King Richard

Originaltitel
King Richard
Land
Jahr
2020
Laufzeit
144 min
Genre
Release Date
Bewertung
5
5/10
von Volker Robrahn / 24. Februar 2022

Mehrere Oscarnominierungen und vor allem die überschwänglichen Lobpreisungen für die Leistung von Will Smith eilen dem Film über den Aufstieg der beiden Schwestern Venus und Serena Williams an die Spitze der Tenniswelt voraus. Dessen Titel aber schon verrät, dass wir es hier eher nicht mit einem nach üblicher Vorgehensweise arbeitenden Biopic zu tun haben, in dem der mühevolle Aufstieg und die persönlichen Probleme eines real existierenden Superstars geschildert werden. Denn hier dreht sich (fast) alles um den Vater der eigentlichen Berühmtheiten und wie er sie dorthin gebracht hat. Mit Methoden die von Anfang an höchst umstritten waren, in diesem Film aber nun legitimiert und nicht wirklich in Frage gestellt werden.

In dem dann auch ganz offen bestätigt wird, was sich als urbane Legende seit Jahrzehnten hält: Schon die Geburt der Töchter gehörte für Richard Williams zum Plan seiner Familie ein Leben in Wohlstand zu ermöglichen. Hatte er doch erkannt, dass der Weg an die Weltspitze im Damentennis aufgrund der geringen, mit einem entsprechenden Willen ausgestatteten Konkurrenz einfacher zu erreichen sei als anderswo. Und so bringt der fünffache Vater aus Compton mit unerbittlicher Disziplin und Ausdauer seine gesamte Familie dazu diesen Weg mitzugehen, stellt sich den erfahrenen, meist weißen Trainern und Managern mit seiner „ich weiß es aber besser“ - Attitüde entgegen und - behält damit am Ende recht: Sowohl Venus als auch ihre jüngere Schwester Serena erklimmen die Spitze der Tennis-Weltrangliste und stellen dabei zahlreiche Rekorde auf.

Die Power mit der Will Smith hier den getriebenen, von sich selbst absolut überzeugten, aber auch durch seine eigene Jugend traumatisierten Richard Williams verkörpert weiß tatsächlich zu beeindrucken, ist aber halt auch aufgrund der Vorlage eine absolute Traumrolle um so richtig brillieren zu können. Es ist ja nicht so, dass man ihm das nicht zugetraut hätte, spätestens seit seiner intensiven Performance in „Das Streben nach Glück“ ist sicherlich jedem klar, dass deutlich mehr im ehemaligen Fresh Prince von bel Air steckt als in den ersten Jahren seiner Karriere zu vermuten war. Es ist aber eher so, dass man damit vielleicht gar nicht MEHR gerechnet hätte, schließlich war Smith in den letzten Jahren nicht mehr so präsent und auch nicht mit großen Blockbustern auf der Leinwand zu sehen. So ganz vergessen macht er sein nun mal sehr bekanntes Gesicht hinter dieser Rolle zwar nicht, schlüpft aber dennoch sehr überzeugend auch in Sachen Bewegung, Gestik und Sprache in einen völlig anderen Körper. Und besitzt natürlich auch den Witz und Charme um seine Figur auch dann ziemlich sympathisch wirken zu lassen wenn die sich doch eigentlich völlig dreist und unverschämt verhält.

Zumal das Drehbuch es so möchte, dass jedes mal wenn Papa Williams den Querkopf und Besserwisser gibt unmittelbar darauf die Bestätigung eintritt, dass nur er das alles genau richtig gesehen und eingeschätzt hat. Wer nur ein wenig über den realen Richard W. gesehen oder gelesen hat gerät schon ein wenig ins Staunen wie eindeutig positiv dessen Streitlust, Sturheit und Kontrollsucht hier bewertet werden – es war demnach eben der einzig richtige Weg. Welche Konsequenzen ein ja auch mögliches Scheitern für die Psyche seiner Kinder gehabt hätte wird dabei nicht thematisiert – wozu auch, denn es ging ja alles gut und so kommt „King Richard“ also als rundum erbauliches Feel Good – Movie daher.

Die eigentlichen Protagonistinnen und Leistungsbringer dabei deutlich im Hintergrund zu belassen und so einen Sportler-Aufstieg einmal aus einer anderen Perspektive zu schildern ist an sich nicht uninteressant, führt aber eben auch dazu, dass die Charakterisierung der beiden Mädchen (und im Grunde sämtliche Figuren außer Richard) reichlich oberflächlich bleibt, weshalb auch die Oscar-Nominierung von Film-Gattin Aunjanue Ellis für die beste Nebenrolle etwas überrascht. Gelungen ist dafür die realistische Inszenierung des Los Angeles der späten achtziger und frühen neunziger Jahre, etwas weniger gut funktioniert das durchgehende Halten des Spannungsbogens zwischen Sportfilm und Sozialdrama. Mag sein, dass Richard Williams nicht der oft dämonisierte Tyrann war als der er durch die Medien geisterte, die vollständige Reinwaschung und Verherrlichung als „König Richard“ dürfte aber dann doch eher den Interessen der Beteiligten zu verdanken sein. Wer daran zweifelt: Die realen Williams-Schwestern waren sich zunächst nicht sicher, ob sie diesen Film mitproduzieren wollten – nach Sichtung von Konzept und Drehbuch waren sie dann aber doch schnell mit an Bord.

Bilder: Copyright

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