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Lucky

Lucky
drama , usa 2017
original
regie
john carroll lynch
drehbuch
logan sparks, drago sumonja
cast
harry dean stanton,
david lynch,
ron livingston,
tom skerritt, u.a.
spielzeit
88 Minuten
kinostart
8. März 2018
homepage
http://www.lucky-derfilm.de/
bewertung

8 von 10 Augen

Einhundert Nebenrollen – so viele hatte Harry Dean Stanton, bevor ihn Wim Wenders 1984 in seiner ersten Hauptrolle in "Paris, Texas" besetzte. Es gab viel Lob für Harry, doch auch weiterhin durfte er nur Nebenrollen spielen. Erst 2017 spielte Stanton wieder eine Hauptrolle, doch diesmal in einem Film, der ihm persönlich von Logan Sparks und Drago Sumonja auf den Leib geschneidert wurde und in dem viele seiner Weggefährten Nebenrollen übernahmen – wie zum Beispiel der Regisseur David Lynch.

„LUCKY ist zwar kein Dokumentarfilm, sondern ein Spielfilm. Aber ein Dokumentarfilm über Harry Dean Stanton wäre genau so“, sagte sein Freund Wim Wenders dazu. Leider erlebte der Hauptdarsteller die Premiere seines Filmes auf dem Filmfest Hamburg nicht mehr; drei Wochen davor starb Harry. So sieht man „Lucky“ mit einem weinenden Auge, doch auch mit einem lachenden, denn dies ist ein Film, der das Leben feiert und auch in den Kleinigkeiten eines scheinbaren banalen Alltags die Schönheit des Universums offenlegt.

Lucky (Harry Dean Stanton) ist ein 90-jähriger Eigenbrötler, der in einem Kaff irgendwo in der Wüste der USA wohnt. Jeder Tag ist gleich. Er macht Yoga und Eiskaffee am Morgen, geht raus und kommt wieder heim. Doch eines Tages stürzt er und obwohl scheinbar nichts passiert ist, wird er sich grummelnd plötzlich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst. 

Der Schauspieler John Carroll Lynch erzählt sein Regiedebüt sehr gemächlich und setzt seinem wunderbaren Hauptdarsteller damit ein würdiges Denkmal. Bemerkenswert ist auch Regie-Legende David Lynch in einer Nebenrolle, der Stanton in „The Cowboy and the Frenchman“, „Wild at Heart“, „Hotel Room“, „The Straight Story“, „Inland Empire“ und „Twin Peaks“ besetzte. Tom Skerritt hingegen stand mit Harry zum Beispiel bei „Alien“ gemeinsam vor der Kamera. Wer die Leidenschaften von Lucky im Film sieht, der sieht damit auch viel von Stanton: Auch dieser war Koch in der Navy, liebte Kreuzworträtselhefte, Game Shows, Bloody Marys und Cowboy-Hüte.

„Lucky“ verewigt somit nicht nur Harrys Eigenarten und eine Landschildkröte namens President Roosevelt, sondern auch einen wunderschönen spanischsprachigen Gesangsauftritt Harry Dean Stantons, der leicht krächzend aber voller Inbrunst „Volver“ von Carlos Gardel singt. Lucky spricht wenig, aber wenn er denn etwas sagt, so hören ihm alle im Wüstenkaff zu, denn er legt immer mehr frei, was es heißt, menschlich zu sein. „Wir kommen allein und gehen allein“ sagt er einmal und es schnürt einem ein wenig die Kehle zu.

Harry Dean Stanton beendete seine Karriere mit „Lucky“ und einer wunderbaren Hauptrolle, in der er sich selbst spielen durfte, doch lohnen sich auch die vielen Filme, in denen er nur Nebenrollen hatte.  Um es mit der verstorbenen Filmkritiklegende Roger Ebert über Harry zu sagen: „Ein Film mit ihm kann nicht ganz schlecht sein.“

Margarete Prowe

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