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Rent

Rent
musical , usa 2005
original
rent
regie
chris columbus
drehbuch
stephen chbosky
cast
rosario dawson,
taye diggs,
anthony rapp,
adam pascal,
idina menzel, u.a.
spielzeit
135 Minuten
kinostart
13. April 2006
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

 

"Rent" ist zweifellos eines der erfolgreichsten Broadway-Musicals der letzten Jahre. Basierend auf Puccinis "La Bohème" ist es der bemerkenswerte Versuch, ernste Themen wie Drogenabhängigkeit und Aidserkrankung in ansonsten meist fröhlichen und realitätsfernen Musiktheater zu verarbeiten. "Rent" ist aber leider kein guter Kinofilm.

Dieses Fazit überrascht, weil man es zu Beginn nicht erwarten würde. Die grandios inszenierte Eröffnungssequenz verballert allerdings mit dem unwiderstehlichen "Seasons of Love" auch gleich den einzigen echten Ohrwurm des Stückes. Sie steht zudem mit ihrer Bühnepräsentation aller Hauptdarsteller inhaltlich völlig außerhalb der eigentlichen Handlung, und das ist geradezu bezeichnend, denn die Gänsehautqualität dieser ersten Minuten kann der Film anschließend nicht wieder erreichen.

Es folgt die Geschichte einer eingeschworenen Gruppe junger Künstler im New Yorker East Village, die die Begriffe "Freundschaft" und "Idealismus" hochhalten, dabei aber an den Problemen des Alltags und der bürgerlichen Gesellschaft zu zerbrechen drohen. So können der Amateurfilmer Marc und sein Musikerfreund Roger die Miete für ihr Apartment nicht bezahlen und werden von einem ehemaligen Kumpel, der mittlerweile gelackte Anzüge trägt, unter Druck gesetzt. Rogers Freundin hat Selbstmord begangen, was die neu entstehende Beziehung zur Nachtclub-Tänzerin Mimi nicht einfacher macht, obwohl auch diese ein "dunkles" Geheimnis mit sich herumschleppt. Marc hat dagegen seine Freundin Maureen an eine junge Anwältin verloren, hilft ihr aber trotzdem bei der Organisation eines Protestkonzertes gegen den drohenden Ausverkauf des Viertels an Spekulanten.

Diese Maureen ist übrigens Sängerin, was aber in diesem Fall nichts Besonderes ist, da in einem Musical naturgemäß sowieso jeder ständig singt. Und für "Rent" gilt das dann sogar noch etwas mehr, denn es reiht sich in der Tat ein Song an den anderen, die gesprochenen Dialoge werden auf ein absolutes Minimum reduziert. Was dann eben dazu führt, dass man sich beim Kennen lernen gegenseitig die bisherige Lebensgeschichte vorsingt anstatt sie einfach zu erzählen. Auch kurz vor dem Drogentod oder in der Selbsthilfegruppe der HIV-Erkrankten: Es gibt keine Situation, bei der die Protagonisten nicht noch einen hübschen, mehr oder weniger passenden Song auf den Lippen haben. Und das ist das große Problem. Denn was auf der Bühne, durch das unmittelbare physische Erleben des Geschehens, durchaus funktionieren kann, das wirkt bei der Umsetzung auf der Leinwand phasenweise einfach nur lächerlich.
Was nicht heißen soll, dass es gänzlich unmöglich sein muss, aus "Rent" eine eigene und überzeugende Adaption fürs Kino zu machen. Auf den Regiestuhl darf man dann allerdings nicht ausgerechnet Chris Columbus setzen, einen der kommerziell erfolgreichsten Mainstream-Regisseure überhaupt ("Kevin - Allein zu Haus", "Mrs. Doubtfire"), der aber nicht gerade für Innovationen und einen ausgefeilten eigenen Stil bekannt ist. Columbus macht hier nämlich genau das Gleiche, was er schon bei seinen beiden "Harry Potter"-Filmen getan hat: Er übernimmt seine Vorlage fast eins zu eins und filmt sie einfach ab. Bei den Abenteuern des massenkompatiblen Zauberlehrlings war diese Vorgehensweise auch noch halbwegs akzeptabel, auch wenn dennoch die Nicht-Columbus-Potter-Filme die besseren sind. Bei den heiklen Themen und dem sozialkritischen Anspruch von "Rent" funktioniert es aber überhaupt nicht.
Beim Betrachten der Filmfassung ist es fast unmöglich, sich von ihr einfangen und mitnehmen zu lassen. Nicht nur, weil es durch die abstrusen Gesangseinlagen immer wieder unfreiwillig komisch wird, sondern weil dazu auch noch der bemühte Spät-80er-Jahre-Look beiträgt, der als Höhepunkt eine Art Jon Bon Jovi-Klon in der Rolle des verhinderten Songschreibers Roger präsentiert. Das macht dann die Distanz, die man für eine emotionale Teilhabe zu überwinden hat, doch schon recht gewaltig.

Den Mitwirkenden vor der Kamera ist dabei allerdings kein Vorwurf zu machen. Fast der gesamte Cast der Bühnenversion schlüpft in seine seit Jahren verinnerlichten Rollen, nur Rosario "Sin City" Dawson ist neu dabei und fügt sich gut ein. Singen können die jungen Damen und Herren, und typgerecht besetzt sind sie auch. Der genretypischen Eindimensionalität ihrer Figuren können sie allerdings genauso wenig einen eigenen Stempel aufdrücken wie ihr Regisseur. Wobei der es wahrscheinlich auch gar nicht erst versucht hat, und sich mit dem ähnlich fragwürdigen Kollegen Joel Schumacher vom "Phantom der Oper" eifrig darüber streiten darf, wer von beiden denn nun die größere Musical-Gurke verbrochen hat. Für Columbus zählen immerhin fünf großartige Minuten.

Volker Robrahn

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