Mustang

Originaltitel
Mustang
Jahr
2015
Laufzeit
97 min
Genre
Release Date
Bewertung
8
8/10
von Margarete Prowe / 25. Februar 2016

Mustang„Mustang“ ist ein ästhetisch beeindruckender und wunderbar gespielter Film über fünf Schwestern, der gleichzeitig schön und schrecklich anzuschauen ist: Die 1978 in Ankara geborene Filmemacherin Deniz Gamze Ergüven zeichnet darin das Porträt von fünf jungen Mädchen, die durch unschuldiges Herumtollen plötzlich als schamlos gelten und deren Zuhause sich daraufhin in ein Gefängnis und eine Brautfabrik verwandelt. Doch der Coming-of-Age-Albtraum der Fünf bietet auch herrliche Momente voller Schönheit und Lachen und zeigt, wie die jungen Mädchen auf vielfältige Weise versuchen, sich zur Wehr zu setzen, wo sie können.

MustangEs ist Sommer in einem türkischen Dorf. Lale, die Erzählerin und Jüngste der Schar, und ihre Schwestern wachsen nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrer Großmutter und ihrem Onkel auf. Als sie nach der Schule mit ein paar Jungs im Meer herumtollen, lösen sie im Dorf einen kleinen Skandal aus. Sie dürfen fortan nicht mehr zur Schule, das Haus wird zu einer Festung umgebaut, schlammfarbene Kleider ersetzen die Schuluniform und Benimm, Handarbeiten und Kochen sind das einzige, was sie nun noch lernen dürfen. Nach und nach werden Ehen für die Mädchen arrangiert. Doch die Fünf lassen sich nicht so einfach zu Bräuten machen, sondern lehnen sich auf unterschiedliche Weise, mal lustig, mal entsetzlich anzuschauen, gegen ihr Schicksal und ihre Grenzen auf.

MustangWas an „Mustang“ berührt, ist nicht die Härte der Geschichte, sondern gerade die zarte und auch sinnliche filmische Umsetzung, welche dieser entgegengesetzt wird. Lichtdurchflutete Bilder von jungen Mädchen mit fließenden langen Haaren, die kreuz und quer im Zimmer liegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, das Geräusch ihres Lachens und auch die wunderbare Musik erzeugen eine magische Stimmung, in der alles möglich erscheint. Zu den schönsten Szenen gehört eine, in der die Mädchen ausbüxen, um zu einem Fußballspiel zu gehen, und die alten Frauen im Dorf alles tun, damit die Männer daheim nicht mitbekommen, wo die Fünf sich gerade herumtreiben.

Die Regisseurin selbst sagt, dass der kleine Skandal, den die Mädchen auslösen, als sie auf die Schultern der Jungs klettern, ihr in ihrer Jugend tatsächlich passiert ist. Doch der Unterschied zu ihren Protagonistinnen sei, dass sie damals nicht auf die Zurechtweisungen reagierte, sondern nur beschämt die Augen zu Boden senkte. Es ist gut, dass Deniz Gamze Ergüven heute nicht mehr die Augen zu Boden senkt, sondern in ihrem Film die grausamen Auswirkungen von Zwangsehen und übertriebener Sorge um Scham und Anstand so klar zeigt. „Mustang“ feierte auf dem Filmfestival in Cannes 2015 sein Debüt und wurde für den Oscar für den besten fremdsprachigen Film nominiert.

Bilder: Copyright

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