Watermark

Originaltitel
Watermark
Land
Jahr
2013
Laufzeit
92 min
Release Date
Bewertung
8
8/10
von Frank-Michael Helmke / 16. April 2014

Watermark"Watermark" ist ein Film über die zentrale Bedeutung des Elements Wasser für die Entstehung des Lebens, wie es unseren Planeten formt, wie wir es uns zunutze machen und wie töricht und kurzsichtig wir Menschen dabei oftmals vorgehen. Und das Schöne an "Watermark" - neben seinen unglaublich beeindruckenden Bildern - ist die Tatsache, dass er dies alles transportiert ohne einen mahnenden Zeigefinger zu heben und seinem Publikum mit einer oberlehrerhaften Öko-Attitüde auf Teufel komm raus ein besseres Bewusstsein dafür einzutrichtern, wie wertvoll Wasser ist und wie wenig wir diesen Wert zu schätzen wissen. "Watermark" kann sich darauf verlassen, dass diese Botschaft sein Publikum auch so erreicht, denn seine Bilder sprechen viel mehr als es irgendein belehrender Off-Kommentar könnte. Den es hier dann konsequenterweise auch nicht gibt.

Fünf Jahre lang bereiste die kanadische Regisseurin Jennifer Baichwal zusammen mit dem renommierten Natur-Fotografen Edward Burtynsky den gesamten Planeten, um Material für einen Bildband Burtynskys und für diesen Film zu sammeln. Aus insgesamt 199 Stunden Rohmaterial schnitten sie schließlich dieses 92-minütige Kondensat zusammen, das an gut 20 verschiedenen Beispielen die mannigfaltigen Aspekte der Wassernutzung auf unserem Planeten illustriert. Schon die Auswahl dieser "Erzählstränge" wirft ein Licht darauf, dass es den Filmemachern um mehr geht als 'nur' eine ökologische Botschaft über die verheerenden Folgen der Wasserverschwendung durch kurzsichtige Landwirtschaftsprojekte. WatermarkDer Film zeigt auch, welch unbändigen Kräfte im Wasser liegen, wie wir uns diese zunutze machen können, wie es als Quell des Lebens religiöse und rituelle Bedeutung für die Menschen annimmt, und wie es uns aus der Geschichte unseres Planeten erzählen kann. 

Wir sehen Impressionen von zwei gigantischen Staudamm-Projekten in China, die aktuellsten und monumentalsten Beispiele dafür, wie menschliche Ingenieurskunst sich die Kraft des Wassers zunutze macht. Wir sehen jedoch auch, welche Folgen eben diese Nutzbarmachung des Wassers durch moderne Ingenieurskunst haben kann. Wie beispielsweise die Bewässerung riesiger Wüstenflächen in Kalifornien und damit die Bewirtschaftung von Landflächen, die dafür von Natur her eigentlich gar nicht geeignet wären, unwiederbringlichen Schaden für die Menschen flussabwärts haben - in Mexiko, wo das Flussbett des Colorado ausgetrocknet ist, weil das Wasser durchs "Abzapfen" viele Kilometer flussaufwärts gar nicht mehr bis hierhin kommt. Watermark"Watermark" nutzt sehr viel diese bildlich starken Kontraste zwischen natürlicher Wüste und der Fruchtbarkeit, welche von Menschenhand dort künstlich geschaffen wird. Es ist einerseits ein Dokument der Kraft des Wassers - wo es ist, dort beginnt das Leben zu sprießen - als auch andererseits ein verstörend deutliche Veranschaulichung, wie sehr der Mensch in die natürliche Ordnung der Welt eingreift. 

Wir sehen Eindrücke von einem der größten Festtage im Hinduismus, zu dem sich alle zwölf Jahre zigmillionen Inder am Ganges versammeln, um sich im heiligen Fluss von ihren Sünden rein zu waschen. Es ist indes derselbe Fluss, von dem wir auch wissen, dass er alles andere als sauber ist, haben wir doch zuvor gesehen, wie krude die Abwasserentsorgung auf dem indischen Subkontinent funktioniert in den Gerbereien, die für die Modemärkte der westlichen Welt Leder herstellen und dabei nicht nur ihre Arbeiter, sondern auch Unmengen von Wasser tagtäglich vergiften. 

Wir sehen die Arbeit engagierter Wissenschaftler, die in Grönland nach millionenjahrealten Eiskernen bohren, um so mehr über die Geschichte des Erdklimas zu erfahren; die amerkanischen Surfmeisterschaften, die an einem Strand aus der gemeinsamen Begeisterung für den Wassersport ähnliche Menschenmassen versammeln wie wir sie kurz zuvor am Ganges gesehen haben; WatermarkAbalonezüchter in China, die durch ihre Arbeit am und mit dem Wasser ein Kollektiv geformt haben, weil sie sich gegenseitig brauchen; aber auch einen jungen Mann auf den Reisterrassen in Chinas Innenland, dessen Arbeit es ist, die Felder seiner Familie zu überwachen, damit niemand ihr Wasser stiehlt und es von den Feldern ablaufen lässt.

All diese unterschiedlichen Facetten beleuchtet "Watermark", und lässt sich dabei wie ein Wasserstrom frei umherfließen zwischen seinen unterschiedlichen Schauplätzen. Manch einen mag es stören, dass der Film seinen Zuschauern keine klare Gedankenlinie aufdrängt, kaum Erklärungen abgibt und nur sperrliche Interviewmomente mit den betroffenen Menschen einstreut, sondern sich ebenso treiben lässt, wie sein Subjekt es tut, und damit viel mehr poetisch als didaktisch daher kommt. Man kann aber auch genau das als eine Wohltat empfinden und sich einfach mitnehmen lassen von den grandiosen Bildaufnahmen dieses Films, die mal faszinierend, mal verstörend und oft beides gleichzeitig sind. Man könnte es lapidar bezeichnen als eine "National Geographic"-Sonderausgabe in Filmform. Doch damit wird man der außergewöhnlichen Leistung des Films nicht gerecht. "Watermark" lässt einen staunen, er lässt einen nachdenken, aber vor allem lässt er einen ganz sicher nicht unberührt.

Bilder: Copyright

4
4/10

Hm, da bin ich mir nicht sicher. Ich habe die Doku aufgrund dieser Bewertung gesehen und mich auf grandiose und facettenreiche Aufnahmen gefreut. Tatsache ist zwar, dass die Bilder vielleicht an interessanten, schönen oder faszinierenden Orten gefilmt wurden, aber keineswegs technisch brilliant oder zufriedenstellend. Sehr viele Aufnahmen waren schräg, nicht scharf genug oder durch störende Elemente zerstört. Schräge und leicht neben der Mitte liegende Fluchtperspektiven sind für Foto- oder Filmstudenten im ersten Semester ok, aber wenn man schon etwas ins Kino bringt, sollte man doch zumindest davon ausgehen, dass die Macher ihr Handwerk verstehen. Dankbare Motive sind da natürlich hilfreich - täuschen aber nicht darüber hinweg.

Was die Infos angeht - natürlich ist es ein Stilmittel, den Zuschauer mit den Bildern allein zu lassen. Aber die spärlich eingestreuten Interviewschnipsel hätte man dann vielleicht besser komplett gelassen. So gab es ein paar vereinzelte - tut mir Leid - Klischeefloskeln á la "Wasser ist Leben", ohne aber irgendwelche Infos zu liefern, die man nicht schon aus dem Biologieunterricht der Grundschule kennt.

Man sieht Forscher, die in Grönland in Eisschichten bohren, um den Verlauf des Weltklimas nachvollziehen und vielleicht sogar für die Zukunft vorhersagen zu können. Und was sind nun die Ergebnisse der Forschungen, abgesehen von "Es gab schon immer Eiszeiten und wärmere Phasen?" Nichts wird erklärt, keine Ergebnisse präsentiert oder Zahlen genannt. Es wird planlos zwischen verschiedenen Stationen hin- und hergeschnitten. Die Grönländer sieht man drei Mal irgendwo über die Laufzeit verstreut, aber wieso und warum andere Dinge dazwischengeschnitten waren, bleibt offen. Plötzlich gibt es zwei Minuten Surfer, zwei Minuten Baden in heißen Quellen, zwei Minuten den Verlauf des XY River, ohne dass vorher etwas dazu gesagt wurde.

Man hätte eventuelle Kritik an der Nutzung enormer Wassermengen durchaus einbauen können, und anfangs, wenn es kurz um Landwirtschaft und Gerbereien geht, erwartet man das auch noch. Aber dann verliert sich alles in Bildern, die - ganz ehrlich - nicht viel aussagen, sondern einfach nur etwas ZEIGEN. Tut mir Leid, das reicht nicht. Ich weiß, wie ein Fluss aussieht.

Entweder zeigt eine Doku wirklich beeindruckende und ungewöhnliche Aufnahmen oder sie gibt einen Kommentar ab und liefert Infos. Aber wenn beides nicht stimmt, weiß ich nicht, warum ich mir das ansehen soll. Der Teil in der informativen Doku "Home", der das Austrocknen der Flüsse und den enormen Wasserverbrauch von "künstlichen" Städten wie Dubai oder Las Vegas behandelt, hat mir mehr gezeigt und beigebracht als "Watermark" über die komplette Laufzeit. Sehr schade.

Und was genau der "Erzähler" eigentlich beruflich macht und was er gegen Ende in Deutschland drucken lässt, weiß ich nur durch diese Rezension, nicht aber durch den Film selbst.

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