Die drei Gesetze
der Robotik:
1. Ein Roboter darf einem menschlichen Wesen unter keinen
Umständen
absichtlich Schaden zufügen oder Schaden durch Untätigkeit
in Kauf nehmen.
2. Ein Roboter hat dem Befehl des Menschen Folge zu
leisten, sofern
dies nicht gegen das erste Gesetz verstößt.
3. Ein Roboter hat seine eigene Existenz zu schützen,
sofern
dies nicht gegen die ersten beiden Gesetze verstößt.
(nach Isaac Asimovs Geschichtensammlung "I, Robot", 1950)
Chicago
2035: Fast jeder Haushalt verfügt über einen Roboter als
Multifunktions-Haushaltshilfe. In wenigen Tagen will der
Konzern
U.S. Robotics unter Leitung von Lawrence Robertson (Bruce
Greenwood)
die neueste Generation von Robotern, die NC 5 unter das
Volk bringen.
Da sorgt ein Todesfall bei U.S. Robotics für Aufsehen:
Albert
Lanning (James Cromwell), der Urvater der
Roboterentwicklung, kommt
bei einem angeblichen Selbstmord zu Tode. Sein alter
Freund Del
Spooner (Will Smith), Detective bei der Chicagoer Polizei,
wittert,
dass etwas faul ist. Der Roboterfeindliche Spooner will
nachweisen,
dass ein Roboter gegen die drei Robotikgesetze, die die
Menschen
vor den Androiden schützen, verstoßen hat. Zusammen mit
der Hilfe der Forscherin Susan Calving (Bridget Moynahan)
stößt
Spooner tatsächlich auf einen Roboter, der anders ist als
seine
Kollegen: Sonny (Alan Turyk) hat ein Bewusstsein und ist
eventuell
für den Tod von Lanning verantwortlich. Noch schlimmer:
Spooner
ahnt, dass durch die neue Generation der Roboter etwas
wesentlich
Größeres, wesentlich Schlimmeres passieren könnte....
"I,
Robot" ist unmittelbar mit den Namen von Regisseur und
Hauptdarsteller
verbunden. Was hatte man sich gefreut, als es hieß, Alex
Proyas
drehe eine Verfilmung des wohl berühmtesten Stoffes des
einflussreichen
Science-Fiction-Autors Isaac Asimov. Schließlich ist
Proyas
mit dem Doppelschlag "The
Crow" (1994) und "Dark
City" (1998) für zwei absolute Kultfilme und
Instantklassiker
des fantastischen Films verantwortlich. Da waren die
Erwartungen
auf den nächsten großen Coup nach langer Abwesenheit
doch recht hoch. Der große Dämpfer hört auf den
Namen Will Smith. Als bekannt wurde, dass Smith die
Hauptrolle übernimmt
(und das Script für ihn umgeschrieben wurde), drängten
sich extreme Zweifel auf. Proyas und Smith, kann das gut
gehen?
Der australische Eigenbrötler mit Midas-Hand im
Science-Fiction-Genre
und Will Smith, der großmäulige König des
Popcornactionfilms?
Antwort: Es kann. Zwar sieht man eindeutig, welche Aspekte
mit der
Addition von Will Smith Einzug hielten (die One-Liner, die
ganze
"rebellischer Cop"-Routine, der hohe Quotient an
Actionszenen),
aber Gott sei dank übertreibt Smith es nicht. So werden
zum
Beispiel seine One-Liner wohltuend sparsam und recht gut
eingebunden
präsentiert. Dennoch ist "I, Robot" natürlich
vor allem ein Will Smith-Vehikel geworden, aber eins mit
Stil und
Finesse.
Ultimativ
muss eine Besprechung von "I, Robot" die Frage stellen,
ob das Glas halbleer oder halbvoll ist. Soll man jetzt
lamentieren,
was der Film schlussendlich alles nicht geworden ist, oder
sich
an dem erfreuen, was er geworden ist? Genauso geht es
einem mit
vielen Kleinigkeiten des Films, bei denen es auf die
Sichtweise
ankommt: Steckt da etwas hinter oder nicht? Wer diese
Kleinigkeiten
sorglos beiseite wischt, für den ist "I, Robot" ein
großer, hohler Actionfilm, seelenlos wie ein Roboter. Aber
wer einige der fast nur dahin geworfenen Stückchen
aufgreift,
der erkennt einen zumindest im Blockbuster-Gewerbe doch
mit einigen
feinen Fragen auffallenden Film. Klar, mittendrin und auch
beim
furiosen Finale wird der Action gefrönt, die manch anderes
plattwalzt. Dass der Film aber inmitten der knalligen
Verfolgungsjagden,
Gefechte und Stunts überhaupt Platz für Interpretationen
lässt, das spricht schon für die Klasse des Films. Hätte
"I, Robot" ohne Will Smith ein besserer Film werden
können?
Vielleicht. Ein anderer auf jeden Fall. Aber jenseits
aller Spekulation
ist hier ein schneidiger und gar nicht mal dummer
Science-Fiction-Action-Hybride
bei rumgekommen, der Actionfans begeistern sollte und
Science-Fiction-Fans
zumindest nicht komplett enttäuscht. Trotz schlechter
Presse
in den USA: "I, Robot" ist exzellentes Unterhaltungskino.
Nicht mehr, nicht weniger.
Besonders das Stigma des Vorhersagbaren haftet dem Film
an und
auch aus der Inhaltsangabe oben ist vielleicht schwer
ersichtlich,
warum dem nicht so ist. Der Punkt von "I, Robot" ist,
dass sämtliche Figuren einem Stereotyp entsprechen, es
aber
irgendeine Kleinigkeit gibt, die sie nicht in das Bereich
des Gähnens
verbannt. Und der Plot bietet einem genug Überraschungen,
um
nicht nach zwanzig Minuten das Hirn auf Leerlauf zu
schalten. Klar,
auch so manche Storywendung gab es schon, aber da muss man
es mit
der Weisheit "Es gibt nichts Neues unter der Sonne"
halten.
Dass man während "I, Robot" des öfteren Deja
Vu-Erlebnisse hat, liegt auch am Schicksal des
Nachgeborenen (bzw.
Spätgedrehten). Gerade das Thema Androiden wurde im
Science-Fiction-Genre
durch Klassiker wie "Blade
Runner", die ersten beiden "Terminator" und jawohl,
auch so manche Star Trek-TNG-Folge exzellent abgehandelt.
Wie einflussreich
Asimovs Roboterregeln sind,
sieht
man auch daran, dass diese in der ein oder anderen Form in
allen
genannten Werken, ach was, in eigentlich jedem Werk zum
Thema vorkommen.
Ironisch, dass die ‚offizielle' Asimov-Verfilmung dann
doch
recht wenig beiträgt. Aber auch wenn "I, Robot" dieses
Ziel gar nicht hat, entscheidend Neues wäre der Thematik
vermutlich
sowieso nicht mehr abzugewinnen.
Auch optisch gibt es den "Schon mal gesehen"-Effekt,
besonders
bei "Minority Report"
scheint sich Proyas doch ein gutes Stück bedient zu haben.
Sei's drum. Genau wie Spielberg dort gelingt es auch ihm
hier, eine
glaubwürdige Version der Zukunft zu schaffen und drumherum
einen Film zu schneidern, der zwischen den Actionsequenzen
nicht
mit halbwegs intelligenten Fragen geizt. Dazu gehört auch
die
Erklärung, die der Bösewicht zur Rechtfertigung seiner
Taten bietet ("Zu eurem eigenen Wohl und eurem Überleben
müssen ein paar menschliche Verluste in Kauf genommen
werden
und ihr verliert ein paar Grundrechte"). Das könnte glatt
von John Ashcroft oder auch dem amerikanischen Präsidenten
selbst stammen. Vielleicht nur eine winzige politische
Spitze inmitten
kloppender Roboter, aber immerhin.
Die
Spezialeffekte des Films sind überzeugend, beizeiten gibt
es
sogar wirklich beeindruckende Einstellungen. Die Roboter
sind paradoxerweise
in jeder Szene als CGI-Kreationen zu erkennen und wirken
trotzdem
seltsam realistisch. Dennoch steht und fällt der Film mit
der
Darstellung des Roboterrebellen Sonny. Lobpreisung muss
hier zuallererst
mal Alan Tudyk gelten, der - ähnlich wie Andy Serkis als
Gollum
im "Herr der Ringe" - in der zentralen Rolle des
menschlich
werdenden Roboters Sonny einem seelenlosen Wesen
tatsächlich
vollständig überzeugend Leben einhaucht. Im Grunde
genommen
ist Sonny sogar die menschlichste Figur im ganzen Film.
Mit Sicherheit
menschlicher als der ebenfalls androidenhaft wirkende
zwielichtige
Robertson, die kühle Wissenschaftlerin Calving und sogar
der
zu emotionalen Ausbrüchen neigende Detective Spooner
selbst.
Als hätte Proyas seine Schauspieler zu möglichst
mechanischem
Spiel aufgefordert, kochen menschliche Emotionen zwischen
den einzelnen
Akteuren auf Sparflamme. Nachteilig wirkt sich das auf die
angedeutete
Liebesgeschichte zwischen Spooner und Calvin aus, denn von
der bleibt
man zwangsläufig recht ungerührt. Die wahre sich
entwickelnde
Beziehung des Films ist sowieso die zwischen Spooner und
Sonny,
die auch für einige der besten Momente des Films sorgt.
Aber
auch so lässt sich vielleicht der Titel des Films
verstehen.
Werden wir Menschen, von Arbeit und Konsum bestimmt, nicht
auch
langsam zu Robotern, programmiert auf festgelegte Ziele
und Verhaltensweise?
"I, Robot" ist eine Art Rückkehr für die beiden zentralen Herren. Keine gloriose, aber doch eine eindeutig zufriedenstellende. Will Smith kann damit nicht nur einen Hit verbuchen, sondern nach den lahmen Sequels von "Men in Black" und "Bad Boys" auch mal wieder einen richtig guten Film. Und Alex Proyas liefert - auch wenn er von der Brillanz seiner ersten beiden Filme noch ein gutes Stück entfernt ist - den Beweis, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Wenn schon Formelware, dann wenigstens so wie hier, mit guten Leistungen aller Beteiligter. Auch wenn der Geniestreich, den man sich - trotz Smiths Beteiligung - insgeheim von Proyas erhofft hatte, ausbleibt, gutes Handwerk ist dies allemal. Und alleine die wunderbare Schlusseinstellung ist schon fast das Eintrittsgeld wert.


Durchschnitt..
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