Transamerica

tragikomödie, usa 2005
original
transamerica
regie
duncan tucker
drehbuch
duncan tucker
cast:

felicity huffman,
kevin zegers,
fionnula flanagan,
graham greene, u.a.

spielzeit
103 min.
kinostart
16.03.2006
homepage
http://www.falcom.ch
bewertung


(7/10 augen)




 

 

 

 


 

Hollywood, und damit auch die Oscar-Akademie, ist erstaunlich politisch in den letzten Jahren, und das schlägt sich auch auf die Verleihung der Gold-Jungs (und anderer amerikanischer Filmpreise) nieder. Vor vier Jahren bejubelte man den afroamerikanischen Doppel-Oscar für Halle Berry und Denzel Washington, letztes Jahr räumte Clint Eastwoods Euthanasie-Drama "Million Dollar Baby" ab, und die Gala-Saison 2005/2006 mausert sich zum Triumphzug von Filmen, die sich mit sexueller Identität auseinander setzen: Ang Lees Homosexuellen-Cowboydrama "Brokeback Mountain" ist der große Oscar-Favorit dieses Jahres, bei den männlichen Hauptdarstellern darf sich Philipp Seymour Hoffman als offen schwul lebender Schriftsteller "Capote" berechtigte Hoffnungen auf den Sieg machen, und bei den Damen setzen die Buchmacher ganz klar auf Felicity Huffman.
Warum, diese Frage beantwortet sich beim Betrachten von "Transamerica" schon nach wenigen Minuten von selbst. Die bisher vor allem durch ihre Hauptrolle in der Hit-Fernsehserie "Desperate Housewives" bekannte (und dort neben ihren glamourösen Co-Stars Teri Hatcher und Eva Longoria immer etwas wenig beachtete) Huffman verschwindet hier auf so beeindruckende Weise vollkommen in ihrer Rolle, wie man es selten gesehen hat. Die spröde Hausfrau Lynette aus dem Fernsehen ist komplett vergessen, sobald Huffman hier als Bree Osbourne zum ersten Mal ihren Lidstrich nachzieht. Bree, die eigentlich Stanley heißt, und von ihrer vollständigen Geschlechtsumwandlung nur noch eine einzige Operation entfernt ist.
Für diese OP benötigt Bree jedoch die Einwilligung einer Psychologin (bissig etabliert der Film die amerikanische Gesetzesregelung, dass Transsexualität als geistige Störung diagnostiziert werden muss, bevor zur "Behandlung" die nötigen Operationen erlaubt werden) - und als Bree erfährt, dass in einem New Yorker Jugendgefängnis ein Junge sitzt, der ihr leiblicher Sohn ist (Resultat einer experimentierfreudigen Nacht zu Schulzeiten), verlangt ihre Therapeutin, dass sie sich dieser Vergangenheit stellt, bevor sie die Erlaubnis zur OP bekommt. Mehr erzwungen als erwünscht sammelt Bree ihren Spross ein und gibt sich zunächst als Christenlady aus, die dem "verirrten Kind" (Toby hat ausgiebige Erfahrung als Stricher) den rechten Weg weisen möchte. Da Tobys Mutter vor kurzem verstorben ist, will der Junge nun seinen Vater suchen - und so begleitet ihn Bree auf einem Road Trip gen Westen, auf der Suche nach der Person gleich neben ihm.

Regisseur und Autor Duncan Tucker gelingen wundervolle und lebendige Charakterzeichnungen, bis in die Nebenrollen hinein (Graham Greene als indianischer Verehrer von Bree ist ein stilles Highlight), und er entwickelt seine Geschichte gleichermaßen humor- wie bedachtvoll, ohne jedoch wegen dem sensiblen Thema Transsexualität die Samthandschuhe auszupacken: Für einige gepflegte Geschlechtsteil-Witze ist man sich hier nicht zu schade, Toby ist weder Drogen noch weiteren schnellen Stricher-Dollars abgeneigt, und wenn Bree und er gegen Ende auf Brees Vorort-Familie treffen, lassen die schrillen Verwandten und ihre Reaktionen den Film kurzzeitig ins Absurde abdriften (wo er während eines Zwischenstopps bei einem Transen-Kaffeeklatsch ohnehin schon mal war). Trotz schwerem Thema also keine schwere Kost: Hier gibt's einiges zu lachen, und eine Menge zu schmunzeln.
Das alles kann allerdings nicht wirklich vertuschen, dass es "Transamerica" am gewissen Drive mangelt. Wie so viele Road Movies bleibt auch dieser episodenhaft, und die Grundkonstellation lässt nur wenig dramatische Höhepunkte zu. Wohl auch deshalb wollte Tucker seine entscheidende Wendung (die Lüftung von Brees wahrer Identität gegenüber Toby) so weit wie möglich ausreizen. Und hat sich dabei etwas verzockt: das "Geheimnis" wird so lange aufrecht erhalten, dass man den guten Toby irgendwann für reichlich unterbelichtet hält, weil er noch nicht selbst dahinter gekommen ist. Resultat ist ein ziemlich gemächliches Erzähltempo, dem ein bisschen mehr Straffung gut getan hätte.

Doch das ist alles reichlich zweitrangig neben der unglaublichen Show, die Felicity Huffman hier abliefert. Dass sie in Bree verschwindet, ist nicht übertrieben: Sie sieht hier tatsächlich aus wie ein Mann, der dabei ist eine Frau zu werden. Manieriert und nuanciert in jeder Bewegung, jedem Ton, jeder Reaktion, präsentiert Huffman hier eine unglaublich präzise und intensive, schlichtweg großartige Vorstellung. Die Unsicherheit, die Brees Leben ausmacht, ihren Charakter quasi definiert, ist geradezu fühlbar. In jeder Sekunde verdeutlicht Huffman den schmalen Grat zwischen Selbstdisziplin und Nervosität, der für Bree der einzige Weg durchs Leben zu sein scheint. Gerade wer dem TV-Star eine herausragende Filmrolle nicht zugetraut hätte, wird hier nachhaltig staunen: Wenn es die Definition des Schauspielberufs ist, eine andere Person zum Leben zu erwecken, dann hat wirklich niemand in Hollywood seinen Job dieses Jahr so gut gemacht wie sie.

Daher wäre es wenig überraschend, sondern nur konsequent, wenn auch die Oscar-Akademie diese Leistung anerkennt und - wie schon die Kollegen von den Golden Globes - Frau Huffman noch einen Preis für den Kaminsims spendiert. Man kann die Bild-Schlagzeile schon fast sehen: ‚Homos und Transen regieren die Oscars! - Werden im Kino jetzt alle schwul?'. Wenn dabei so gute Filme und derart beeindruckende Schauspielleistungen rum kommen, hat wohl niemand was dagegen.

F.-M. Helmke

 


Name: manu
Email: tagdieb@gmx.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Ein wundervoller Film.
Der Beschreibung von F.-M. Helmke kann ich vollends zustimmen. Felicity Huffman ist umwerfend, aber auch alle anderen Schauspieler überzeugen. Minuspunkt ist allerdings ganz klar die deutsche Synchronisation. In meinen Augen ist die leider gar nicht gelungen.

Alles in allem ein Film der nachhaltig beeindruckt. Noch Tage später gehen mir einzelne Szenen durch den Kopf...



Name: Alathriel
Email: alathriel@gmx.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Also,

dieses wundervolle Roadmovie, zeigt die aktuelle Stärke des US-Amerikanischen Indiependet Kinos. Huffman ist eine AUgenweide. Aber auch sonst funktioniert dieser Film auf allen Ebenen. Und ein "gewisser Drive" fehlt hier ganz bestimmt nicht. Vielmehr ist der Film über alle Maßen mutig indem er wieder , so wie vor einer Woche "Brokeback Mountain", die verkappte Doppelmoral der USA enthüllt und dann Stück für Stück demontiert.

Ein kleiner Höhepunkt des Kinojahres. Das ist sicher.




Name: lkjö
Email: lh@jfe.edt
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Fantastische Darsteller-Leistung in einem sehr berührenden und unterhaltendem Film. Macht happy.



Name: Rosi
Email: RKurth@hotmailcom
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Überraschend gut und unterhaltsam. Klasse, was Huffman da auf die Beine stellt. Nette, frische Geschichte, sehr bewegend.



Name: priscilla2603
Email: priscilla2603@web.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

gerade die ruhige natürliche erzählweise dieses films gefällt mir und ich vermisse keineswegs den drive sondern genieße das unspektakuläre! (das ist allerdings geschmacksache und evtl auch tagesformabhängig...)und dass dabei nicht in endlosen dia- oder monologen sondern in sensiblen ausdrucksstarken bildern und szenen gesprochen wird. und ein bißchen amerikanisch sentimental bleibt es doch. (die absurdität der familie ist mir gar nicht so aufgefallen... ähnlichkeiten mit lebenden personen eventuell nicht gewollt aber dennoch erreicht :-) )da ist eine unterhaltsame geschichte aus einem problematischen leben entstanden - und eine hoffnung auf jede erdenkliche weise glücklich werden zu können , wenn man sich an die hält von denen man geliebt und/oder respektiert wird.



Name: Dorian
Email: Dorian.gray@chello.at
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Handlung zum Film:

Da ist mal BREE (Felicity Huffman), die lebt in einer armen Gegend in den USA, in L.A. Sie ist transsexuell schon seit langer Zeit, sie hat einen Sohn, verständnislose Eltern vor allem die Mutter ist so. Und sie spart Geld, überall und zu jeder Zeit. Aber es geschieht ein Unglück. Denn TOBY, ein Bengel, Teenager, Verbrecher fast, sitzt im Knast. Und die trifft ihn, er sucht seinen Vater, BREE Ihren oder seinen Sohn. Natürlich pfeift sie auf ihn, aber langsam und sicher gewöhnt sich BREE an den Gedanken einen Sohn zu haben. TOBY weiß nichts von seinem Glück und glaubt das sie eine Missionarin ist von einer Christlichen Sekte. TOBY will weg, trampen und Vater suchen, und nun macht sich BREE auf den Weg mit ihm, gemeinsam auf die Wurzeln seiner oder Ihrer Vergangenheit.

Meine Meinung, Infos zum Film, und sonst noch was:

Es ist immer wieder wunderbar wenn man Filme über Schwule sieht die gut gespielt wurden sind, ungefähr so wie der Film mit Robert de Niro. Und dieser Film hier ist ähnlich, er greift ein Randthema auf, und jongliert mit dem Randthema herum und wartet das sich der Zuschauer ein bißchen erschreckt, denn die Geschichte um einen Transsexuellen Mann der mit seinen Alltagsproblemen als Frau lebt und noch dazu einen Sohn hat, den er vom Gefängnis holt und dann 95 Minuten herum durch den Film läuft, bis alles aufgelöst wird, ist natürlich etwas das schon heftig ist und vor allem etwas das man nicht jeden Tag sieht. Von vorne bis hinten ist der Film ein richtiger Kritikerfilm der sicher sehr vielen Leuten gefallen wird, nicht nur weil er ein cineastisches Thema aufgreift.

Vor allem merkt man richtig das sich die Schauspieler weder schwer tun, also weder Vater und Sohn, nur als er seine Mutter besucht, die ihn überhaupt nicht akzeptiert, anfangs, merkt man im Laufe des Geschehens, das die Drehbuchautoren hier ein bißchen hätten mehr machen können. Es ist sicher nicht übel sich ins Kino zu setzen und sich einen Problemfilm anzuschauen, weil die Alte das will, aber irgendwann nervt es, denn dauernd Filme wo man sich konzentrieren muß ist ja nicht jedermanns Sache.

Anfangs war ich von der Geschichte recht beeindruckt, denn sich über so ein Thema rübergetraut hatten sich noch nicht viele Regisseure, aber hier hat es geklappt und ist sogar gut gegangen. Und Positiv möchte ich noch bemerken das die Geschichte weder ordinär wirkt, noch wirkt sie blöd, noch wirkt sie dämlich, noch wirkt sie überbordend, noch wirkt sie unartig, pervers, nein sie wirkt zerbrechlich, was man anhand der Charaktere verschiedenster Art sieht, die alle versuchen mit einem leidigen Randthema umzugehen.

Ein armer Mann habe ich meiner Freundin gesagt, denn so zu leben ist nicht einfach, und zu glauben das eine andere Seele in einem steckt, nun das ist sicher nicht einfach, aber würden sich die Leute mehr mit Religion beschäftigen würden sie sehen, das dieses das Leben am stärksten und am besten führt, und man bräuchte dann selber nicht leiden unter der Fehlenden Akzeptanz der Leute, am fehlenden Partner, denn man merkt ja auch im Film das der Mann es sicher anders gehabt hätte, als mit einer falschen Seele zu leben und sich einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen was meiner Meinung nach viel zu schnell zu sehen war. Man sah nichts vom Operativen Eingriff, wohl um zu vermeiden das sich einige Zuseher angeekelt abwenden, aber das ist auch verständlich, wenn man bedenkt, das diese ganze Geschichte eh schon anstrengend genug ist und wenn man dann noch so viele vielleicht grausliche und blutige Szenen gesehen hätte, hätten sie nichts ins Bild gepasst, so was passe eher zu Dokumentationen wie „Gesichter des Todes“.

Da war z.B. eine sehr berührende Szene dabei, die wirklich heftig war, als der Vater seinem Sohn versucht zu erklären, das er nicht ein Verrückter ist, das er eigentlich der Vater ist, den der Sohn so lange gesucht, vermisst und gehasst hat, da er ihn ja damals alleine macht, und so wendet der Film in ruhiger Art wieder zu dem – Ich habe früher Sünden gemacht – Thema.

Abschließend kann ich dem Film auch wenn er für mich sehr langweilig war, aber dennoch wieder gut, eine gute Kritik attestieren, weil es eine selten gezeigte Geschichte war, die sicher nicht für langweilige TV Abende sind, sondern eher was für die Leute die sich mehr anspruchsvolle Geschichten rund um das Thema Scheiß Leben ansehen möchten.

Unglaublich auch das dieser Film mit einem Budget von 1 Million US $ gedreht wurde und 8 Mille eingespielt hat in den USA, also hoch lebe das junge intelligente Independent Kino. Ach ja, die Hauptdarstellerin Felicitas hat ein bisschen früher zum Drehen aufhören müssen, da sie ja in der Serie „Desperate Housewives“ dringender gebraucht wird als in einem Film wo Ihr Schwanz Andy heißt.



80 von 100



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