Luther

Originaltitel
Luther
Jahr
2003
Laufzeit
121 min
Regie
Release Date
Bewertung
7
7/10
von Anna Sola / 23. August 2010

 

'Warum ein Film über Luther?' ist sicherlich eine Frage, die sich viele stellen werden. Hinsichtlich der Helden des diesjährigen Kinosommers ist das verständlich. Schließlich ist Luther weder grün, noch hat er übermenschliche Kräfte oder ein schnelles Auto. Eine mögliche Antwort wäre sicherlich, dass die Produktion von evangelischen Gemeinden und diversen ähnlich veranlagten amerikanischen Unternehmen gefördert wurde. Regisseur Eric Till (Bonhoeffer - die letzte Stufe) beweist jedoch, dass "Luther" nicht nur ein Lehrfilm für Anhänger seines Glaubens ist, sondern vor allem eine spannende Geschichte über das Leben eines Mönchs im Wittenberg des 16. Jahrhunderts: So wurde Luther beinahe vom Blitz erschlagen, stellte sich mit 95 Thesen gegen den Papst, wurde auf die Wartburg entführt, übersetze das Neue Testament innerhalb von elf Wochen ins Deutsche und wurde Begründer der Reformation.

Der vielversprechende Stoff wurde Dank internationaler Produktion vom Schicksal 'TV-Movie' verschont und wirkt eher wie ein Hollywood-Kostümfilm. Till versteht es, Luther als eine Art Robin Hood erscheinen zu lassen, der der Katholischen Kirche klar macht, dass die Ausbeutung der Armen durch den Ablasshandel (das "Erkaufen" einer reinen Seele für den vermeintlichen Eintritt ins Himmelreich) ein Ende haben muss. Wie ein Hollywood-Held stellt Luther sich gegen das herrschende System um für den kleinen Mann zu kämpfen.

Da Filmhelden (selbst historische) nie hässlich sind, wurde die Hauptrolle nicht etwa mit Bruno Ganz, der Luther zwar ähnlich sieht, aber weder jung noch schön ist, sondern mit Joseph Fiennes (Shakespeare in Love) besetzt (der sich immerhin im 16. Jahrhundert wohl zufühlen scheint). Bruno Ganz (Der Himmel über Berlin) spielt stattdessen seinen väterlichen Ratgeber von Staupitz. Ein weiterer Verbündeter Luthers ist Friedrich der Weise von Sachsen, gespielt von Sir Peter Ustinov (Quo Vadis, Lorenzos Öl). Dieser spielt sich zwar hauptsächlich selbst, das aber mit soviel Humor, dass man es ihm nicht übel nimmt. Als Gegner Luthers glänzen Alfred Molina (Chocolat) als Ablasshändler Tetzel und Jonathan Firth als Gesandter des Papstes. Der Vorteil dieser internationalen Besetzung ist, dass dem deutschen Publikum einmal die ewige Präsenz von Moritz Bleibtreu und Katja Riemann erspart bleibt.

Regisseur Till gelingt es, diese Geschichte mit bekanntem Ausgang (sozusagen das Titanic-Dilemma) spannend zu erzählen, ohne historisch zu ungenau zu werden. Somit gibt es nicht nur zwei Stunden Unterhaltung, sondern auch ein bisschen Nachhilfe für die weniger Bibelfesten unter uns.

Bilder: Copyright

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