Greenland 2

Originaltitel
Greenland 2
Land
Jahr
2025
Laufzeit
100 min
Bewertung
5
5/10
von Volker Robrahn / 7. Januar 2026

Der damals noch kurz vor der Corona-Pandemie in den Kinos angelaufene „Greenland“ wird nicht nur deshalb als kleiner Überraschungserfolg betrachtet, weil man von dem sich meist nur noch im Gefilde der eher anspruchslosen Action B-Ware bewegenden Gerard Butler nicht mehr allzu viel erwartet. In diesem Fall überzeugte auch die Machart, die neben einer sauberen technischen Produktion ihr Weltuntergangsszenario nicht nur als reines Effektkino inszenierte, sondern auch mit einem guten Spannungsbogen und sogar emotional bewegenden Charaktermomenten überzeugen konnte. Die nun anstehende Fortsetzung ist allein deshalb interessant, weil Geschichten dieser Art nach erfolgtem Weltuntergang normalerweise ihr natürliches Ende finden, auch wenn es noch ein paar Überlebende gibt. „Greenland 2“ erzählt die Story nach der Apokalypse aber nun tatsächlich weiter und stellt sich somit der Aufgabe, eine „neue“ Welt und deren Regeln vorstellen und etablieren zu müssen – was aber nur mittelprächtig gelingt.

Einige Jahre nach dem Einschlag des Kometen „Clarke“ harren John und seine Familie immer noch in ihrem Bunker in Grönland aus, denn die dortige Umwelt entwickelt sich eher zum Schlechteren anstatt neue Hoffnung zurückzubringen. Nach einer weiteren heftigen Naturkatastrophe sind die Bewohner schließlich sogar gezwungen zu fliehen. Ihr Ziel ist die Ursache der ganzen Katastrophe, nämlich der durch den Einschlag des Kometen entstandene Krater, der laut einigen wissenschaftlichen Erkenntnissen tatsächlich die aktuell besten Voraussetzungen für neues Leben in Form einer angenehmen Flora und Fauna bietet. Der Weg dorthin ist allerdings äußerst gefährlich, vor allem wenn man sich nicht nur der rauen Natur, sondern auch jeder Menge feindlich gesinnter Mitmenschen erwehren muss.

Vor allem der Auftakt im kargen Bunker, in dem erst mal viel diskutiert wird, stellt sowohl visuell als auch vom Handlungstempo her einen krassen Gegensatz zum Stil dar, mit dem der Vorgänger die Sache anging. Das ist zunächst wenig packend, was sich aber nach einer halben Stunde ändert, wenn die eigentliche Reise beginnt und Drehbuch und Kamera im Verlauf doch noch ein paar stark inszenierte Sequenzen präsentieren. Dabei schreckt man auch nicht davor zurück, die eine oder andere viel versprechend aufgebaute Nebenfigur unerwartet aus der Handlung zu nehmen, was das Ganze erfreulich unberechenbar macht. Was den Zustand der Welt betrifft, durch die sich John und seine Familie dabei bewegen, darf man aber das eine oder andere Mal etwas mit der Stirn runzeln.

Denn sowohl die Verfassung einzelner Städte und Wälder, als auch die Anzahl der sich dort aufhaltenden Menschen widerspricht doch recht stark dem, was die erfolgte Katastrophe laut den im vorigen Film gemachten Aussagen eigentlich hätte anrichten müssen – da fragt man sich irgendwann schon, warum denn damals jeder mit aller Macht versucht hat in den grönländischen Bunker zu gelangen. Und wenn dann irgendwann die wie gemalt aussehende Kitschansicht des neuen Paradieses gezeigt wird, sorgt das leider für den einen oder anderen ungewollten Lacher im Publikum. Was ein bisschen schade ist, denn den ansonsten sehr solide gemachten „Greenland“-Filmen gelingt es auf der anderen Seite eben auch, starke Charaktere zu entwickeln, an deren Schicksal man wirklich Anteil nimmt, was in diesem Genre sonst doch eher selten vorkommt. Insgesamt noch solide lautet dann auch das Gesamturteil zu dieser Fortsetzung, die aber das Niveau des Vorgängers nicht erreicht.

Bilder: Copyright

6
6/10

Greenland hat mich damals überrascht, weil der Film so ganz anders inszeniert war, als man es von Katastrophenfilmen gewohnt war. Es gab Action und Nervenkitzel bis zum Anschlag, aber weniger durch krasse Effekte aus dem All, sondern eher aus dem menschlichen Trieb der Selbsterhaltung, der manchmal jegliche Moral vergessen macht.
Am Ende schlug der Komet ein und unsere Protagonisten konnten sich nach einer haarsträubenden Flucht vereint im sicheren Bunker einfinden. Ein schönes Ende.

Nun kam überraschenderweise ein zweiter Teil und da die Macher dieselben sind, war für mich klar, dass ich das Ergebnis sehen muss, immerhin hat man sich klar von den ganzen Emmerich & Co. Produkten abgegrenzt und die Katastrophe näher an die Personen und deren kleinen Konflikte gerückt. Ein Bunker-Szenario kombiniert mit einer Endzeit-Welt außerhalb ist ein reizvolles Konzept.

Und ich stimme mit der Rezension hier nicht überein, wenn die Bunker-Szenen langatmig beschrieben werden, denn gerade das ist ja wichtig: den Alltag aufzeigen, wie das Leben läuft, was der Plan für die Zeit danach ist, vor allem, wenn Vorräte zur Neige gehen oder weitere Menschen aufgenommen werden sollen.
So gesehen ist gerade der Anfang genau das, was ich erwartet hatte.
Dann jedoch passiert es: der Bunker wird zerstört, die Menschen müssen erneut fliehen und unsere Familie wählt las Ziel den Einschlagskrater, in dem sich Gerüchten zufolge in den letzten fünf Jahren ein Utopia gebildet hat.

Und ab hier haben wir nun einen Film, der zwar immer noch packend inszeniert ist, nun aber konventionelle Wege einschlägt. Blitzstürme, Erdbeben, Kometeneinschläge kommen nun zu den typischen Bürgerkriegs-ähnlichen Zuständen dazu und treiben die Handlung im Eiltempo auf das Finale zu.
Und das alles gerät dem Film nun zur Schwäche, denn wo der erste Teil unvorhersehbar war, weil einfach alles passieren konnte, zeichnet sich hier schon sehr früh und sehr deutlich ab, wie das alles endet und wer am Ende am Ziel ankommt und wer nicht.

Alles ist zwar größer, lauter, schneller und auch toll inszeniert, jedoch hatten wir eben alles schon mehrfach gesehen, sei es in Armageddon, in Dantes Peak, in The Day after Tomorrow, in 2012 oder Twister, um nur die Sahnehäubchen aufzuzählen. Greenland 2 ist nun halt einer unter vielen und gibt damit das Alleinstellungsmerkmal von Teil 1 fast vollständig auf.

Gedankenspiel: angenommen, man hätte ausschließlich den Bunker thematisiert, die Not, diesen irgendwann verlassen zu müssen, Intrigen, Sabotage, Eindringlinge.....was wäre das für ein Film geworden?! Und wenn mir das nebenbei einfällt, wundert es mich schon, warum die Autoren hier nicht neue oder zumindest weniger ausgetretene Wege beschreiten wollten?!

Wie auch immer: man kann den Film anschauen, wird weder gelangweilt, noch genervt und in Sachen Logik passiert hier auch nichts, was nicht anderen Werken auch unterlaufen würden (vielleicht vom Kitschbild am Ende abgesehen, da gehe ich mit). Aber der Überflieger ist es leider nicht geworden.

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