Hustlers

Originaltitel
Hustlers
Land
Jahr
2019
Laufzeit
106 min
Genre
Release Date
Bewertung
2
2/10
von Volker Robrahn / 27. November 2019

Im Jahr 2007 sieht Dorothy (Constance Wu) die einzige Möglichkeit den Lebensunterhalt für sich und ihre Großmutter zu verdienen darin, als Stripperin in einem Nachtclub zu arbeiten. Als Tänzerin an der Stange kann sie jedoch zunächst nicht so richtig überzeugen, was sich erst ändert als sie den Kontakt zu Ramona (Jennifer Lopez) intensiviert. Die ist mit ihrem selbstbewussten Auftreten der unumstrittene Star des Clubs, und unter ihrer Anleitung entwickelt auch Dorothy, die sich den Namen „Destiny“ gibt, eine ganz andere Ausstrahlung.

Gemeinsam mit den anderen Mädchen zieht man den Gästen die Scheine aus der Tasche, was die aber auch kaum stört, da es sich überwiegend um wohlhabende Wall Street-Banker handelt, die mit der Kohle nur so um sich schmeißen. Die große Finanzkrise des Jahres 2008 beendet dieses angenehme Leben jedoch abrupt, die Kunden bleiben aus und die Versuche, ins „normale“ Arbeitsleben zurückzukehren, bereiten nur wenig Freude. Also tun sich die Damen wieder zusammen und greifen zu rabiateren Mitteln: Sie plündern die Kreditkarten der Männer, die sie dafür unter Drogen setzen, und spekulieren darauf, dass diese sich hinterher entweder an nichts erinnern können oder aus Scham schweigen.

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„Hustlers“ entwickelte sich in den USA zum Überraschungshit des Herbstes und zum großen Comeback von Jennifer Lopez. Die hat hier in der Tat die charismatischste Rolle inne, auch wenn ihre Ramona nicht die eigentliche Hauptfigur ist. Das ist vielmehr die etwas sanftere und zurückhaltende Destiny, und die erzählt uns im Rückblick und in Form eines Interviews dann auch die Geschichte. Die in ihrem Kern eine wahre ist und auf einem Artikel des New York Magazine beruht. Die große Popularität, die diese Geschichte und auch ihre Verfilmung dabei genießt (zumindest in dem Land, in dem sie spielt), ist bemerkenswert und sicher ein Ausdruck des Zeitgeistes, verursacht aber doch einige Fragezeichen.

Das beginnt mit der Art wie die Welt aus Sex, Geld und Drogen hier als glamourös und erstrebenswert inszeniert wird, während im Gegensatz dazu jeder Blick in das etwas bürgerlichere Arbeitsleben grau und öde ausfällt. Wie uns die Abenteuer der „Bad, Bad Girls“ über weite Strecken als „Feel Good“-Movie verkauft werden, obwohl diese Freundinnen nicht wirklich welche sind. Denn wer nicht funktioniert oder spurt oder gar moralische Skrupel zeigt, bekommt von Ramona einen ordentlichen Einlauf verpasst, gerne auch mit ein paar verletzenden Worten. Letztlich steht der Egoismus jeder Einzelnen immer klar im Vordergrund.

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Bei den Männern, die in diesem Film zu sehen sind, handelt es sich dagegen ausnahmslos um widerliche, erbärmliche Typen, die es schlicht nicht besser verdient haben als ausgenommen und zerstört zu werden – jedenfalls aus der Sicht von Ramona, Destiny und Co., die sich für ihr ganz klar kriminelles und oft auch brutales Handeln gleich ein ganzes Arsenal von Rechtfertigungen zurechtgelegt haben: „Wenn wir es nicht tun, macht es jemand anders“ oder „Was sind unsere Taten denn gegen das, womit Männer regelmäßig davonkommen?“seien da als Bespiele genannt. 

Die pauschal verhängte Kollektivschuld Anderer als moralischer Freifahrtschein für einen selbst. Und nein, es ist nicht so, dass hier die reichen Arschlöcher ausgeraubt werden um anschließend mit deren Geld etwas Sinnvolleres anzufangen. Einziges Interesse der Girlgroup ist es, irgendwie ihren luxuriösen Lebensstil aufrechterhalten zu können, aber das hindert sie nicht daran, sich trotzdem als eine Art moderne Robin Hoods zu fühlen.

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Was ein durchaus interessantes Gegenstück aus weiblicher Sicht zu Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ hätte werden können, entpuppt sich in dieser Form als reine Trash-Variante des Themas; als ein Film, dem jede Ironie, jede Distanzierung und jede doppelte Ebene fehlt. Dazu auch noch jeglicher Witz oder nur eine einzige, zumindest in Teilen sympathische Figur. Auch dieser Stoff wurde übrigens Scorsese zur Regie angeboten. Er lehnte ab.

Bilder: Copyright

Hm, 79% metascore und 88% bei rottentomatoes sprechen da eine andere Sprache. Auch Miss Lopez gilt ja als Anwärter für eine Best Supporting Actor-Oscarnominierung, was man nach Gigli wahrscheinlich eh nie gedacht hätte. Ich bin echt gespannt und danke trotzdem für die Kritik, die so komplett gegen den Strom zu schwimmen scheint :-)

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Die Kritik wirkt seltsam eingeschnappt. Als hätte man den Autoren persönlich angegriffen. Wenige Worte zu den filmischen Aspekten sondern viel moralistischer Zeigefinger.

Dabei habe ich gegenüber diesem Film keine Meinung: Trailer wirkt tatsächlich eher mau.

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@ David Oesch:
Nicht angegriffen, aber ja, schon etwas eingeschnappt wenn man bemerkt was einem hier eigentlich weisgemacht werden soll und in welche fragwürdige Sichtweise man manipuliert und gelenkt wird. Und wenn das so direkt und penetrant geschieht wie hier, dann überlagert es ab einem gewissen Punkt in der Tat den sonst vorherrschenden Blick auf die rein filmischen und künstlerischen Aspekte. Insofern sicher eine im Vergleich eher ungewöhnliche Kritik hier, aber die Diskussion darüber ist auch ausdrücklich erwünscht :)

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1
1/10

Musikstars mit schlechter schauspielerischer Leistung. Eine billige Geschichte. Was soll sie den ab 12 Jährigen vermitteln? Nicht lohnenswert!

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8
8/10

Zur Review:

Wirklich schade, und leider nicht das erste Mal, dass es mir scheint, als würde Volker Robrahn seine Sicht auf das, was er hier "Ausdruck des Zeitgeistes" nennt, in eine Rezension unpassend und übertrieben stark einfließen lassen. Da scheint jemand ein großes Problem mit Feminismus und in Hustlers ein Bauernopfer gefunden zu haben, obwohl der Film nun bei Gott alles andere als besonders feministisch oder politisch ist (Die amerikanische Rechte hatte sich ja auch ziemlich auf den Film eingeschossen)

Würde ich mutmaßen müssen, woran das liegt, würde mir als erstes Herr Robrahns Engagement bei Massengeschmack TV in den Sinn kommen, die ja politisch in den letzten Jahren auch eher in die rechte/libertäre Ecke tendieren.

An und für sich ist es auch nicht verwerflich, sich mit der aktuellen linken Identitätspolitik kritisch auseinanderzusetzen. Und es spricht auch nichts dagegen, einen eher rechten oder meinetwegen libertären Zugang zur persönlichen Filmrezeption zu haben.

Nur im Zuge dessen, einen Film aus fadenscheinigen, moralisierenden Gründen derart abzuwatschen (2 von 10 Punkten, really?), wirkt doch so, als hätte der Rezensent die ideologische Brille beim Schauen nicht absetzen können. Gerade als Kritiker würde ich mich diesbezüglich dann doch eher an Anita Sarkeesian halten: "It's both possible, and even necessary, to simultaneously enjoy media while also being critical of its more problematic or pernicious aspects." Das ist Herr Robrahn hier in keinster Weise gelungen und wirft ein deutlich schlechteres Licht auf ihn als Rezensenten als auf den von ihm kritisierten Film.

Hinzu kommt der - zugegeben spekulative - Gedanke, dass Herr Robrahn wohl als erstes laut und wütend "CANCEL CULTURE!!!111Elf" schreien würde, wenn ein von ihm geliebter Film aus moralischen Gründen (nur eben von der identitätspolitischen, linken Perspektive aus) ähnlich ungerecht abgewatscht werden würde.

Just my 2 cents.

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Zum Film:
Erstklassiges Ganovinnenstück mit viel Charme, Esprit aber auch Herz. Hervorragend gespielt von allen Akteurinnen, manchmal schön dreckig wie der bereits von Herrn Robrahn erwähnte "Wolf of Wall Street", oft aber auch sehr reflektiert und introspektiv, mitunter sogar weitaus selbstkritischer als der Scorsese-Hit. Freifahrtscheine werden - im Gegensatz zur Suggestion in der Review - hier nicht verteilt, und entmenschlicht werden die Opfer auch nicht. Dafür aber - und das ohne rosarote Brille - werden in der Tat die Täterinnen vermenschlicht.

Dabei arbeitet der Film erfolgreich gegen Klischees, die man in einer solchen Gaunerbande vermuten würde. Hervorgehoben sei nur der rührende Umgang der beiden Protagonistinnen mit ihrer Mutterrolle sowie die großartige Freundschaftserklärung am Ende des Streifens. Wie gesagt, da schien mir "Wolf of Wall Street" deutlich unausgereifter und selbstverliebter als dieses kleine, elegante Drama, das sich nie zu wichtig nimmt, und im Kleinen Großes zu erzählen weiß.

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5
5/10

Die Kritik von filmszene ist mir hier eindeutig zu hart. Den Vorwurf, dass kein edles Ziel und nur halbgare Rechtfertigungen hinter den kriminellen Machenschaften stehen, könnte man auch den großen Mafiafilmen der Vergangenheit machen (oder meinetwegen dem jüngeren "The Irishman").

Im Prinzip ist der Film ein klassischer Gangsterfilm nur halt mit getauschten Geschlechterrollen. Hier sind die Männer nur Statisten und die Frauen die Protagonisten.

Er ist nicht besonders super, aber auch nicht besonders schlecht. Okayes Mittelmaß.

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