduzieren ist. Cusacks Eddie scheint der Star-Rummel nicht ganz
geheuer zu sein - er wirkt vielmehr wie ein ambitionierter Schauspieler,
der sich, von Ruhm und Geld verführt, entgegen seinen Überzeugungen
vor die Kommerz-Karre spannen läßt. Wirklich glaubwürdig
ist das nicht - ebensowenig, wie die Chemie zwischen Cusack und
Zeta-Jones stimmt.
Billy
Crystal gibt den PR-Profi, der sein Fachwissen in ein sehr spezielles
Feld einbringen muß, ebenso solide wie den Psychiater in "Reine
Nervensache", und Zeta-Jones' Hollywood-Diva ist ein absoluter
Medienprofi, bereit, in jede Rolle zu schlüpfen, die dem Image
nutzen könnte. Darüber hinaus sind Chrisopher Walken als
eigenwilliger Star-Cutter und Alan Arkin als durchgeknallter Guru
durchaus sehenswert - aber was für Möglichkeiten hätte
Roth gehabt, eine bitterböse Hollywood-Satire hinzulegen? Den
Gipfel der Egozentrik der Zicke Gwen bildet ihre hysterische Abneigung
gegen Zigaretten im Umkreis von fünf Meilen. Das ist nicht
charakteristisch für Stars, sondern für die hyper-gesundheitsbewußten
Amerikaner überhaupt.
Umgekehrt verhält es sich mit den Szenen, die rückblickend
eine gut dreißig Kilo schwerere Julia Roberts zeigen - das
sieht zwar lustig aus, transportiert aber nur aufs Neue die allzu
bekannte "thin-is-in"-Aussage des amerikanischen Mainstream-Kinos,
wo eine wunderbare Gelegenheit zur Persiflage genau dieses Schlankheitswahns
gegeben wäre.
Roth
traut sich ganz offensichtlich nicht, seinen eigenen Arbeitgebern
ans Bein zu pinkeln und bringt auf diese Weise nur ein laues Komödchen
zustande. Seine Charaktere, jeder für sich zwar überzeugend
dargestellt, sind zu sehr 21.-Jahrhundert-Hollywood, als dass sie
sich zu einem großen Ensemble-Film zusammenführen ließen,
wie dies in den Komödien der 30er oder 40er Jahre der Fall
war, die Roth Pate stehen sollten. Und um eine überzeugende
Romanze zu schaffen, fehlt dem Film einfach das Herzblut. Letztlich
ist die Ironie eher unfreiwillig in den Parallelen zur wahren Filmwelt
zu finden - etwa wenn Julia Roberts, im wirklichen Leben mit 20
Millionen Dollar Gage pro Film die unbestrittene Königin Hollywoods,
die unscheinbare Schwester ihres Alter Egos gibt.
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