Angesichts der medialen Aufmerksamkeit die eine Sydney Sweeney seit einiger Zeit genießt (und die zuletzt sicher auch zum großen Erfolg von „The Housemaid“ beitrug) ist es schon erstaunlich wie ein Film mit ihr in einer hochinteressanten Hauptrolle an den Kinokassen dann doch so untergehen kann. Denn ja, „That´s why The Lady is a Champ“ lief in den USA bereits vor gut einem Jahr und floppte dort gnadenlos mit einem kaum messbaren Box Office-Ergebnis. Was vermutlich auch ein Grund dafür ist, das Werk beim nun doch noch erfolgenden deutschen Kinostart unter einem völlig anderen Titel herauszubringen. Aber das kann man in diesem Fall tatsächlich mal nachvollziehen, denn es kann durchaus sein, dass das sehr schlichte und wenig aussagekräftige „Christy“des Originals mit zur geringen Aufmerksamkeit des Publikums beigetragen hat.

Denn durch das was hier inhaltlich und handwerklich geboten wird lässt sich dieser extreme Misserfolg eigentlich nicht erklären. Es handelt sich bei „The Lady is a Champ“ nämlich um ein allemal solides Biopic, das lediglich den Fehler macht sich ein wenig zu sehr zwischen zwei Stühle zu setzen. Es handelt sich einerseits um eine klassische Sportbiographie, in diesem Fall über die erste Weltmeisterin und Vorkämpferin des Frauenboxens namens Christy Martin (geborene Salters), die sich mit purem Willen und einem unorthodoxen, technisch eher wenig ausgereiftem Kampfstil in den 90er Jahren bis an die Spitze eines damals noch oft belächelten Sports setzte. Doch im Endeffekt spielt diese – selbstverständlich ganz klassisch auch von diversen Rückschlägen geprägte Karriere – dann doch nur die zweite Geige und tritt die meiste Zeit zugunsten der Schilderung eines ganz anderen Kampfes in den Hintergrund: Den gegen Christys langjährigen Trainer und späteren Ehemann Jim Martin, der sie von Anfang an unterdrückt und kontrolliert und jedem Abnabelungsversuch entschieden entgegen wirkt – und sei es mit körperlicher Gewalt.

Dieser von Ben Foster („Hell or High Water“) mit einigem antrainierten Übergewicht und fragwürdiger Haarpracht gespielte Jim ist dabei im Grunde von Anfang an als durch und durch mieses Arschloch erkennbar, lässt er Christy doch zur Abschreckung gleich bei der ersten Begegnung im Boxring brutal verprügeln, da er keine Lust hat mit einer Frau zu arbeiten. Zwar zeigt selbst diese Figur in der Folge tatsächlich hier und da kliene Anflüge von Charme, aber warum Christy mit dem insgesamt nicht sehr liebenswerten, deutlich älteren und auch nicht wirklich attraktivem Mann nicht nur eine Beziehung eingeht sondern ihn auch noch heiratet wird hier nicht so wirklich nachvollziehbar erzählt. Denn die Flucht aus dem , vor allem von ihrer herrischen Mutter geprägten Elternhaus ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon längst erfolgt. Es gibt dann auch ein paar zu viele, sich über die Filmjahre verteilenden und stark ähnelnden Szenen die abwechselnd Christy im Ring und im privaten Unglück zeigen. Da sind die Auftritte des berühmt-berüchtigten Box-Promoters Don King ( Chad L. Coleman) willkommene kleine Auflockerungen inmitten einer über die zu lange Laufzeit von 135 Minuten überwiegend sehr deprimierenden Geschichte.

Denn da Christy ihre zum Markenzeichen gewordene Arroganz und Aggressivität nicht nur ständig nach außen trägt sondern auch selbst verinnerlicht, kann sie im Grunde nicht mal ihre Erfolge richtig genießen. Diesen schwierigen und auch nicht besonders sympathischen Charakter verkörpert Sydney Sweeney allerdings mit genau der Leidenschaft und Energie die man von jemandem der eine Rolle als „Herzensprojekt“ bezeichnet auch erwarten kann. Und für alle diejenigen, die die Schauspielerin vor allem aus Leinwandhits wie „Wo die Liebe hinfällt“, dem bereits erwähnten „Housemaid“ oder auch nur dem berühmten Rolling Stones-Video bzw. der „skandalösen“ Jeans-Werbung kennen, wird ihre Darstellung in diesem Film eine echte Überraschung sein. Denn derart unglamourös hat man die Frau der öfter mal vorgehalten wird sich vor allem über ihren Körpern zu inszenieren bisher noch nicht gesehen. Gewürdigt oder überhaupt interessiert hat dies zumindest das amerikanische Publikum zwar nicht, aber vielleicht hat der alles in allem durchaus sehenswerte Film hierzulande ja tatsächlich etwas mehr Erfolg. Dazu beitragen dürfte auf jeden Fall die durch Collien Fernandes begleitete Kino-Tour zu „That´s why The Lady is a Champ“, bei der eben jene auch ein paar Worte zum Thema toxische männliche Gewalt beitragen wird – aus Gründen, wie man ja leider weiß.
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