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Solaris

Solaris
scifi-drama , usa 2002
original
solaris
regie
steven soderbergh
drehbuch
steven soderbergh
cast
george clooney,
natasha mcelhone,
jeremy davies,
viola davis, u.a.
spielzeit
98 Minuten
kinostart
6. März 2003
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Nach dem filmischen Erholungsurlaub "Ocean's Eleven" kehrt Hollywoods Kritiker- und Cineasten-Liebling Steven Soderbergh (Regie-Oscar für "Traffic", Nominierung für "Erin Brockovich") mit "Solaris" nun zum anspruchsvolleren Kino zurück und fährt dafür auch gleich ein besonders schweres Geschütz auf: ein Remake von Andrei Tarkovskys unzugänglichem Filmklassiker aus dem Jahr 1972, der als eine christliche Reaktion auf Stanley Kubricks vermeintlich atheistischen "2001 - Odyssee im Weltraum" verstanden werden wollte und wiederum auf einem Roman des polnischen Sci-Fi Autoren Stanislaw Lem beruhte. Lem, dessen Werke mit den üblichen Genreausstößen ungefähr soviel gemein haben wie Dostojewski mit John Grisham, gilt als einer der anspruchsvollsten und literarischsten Schriftsteller seiner Zunft. Seine Bücher und Erzählungen befassen sich in einem oftmals sehr nüchternen Stil mit grundlegenden philosophischen, religiösen und wissenschaftlichen Problemen, ohne aber je in platte "Star Trek"-Gefilde abzudriften.
Dementsprechend introspektiv und handlungsarm (nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen Film...) ist die Geschichte des Psychologen Kris Kelvin (George Clooney), der nach dem Tod seiner Ehefrau in den Orbit des Ozeanplaneten Solaris berufen wird, weil die Besatzung einer Raumstation von traumatischen Erfahrungen und Selbstmorden geplagt wird. Dort angekommen erfährt Kelvin, dass sich hinter Solaris eine unbekannte Intelligenz verbirgt, welche ohne erkennbares Motiv bestimmte Erinnerungen der Crew zum Leben erweckt. Und tatsächlich: kurz nach seiner Ankunft auf der Station begegnet Kelvin seiner verstorbenen Frau Rheya. Hin- und her gerissen zwischen dem Verlagen, diese zweite Chance zu nutzen, und den Zweifeln an der Authentizität seiner Erlebnisse, versucht er das Mysterium von Solaris zu ergründen. Dabei muss er sich selber mit der unangenehmen Frage konfrontieren, wie gut er Rheya wirklich gekannt hatte und wie ähnlich diese fleischgewordene Erinnerung der realen Person tatsächlich ist.

War Lem schon nicht mit der 1972er Version zufrieden (was nicht viel heißen soll...), würde er bei diesem Remake wahrscheinlich schreiend aus dem Kino stürmen, denn Soderberghs "Solaris" ist leider nichts anderes als ein narzisstischer Langweiler der übelsten Sorte: unendlich lange Close-ups der Charaktere, bedeutungsschwangeres Schweigen, zähflüssiges Erzähltempo, fragmentarische Dialoge, regungslose Gesichter und noch mehr Schweigen. Es scheint beinahe so, als hätte Soderbergh mit aller Kraft versucht, sämtliche negativen Assoziationen, die man mit dem Begriff "Autorenfilm" verbindet, in 98 Minuten Laufzeit zu packen.
Aber leider macht Stille alleine eben noch keinen interessanten Subtext, wenn die Dialoge dazwischen nur aus pseudo-intelligentem Gesülze bestehen. Auch reichen Close-ups nicht aus, den Betrachter emotional zu involvieren, wenn sie das Innenleben der Charaktere nicht offenbaren, weil selbige sich nur wie wiederkäuende Kühe anstarren. Und Langsamkeit ist noch lange nicht mit Anspruch gleichzusetzen, besonders dann nicht, wenn jedes philosophische, moralische oder spirituelle Problem, das der Film anschneidet, früher oder später von einem der Protagonisten auch noch in aller Ausführlichkeit artikuliert wird.
Soderberghs Versuch, großes Kopfkino in der Tradition des europäischen New Cinemas zu inszenieren, führt zu einigen ziemlich lächerlichen Szenen. So rennt Natascha McElhone auf der Suche nach ihrer Identität die ganze Zeit mit aufgerissenen Rehaugen durch die Raumstation und nervt die anderen Protagonisten sowie das versammelte Publikum mit solch hoch existenzialistischen und unglaublich tiefgehenden Fragen wie "Woher komme ich?", "Was bin ich?", "Wohin gehe ich?". Super! Dass man spätestens nach einer Stunde der Leinwand nur noch ein heftiges "Ist mir doch scheißegal!" entgegen schleudern will, ist symptomatisch für den ganzen Film, denn die Charaktere und ihre Dilemma lassen einen seltsam kalt. Soderberghs schier panische Angst, sein Film könnte aufgrund der Thematik allzu melodramatisch und kitschig ausfallen, führt zu einer extrem distanzierten Erzählweise, deren Endresultat ein Desinteresse auf Seiten des Publikums ist (Soderbergh selber hat mit "Traffic" und "Erin Brockovich" gezeigt, dass Gefühle und Kitsch auch ohne eine emotionale Radikal-Sterilisierung sehr effektiv voneinander getrennt werden können).

Clooney-Fans dürfen sich zwar über die ein oder andere medienwirksame Aufnahme seines nackten Hinterns freuen, aber seine Mimik bleibt dafür um so ausdrucksloser. Die Tatsache, dass dieses minimalistische Spiel eine durchaus bewusste Entscheidung war und nicht auf einen Mangel an Clooneys Talenten zurückgeführt werden kann, macht die Sache auch nicht erträglicher. Die Einsamkeit und Isolation der Figur wird so zwar merkbar nach außen gekehrt, aber auf eine Art und Weise, die auf der Leinwand nur bedingt funktioniert. Wenn diese Fassade am Ende bröckelt, dann geschieht das zu einem Zeitpunkt, an dem man schon jedes Interesse an dem Protagonisten verloren hat.
Die obligatorischen Nebenrollen-Exzentriker geben ebenfalls nicht sehr viel her: Jeremy Davies soll als nervöser Computer-Nerd für ein bisschen melancholische Komik sorgen (wobei der Humor darin besteht, dass der Charakter keinen einzigen kohärenten Satz von sich geben kann und sich minutenlang durch seine Zeilen stottert. Hahaha. Zum Brüllen) und Viola Davis darf als introvertierte Wissenschaftlerin Kelvin gelegentlich eine ihrer Solaris-Theorien vortragen, damit der Plot auch mal ein paar Zentimeter weiter kriechen kann (die Rolle ist letztendlich so irrelevant, dass sich einem fast schon der unangenehme Begriff "Quoten-Schwarze" aufdrängt).

Auch die Optik, die wohl als eine Hommage an Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum" verstanden werden soll, ist dermaßen ideenlos, dass sie nur als eine amateurhafte Imitation daherkommt. Sämtliche Kostüme, Kulissen und Kameraeinstellungen sind nichts weiter als billige Kubrick-Plagiate, die zeigen, dass Soderbergh trotz seines Rufes nie in diese Dimensionen vordringen wird. Er hätte diesen Vergleich einfach nicht so offensichtlich erzwingen sollen. Zwar versucht der Regisseur dem Look seinen persönlichen Stempel aufzudrücken, indem er wieder einmal seine berühmten Farbfilter bemüht, aber die Einteilung (grobkörnige Brauntöne für die Flashbacks, steriles Neonlicht für die Raumstation) entbehrt sich jeglicher Kreativität und sieht aus, als würde sich Soderbergh auf verzweifelter Stilsuche nur noch selber kopieren. Während "2001" ein technisches und visuelles Meisterwerk war, langweilt "Solaris" nur mit nichtssagenden Aufnahmen des Ozeanplaneten (der sich im Film einzig als flackerndes Diskolicht mit Blitzen und Nebelwolken präsentiert; so eine Art planetarischer Rohrschach-Test) und endlosen Weltraumeinstellungen, die gerne meditativ wären, aber in ihrer Redundanz letztendlich nur zur allgemeinen Langweile beitragen.

Zu allem Überfluss wurde der Film in den Staaten noch als großes, von James Cameron produziertes Starkino beworben (so eine Art "Titanic" im Weltraum), was zu regelrechten Massenfluchten aus den Kinosälen geführt hat. Zwar sind solche Publikumsreaktionen nicht unbedingt als Qualitätsurteil zu werten, aber sie zeigen dennoch, dass es dem Film nicht gelingt, sein Publikum zu fesseln. Christopher Nolans "Memento" hatte z.B. eine ähnliche Thematik (Identitätssuche und Erinnerung), benutzte eine weitaus kompliziertere Erzählweise und hat die Zuschauer trotzdem unterhalten können.
Sicherlich werden einige Feuilletons den Film als cineastisches Meisterwerk mit Mut zur Langsamkeit loben, als Liebesfilm ohne falsche Sentimentalität, als erwachsenen Science-Fiction Streifen oder als kaltes Porträt menschlicher Vereinsamung, aber die gleichen Publikationen würden auch "Jackass: The Movie" als eine dadaistische Demontage narrativer Konventionen anpreisen, solange sich ein namhafter Kultfilm-Regisseur für den Müll verantwortlich zeichnet. "Solaris" wäre gerne ein unheimlich cleverer und vertrackter Film, aber Soderbergh bemüht so viele Plattitüden, dass man sich schon beim Zusehen schämt, und der Streifen letztendlich zu seiner eigenen Satire verkommt. Die inszenatorische Coolness, die in "Traffic", "Ocean's Eleven" oder "Out of Sight" brillant funktioniert hat, wirkt in "Solaris" nur noch deplaziert, da sie ein dramaturgisches Paradoxon produziert: einen emotionslosen Film über große Emotionen.
"Solaris" krankt letztendlich an der Eitelkeit des Regisseurs und seiner Hauptdarsteller. Herausgekommen ist ein absolut unbedeutender, hochnäsiger und vermeintlich elitärer Film, der trotz einer knappen Spielzeit von nur 98 Minuten Kubricks überlanges Sternenepos wie einen amphetamin-gespeisten Videoclip erscheinen lässt. Spätestens bei der verkitscht-religiösen Auflösung sollte schließlich jedem klar werden, dass der Film tatsächlich so platt ist, wie er die ganze Zeit über schien.

Jan Kucharzewski

2

Habe den Film gerade zum ersten Mal im Fernsehen gesehen. Ich kann jetzt der Rezension nur zustimmen und danke nochmal dafür, dass ich dank derselbigen vor vier Jahren kein Geld für die Kinokarte verschwendet habe.

9

ich fand den film SUPER mal was anderes nicht immer diese aufgeblasene nervtoetende music und das gemuetliche dahingleiten war fuer mich mal eine angeneme ueberaschung sicher hat er einige schwaechen aber.........

10

Moderner Klassiker! Wie oben schon jemand schrieb: Der beste Science-Ficton-Film seit 20 Jahren. Keine Laser, keine Explosionen, kein (fließendes) Blut. Dafür sehr guter Soundtrack(wenn auch nicht sehr abwechslungsreich), sehr gute Kamera (ja einige Einstellungen sind eine Hommage an 2001), oftmals genialer Rhythmus in den Dialogen (ich meine die DEUTSCHE Fassung), tiefgreifende Story, überzeugende Darsteller (und nein, weil eine schauspielerin rehaugen hat, muss das nichts schlechtes heißen).

Ich kann verstehen das der Durchschnittskinogänger gelangweilt ist. Die Handlung ist ja auch sehr langsam, aber für MICH ist genau DAS der große Pluspunkt des Film. Keine Szene empfinde ich als langweilig, in jeder gibt es etwas zu entdecken, ob es nun eine Dialogzeile ("Wir suchen keine neuen Welten, wir suchen nur Abbilder"), das Licht (reijas gesicht kurzzeitig erleuchtet weil die Raumstation sich dreht), die Musik (kelvin schickt reija in den weltraum), ....

Leider habe ich den Film nicht im Kino gesehen. Ich mag Soderbergh nicht. Dann macht er auch noch ein Remake eines Klassikers mit Clooney in der Hauptrolle. Das kann gar nicht gut gehen. Dann hab ich ihn doch mal als DVD angeschaut und dann die nächsten 7 Tage jeweils nochmal. Der Rhythmus ist einfach sensationell.

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