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Solino

Solino
familien-portrait , deutschland 2002
original
solino
regie
fatih akin
drehbuch
ruth toma
cast
moritz bleibtreu,
barnaby metschurat,
antonella attili,
gigi savoia, u.a.
spielzeit
120 Minuten
kinostart
7. November 2002
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

Eigentlich sollte Fatih Akin ("Im Juli", "Kurz und schmerzlos"), türkischstämmiger und anerkannter Jungregisseur, auf Wunsch der Produzenten lediglich seine Meinung zu dem Drehbuch von "Solino" abgeben. Als er es denn endlich las, begeisterte ihn die Geschichte derart, dass er beschloss, erstmals ein fremdes Skript zu verfilmen. Er konnte die Produzenten schnell von sich als Regisseur des Films überzeugen, denn neben seinen fachlichen Qualitäten war es seine eigene Biographie als Sohn einer Gastarbeiterfamilie, die ihn für die Umsetzung des Stoffs prädestinierte.

Die vierköpfige Familie Amato verlässt 1964 ihr italienisches Heimatdorf Solino um in Deutschland ihr Glück zu machen. Während Vater Romano (Gigi Savoia) und die kleinen Söhne Gigi (Barnaby Metschurat) und Giancarlo (Moritz Bleibtreu) Feuer und Flamme sind, möchte ihre Mutter Rosa (Antonella Attili) lieber in Italien bleiben. Angekommen im tristen Duisburg der 60er Jahre werden die Amatos nur schwer heimisch: es fehlt an Sonne, Lebensfreude und knackigem Gemüse. Romano schaudert es bei der Arbeit unter Tage. Da hat Rosa eine glänzende Idee: sie eröffnen ein Restaurant. Es wird die erste Pizzeria im Ruhrgebiet, benannt nach der fernen Heimat: Solino. Obwohl die Eltern der deutschen Sprache kaum mächtig sind, wird ihr Restaurant bald ein großer Erfolg. Während Rosa in der Küche schuftet und Romano die Gäste betreut, wachsen die Brüder Gigi und Giancarlo in ihre neue Heimat hinein. Schon als Kind ist Giancarlo eher ein Außenseiter, der verschlagen seinen kleinen krummen Geschäften nachgeht. Gigi, inspiriert durch den italienischen Regisseur Baldi (großartig: Vincent Schiavelli) und den deutschen Fotohändler Klasen (passt genau: Hermann Lause) träumt von eigenen Filmen. Obwohl er und Giancarlo in ihrem Wesen grundverschieden sind, stehen sie einander nahe und teilen ihre erste eigene Bude ebenso wie ihre erste Liebe. Doch im Jahr 1974 ändert sich das Leben der einzelnen Familienmitglieder radikal....

Über den Zeitraum von zwanzig Jahren, in drei Episoden (1964, 1974, 1984) erzählt Fatih Akin die Geschichte der Familie Amato. Der Ausgangspunkt für die Authentizität des Filmes liegt in der Familienhistorie der renommierten Hamburger Drehbuch-Autorin Ruth Toma ("Gloomy Sunday"), denn die Eltern ihres Mannes Sebastiano Toma eröffneten in Oberhausen die reale erste Pizzeria des Ruhrgebietes. Ansonsten ist die Geschichte der Familie Amato aber frei erfunden. Jedoch schafft Fatih Akin durch mehrere Faktoren ein dichtmaschiges Netz von ineinandergreifenden, authentischen Fäden, die dem Film seine besondere Glaubwürdigkeit verleihen. Da ist zuerst einmal die Sprache: im Film wird überwiegend italienisch (mit deutschen Untertiteln) gesprochen. Gedreht wurde in Duisburg und in dem italienischen Dorf Leverano, ein großer Teil der Dorfbewohner spielte sich selbst. Die Eltern Amato werden von den renommierten italienischen Schauspielern Antonella Attili und Gigi Savoia verkörpert. Abgesehen von Moritz Bleibtreu, der anderthalb Jahre in Rom und Venedig gelebt hat und fließend italienisch spricht, mussten einige der deutschen Schauspieler, wie Barnaby Metschurat, erst die italienische Sprache lernen und dann auf italienisch spielen. Mit in den Film ein fließen die persönlichen Kenntnisse von Fatih Akin über Gastarbeiter und deren Kinder, welche der 1973-Geborene bereits für den Dokumentarfilm über seine Eltern "Wir haben vergessen zurückzukehren" als Grundlage genommen hatte. Und wie Gigi träumte auch Fatih Akin schon als kleiner Junge vom Filme machen.

Auch wenn "Solino" von der ersten Pizzeria im Ruhrgebiet erzählt, steht das Gastarbeitermilieu im Hintergrund. Es dient nur als Schlüssel für die unterschiedliche Entwicklung der Menschen trotz gleicher familiärer Prägung. Die individuellen Entscheidungen der einzelnen Familienmitglieder für den einen oder den anderen Lebensweg, für die eine oder andere Auffassung von Heimat, Liebe, Moral und Glück werfen ein Licht darauf, wie Eltern und Kinder, Frauen und Männer durch das Verlassen der Heimat und das Leben als Gastarbeiterfamilie differierend geprägt werden. Ehedrama, Brüderzwist, und die Verwirklichung des persönlichen Wegs vom Glück stehen im Vordergrund und machen die unnachahmliche Stärke des Filmes aus.
Trotz einiger Längen im Mittelteil und ein paar unbefriedigender Erzählstränge hat Fatih Akin auf der Vorlage eines tollen Drehbuchs einen großartigen Film geschaffen, der die Zuschauer berührt und dessen Geschichte einen mitreißt. Durch die phantastischen Besetzungen bis hinunter in die kleinsten Nebenrollen entstehen glaubhafte Figuren, mit denen die Zuschauer mitfühlen und ein Stück "mitleben" können. Zweifellos einer der bemerkenswertesten Filme des Jahres, und für Deutschland ganz sicher auch einer der besten.

Heide Fuhljahn

Meine Güte, wer sich so alles als Filmkritiker aufspielt. Solino ist einfach ein Film zum Träumen, wer da an Kameraeinstellungen und ...
denkt hat bestimmt keinen Spass.

10

Gibt es das Dorf Solino wriklcih??? bitte um dringene Antwort!!!

Ja, wie oben erwähnt handelt

9

Ja, wie oben erwähnt handelt es sich um den Ort LEVERANO, in der Nähe von Porto Cesareo im Salento. Auch heute, etwa 50 Jahre später als die Zeit der Handlung des Films, sehen diese Orte dort noch so aus wie damals (auch wenn die eine oder andere Modernisierung stattgefunden hat). Einerseits hilft diese Authentizität dem Film, andererseits weiß der Regisseur dieselbe gut zu nutzen für seine Erzählung: einfühlsam intensiv.

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