True Detective

von Frank-Michael Helmke / 13. September 2014

Es ist in den letzten Jahren schon viel darüber geschrieben worden, dass das Fernsehen das Kino als höchste Form des filmischen Erzählens abgelöst hat – ein Prozess, der zumindest für Amerika unbestreitbar ist, wo sich die Produktion der großen Filmstudios immer mehr einengt auf so genannte „Event-Filme“, die auf großes Spektakel denn auf starke Figuren und Geschichten setzen, um ihr Publikum ins Kino zu locken. Da ist es kein Wunder, dass immer mehr veritable Schauspiel-Stars ins Fernsehen abwandern und Hauptrollen in Serien zu übernehmen, die hochgradig komplexe und faszinierende Figuren bieten, wie sie in Hollywood längst ausgestorben scheinen.

True Detective

Die Fernseh-Serie als der anspruchsvolle Film des neuen Jahrtausends hat sich gleichzeitig mehr und mehr einer anderen Erzählform angenähert, dem Roman. Die TV-Serie bietet dank ihrer Laufzeit und ihrer Einteilung in Episoden/Kapitel einen strukturellen Unterbau, der eine Roman-artige erzählerische Tiefe und Breite erlaubt, wie sie für einen Kinofilm überhaupt nicht möglich sind. Die Beispiele für Fernseh-Serien, die eigentlich einen großen, in sich geschlossenen Roman darstellen, haben in den letzten Jahren immer mehr zugenommen, von David Simons „The Wire“ bis hin zu Vince Gilligans „Breaking Bad“.

Mit „True Detective“ von Nic Pizzolatto erreicht diese Metamorphose der Fernsehserie-als-Roman ihren neuen, vorläufigen Höhepunkt. Ein Werk von solch herausragender Qualität und Stringenz, dass es kaum noch Sinn macht, einzelne Episoden als alleinstehende erzählerische Einheit gegeneinander abzuwägen, sondern man es eigentlich mit einem einzigen, großen Film mit einer Laufzeit von rund 420 Minuten zu tun hat. Nachdem das Echo der auf „True Detective“ gesungenen Lobeshymnen in den letzten Monaten bereits deutlich vernehmbar über den Atlantik geschwappt ist, ist die Serie nach ihrer Ausstrahlung im Pay-TV nun auch endlich bei uns auf DVD erschienen, so dass sich jetzt jeder davon überzeugen kann, dass hier eine neue Stufe in der narrativen Entwicklung des Fernsehens erklommen wird.
 

True Detective

Auf den ersten Blick erzählt „True Detective“ eine Krimigeschichte. Die Hauptfiguren sind die beiden Polizisten Rust Cohle (Matthew McCounaghey) und Marty Hart (Woody Harrelson), die im US-Bundesstaat Louisiana im Jahr 1995 einen grausamen Ritualmord aufzuklären versuchen, der alle Zeichen eines Serientäters trägt. Dass dieser Fall sich letztlich nicht so leicht und sauber aufklären lassen wird, deutet die Erzählstruktur der Serie bereits vom Start weg an, denn Cohle und Hart erzählen die Ereignisse von 1995 quasi in Rückblenden, während sie im Jahr 2012 von zwei anderen Polizisten zu ihren damaligen Ermittlungen befragt werden. Offensichtlich gibt es einen neuen Fall, der in Frage stellt, ob der damals identifizierte Täter wirklich der Täter war. Und offensichtlich hat der damalige Fall tiefe Spuren im Leben von Cohle und Hart hinterlassen, denn die beiden Männer, die da im Jahr 2012 an einem Tisch sitzen und ihre Erinnerungen berichten, sind sehr andere Menschen als die beiden Männer, die wir 17 Jahre zuvor bei ihrer Arbeit beobachten.

True Detective

Schon früh wird deutlich, dass diese Geschichte hier mit einem typischen Krimi relativ wenig zu tun hat. Es gibt keinen Kreis an Verdächtigen, unter denen der wahre Täter herausgefunden werden muss, wie bei einem typischen „Tatort“, und die langwierigen Ermittlungen, welche Cohle und Hart über viele kleine Spuren und Hinweise langsam immer näher zur Auflösung führen, sind letztlich ‚nur’ die Folie, auf der die eigentliche Erzählung von „True Detective“ präsentiert wird: Eine recht schauerliche und düstere Mär über die dunklen Seiten des Menschen, seine Fehlbarkeit, seine Verführbarkeit, seine Abgründe. Seine sehr tiefen, sehr unheimlichen Abgründe. Selten, vielleicht nie ist es einer Fernsehserie gelungen, eine Welt und eine Weltsicht so kraftvoll und nachdrücklich zu zeichnen wie in „True Detective“.

Dies geschieht vor allem über zwei Ebenen. Die eine ist die Figur Rust Cohle. Bereits in der ersten Folge zeigt sich Cohle gegenüber seinem neuen Partner und damit auch dem Publikum als ein großer Philosoph des Pessimismus. Schnell wird deutlich, dass Cohle ein mehr als brillanter Geist ist, ein fast schon genialer Analytiker, der mit diesem analytischen Blick aber auch die ganze Welt und die Menschen, die in ihr wohnen, studiert hat und absolut keine Schönheit am Leben oder der Menschheit erkennen kann (und die Serie gibt sich keine Mühe, für das Gegenteil zu argumentieren). Cohles Sicht auf die Welt ist in ihrer kompromisslosen Konsequenz schwer zu ertragen, weil sie durch und durch deprimierend ist. Zugleich jedoch präsentiert er diese Weltsicht in Monologen von solch sprachlicher Eleganz, Wortgewandtheit und beizeiten geradezu poetischer Bildhaftigkeit, dass man kaum anders kann als ihnen gebannt zu lauschen und sich davon gefangen nehmen zu lassen.

Die andere Ebene, über die „True Detective“ seine Welt so beeindruckend zeichnet, ist die Bebilderung seines Erzählkosmos durch Regisseur Cary Fukunaga und Kameramann Adam Arkanaw (beide gewannen völlig zurecht den TV-Oscar „Emmy“ für ihre Arbeit an „True Detective“). Cohle bezeichnet die Stadt, in der er und Hart ermitteln, an einer Stelle als „wie jemandes Erinnerung einer Stadt, und die Erinnerung verblasst“. Fukunaga und Arkanaw gelingt es, genau diese Stimmung einzufangen und ihren Handlungsort Louisiana genau wie in Cohles Metapher als einen Ort in Auflösung zu zeichnen. Alles scheint sich hier in einem Zustand des Zerfalls zu befinden, überall ist Verrottung und Zusammenbruch. Eine Welt, in der der Mensch sich versucht hat mit seiner Zivilisation einzurichten, doch die nach seinem Scheitern von der Wildheit der Natur zurückerobert wird.

True Detective

Man hat beizeiten das Gefühl, dass in der gesamten Serie nicht ein einziger Ort gezeigt wird, den man tatsächlich als hübsch bezeichnen würde, und an zahllosen Ecken kann man der Natur geradezu dabei zusehen, wie sie an den Zeichen der Zivilisation empor kriecht, um sie in absehbarer Zeit wieder unter sich zu begraben. Es ist eine herausragende künstlerische Leistung, einen visuellen Stil von solcher Konsequenz und Effektivität zu entwickeln, der derart hundertprozentig die Stimmung und unterliegenden Motive der erzählten Geschichte einfängt.
 

Louisiana als sehr spezifischer Handlungsort dieser Geschichte findet sich nicht nur in Stimmung und Atmosphäre der Außenwelt wieder, sondern auch in der Weltsicht der Figuren und der Wichtigkeit von Religion in allen Lebenslagen. Louisiana gehört zu den sehr religiös geprägten Gegenden der USA, und die oft unheimlichen Schattierungen von Naturreligionen und Voodoo-Kult, die durch die historischen Einflüsse karibischer Kultur bis heute ihre Spuren in dieser Region hinterlassen haben, sind ein wichtiger Bestandteil dieser Welt. Religion und Glaube sind hier von solch durchdringender Präsenz, dass Rust Cohle gerade dadurch zum Sonderling wird, dass er nur eine rein intellektuelle Beziehung zu Religion hat, als eine Sache, deren Entstehung und Wirkung auf die Menschen er studiert, aber mit demselben nihilistischen Pessimismus betrachtet wie alles andere. Entsprechend reden die Figuren hier eben über Religion wie Menschen, die diese wirklich verinnerlicht haben, und mehr als einmal fällt eine biblische Referenz, die nicht weiter erklärt wird, weil die Figuren genau wissen, wovon die Rede ist. Für den atheistisch-europäischen Zuschauer kann das beizeiten schwer zu folgen sein, doch es trägt entscheidend seinen Teil dazu bei, eine sehr glaubwürdige und authentische Erzählwelt zu schaffen.

True Detective

Religion und deine Einstellung dazu ist in dieser Gegend ein bestimmender Faktor, wer du bist und wie deine Mitmenschen dich sehen, und gerade über diese Ebene manifestiert sich die klassische Polizisten-Duo-Chemie zwischen Cohle und Hart als ungleiches Paar. Auf der einen Seite Cohle, der philosophierende Sonderling, der die meiste Zeit abgeschottet in seiner eigenen Gedankenwelt lebt und große Schwierigkeiten mit den konventionellen Gepflogenheiten des sozialen Miteinanders hat bis hin zur totalen Beziehungsunfähigkeit. Auf der anderen Seite der bodenständige und regeltreue Hart, der – ganz dem gesellschaftlichen Mainstream seiner Gegend folgend – die traditionellen Werte eines christlichen Familienbildes predigt und sich entsprechend an Cohle reibt, der in nichts von alldem irgendeinen Wert erkennen will.

Es ist phänomenal, wie „True Detective“ diese beiden Figuren aufeinanderprallen lässt und ihre Wahrnehmung durch den Zuschauer sukzessive verschiebt. Als man Cohle kennenlernt und nach und nach mehr über diese Figur erfährt, qualifiziert er sich mit Nachdruck für die Top Ten der kaputtesten Polizistenfiguren, die man jemals in Film oder Fernsehen gesehen hat. Zugleich lernt man Hart als wichtiges Gegengewicht zu diesem scheinbaren Spinner schätzen. Mit seinen trockenen, ungerührten „Was faselt der denn da“-Kommentaren zu Cohles verkopften philosophischen Abschweifungen spricht er vielen Zuschauern aus der Seele und bewahrt die Serie davor, zu sehr intellektuell abgehoben zu erscheinen.

Doch das Bild der beiden Figuren und die Auffassung darüber, wer der Kaputte und wer der Stabile ist, wandelt sich. Je mehr man sehen muss, dass Harts Verteidigung traditioneller Werte eigentlich nur geheuchelt ist und er in seinem Privatleben nicht im Stande ist, sich an das zu halten, was er predigt, desto mehr wird Hart (und damit alle Normalbürger, für die er hier repräsentativ steht) als der eigentlich Kaputte entlarvt, gefangen in einem permanenten Widerspruch zwischen seinen vorgeblichen, anständigen Grundsätzen und dem Verhalten, zu dem seine menschliche Natur ihn verleitet. Auf der anderen Seite erlebt man Cohle immer mehr als einen Charakter vollkommen frei von diesem Widerspruch, da seine nach außen präsentierte Weltsicht und sein Verhalten in absolutem Einklang miteinander stehen. So betrachtet ist Cohle ein viel ehrlicherer, gerader und anständigerer Mensch als all die Heuchler um ihn herum.
 

True Detective

Es fällt ehrlich gesagt schwer, sich in den Schwärmereien über diese Figur zu bremsen, denn Cohle verkörpert alles, was „True Detective“ so einzigartig und großartig macht. Er ist ein Charakter mit unglaublich vielen Facetten und Dämonen, und wie es dem jüngst mit dem Oscar ausgezeichneten Matthew McCounaghey gelingt, all diese Seiten dieses höchst komplexen Individuums ebenso nuanciert wie prägnant in seinem Schauspiel spürbar zu machen, ist mehr als außergewöhnlich. Es ist ein wenig tragisch, dass „True Detective“ im selben Fernsehjahr ausgestrahlt wurde wie die finale Staffel von „Breaking Bad“, so dass sowohl die Serie selbst als auch ihre beiden Hauptdarsteller und ihr Autor bei den diesjährigen Emmys leer ausgingen und dem Siegeszug des „Breaking Bad“-Finales Platz machen mussten. In jedem anderen Jahr wäre es wohl unbestreitbar gewesen, dass McCounaghey diesen Preis hätte gewinnen müssen.

Zugleich zeigt die Einzigartigkeit von Rust Cohle aber auch die Einzigartigkeit in der Herstellung von „True Detective“ als Fernsehserie mit einer einzigen kreativen Stimme. Jede amerikanische Serie hat einen „Show Runner“, einen Chefautor, der Stil, Verlauf und Ton einer Serie bestimmt und vorgibt, aber diese „Show Runner“ stehen dennoch am Kopf eines Autorenteams, das die Serien gemeinsam erarbeitet und sich bemüht, in Handlung und Dialogen eine einheitliche Stimme für ihre Figuren zu finden, die alle gleich prägnant sprechen können. Rust Cohle ist in seiner Art zu sprechen, in den unerwarteten Wegen seiner Gedankengänge jedoch so einzigartig und spezifisch, dass es kaum denkbar erscheint, wie ein Team von Autoren es schaffen könnte, in einer derart einheitlichen Stimme zu schreiben. So eine Figur kann nur aus der Feder eines einzelnen Autors entspringen.

Und wie die Figur Cohle stellt „True Detective“ auch in seiner Ganzheit ein Gesamtkunstwerk dar, wie es nur von einem einzelnen Künstler mit einer glasklaren Vision erzeugt werden kann. In der Tat hat Nic Pizzolatto die gesamte Serie von vorne bis hinten ganz allein geschrieben, und es war nur konsequent – und mehr als richtig – ihre Umsetzung ebenso nur in die Hand eines einzelnen Regisseurs zu geben, um so eine spezifische stilistische Einheitlichkeit und Einzigartigkeit zu erreichen, wie man sie sonst im Fernsehen nicht erlebt.
 

Diese Einzigartigkeit bezieht sich auch auf die Qualität der Inszenierung, und nicht nur hinsichtlich der bereits erwähnten, kunstvollen und höchst wirkungsvollen Bildsprache. Bei all der Schwärmerei über Erzählkunst, Figurenzeichnung und Metaphorik soll natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass „True Detective“ auch schlicht sauspannend ist. Weniger wie ein Krimi, viel mehr wie ein Thriller konstruiert, werden Spannungspunkte und entscheidende Wendungen in den Ermittlungen hier so gesetzt, dass höchst wirkungsvolle Cliffhanger entstehen. Und eine sich schleichend konkretisierende, tiefdunkle Vorahnung der kaum fassbaren Grausamkeit heraufbeschworen wird, welche hier am Ende lauert.

True Detective

Zudem nutzt „True Detective“ seine eigene Erzählstruktur sehr clever, da die Handlungsebene in 2012 natürlich kein schlichtes, statisches Nacherzählen bleibt, sondern die Geschichte einen Punkt erreicht, an dem Cohle und Hart unabhängig voneinander zu lügen beginnen über die Ereignisse von 1995. Als Zuschauer weiß man, dass es jetzt ganz sicher ziemlich interessant und vielleicht auch ein wenig hässlich wird. Was daraufhin folgt, gipfelt schließlich in einer fulminant ausgeführten, hochspannenden siebenminütigen Plansequenz, die mit derartiger cineastischer Wucht umgesetzt ist, dass jeder hochklassige Kino-Krimi mehr als stolz darauf gewesen wäre. Es ist einer von sehr vielen Momenten im Laufe dieser Serie, in denen man kaum fassen kann, dass dies hier wirklich „nur“ eine Fernsehproduktion ist, und eben nicht das, wonach es aussieht: Ein sehr langer Kinofilm.
 

„True Detective“ bildet mit seinen acht Kapiteln tatsächlich ein in jeder Hinsicht derart geschlossenes Werk, dass man es wie gesagt kaum noch als Fernsehserie, denn als Roman in Filmform wahrnimmt, mit einem ganz klaren Anfang und einem ganz klaren Ende. Entsprechend widersinnig ist der Gedanke, von dieser Serie im konventionellen Sinne weitere Staffeln herzustellen. Es ist quasi undenkbar, mit denselben Hauptfiguren eine weitere Geschichte zu erzählen, wenn diese auch nur annähernd an das heran kommen soll, was man in dieser ersten Staffel gesehen hat.

Dementsprechend wird man das auch gar nicht erst versuchen. Die zweite Staffel von „True Detective“ ist bereits in Arbeit, aber McCounaghey und Harrelson werden damit nichts mehr zu tun haben. Die Besetzung für das neue Polizisten-Duo gehörte in den letzten Monaten zu den am heißesten diskutierten Punkten in Amerikas Casting-Gerüchteküche. Und noch gespannter als auf die finale Besetzung kann man darauf sein, ob es Pizzolatto wirklich gelingt, noch einmal eine Geschichte zu entwickeln, welche mit dieser denkwürdigen ersten Staffel in ihrer phänomenalen erzählerischen Stärke mithalten kann, ohne dabei wie eine allzu deutliche Wiederholung zu wirken, sondern ihren eigenen Stil und ihre eigenen zentralen Motive findet. Es ist kaum vorstellbar. Umso interessanter und faszinierender wird es sein zu sehen, ob es dennoch gelingt.

Für den Moment qualifiziert sich Pizzolattos erster „Fernsehserien-Roman“ schon mal für den Olymp der besten letzten Sätze in einem Film, und ist für jeden Freund außergewöhnlicher filmischer Unterhaltung mehr als nur ein dringender Tipp, sondern absolutes Pflichtprogramm – denn hier werden Maßstäbe gesetzt, an denen sich in den kommenden Jahren sehr viele neue Serien orientieren werden. Das nächste Kapitel in der Evolution der Fernsehserie beginnt hier.

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Ich liebe diesen Charakter. Und diese Serie liegt bei mir auf dem ersten Platz meiner Top Ten den vorher immer The Wire eingenommen hat.
Wer sich mit Symbolismus auskennt kann diese Geschichte nur lieben, sie behandelt etwas sehr reales, dunkles was in unserer Kaputten Welt leider existiert und ist ein starker Kommentar der sich eindeutig dagegen positioniert, hier werden die Grenzen nicht verwischt, es gibt keine grautöne.
True Detective entlässt den Zuschauer mit einem grundpositiven Gefühl. "Well, once there was only dark. If you ask me, the light's winning.

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Eine wirklich sehr gute uhnd treffende Rezension. Diese Miniserie ist mutig, vor allem da der Hauptcharakter Cohle für den Normalbürger nur äußerst schwer zu verdauen ist. Die Quasi-Monologe sind einfach nur genial und grade hier zeigt sich die Treffsicherheit der Rezension - ein Team hätte diesen Charakter nicht so zeichnen können, denn es gibt nur wenige, die dieses Denken wirklich verstehen und dann auch die positiven Seiten daran in Szene setzen können. Mehr Köche hätten den Brei nur verwässert. Mit Hart wird dann, als Gegenpol zu Cohle, die ganze Misere moderner Wertvorstellungen deutlich - und die Besetzung beider Figuren ist ideal gewählt. Beeindruckend ist vor allem die Konsequenz der Charakterzeichnung, Entschuldigungen werden nicht gestattet oder wenn doch, direkt demontiert.
Auch Michelle Monaghan trägt einiges in ihrer Nebenrolle als Harts Ehefrau bei, nicht zur direkten Handlung, doch als wichtige Basis der Charakterentwicklung. Und hier sei auch der einzige Kritikpunkt an True Detective erwähnt: Jenseits dieser 3 Hauptcharaktere findet man kaum größere Charaktere, teils fast platte Stereotypen, auch wenn die Nebendarsteller einen guten bis teilweise sehr guten Job machen. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau, denn bei einer Limitierung auf 8 Folgen und der schon beeindruckenden Komplexität der Hauptcharaktere bleibt nunmal nicht mehr viel Platz.

Jedem Interessierten sei gesagt, man muss der Serie bis Folge 3 Zeit geben, erst dann beginnen sich Charaktere, Handlung und die Auswirkungen richtig zu entfalten, doch dann mit ungeahnter Wucht.

Für mich steht True Detective genau zwischen dem imho noch lange unangefochten bleiben werdenden Breaking Bad und House Of Cards. Meine Top 3 der existierenden Serienlandschaft.

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