Von wegen langsamer Spannungsaufbau und Etablierung der Charaktere. Was für die allermeisten Horrorfilme eine Art Grundsatzregel darstellt wird von „They will kill you“ mal komplett ignoriert. Denn von dem Moment an in dem darin auf einem Spiegel der Titel des Films zu lesen ist, dauert es nur wenige Augenblicke bis Hauptfigur Asia Reeves auch ohne diesen Hinweis bemerkt hätte, dass man ihr ans Leben will – und da sind insgesamt noch keine fünfzehn Minuten vergangen. Und nachdem hier so früh im wörtlichen Sinne die Hölle losbricht hört es auch gar nicht mehr auf in Sachen Gerenne und Gekämpfe, sowie mit der Blutspitzerei und den durch die Gegend fliegenden Körperteilen. Was aber bitte nicht als Kompliment missverstanden werden sollte, denn nicht nur wirkt das ganze Gekröse doch recht schnell ermüdend, es kann auch nur sehr bedingt davon ablenken, dass wir es hier im Kern mit einem Nichts an Geschichte und Exposition zu tun haben.

Die sich allerdings ganz doll darum bemüht einen anderen Eindruck zu erwecken. Denn nachdem wir also Asia (Zazie Beetz) kennengelernt haben, die sich als Haushaltshilfe in einem genauso riesigen wie unheimlich wirkenden Gebäude inmitten New Yorks bewirbt und während ihres ersten Rundgangs einer Handvoll schräger Gestalten (u.a. Patricia Arquette und Tom Felton) begegnet, werden uns die dämonischen Hintergründe von Haus und Leuten erst im weiteren Verlauf der Handlung enthüllt. Oder besser: In den kurzen Unterbrechungen des Schlachtfestes aus dem dieser Film zu gefühlt achtzig Prozent besteht. Die dabei verwendeten Titeleinblendungen läuten dann einzelne Kapitel ein die uns in die Vergangenheit führen und zeigen was zuvor geschah. Kommt einem bekannt vor? In der Tat, wenn sich hier zwei Figuren mit Schwertern duellieren, dabei die Daunenfedern durch die Luft wirbeln und das Ganze mit Popmusik untermalt wird bevor die Szene einfriert und man uns so eine Rückblende präsentiert, dann – könnte man sich ja vielleicht auch in einem Tarantino-Film wähnen.

Mit dem feinen Unterschied, dass weder die Kampfchoreographien noch die Erzählweise irgendeine Form von Eleganz oder Raffinesse aufweisen. Wenn bereits abgetrennte Körperteile ein Eigenleben entwickeln, Köpfe wieder aufgesetzt werden und zermatschte Torsos durch die Räume schweben sieht das leider sehr künstlich und billig aus und wirkt eher albern als gruselig. Und die die lineare Erzählung unterbrechenden Flashbacks des für dieses Werk verantwortlichen Möchtegern-Quentins sind dann letztlich auch nur kurze Schnipsel die in wenigen Sätzen das offenbaren was man sich eigentlich auch schon selbst denken konnte. Nein, hier ist nichts „verschachtelt“ oder auch nur irgendwie komplex sondern alles sehr simpel, laut und wild. Aber dennoch wohl nicht simpel genug, um nicht noch auch dem dümmsten, vermutlich von seinem Handy abgelenkten Zuschauer, mindestens dreimal erklärt werden zu müssen. Beispiel: Als eine Figur plötzlich über Kräfte verfügt die eigentlich nur dem erlauchten Kreis von in einer Liste notierten Auserwählten verliehen werden, haben wir kurz zuvor gesehen wie ein Name in diese Liste geschrieben wurde. Um es ganz klar zu machen zeigt uns die Kamera dann auch welcher Name da eingetragen wurde. Und trotzdem muss natürlich noch aus dem Hintergrund jemand rufen: „Sie hat diesen Namen eingetragen und ihr damit die Kräfte verliehen!“. Man hält die anvisierte Zielgruppe also wohl tatsächlich für totale Idioten mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches (ein Trend der sich allerdings seit einiger Zeit durch sehr viele aktuelle Filme und Serien zieht und vielleicht stimmt das dann ja auch).

Gerade russische Produktionen fallen oft durch die Inszenierung von Style over Substance auf, man denke nur an die „Wächter der Nacht“-Reihe eines Timur Bekmambetov. Insofern war ja genau das vielleicht auch gewünscht von dem hier für die Regie verpflichteten Kirill Sokolov. Also jede Menge CGI-Bombast sowie Bewegung und Action ohne Ende. Es wird sicher ein Publikum geben, dass diese Art völliger Überfrachtung als Unterhaltungswert betrachtet. Für dieses ist „They will kill you“ eventuell ein Vergnügen, für alle Anderen wird das Durchhalten aber eher zur Qual.
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