Mit „Ready or Not“ kam 2019 ein recht günstig produzierter Horrorfilm in die Kinos den so ziemlich jeder mochte. Ein kurzweiliges Mörderspiel, in dem Samara Weaving eine Nacht lang ums Überleben kämpfen musste, da sie dummerweise in die falsche, ziemlich gestörte Familie eingeheiratet hatte. Kompakt und auf engem Raum spielend blieb der Genrebeitrag durchgehend unterhaltsam und dass dem nun eine Fortsetzung folgt ist nicht wirklich überraschend. Auch nicht, dass diese das Thema nach bekannter Sequel-Art ein ganzes Stück größer aufzieht und jetzt die nach festen Regeln agierende Macht präsentiert, die hinter der dämonischen Hatz steht. Eine andere Regel besagt aber auch, dass größer und mehr nicht unbedingt auch immer besser bedeutet und genau die wird durch „Ready or Not 2“ erneut bestätigt.

Die Geschichte schließt dabei direkt ans Ende des Vorgängers an. Nachdem Grace (Weaving) gerade erst die mörderische Nacht überstanden hat wird schon die nächste Jagd auf sie eröffnet. Denn nachdem sich die Le Domas–Familie durch kollektive Selbst-Explosionen ausgelöscht hat muss entschieden werden welche Dynastie künftig in dieser genauso seltsamen wie mächtigen Parallelwelt das Sagen hat - und damit auch den neuen, alles bestimmenden Ringträger stellt. Das bisherige Oberhaupt (lässiger Gastauftritt von David Cronenberg) hat sich nämlich lieber selbst aus dem Spiel genommen, da er nicht mehr kräftig genug ist, um aus dem anstehenden Wettkampf als Sieger hervorzugehen. Und schickt stattdessen seinen Nachwuchs ins Feld, u.a. Tochter Ursula (Sarah Michelle Gellar). Dazu gesellt sich noch eine Handvoll weiterer Familien, die ihre Vertreter und einen ausgewählten Jäger für die Hatz auf die beiden jungen Frauen bereitstellen. Die Beiden? Ja, denn unglücklicherweise wurde angesichts der in Not geratenen und verletzten Grace deren Schwester Faith alarmiert, die nun ebenfalls um ihr Leben kämpfen muss – obwohl sie zu ihrer Schwester seit Jahren ein eher gleichgültig bis schlechtes Verhältnis pflegt.

Und dann geht’s auch schon gleich wieder los mit dem Gerenne und Versteckspiel, viel Zeit lässt sich diese Fortsetzung wirklich nicht um aufs Gaspedal zu drücken. Die diversen Regeln und Optionen, die es sowohl für Jäger als auch Gejagte gibt, werden uns dann im weiteren Verlauf näher gebracht und zwar Stück für Stück immer dann wenn es gerade der jeweiligen Situation nützt. Das Ergebnis ist allerdings nur mittelprächtig, denn wenn hier knapp neunzig der einhundertacht Minuten auf die action- und effektreiche Jagd verwendet werden ist das doch ein wenig zu viel des Guten und Wilden um durchgängig das Interesse zu halten. Um diese Laufzeit zu füllen werden die einzelnen Vertreter der Clans mit zahlreichen Macken und Verrücktheiten charakterisiert, was sie aber überwiegend eher zu albernen Cartoon-Figuren werden lässt. Eine Sarah Michelle Gellar zieht sich da als eiskalt-hinterhältig agierende Bitch noch mit am Besten aus der Affäre, während Suaheli Word als das ganze Treiben überwachender und aus seinem überdimensionalen Regelbuch zitierender Advokat genügend Zeit hat sich zu fragen warum er eigentlich nur noch solche wenig ergiebigen Mini-Parts spielen darf.

Was im ersten Teil noch kompakt und knackig daherkam ufert nun zusehends aus, auch dank der extrem ausführlich aufgearbeiteten Traumata der beiden Schwestern, die sich am Schluss natürlich trotzdem zusammenraufen müssen. Und was zuvor ein für ein Versteckspiel passend begrenztes, übersichtliches Gebäude war ist nun ein weitläufiges Anwesen in dem sich nicht nur die Protagonisten sondern auch die Handlungsstränge zusehends verlaufen. Was nicht heißen soll, dass das Ganze nicht mitunter immer wieder auch Spaß macht, denn die einzelnen Kills sind durchaus originell und viele Kamerafahrten rasant. Aber so richtig überzeugt der ganze Quatsch, um den es sich bei dieser Parallelwelt-Story letztlich ja handelt, im zweiten Durchlauf halt nicht mehr, dafür kommt das Alles ein Stück zu bemüht und aufgeblasen daher.
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