| Merchant/Ivory, dieses
Label ist mit einem ganz bestimmten Genre verwoben, denn die langjährige
und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Produzent Ismail Merchant
und Regisseur James Ivory manifestierte sich fast ausschließlich
in historischen Kostümdramen. Die Berühmtesten sind dabei
wohl "Zimmer mit Aussicht", "Wiedersehen in Howard's
End" und "Was vom Tage übrig blieb", die jeweils
mit Filmpreisen und Oscar-Nominierungen überhäuft wurden.
Ein konstant auf hohem Niveau arbeitendes Duo, so dass man sich eigentlich
auf ein hübsches Stück Kino freuen kann, wenn Merchant/Ivory
mit ihrer Stamm-Autorin Ruth Prawer Jhabvala wieder mal ein Filmchen
ausgebrütet haben. Doch weit gefehlt, denn "Eine Affäre
in Paris" mangelt es allem, was frühere Merchant/Ivory-Filme
ausgezeichnet hat, und die historischen Kostüme sind da nur der
Anfang, denn der Film spielt im Hier und Heute.
Die
Amerikanerin Isabel Walker (Kate Hudson) kommt nach Paris, um ihre
schwangere Schwester Roxy (Naomi Watts) zu besuchen, und tauscht
bei ihrer Ankunft gleich das Taxi mit deren Ehemann Charles-Henri,
der seine Frau nämlich just in diesem Moment ohne nähere
Erläuterung sitzen lässt. Statt Schwangerschaftsfreuden
steht nun Scheidungsstress an, der nicht gerade erleichtert wird
durch das undurchschaubare Treiben von Charles' wohlhabender französischer
Verwandtschaft, die es bei der anstehenden Güterteilung auf
ein wertvolles Gemälde im Besitz von Roxy abgesehen zu haben
scheint. Auch nicht weniger Komplikationen verursacht Isabels knospende
Affäre mit Edgar Cosset, Charles' Onkel und einflussreicher
Politiker reiferen Alters.
Für wen die Handlung bis jetzt noch nicht interessant klingt,
der hat den Nagel bereits auf den Kopf getroffen, denn sie ist es
auch nicht. Abgesehen von einigen weiteren markanten Schwachstellen
scheitert "Eine Affäre in Paris" bereits auf diesem
grundsätzlichen Level: Die Geschichte ist schlichtweg trivial,
oberflächlich und langweilig, und warum sich die Zuschauer
für die (völlig wertfrei dargestellten) familiären
Klüngeleien und Liebschaften versnobter Amerikaner und Franzosen
interessieren sollten, bleibt wohl das Geheimnis von Merchant/Ivory.
Ein
Erklärungsversuch: Die früheren und herausragenden Werke
des angesprochenen Duos zogen ihr dramatisches Potential zu erheblichen
Teilen stets aus ihrem historischen Setting. So sind die Liebeleien
der Oberschicht im viktorianischen England zum Beispiel weitaus
packender und folgereicher, da man es hier zeitgleich mit einer
streng gegliederten Gesellschaftsordnung zu tun hat, die strikte
Verhaltensregeln besitzt und so einen Kodex entwickelt, der als
unsichtbare Macht über allem schwebt und jeder Handlung wesentlich
mehr Relevanz und Bedeutung zukommen lässt, als diese heutzutage
haben würde. Dieser Kontext nun fehlt der "Affäre
in Paris" völlig, und so kann zum Beispiel die Beziehung
zwischen Isabel und Edgar überhaupt nicht schocken, da sie
zudem auch noch von allen Familienmitgliedern auf beiden Seiten
als kein ernsthaftes Problem angesehen wird (selbst Edgars Ehefrau
hat kaum mehr Kommentare als ein wissendes, souveränes Lächeln
übrig).
Was
hier geplant war, ist ein nettes Portrait der französischen
Lebenskunst, alles zu genießen und nichts zu ernst zu nehmen.
Ergo soll die Handlung dann auch in verspielter Leichtigkeit dahintanzen,
stattdessen aber schleppt sie sich nur schwerfällig durch die
Gegend. Dass man sich hier an einer romantischen Komödie versucht,
scheint offensichtlich, funktionieren tut das indes nicht: Wenn
in so einer Story mal ganz nebenbei ein Suizidversuch und ein Doppelmord
aus Leidenschaft eingestreut werden, geht die ungezwungene Leichtigkeit
ganz schnell flöten.
So kann man sich wieder mal nur kopfschüttelnd fragen, wie
bei soviel gebündeltem Talent soviel schief gehen konnte. Da
laufen in kleineren oder größeren Rollen Leute wie Glenn
Close, Stockard Channing, Matthew Modine, Bebe Neuwirth oder Stephen
Fry herum, und wofür nützt es? Allenfalls für eine
kleine Ablenkung von der lahmen Story, denn einem gut agierenden
Ensemble guckt man immer noch gerne zu. Aber selbst das hält
nicht lange vor, wenn man mit einer Geschichte konfrontiert wird,
die einen völlig unberührt und mit einem desinteressierten
"Wen kümmert's?" auf den Lippen zurücklässt.
So ist es denn auch bezeichnend, dass bei der Pressevorführung
das Highlight auch nur am Rande mit dem Film zu tun hatte: Die Firma
Mirée veranstaltet zu "Eine Affäre in Paris"
ein Gewinnspiel, bei dem man eine Reise nach Cannes gewinnen kann,
und versorgte anlässlich dieser Promo-Aktion die anwesenden
Journalisten mit jeder Menge Frischkäse gratis. Das wiederum
passte dann zum Film: Ein großer Haufen Käse.
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