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Das Filmszene Halloween Special 2019

Wenn dieser Tage das ursprünglich keltische Samhain-Fest, in den USA und mittlerweile überall als „Halloween“ bekannt, gefeiert wird, wird es für den Filmfreund wieder Zeit, zu überlegen, welche gruseligen Filme er oder sie für den Halloween-Abend bereit hält. Anstatt aber wieder Klassiker wie John Carpenters „Halloween“ (der sich natürlich immer wieder und immer noch lohnt), haben sich ein paar unserer Redakteure auf die Suche nach kleineren und noch (zu) unbekannten Genreperlen gemacht, mit denen sich der Fan des Gruselfilms den Halloween- (oder jeden anderen) Abend verschönern kann....

 

Simon Staake:

Trick'R'Treat

Ein Film über Halloween für Halloween: „Trick'R'Treat“ spielt an Halloween, gibt wohl einen der authentischsten Blicke auf die teilweise absurden Auswüchse dieser Festtradition und ist zugleich einer der besten Filme für eine Halloween-Party. Dies ist ein Film sowohl für Genrekenner als auch für Neulinge: Gruselig und durchaus blutig, aber nicht übermäßig brutal; lustig, aber nicht albern und vor allem: sehr, sehr unterhaltsam. Was auch mit Inhalt und Struktur dieses Episodenfilms zu tun hat. Die Tatsache, dass hier diverse Geschichten verwoben wurden, sorgt dafür, dass eine große Bandbreite an Horrorfilmfiguren und -geschichten geboten wird. Wer also mit, sagen wir mal Zombies nichts am Hut hat, kann sich dann am Serienkiller erfreuen etc.

Dazu kommt eine genial benutzte Schachtelstruktur: Anstatt wie sein offensichtlicher Vorgänger „Creepshow“ brav eine Geschichte nach der anderen zu erzählen, werden die Geschichten hier durcheinander gemischt: Hauptdarsteller einer Episode sind Nebendarsteller oder Quasi-Statisten in einer anderen, diverse Geschichten werden parallel vorangebracht und die Chronologie wird bunt durcheinandergewürfelt. Man kann also während des Ansehens gar nicht recht sicher sein, wann der Film eigentlich zu Ende ist, auch weil man aufgrund der Struktur nicht weiß, ob da nicht doch noch eine Episode mit einer vormaligen Nebenfigur kommt. Zudem bringt diese Struktur eine enorme Kurzweiligkeit mit sich. Auch eingefleischte Horrorfans werden sich zudem daran erfreuen, dass „Trick'R'Treat“ selbst gut abgehangenen Geschichten noch ein paar relativ frische Twists abringt, die oft der EC Comics/“Cryptkeeper“-Logik folgen. Weitere Details sollen hier gar nicht verraten werden, da es bei einem Film wie diesem tatsächlich besser ist, wenn man vorher nicht zuviel weiß. So richtig furchteinflößend ist „Trick'R'Treat“ zwar nie und will es eigentlich auch nicht sein, aber wie gesagt: der Unterhaltungsfaktor ist enorm hoch.

Dass so ein formal innovativer, damals noch gut beleumundeter (Produzent Bryan Singer, dessen Drehbuchautor von „X-Men 2“ und „Superman Returns“ Michael Dougherty hier sein Regiedebüt feiert), dazu exzellent im Cinemascope-Format abgefilmter und gut besetzter Film (u.a. Brian Cox, Anna Paquin und Dylan Baker) 2008 nach diversen Monaten „auf Halde“ nur als Premiere im Heimkino erschien, gehört zu den großen Ungerechtigkeiten der Genregeschichte, besonders da damals jedes unweit schlechtere J-Horror-Remake auf tausenden Leinwänden den Teenies das Geld aus der Tasche ziehen sollte. Horrorfans können dieses Unrecht abmildern, in dem sie dieses Halloween (oder wann auch immer) mit diesen Film „Trick'R'Treat“-en gehen.

 

The Woods

Das offizielle „Suspiria“-Remake erschien ja nun 2018 endlich, nachdem es über Jahre in der Planungsphase schmorte. Ein inoffizielles und dazu sehr gelungenes Quasi-Remake existiert allerdings bereits seit 2006, Lucky McKees „The Woods“. Eigentlich schon seit 2004, der Film lag aber nach Filmstudioübernahmen unverschuldet zwei Jahre auf Eis, bevor er dann unglamorös nach einigen Festivalauftritten im Heimkino erschien. Kleine Anekdote am Rande: M. Night Shyamalan musste damals seinen Gruselfilm in „The Village“ umbennen, weil sein bevorzugter Originaltitel „The Woods“ eben schon an diesen Film vergeben war. Lucky McKee erzählt in „The Woods“ die Geschichte eines Mädchenpensionats in Neuengland, auf die die rebellische Heather (Agnes Bruckner) geschickt wird. Die Schuldirektorin Mrs. Traverse (Patrica Clarkson) versucht dort, besonders begabte Schülerinnen zu finden, zu denen neben Heather auch ihre neue Freundin Marcy (Lauren Birkell) gehört. Bald wird Heather jedoch von Albträumen geplagt und die mysteriösen Ereignisse um sie herum nehmen zu...

McKee hatte ja schon mit seinem vielgelobten Debütfilm „May – Die Schneiderin des Todes“ bewiesen, dass er mit Frauenfiguren umgehen kann, was auch „The Woods“ nachhaltig beweist. Mit großem Gespür für die Befindlichkeiten seiner jungen Heldinnen und ihr Miteinander setzt McKee den Film um, kreuzt dabei seine Horrorgeschichte mit Elementen des Jugenddramas und schafft es dabei noch, Stereotypen geschickt zu unterlaufen: Wenn etwa die hier noch blutjunge Rachel Nichols als Anführerin der „Mean girls“-Truppe des Internats Neuling Heather das Leben schwer macht, denkt man natürlich, dass man das nun auch schon Dutzende Male gesehen hat und sich McKee ja auch etwas Originelleres hätte einfallen lassen können. Hat er auch, weswegen dieser Teil der Story anders ausgeht als gedacht.

„The Woods“ ist fabelhaft gefilmt, profitiert von gelungener Musik (Lesley Gores „You Don't Own Me“ wird besonders effektiv eingesetzt) und dem Spiel der jungen Darstellerinnen sowie von überqualifizierten Besetzungscoups wie Patricia Clarkson als mysteriöse Schuldirektorin. Was diesen relativ unblutigen Film auszeichnet, ist seine ihm ganz eigene dichte Atmosphäre, besonders zu Beginn des Films. Denn wenn es ein Problem mit „The Woods“ gibt, der ihn davon abhält, mehr als nur ein kleiner aber sehr feiner Genrevertreter zu sein, ist das etwas verratzte Timing. Während die erste halbe Stunde des Films geradezu perfekt umgesetzt ist, beginnt das Tempo danach etwas zu schleifen und der Film sich zu wiederholen, auch weil der Zuschauer hier natürlich schon mehr weiß als die jungen Protagonistinnen. Dagegen wird das Finale dann etwas überhastet angegangen und auch abgehandelt in diesem ohne Abspann gerade mal eineinviertel Stunden knappen Film. Dazu gibt es quasi als Bonus für eingefleischte Genre-Fans Bruce Campbell, der die Axt rausholt, um dämonischen Bäumen Saures zu geben. „The Woods“ ist allerdings ein Film für Freunde des Grusels aller Art und verdient es, von deutlich mehr Leuten entdeckt zu werden.
 

René Loch:

The Invitation

Partys können sehr unangenehm sein. Wenn man eigentlich keine Lust darauf hat, sich aber dazu verpflichtet fühlt, dennoch zu erscheinen. Wenn man alte Bekannte nach Jahren mal wieder sieht und sich fragt, ob sie damals auch schon so unerträglich waren. Wenn man zu nervigen Spielen genötigt wird. Und natürlich – das ist der Klassiker – wenn man mit zunehmender Dauer das immer stärkere Gefühl bekommt, dass die Gastgeber ihre Gäste töten wollen.

So ergeht es Will (Logan Marshall-Green) in Karyn Kusamas Mystery-Drama „The Invitation“ (2015). Gemeinsam mit seiner Freundin Kira (Emayatzy Corinealdi) folgt er einer Einladung seiner Ex-Frau Eden (Tammy Blanchard) in deren protziges Haus in Los Angeles. Viel ist zunächst nicht bekannt über die gemeinsame Vergangenheit des ehemaligen Pärchens. Ein Ereignis, das Trauer auslöste, hat sie offenbar voneinander getrennt und den Kontakt für mehrere Jahre unterbrochen. Auch die anderen Anwesenden hatten wohl schon lange keinen Kontakt mehr zu Will und Eden. Dass bei der Party von Beginn an keine richtig gute Stimmung aufkommen möchte, liegt vor allem daran, dass Eden und ihr neuer Freund David (Michiel Huisman) einige Zeit bei einer sektenähnlichen Organisation verbracht haben und nun davon berichten. Dort haben sie angeblich gelernt, alle schlechten Gefühle zu beseitigen. Vor allem Will bekommt deshalb seinerseits schnell ein schlechtes Gefühl, das dadurch bestärkt wird, dass zwei Bekannte von Eden und David auftauchen, die niemand kennt. Kleinigkeiten wie eine von David abgeschlossene Haustür interpretiert Will als düsteres Vorzeichen.

Doch wofür eigentlich? Das ist die entscheidende Frage, deren Antwort sehr lange auf sich warten lässt. Ein großer Teil des Films besteht aus Gesprächen und Blicken, aus denen sich viel über das Innenleben der Charaktere und die Gedanken über die anderen ablesen lässt. Nicht nur für Will ist der Abend unangenehm, allerdings scheint keine andere Person so besorgt wie er selbst. Mysteriös ist dieser Film insofern, dass nicht klar ist, ob eine Gefahr droht und welche genau das sein könnte. Der Film liefert Argumente, die für böse Absichten der Gastgeber sprechen, aber auch Argumente, die dafür sprechen, dass Alkohol und negative Erinnerungen bei Will zu merkwürdigen Schlussfolgerungen führen. Je länger der Film dauert, desto häufiger wechseln sich die Phasen der Besorgnis und der Entspannung ab.

Im Kern ist „The Invitation“ aber eigentlich gar kein Mystery-Film, sondern ein Drama, das von Verlust, Angst und Verdrängung erzählt. Gerade diese Elemente sind es, die den verwirrten Zustand von Will und andere Zuspitzungen erklärbar machen. Bemerkenswert ist auch, wie ruhig Kusama diesen Film gestaltet – ohne billige Effekthascherei oder durch erstaunliche Zufälle beziehungsweise unerklärliche Dummheiten ausgelöste Spannungsmomente. Bei allem, was passiert, steht im Vordergrund, warum die Charaktere so handeln und wie es auf andere wirkt. Das macht den letzten Akt zu einem besonders emotionalen Erlebnis.
 

Moritz Hoppe:

Die drei Gesichter der Furcht

Mario Bava konnte spätestens mit dem 1960 erschienenen (zwar vampirischen aber natürlich komplett Dracula-losen) „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ unter Beweis stellen, welche kreative und inszenatorische Vielfalt im Großmeister des italienischen Genrekinos steckt. 1963 veröffentlichte Bava dann mit „Die drei Gesichter der Furcht“ eine Horroranthologie, die selbst heute noch – ganze 56 Jahre nach Veröffentlichung – aufgrund der einzigartigen inszenatorischen Raffinesse Bavas nichts an ihrer Wirkung verloren hat und somit als Geheimtipp an dieser Stelle nicht fehlen darf.

Erzählt werden drei unabhängig voneinander stattfindende Episoden, die sich jeweils eigenen Subgenres des Horrorfilms widmen. Die erste Episode „Das Telefon“ präsentiert sich als Kammerspiel nach Giallo-Manier, bei dem die französische Sexarbeiterin Rosy eines Nachts in ihrem Appartement von ein unheimlichen Anrufer tyrannisiert wird. Bava schafft es, mit wenigen Mitteln und auf kleinstem Raum ein anhaltendes und effektives Spannungsfeld zu erzeugen, bei dem mit Motiven des Giallo spielerisch umgegangen wird. Die zweite Episode „Der Wurdalak“ dürfte eher dem Gothic-Horror zugeordnet werden: Hier wird die Geschichte des Bauern Gorca erzählt, dessen Familie von einem unheimlichen Vampirfluch heimgesucht wird. Spätestens mit dieser zweiten Episode sollte klar werden, warum Mario Bava vielerorts als Großmeister des atmosphärischen Horrorfilms betitelt wird: Die unverkennbare, hypnotische Lichtsetzung, gepaart mit einer großartigen Musikkulisse und Boris Karloff („Frankenstein“) in absoluter Höchstform entwerfen einen – aus heutiger Perspektive – frühen Klassiker des modernen Gothic-Horrors, den man sich als Horrorfilmfan auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Die dritte und letzte Episode „Der Wassertropfen“ erzählt die Geschichte einer Krankenschwester, die durch einen Diebstahl ein unabwendbares Grauen hervorruft, was die Horroranthologie stilvoll und mit beeindruckend effektivem Maskenbild abrundet.

Bava versteht es wie kaum ein anderer Regisseur mit wenigen Mitteln und geringem Budget großartige Kulissen und atmosphärische Horrormomente zu kreieren, wobei auch sein spezieller Sinn für Humor nicht zu kurz kommt. So wird schon mit „Die drei Gesichter der Furcht“ deutlich, welchen Einfluss die Werke von Mario Bava auf große Regisseure wie Dario Argento, John Carpenter oder auch Nicolas Winding Refn genommen haben. „Die drei Gesichter der Furcht“ ist ein absolutes Muss für jeden Freund des Horrorfilms und bietet auch heutzutage noch schaurig-schöne Gruselmomente, denen man die spielerisch-kreative Inszenierung Bavas zu jeder Sekunde anmerkt.
 

Dolls

Der nächste Geheimtipp unserer kleinen Liste widmet sich dem Puppenhorror, einem Subgenre des Horrorfilms, das spätestens seit den späten 80ern mit „Puppetmaster“ und der Horror-Reihe „Chucky“ zum festen Bestandteil des Kinomarktes gehört (die dem „Conjuring“-Universum zugehörige „Annabelle“-Reihe dürfte das aktuellste Beispiel sein). Bereits ein Jahr vor „Chucky – Die Mörderpuppe“ – dem 1988 erschienenen ersten Teil der Reihe – widmete sich der Kult-Regisseur Stuart Gordon („Re-Animator“) dem Puppenhorror: Mit „Dolls“ ist Gordon ein schrilles und unterhaltsames Horrorspektakel gelungen, das mit einer Laufzeit von gerade einmal 87 Minuten auch ungemein kurzweilig daherkommt.

Im Fokus der Geschichte steht die Familie Bowers, die in einer stürmischen Gewitternacht in das Anwesen des älteren Ehepaares Hartwickes flüchtet. Das Haus beherbergt jedoch auch allerhand Puppen und die Familie merkt schnell, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, denn die Puppen scheinen ein gefährliches Eigenleben zu besitzen.

„Dolls“ kann gut und gerne als „The Old Dark House“ mit brutalen Horrorpuppen beschrieben werden. Die handgemachte Effekt-Arbeit und die Unmengen an unterhaltsam-kreativen Einfällen, mit denen Stuart Gordon seinen Film inszeniert, sorgen für sowohl gruselige als auch aberwitzige Horrormomente. So kommen auch die eine oder andere Splatter-Einlage und sonstige Gewaltspitzen nicht zu kurz. Die Darstellung der Puppen wurde in vielen Momenten mit dem klassischen Stop-Motion-Verfahren umgesetzt, was auch heute noch auf ganzer Linie zu überzeugen weiß. Außerdem wird abermals deutlich, welche visuelle Stärke handgemachte Effekt-Arbeit gegenüber dem heute im Kino dominierenden CGI-Einsatz besitzen.

„Dolls“ ist ein liebevoll produzierter Genrebeitrag, der hierzulande leider immer noch viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren durfte, denn Kultpotential besitzt Stuart Gordons Puppenhorror allemal. Des Weiteren ist diese Art des „B-Movie-Fairy-Tale-Horrors“ in der heutigen Zeit so gut wie gar nicht mehr auf den Kinoleinwänden zu finden, was dem Film einen besonderen Charme verleiht. So kann „Dolls“ jedem noch so entfernten Liebhaber des unterhaltsamen Horrorkinos wärmstens empfohlen werden und einem spaßigen Halloween-Filmabend dürfte definitiv nichts im Wege stehen.
 

Luz

Nun darf auch ein in Deutschland entstandener Genrebeitrag als kleiner Tipp nicht fehlen: Mit „Luz“ zeigt Tilman Singer im Rahmen seiner Abschlussarbeit der Kunsthochschule für Medien in Köln, dass hypnotischer, übernatürlicher Horror auch in Deutschland möglich und selbst mit wenig Budget visuell eindrucksvoll umsetzbar ist. Die rudimentäre Story des Films ist folgende: Der Polizeipsychologe Dr. Rossini (Jan Bluthardt) wird nach einer eigenartigen Begegnung mit der mysteriösen Nora (Julia Riedler), die Rossini von einer Teufelsverschwörung in einer chilenischen Klosterschule erzählt, auf das Polizeirevier gerufen. Eine blutverschmierte, junge Taxifahrerin namens Luz ist ohne jegliche Erinnerung im Revier aufgetaucht. Rossini soll die junge Frau untersuchen und bemerkt, dass eine Verbindung zu der angesprochenen Teufelsverschwörung bestehen könnte. Realität und Einbildung drohen im weiteren Verlauf der Ermittlungen immer weiter zu verschmelzen...

So konfus der Inhalt von „Luz“ auf den ersten Blick auch wirken mag, so gekonnt stilistisch inszeniert Tilman Singer seinen Film: „Luz“ ist ein alptraumhafter Sinnesrausch, der von allerlei Zitaten und Bezügen zum italienischen Genrekino der 60er-,70er- und 80er-Jahre (die Autofahrt aus Argentos „Suspiria“ von 1977 ist das deutlichste dieser Motive) durchsetzt ist. Der Film verpackt diese Bezüge jedoch in ein postmodernes und eigenwilliges Gewand, das hinsichtlich des Bild- und Sounddesigns wie für die Kinoleinwand gemacht ist. An dieser Stelle sei die Kameraarbeit von Paul Feitz hervorzuheben, da er es schafft, eine ganz eigene, abstrus-dämonische Bildsprache zu entwickeln. Der hochgradig experimentelle Arthouse-Charakter könnte für den einen oder anderen Zuschauer störend und irritierend wirken, unabwendbar aber ist die Sogwirkung, die der in Form gebrachte Wahnsinn mit sich bringt.

Atmosphärisch bewegt sich „Luz“ irgendwo zwischen Giallo fantastico, Lynch-esquem Surrealismus und Exploitation-Film, verpackt in körnige 16mm im Cinemascope-Format – für inszenatorische Konventionen zeigt „Luz“ keinerlei Interesse. Selbiges gilt auch – wie bereits erwähnt – für die inhaltliche Ebene, wodurch sich Tilman Singers Spielfilmdebüt in keine eindeutige Schublade stecken lässt. Der Film lässt Erzählkonventionen links liegen und erzeugt vielmehr ein mulmiges Gefühl beim Zuschauer anstatt ein konkretes Bild, unterstützt durch einen eindrucksvoll und gezielt gesetzten musikalischen Einsatz.

Und genau aus diesem Grund sollte man sich „Luz“ auf keinen Fall entgehen lassen. Selbst wenn wenig Interesse an schwer fassbaren Arthouse-Filmen besteht, sind die 70 Minuten Laufzeit zumindest mal eine Erfahrung, die man in dieser Form nur selten im deutschen Film vorfindet. Für alle anderen – insbesondere Kenner des italienischen Genrekinos der 70er-Jahre – dürfte „Luz“ eine unverhoffte Genreperle sein.

Simon Staake

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