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I Love you, Beth Cooper

I Love you, Beth Cooper
teenager-dramödie , usa 2009
original
i love you, beth cooper
regie
chris columbus
drehbuch
larry doyle
cast
paul rust,
hayden panettiere,
jack carpenter,
lauren storm, u.a.
spielzeit
102 Minuten
kinostart
29. Oktober 2009
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Denis Cooverman (Paul Rust) ist ein typischer Vertreter einer der allseits bekannten Teenager-Spezies im Universum amerikanischer High-School-Filme: Der Nerd, der Streber mit fast keinen Freunden, jahrelanges Opfer von Quälereien durch seine populären, gutaussehenden und/oder schlagkräftigen Klassenkameraden. Als Klassenbester seines High-School-Jahrgangs darf Denis allerdings auch eine Rede auf der Abschlussfeier halten, und entscheidet sich an diesem letzten Tag seiner Schulzeit zu einer Ansprache über unausgesprochene Wahrheiten. Damit verärgert er nicht nur ordentlich die Schlägertypen, sondern verdutzt vor allem alle Anwesenden mit seinem titelgebenden, offenherzigen Liebesgeständnis an die Klassen-Schönheit Beth Cooper (Hayden Panettiere). Nie hat er ein Wort mit ihr geredet, sie immer nur vom Platz direkt hinter ihr während des Unterrichts heimlich angeschmachtet. Jetzt soll sie endlich wissen, was er für sie fühlt. Die allgemeine Reaktion ist bestenfalls verhalten, umso erstaunter ist Denis, als Beth seiner Einladung folgt und gegen Abend mit ein paar Freundinnen auf seiner "Party" auftaucht, deren einziger anderer Gast Denis' einziger Freund Rich (Jack Carpenter) ist. Doch was als Stippvisite voller Peinlichkeiten für die nerdigen Jungs beginnt, entwickelt sich zu einer gemeinsamen Reise durch die letzte Nacht ihrer High School-Zeit, meistens auf der Flucht vor Beths prolligem Freund, der sich mit ihr zerstritten hat und Denis eine Abreibung verpassen will.

"I love you, Beth Cooper" weist in dreierlei Hinsicht nach unten: Erstens für seinen Regisseur Chris Columbus. Der hat einst mit "Kevin allein zu Haus" einen der erfolgreichsten Filme aller Zeiten geschaffen und war mit familienfreundlichen Schmonzetten wie "Mrs. Doubtfire", "Nine Months" oder "Der 200-Jahre-Mann" einer der angesagtesten Filmemacher der 90er Jahre. Gekrönt wurde das alles von der Ehre, die ersten zwei Teile der "Harry Potter"-Reihe inszenieren zu dürfen. Die galten allerdings beide als eher schwach, und seitdem ist es ziemlich plötzlich ziemlich leise um Chris Columbus geworden. Abgesehen von der gefloppten Musical-Verfilmung "Rent" ist dies erst sein zweiter Film in sieben Jahren, und das Budget ist noch einmal schmaler geworden. Die mageren 18 Millionen, mit denen Columbus nun von echten Stars freie Genreware inszenieren muss, hätten bei seinen früheren Filmen nicht mal für die Gage der Hauptdarsteller gereicht.
Zweitens für Hayden Panettiere, das eindeutige Zugpferd dieses Films. Denn dass "I love you, Beth Cooper" in den USA nicht einmal sein schmales Budget wieder einspielen konnte, ist auch ein eindeutiges Zeugnis, dass der vermeintliche Star - weltweit bekannt geworden als Cheerleaderin mit Superkräften im TV-Hit "Heroes" und seitdem zum vielfotografierten Starlet und Teenie-Sexsymbol avanciert - eben genau das nicht ist: ein zugkräftiger Star. Im Gegensatz zu ihrem Kollegen Zac Effron ("High School Musical"), der mit "17 again" einen respektablen Ersterfolg als Solo-Star verbuchen konnte, ist die blonde Panettiere offenbar nicht in der Lage, eine ausreichende Zuschauermenge ins Kino zu locken.
Drittens für das Genre des Teenager/High School-Films an sich. Denn das scheint derzeit nicht nur einen langsamen Tod zu sterben (abgesehen vom erwähnten "17 again" ist dies erst der zweite Film des Genres in diesem Jahr), sondern nähert sich auch bedrohlich der Selbstzerstörung. Die immergleichen Dramödien um erste Liebe, ersten Sex, Nerds, Schulschönheiten, Schläger, Sportskanonen und Außenseiter haben seit ihrer Hochzeit in den 80ern ohnehin nur die bekannten Motive variiert, nun fängt man auch noch an, die Filme zu versaubeuteln, die wenigstens Potential gehabt hätten. Denn das hatte dieser hier auf jeden Fall.

Es gibt zwei Momente in diesem Film, die wirklich groß sind und das eigentliche Drama, die wahre Geschichte von "I love you, Beth Cooper" erzählen. Der erste kommt, nachdem Denis beobachten musste, wie seine vergötterte Beth einen Wildfremden küsst, um an zwei Sixpacks Bier zu kommen. Ungläubig und fassungslos starrt er sie an und meint: "You are not Beth Cooper." Was Denis in dieser Szene (und eigentlich im ganzen Film) erlebt, ist die Zerstörung des Idealbilds dieses scheinbar perfekten Mädchens, das er in seinem Kopf errichtet hat. Seine romantische Schwärmerei wird nach Jahren mit der Realität konfrontiert, und für Denis ist das ein erschütterndes Erlebnis - aber vor allem ist es jene zentrale Lektion des Erwachsenwerdens, die er in diesem "Coming of age"-Film lernt.
Der zweite große Moment kommt nah am Ende, wenn Beth sehr ernüchtert, um nicht zu sagen desillusioniert in ihre eigene Zukunft blickt. Hier zeigt sich ein Teenager-Mädchen, das sehr wohl ahnt, dass die besten Jahre seines Lebens als allseits beliebte und bewunderte Schönheit an diesem letzten Schultag zu Ende gegangen sind, und sie ohne Perspektive in ihrer öden Heimatstadt hängen bleiben wird. Es ist ein unerwartet ehrlicher und nachdenklicher Einblick in eine Teenie-Seele und ein gewaltiger Schritt zu einer echten Filmfigur, nicht nur das nächste Abziehbild des Klischees der Chef-Cheerleaderin, die einen soft spot für den ewig verarschten Streber entdeckt.
Doch aus beiden Momenten macht "I love you, Beth Cooper" nichts, scheint fast gar nicht zu merken, was für eine Geschichte er hier eigentlich erzählt, und verliert sich über weiteste Strecken in unaufregenden Banalitäten, wo Bier beschaffen, "cow tipping" und nachts in die Schule einbrechen zu den Highlights dieser "unvergesslichen" Nacht gehören. Das Problem ist, dass Columbus all das als aufregend verkaufen will und es wie einen gängigen Teenie-Film inszeniert, als ginge es darum, eine lustige Komödie um eine wilde Nacht zu drehen. Doch dafür ist "I love you, Beth Cooper" einfach zu unkomisch, zu tempoarm, zu unspektakulär und viel zu einfach gestrickt. Die gesamte Prämisse des Films, dass Beth diese ganze Nacht mit Denis und ihren drei BegleiterInnen durch die Gegend zieht, steht auf ziemlich wackeligen Füßen, und als das Quintett nach 80 Filmminuten endlich auf der großen Abschlussparty der coolen Kids auftaucht (um sie kurz darauf schon wieder zu verlassen), fragt man sich schon, warum Beth nicht schon die ganze Zeit hierhin wollte bzw. baldmöglichst zurückkehrt.
Wenn sich in dieser Zwischenzeit eine echte Zuneigung von Beth zu Denis entwickeln soll, so ist sie nicht zu erkennen. Was natürlich am generell sehr schwachen Schauspiel von Hayden Panettiere liegen kann, die einen potentiell vielschichtigen Charakter mit enttäuschender Oberflächlichkeit darbietet. Beths einzige herausstechende Eigenart ist eine halsbrecherische Fahrweise. Ansonsten lässt Panettiere nichts von dem erahnen, was die angesprochene Szene gegen Ende über ihre Figur andeutet.

Eigentlich erzählt dieser Film eine sehr nachdenkliche Geschichte, über ein Mädchen, das sich davor ängstigt, die beste Zeit seines Lebens hinter sich zu lassen, und eine letzte aufregende Spaß-Nacht verbringen will - doch wie viel Spaß ist schon möglich in ihrer kleinen Heimatstadt, wo man doch immer nur dasselbe macht? -, und über einen Jungen, der die romantischen Illusionen seiner Jugend zerbrechen sieht und begreift, dass hinter jedem Idealbild auch nur ein einfacher Mensch steckt. Hätte "I love you, Beth Cooper" diese Geschichte auch adäquat erzählt, er hätte ein wirklich guter und vor allem ungewöhnlich tiefsinniger Beitrag zu seinem Genre sein können. Doch stattdessen verliert er sich in einer geradezu bemüht stereotypen Abspulung althergebrachter Genre-Klischees auf der Suche nach mageren Gags oder etwas mehr Tempo und versucht, eine flotte Komödie zu sein, die er einfach nicht ist. Anstatt denkwürdig ist das Endergebnis darum einfach nur lahm, langweilig und latent überflüssig.

Frank-Michael Helmke

10

Die Blondine ist geil

3

seit langem die erste rezension von filmszene der ich uneingeschränkt zustimme.
am ende stellt man fest, dass der film doch eigentlich gar nicht so bescheuert hätte sein müssen.

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