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Der Vorleser

Der Vorleser
drama , usa 2008
original
the reader
regie
stephen daldry
drehbuch
david hare
cast
kate winslet,
david kross,
ralph fiennes,
bruno ganz,
karolin herfurth, u.a.
spielzeit
124 Minuten
kinostart
26. Februar 2009
homepage
http://www.dervorleser-film.de
bewertung

9 von 10 Augen
 

Als vor einem Monat die Nominierungen für den Oscar bekannt gegeben wurden, und Stephen Daldrys "Der Vorleser" als "Bester Film"-Kandidat auftauchte, da war die Verwunderung durchaus groß. "The Dark Knight", "WALL-E", "Glaubensfrage", "The Wrestler", "Zeiten des Aufruhrs" oder auch die beiden diesjährigen Beiträge von Clint Eastwood - sie alle mussten den Kürzeren ziehen. Was zunächst wie eine mittelgroße Überraschung anmutet, zumindest wenn man mal ganz naiv einzig die Qualität eines Werkes als Nominierungs-Kriterium betrachtet, ist im Endeffekt jedoch vor allem eins: der verdiente Lohn.
"Der Vorleser", basierend auf dem 1995 von Bernhard Schlink veröffentlichten Roman, der Weltbestseller und Standard-Schullektüre wurde, ist einer dieser Filme, die von schicksalhaften Begegnungen erzählen. Davon, wie sehr diese Begegnungen das Leben von Menschen verändern und fortwährend prägen können, mit guten wie auch schlechten Einflüssen.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges nimmt das Schicksal seinen Lauf. Michael (David Kross, "Knallhart", "Krabat") geht noch zur Schule. Eines Tages wird ihm während einer Bahnfahrt übel. Er verlässt den Zug, rennt in einen Hauseingang und übergibt sich. Eine Frau, Hanna (Kate Winslet), die etwa 20 Jahre älter ist als er, wird auf ihn aufmerksam und kümmert sich um ihn. Als Michael wieder gesund ist, besucht er Hanna mit einem Strauß Blumen, um sich bei ihr zu bedanken. Es wird nicht sein letzter Besuch bleiben. Zwischen Hanna und dem Jungen, wie sie ihn immer nennt, entwickelt sich eine leidenschaftliche Affäre.
Zu diesem Zeitpunkt erzählt "Der Vorleser" von einer Liebe, die es - auch zu heutiger Zeit - nach moralischem und juristischem Verständnis eigentlich nicht geben dürfte. Jeden Tag nach der Schule besucht Michael Hanna. Sie werfen ihre Kleidung ab und haben Sex. Dann liest er ihr vor, zum Beispiel Homers "Odyssee". Sie unterhalten sich nicht viel. Vor allem die Vergangenheit von Hanna bleibt komplett im Dunkeln. Sie wirkt vom Leben gezeichnet, ist distanziert und jede Freude scheint aus ihr entwichen zu sein. Doch eines Tages ist sie weg. Ohne irgendeine Form des Abschieds hat sie ihre Wohnung verlassen; kein Mensch kann Michael sagen, wo sie ist. Erst Jahre später, er studiert mittlerweile Jura, wird er sie wieder treffen.

Das Besondere an Bernhard Schlinks Roman, beziehungsweise Stephen Daldrys ("Billy Elliot" , "The Hours") Verfilmung, ist nicht nur die hervorragende Figurenzeichnung und Darstellung der Beziehung, die zwischen Michael und Hanna entsteht, sondern auch die enorme Vielschichtigkeit. Zunächst mutet es wie eine gewagte Geschichte über eine verbotene Liebe an, die diverse Hindernisse zu überwinden hat, und tief greifende Erkenntnisse zu Tage fördert. Ohne Vorwarnung endet dieser Handlungsstrang jedoch abrupt, nur um etwas später wieder aufgenommen zu werden, dann jedoch eingebettet in einen viel größeren Kontext.
Plötzlich tritt eine Thematik in den Vordergrund, die einem Film, der ohnehin schon genügend Ballast mich sich herum trägt, nochmals zusätzliche Brisanz verleiht. In einer Zeit der Verdrängung der Ereignisse im Nationalsozialismus müssen Verbrechen aufgearbeitet und bestraft werden. Hanna ist in eben diese Verbrechen verstrickt. Ein Wiederaufleben der Beziehung mit Michael scheint diese Tatsache unmöglich zu machen. Aber darum geht es eigentlich auch nicht mehr. Es geht um Fragen wie die, wie viel Schuld man bereit ist auf sich zu nehmen, nur um menschliche Fehler, derer man sich schämt, nicht offen legen zu müssen. Es geht auch um ambivalente Gefühle, denn Michael trifft nun auf eine Frau, die so anders ist als die Frau, die er geliebt hat. Für die er Verachtung empfindet, aber auch Mitleid. Die er dafür hasst, dass sie ihn zurückgelassen hat, die er aber auch nie aufgehört hat zu lieben. Wegen der er nie eine gesunde Beziehung zu einer anderen Frau aufbauen konnte.

"Der Vorleser" lässt sich nicht nur aufgrund der Schwerpunkte, die er setzt, recht gut in zwei Teile gliedern. Zunächst haben wir es vor allem mit wirklich großem Schauspieler-Kino zu tun. David Kross knüpft nicht nur an seine überzeugende Leistung in Detlev Bucks "Knallhart" an (und macht seinen etwas enttäuschenden Auftritt in "Krabat" damit vergessen), sondern verdient zudem eine Menge Respekt, eine solche Rolle überhaupt zu spielen. Doch obwohl Kross hier gewisse Ansprüche untermauert, als größtes deutsches Nachwuchs-Talent gelten zu dürfen, steht seine Darbietung ganz klar im Schatten dessen, was Kate Winslet hier auf die Leinwand zaubert.
Ohne Wenn und Aber: den Oscar hat sie sich mit der vielleicht besten Leistung ihrer bisherigen Karriere definitiv verdient. Vollkommen zurecht wurde sie auch für diese Rolle ausgezeichnet und nicht für ihre April Wheeler in "Zeiten des Aufruhrs". So - ja, nennen wir es ruhig so - hässlich hat man Kate Winslet noch nicht gesehen. Natürlich auch rein äußerlich gesehen, aber damit ist auch ihr Inneres gemeint, welches sie auf beeindruckende Art und Weise mit ihren Blicken nach außen trägt. Schaut man sich den Weg an, den Kate Winslet seit "Titanic" gegangen ist, so kann man nur den Hut ziehen. Zugetraut hätten ihr das sicher nicht allzu viele. Doch sechs Oscar-Nominierungen und - man muss es einfach noch einmal wiederholen - der mehr als verdiente Gewinn sprechen nun eine eindeutige Sprache. Es ist der Triumph der vielleicht besten englischsprachigen Schauspielerin ihrer Generation.

Ist es in der ersten Hälfte vor allem die famos aufspielende Kate Winslet, die die Qualität des "Vorlesers" hebt, so sind es später einige denkwürdige, grandios konstruierte Momente, die die Nominierung für den Besten Film ebenso vollkommen rechtfertigen wie die für das Drehbuch und die Regie. Michaels Wiedersehen mit Hanna, seine enormen und nachvollziehbaren Schwierigkeiten mit der Situation umzugehen, die Entscheidungen, die er treffen, und die Erkenntnisse und bitteren Wahrheiten, die er verdauen muss - all das zieht den Zuschauer unweigerlich in seinen Bann.
Es ist aber auch ein gutes Stück weit die Bitterkeit gegenüber diesem Film. Denn "Der Vorleser" ist kein schöner Film, in dem Sinne, dass er Freude verbreitet. Den Kinosaal wird man nicht mit einem Lächeln verlassen. Wer ganz besonders für Stimmungen empfänglich ist, der kann unter Umständen gleich den kompletten Tag abschreiben. Nein, es gibt nur wenig Positives zu entdecken. Ein kaputtes Leben ruiniert ein anderes, und das gar nicht mal beabsichtigt. Die letzte Begegnung zwischen Michael (als Erwachsener großartig dargestellt von Ralph Fiennes) und Hanna tut richtig weh. Sie hat etwas unglaublich Desillusionierendes und bekräftigt, wie leicht die Gefühle eines Menschen zu verletzen sind, wie schwer der Umgang miteinander sein kann und wie entsetzlich die Erkenntnis ist, dass ein glückliches Leben verschenkt wurde und am Ende die Frage steht: Wofür eigentlich? Es ist eine dieser kurzen Szenen, in denen kaum gesprochen wird, in denen aber mehr passiert als in vielen anderen Filmen über die komplette Dauer.

Ist "Der Vorleser" ein Film zum Heulen? Oh ja. Wo "Der seltsame Fall des Benjamin Button" oder "Milk" noch Kraft schenken, schlägt dieser Film eher in die Kerbe von "Zeiten des Aufruhrs" und hinterlässt Trostlosigkeit und Depression. Es ist extrem gut gespielt, es ist mit verdammt viel Gespür für den richtigen Ton inszeniert, und es muss wohl einfach als ein Stück Kino genommen werden, das nur eine minimale frohe Botschaft bereit hält: Manchmal muss es ausreichend sein, am Ende eines verkorksten Lebens mit sich selbst ins Reine zu kommen. Das ist nicht gerade viel. Aber diesen Film macht es tatsächlich zu einem der Besten seines Jahrgangs.

 

 

 

René Loch

5

Hossa! Der Deutsche-Film-Fetisch der Filmszene ist wieder da. Ich finde - ebenso wie die Amerikaner - die Oscar-Nominierungen für "Der Vorleser" lächerlich. Ein durchschnittlicher Film, der einzig durch eine großartige Kate Winslet aufgewertet wird. Die Love Story zwischen Winslet und Kross ergeht sich in Langeweile, die Gerichtsszenen fesseln auch nicht wirklich. Mittelmaß halt.

das kann doch nicht sein, bei allem schreiberischen talent der filmszeneleute, dass hier praktisch der ganze film erzählt wird?!

warum soll ich dann noch ins kino gehen?? weiß ja eh schon alles plus diverser interpretationen..

besonders bei fimenbesprechungen: weniger ist oft mehr!

ach ja filmszene, erst hat man sich hier noch aufgeregt, dass die academy wieder mal nur Zitat S.Staake: "oscar bait" nominiert anstatt den achso tollen dark knight etc und jetzt wo man mal den film gesehen hat schlägt man wieder ganz andere töne an. erst ist die oscarverleihung zu viel kommerz, dann wieder zu wenig weil ein vom publikum so hoch geschätzter dark knight nicht beachtet wird. da wird schon mit zweierlei maß gemessen.

6

Den Oscar hat Kate Winslet völlig zu Recht erhalten (wenn auch die Kategorie "Beste weibl. Nebendarstellerin" passender gewesen wäre, aber sei's drum). Ralph Fiennes spielt routiniert, David Kross bleibt im Rahmen seiner (sicher noch ausbaufähigen) darstellerischen Möglichkeiten.
Aber gerade in der 2. Hälfte zieht sich der Film arg in die Länge, schafft es kaum "den Zuschauer unweigerlich in seinen Bann" zu ziehen (wie die obige Kritik behauptet). Da blickt die Kamera immer wieder in die traurig-schweigenden Gesichter von Fiennes und Kross, vermag es jedoch selten den Zuschauer wirklich am inneren Konflikt der Hauptperson teilhaben zu lassen. Hinzu kommt ein uninspirierter und viel zu oft eingesetzter Score, der den Bildern jene Bedeutung verleihen will, die sie selbst nicht ausstrahlen.
Ohne die Szenen mit der großartigen Kate Winslet bleiben schöne Bilder - leider ohne Inhalt.

@ der anonyme Poster zwei über mir:

Das hast du ganz richtig erfasst, dass da mit zweierlei Maß gemessen wird, schließlich stammen die Texte ja auch von zwei verschiedenen Autoren. Anstatt alle Mitarbeiter dieser Seite über einen kollektiven Kamm zu scheren und sich über Widersprüche zu mukieren, solltest du vielleicht lieber genau hingucken und feststellen, dass sich die Filmszene-Leute offenbar nicht davor scheuen, sich auch mal gegenseitig zu widersprechen. Das zeugt doch wohl eher von einer lebendigen Debattierkultur als von Fähnchen-nach-dem-Wind-Dreherei.

Außerdem hilft es, die Texte auch genau zu lesen, bevor man gegen sie schwadroniert. In dem Artikel zur Oscar-Verleihung fällt das Wort "kommerziell" überhaupt nicht. Bei der Frage, ob man Filme wie "The Dark Knight" oder "WALL-E" für den Besten Film hätte nominieren sollen, geht es einzig darum, ob die Oscar-Akademie auch mal den Mut aufbringt, Filme zu würdigen, die eben eher Unterhaltungs- als "Kunstkino" sind - und somit eingesteht, dass auch dieses Unterhaltungskino einen besonderen filmischen Wert und außergewöhnliches Niveau haben kann.
Niemand hat deswegen behauptet, dass "Der Vorleser" ein schlechter Film wäre ('Oscar Bait' ist meistens gut, bleibt aber trotzdem 'Oscar Bait'), und hier in der Rezension klar stellen, dass (nach Auffassung dieses Autors) die Nominierung jenseits der "politischen" Diskussion über die Linie der Oscar-Akademie absolut berechtigt war, ist nur konsequentes Vertreten der eigenen Meinung.
Wobei genau genommen hier nicht mal ein Widerspruch zur Oscar-Berichterstattung vorliegt. Von daher regst du dich über etwas auf, was gar nicht da ist. Aber Hauptsache, erstmal die Klappe aufreißen. Ich liebe diese Leute, die überall nach was zu meckern suchen....

@ sisko

So kann man sich das natürlich auch zurecht legen, zumal ich deine Argumentationslinie nicht nachvollziehen kann, da sie lediglich jede meiner Behauptungen totschlagend dahingehend verkehrt, dass sie (zumindest wohl für dich) nur als Angriff auf Filmszene gelten.
Deine Erregung ist etwas übertrieben, deshalb versuche ich das ganze etwas weniger provokant darzulegen.
Ich selbst vertrete die Auffassung, dass sogenannte reine Unterhaltungsfilme viel zu oft über einen Kamm geschert werden und würde eine korrigierende Sicht ebenfalls begrüßen. Auch ist mir aufgefallen, dass hier zwei unterschiedliche Rezensenten schreiben. Nur aus diesem Bericht von Herrn Staake, dessen Berichte und Rezensionen ich ebenso wie die der anderen Rezensenten schon recht lange verfolge, ist mir keine klare Richtung ersichtlich. Zitat: "Denn wer einen Film wie "The Dark Knight" mit ein paar Nominierungen in technischen Kategorien und der todsicheren (ähem) Nominierung von Heath Ledger abspeist und stattdessen wiedermal auf fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelaufenes ‚oscar bait' wie "Der Vorleser" und "Frost/Nixon" setzt, der beweist, wie wenig nah er am Puls des Zeitgeists und den Erwartungen des Publikums dran ist."
Ohne wieder dem Vorwurf des "Schwadronierens" und "Klappe aufreißens" ausgesetzt zu werden, behaupte ich, dass es ist die allgemeine Meinung der Redaktion ist, dass "WALL-E" und "The Dark Knight" eine Nominierung für den besten Film verdient hätten.
Auch wenn es eigentlich überflüssig (für dich aber anscheinend notwendig) ist, stelle ich klar, dass ich weder der Vertreter von "Der Vorleser" oder der Statuten der Academy noch der Gegner von "WALL-E" oder "The Dark Knight" bin.
Das Bild was in diesem Bericht gezeichnet wird, stellt (auch wenn du es dir natürlich jederzeit so hinbiegen kannst, wie du willst) eine Kritik an der altbackenen Denkweise der Academy dar, wobei "die Academy" hier nicht zum ersten Mal nicht als das was sie ist, nämlich eine aus über 5000 Mitgliedern bestehende Gruppierung aller Branchen und jeden Alters, dargestellt wird, sondern als dem Filmfan generell abgeneigte, verschworene Gemeinschaft von traditionalistischen Dilettanten.
Zugegeben ist dies etwas zugespitzt, trifft aber zu wenn sonst hier allgemein der Tenor gegen die Kommerzhaftigkeit der Hollywoodproduktionen herrscht und dann wiederum dieser mangelnde Sinn für Kommerz in der Nominiertenliste vermisst wird.
Der Rezensent hätte auch einfach sagen können, dass er enttäuscht ist, da seiner persönlichen Meinung nach hier die falschen Filme nominiert wurden. Dies als seine generell geltende, sachliche Meinung zu sehen, ist schon sehr naiv.
Nun, nachdem man dann "Der Vorleser" gesehen hat und sich vom Feld der Spekulationen die starrköpfige Academy betreffend entfernen muss, revidiert man diese Aussage.
Wie gesagt, zwei Rezensenten, zwei Meinungen. Sehr mutig ganz toll und so weiter. Aber bei einer derartigen Abweichung und der schwammigen, verlegenen Einleitung zu "Der Vorleser", die klar erkennen lässt dass selbiger Autor einen ähnlichen Sinneswandel durchlaufen hat, braucht man nicht davon zu sprechen, dass man "Der Vorleser" ja gut fand (zumal es recht unwahrscheinlich ist, dass dieser Film gesehen wurde) aber im Hinblick auf die öffentliche Erwartung dann doch lieber Publikumsfilme nominiert werden sollen. Das war eine rein spekulative, nicht zwingend falsche, aber spekulative Interpreationskette von Vorurteilen.
Ich bin ein großer Freund der Filmszenerezensionen und -rezensenten (du brauchst dich also nicht als deren Anwalt aufzuspielen) und bin lediglich der Überzeugung, dass man fernab von vorgefertigten Meinungen hier ein etwas weniger dramatisches Bild hätte enwerfen können, da man ja (wissend den Film nicht gesehen zu haben) auch auf diese unterschiedliche Sichtweise hätte hinweisen können, wie es in anderen Rezensionen zuvor ja schon geschehen ist.
Denn auch dieser vorbildhafte Mut, sich nicht davor zu "scheuen, sich auch mal gegenseitig zu widersprechen" hat Filmszene bisher nicht davon abgehalten, sich um ein homogenes Bild zu bemühen und andernfalls auf ein anderes entsprechend hinzuweisen.
Ohne jetzt einen Rezensenten hier beschuldigen zu wollen, empfehle ich dir die Rezension zu "Nicht auflegen". Hier kann man die der Sache und dem Anspruch des Films gerecht werden wollende Motivation von besagtem Rezensenten einmal einsehen.
Also auch wenn du ganz hervorragend gemerkt hast, dass das Wort "kommerziell" nicht gefallen ist, kannst du nun vielleicht einiges treffender sehen. Du siehst, von daher regst du dich über etwas auf, was gar nicht da ist. Aber Hauptsache, erstmal die Klappe aufreißen. Ich liebe diese Leute, die überall nach was zu meckern suchen....

@ anonymer Poster:

Touché. :-)

Ob du mit deiner Interpretationskette nun richtig liegst, wird sich wohl kaum klären lassen, da wir ja nicht in die Köpfe der Filmszene-Leute reingucken können. Aber gut argumentiert bleibt gut argumentiert, dafür also Respekt. Peace, over and out.

Ich kann der Interpretationskette leider nicht folgen und sehe das Problem nicht.

Staake ist der Meinung, dass Dark Knight oder Wall-E die Nominierung als Bester Film mehr verdient hätten als der Vorleser. Sei es, weil er den Film gesehen hat und ihn schlechter findet als die beiden "Unterhaltungsfilme" oder sei es, weil er sich aus Trailern, Kritiken und Sonstigem dieses Bild gezeichnet hat, das des "Oscar baits". Der allgemeine Grundton zum Vorleser ist ja auch mehr als bescheiden, siehe einfach mal die Wertung auf Rotten Tomatoes. Demzufolge darf er annehmen, dass da ein minderwertiger Film deutlich besseren vorgezogen wurde, einfach aufgrund seines Themas und seiner Machart. Oder er hat ihn eben selbst gesehen und konnte sich auch selbst diese Meinung bilden.

Loch nun streitet ja gar nicht ab, dass es sich beim Vorleser um "Oscar Bait" handelt. Er findet ihn aber scheinbar trotzdem besser als die Filme, die er als Vergleich heranzieht, also eben auch Dark Knight und Wall-E. Dann ist es sein gutes Recht, von einer verdienten Nominierung zu sprechen. Und im Hinblick auf die Verwunderung bezieht er sich ja, wie er selbst schreibt, ausschließlich auf die allgemeine Beurteilung der Qualität und der Erwartung der Allgemeinheit. Und da stand der Vorleser eben nicht in vorderster Reihe.

Dass sich Staake und Loch bezüglich der Qualität des Films "widersprechen", ist klar. Aber so etwas passiert nun mal, wenn es sich bei Autoren um Menschen handelt. Von daher halte ich die "Aufregung" für ein wenig übertrieben, bzw. nicht ganz gerechtfertigt :-)

@ sisko

Richtig, letztendlich vermute ich auch nur. Hab nur etwas dick aufgetragen jetzt, weil ich das nicht als meckernden Reinruf gegen irgendeinen Rezensenten oder filmszene gelten lassen wollte. Also wie gesagt... Peace, over and out:)

@ fabian

Richtig. Und das war mir dann einfach zu simpel. Staake hätte sagen können, dass er "Der Vorleser" noch abwarten müsse, aber davon ausgehe, dass hier wieder nur einmal klassisches "Oscar bait" den wirklich interessanten Filmen vorgezogen werde, wenn dies nicht nur auf seiner persönlichen Meinung basierte. Wo hier normalerweise so viel Wert auf Qualität gelegt wird, heißt es auf einmal man solle Filme nur aufgrund des "Zeitgeists" nominieren, denn das entnehme ich dem Bericht. Der Zeitgeist ist hierbei, dass um "The Dark Knight" ein Riesenhype aufgrund von Heath Ledger gemacht wurde.
Trotzdem ist es absolut richtig dass Herr Loch unabhängig davon schreibt und meine Aufregung teilweise ebenfalls etwas übertrieben ist. Ich habe

3

Mittelmaß, nichts mehr.
Der Film kommt hier aller Wahrscheinlichkeit nach so gut weg, weil es von einem Deutschen geschrieben wurde, es in Deutschland spielt, deutsche Schauspieler mitmachen und das Ganze mit Hollywood KnowHow verfilmt wurde.
Eine lahme Geschichte ohne Höhepunkte, die Schauspieler lassen einen kalt, mit der Zeit wünscht man sich schnell das Ende herbei. Und Kate Winslet wurde auf äußert häßlich und unattraktiv geschminkt, weswegen sie wohl auch den Oscar gewann.

4

Naja, filmszene.de steht mit seiner Meinung mal wieder ganz alleine da... *augenroll*

7

Eine halbe Stunde weniger hätte dem Film ganz gut getan. Was ich nachvollziehen kann: Wie kann eine Frau, die sich für anspruchsvolle Literatur interessiert und in der Lage ist, sich selbst das Lesen und Schreiben beizubringen, sich vor Gericht als so unbedarft und einfältig erweisen? Und wenn es ihr so peinlich war, warum hat sie es sich nicht schon früher beigebracht?

4

Vielleicht sollte man einfach nicht alle Bücher verfilmen. Ähnlich wie bei "Das Parfum", geht die innere Reflexion des Protagonisten in der Verfilmung fast völlig flöten. Frau Winslet ist über alle Zweifel erhaben, aber emotional kann einen der Film nicht mitreißen. Und deutsche Schauspieler, die englisch miteinander reden, irritieren immer.

Also anonymer Poster, da hast du ja eloquent argumentiert, aber ich glaube, deine Argumentation zielt dennoch in Kernpunkten an den Intentionen der Texte vorbei, sowohl den von Herrn Staake als auch den von Herrn Loch. In Herrn Staakes Oscarbericht, aus dem du ja auch zitierst, wird zwar die Abwesenheit von "Wall-E" und "Dark Knight" bemerkt und in Gegensatz zu "oscar bait" wie eben "Der Vorleser" gestellt. Aber über die individuelle Klasse wurde damit ja erstmal nichts gesagt nur dass

1) der Vorleser oscar bait ist, was ja nun kaum zu bestreiten ist: Literaturverfilmung, renommierter Regisseur von "anspruchsvollen" Filmen, Holocaustgeschichte, provokante Sexszenen, fremde Akzente, Altersmakeup - you name it.

2) der Vorleser von so gut wie niemandem gesehen wurde, was auch kaum abstreitbar ist.

3) und diese Dinge ihn zu einer typischen Wahl machen von der "Academy". Ob man die nun für Dilettanten oder Experten hält, ist sicherlich Meinungssache, eins sind sie aber ganz bestimmt: berechenbar. Und ich denke darum geht es im Text.

Dass mal wieder solch oscar bait nominiert wird, anstatt mutiger zu sein, in dem man ausnahmsweise mal Genre-Filme nominiert, die sowohl Publikums- als auch Kritikererfolg sind. Damit ist mit Sicherheit nicht "mehr Kommerz" gemeint, es ging da ja erstmal nur um schlechte Einschaltquoten und warum sich die breite Öffentlichkeit weniger für die Oscars interessiert. Daher denke ich, du ziehst aus dem Wort "Zeitgeist" hier die falschen Schlüsse, da geht's meiner Meinung nach erst mal darum, dass die Academy quasi abseits des Publikums ihre üblichen Filme nominiert.

Davon mal abgesehen denke ich persönlich, es wäre tatsächlich nicht nur mutiger, sondern auch gerechter gewesen, etwa Dark Knight oder Wall-E statt Vorleser und Frost/Nixon zu nominieren. Denn wie selten ist es, dass solche Massenfilme künstlerischen Anspruch und Erfolg vereinen? Filme wie der Vorleser werden dagegen immer ihren Anteil an guten Kritiken und "Prestige" bekommen, schon quasi per Definition. Fans von Filmen wie Dark Knight wird ja immer Verblendung vorgeworfen, Stichwort Fan Boy und so, aber das ist doch am anderen Spektrum der Filmunterhaltung nichts anderes. Ein Film wie Der Vorleser wird immer seine Fans finden, weil es eben auch Fans von "anspruchsvollen" Literaturadaptionen gibt, ob die nun in ihrem Genre Grosses leisten oder nicht. Dass aber dieses Genre automatisch höher eingeschätzt wird als sagen wir mal die Comicverfilmung oder der Animationsfilm, dass denke ich ist die Ungerechtigkeit, auf die meiner Meinung nach zurecht hingewiesen wurde. Und da diese Diskussion nun existiert, und zwar nicht nur hier, hat Herr Loch denke ich auch recht damit, da im Anfangsabsatz zumindest drauf hinzuweisen.

8

mir hat der Film sehr gefallen. Mit der Glaubwürdigkeit der Geschichte haben bestimmt einige Schwierigkeiten, da hilft es nicht, wenn die 3 anderen Angeklagten überzogen negativ dargestellt werden wo doch versucht wird Hanna zu "entdämonisieren". Ein unschönes Detail in diesem visuell detailverliebten Film war, dass man sich so viel Mühe geben hat Authentität der Darstellung gegeben hat und dann alle Bücher in Englisch darstellt. Schauspielerisch großes Kino, auch wenn Ralph Finnes nicht ganz ein älterer David Kross ist.

Bitte bitte schreibt zum Fim und nutzt das Forum nicht um euch zu beharken und an Rezensionen Interessierte mit endlos langen Argumentationsketten zu langweilen - Danke!

2

Blöder Film!

@ inside man

Ich habe mich in nachfolgendem post meiner ursprünglichen antwort bereits für meine allzu eloquente argumentation entschuldigt, die sicherlich etwas schmierig daher kam und tue es hiermit nochmal.

Wie bereits gesagt, bestreite ich weder, dass der vorleser "oscar bait" in allen beschriebenen kritereien ist, noch dass "WALL-E" oder "The Dark Knight" eine Nominierung verdient hätten.

Die Kenntnis der früheren Rezensionen (eine diskutable Sicht) und der Tenor der besagten Oscarrezension machen auf mich den klaren Anschein einer persönlich getränkten Sicht, die als solche vertretbar wäre, wenn sie nicht im Gegensatz zu vorherigen Äußerungen stünde.
Frost/Nixon und Der Vorleser (der ,wie du ja ebenfalls angemerkt hast, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gesehen wurde) werden erst mal als feige entscheidung gesehen nur weil der Mut nicht aufgebracht wurde, Filme zu nominieren, die sowohl dem Publikum als auch den Kritikern gefallen (ich bestreite das nicht). Man stellt den Leser vor diese Tatsachen, um dann (auch wenn es sich um einen anderen Rezensenten handelt) doch die Qualität von z.B. "Der Vorleser" zu akzeptieren, trotzdem es "oscar bait" ist.

Eine etwas differenziertere und defensivere Sicht wäre einfach angebracht gewesen, zumal die sagenumwobene Academy auch nur solche Filmmenschen wie du und ich sind, die sich eben so gut für "The Dark Knight" o.ä. hätten entscheiden können.
Besagten Mut hätten sie sicherlich noch bei einer geheimen Wahl aufgebracht.

Hätte der Re

8

Ein wirklich toller Film und eine wirklich gute Filmkritik!! Ich kann mich der Kritiken an beidem absolut nicht anschließen!

Die Nominierung als bester Film ist absolut gerechtfertigt und der Oscar für Kate sowieso!!

5

ok hab ihn dann auch gesehen. wirklich komische geschichte, vor allem ab dem mittelteil;

die verhandlung vor gericht, die ss geschichte etc... film der gut gestartet war hat dann ne völlig komische wende bekommen und ist dann so dahin geplättschert.

mittelprächtiger film, daher gibts nen fünfer von mir

9

der film ist erstklassig gespielt und hält sich, gott sei dank, nah an der buchvorlage.
einen punkt abzug, weil die magie des buches im film nicht so recht auf den zuschauer überspringen will.

stephen daldry hat es dennoch einfach drauf, sensible romane zu verfilmen... ist ihm das doch bei the hours schon hervoragend gelungen und er scheint ein händchen für starke darstellerinnen zu haben.

danke auch an filmszene für die tolle kritik =O)

8

Toller Film. Sehr nah an der Vorlage. Allerdings finde auch ich es irritierend, dass sämtliche Bücher in englischer Sprache sind. Außerdem finde ich, dass zwei wichtige Szenen aus dem Buch weggelassen wurden. Zum Ersten die Szene als Michael im Urlaub mit Hanna einen "ich bin Brötchen holen" Zettel hinterlässt, sie sich fragt wo er gewesen sei und ihn schlägt.

Und die zweite, in meinen Augen wichtigere, Szene in der die Wärten Michael erzählt, dass sie sich Bücher über KZs, Wärter und Gefangene ausleiht. Sie arbeitet also ihre eigene Vergangenheit auf, was einen Aspekt des Suizids erklärt.

Ansonsten eine tolle Kate Winslet die Hannas Emotionen sehr überzeugend darstellt. Allerdings spielt sich im Buch sehr viel in der Gedankenwelt Michaels ab, was durch das Medium Film leider nicht so gut darstellbar ist.

Der Film allein betrachtet ist sicherlich noch 1 Auge besser, allerdings wenn man das Buch mit einbezieht gebe ich dem immernoch sehr schönen Film 8 Augen.

Der Film Leute darum gehts hier. Die Möglichkeit hier Kommentare zu schreiben ist nicht die Erlaubnis, sich durch schreiben von pseudo intelektuellen Texten auf seinen eigenen vermeintlichen IQ von über 100 einen runterzuholen.
Ich war enttäuscht von diesem Film ist er doch eine fast 1 zu 1 Adaption von einem unglaublich guten Buch. Um dann zu sehen wie er an elementaren Stellen davon abweicht und sich dadurch eine völlig anderer Gewichtung der Themen ergibt bis zu einer Geschichte die sich einfach völlig anders anfühlt.
Als Fazit der Film ist wie das Buch nur irgendwie anders, wobei anders nicht gut heißt.

Habe es gestern auf 3Sat

9

Habe es gestern auf 3Sat gesehen ohne viel über den Film zu wissen, schon gar nicht den ganzen Oscar-Trubel oder das die Vorlage so ein internationaler Bestseller geworden ist und in Schulen gelesen wird etc.

Im ersten Teil hat mich der Film etwas genervt, oberflächlich betrachtet schien es eine seltsam ungelenke 0-8-15 Liebesgeschichte zu sein zwischen zwei Personen die nicht zusammen passen. Irgendwie fand ich es nicht besonders glaubwürdig.

Aber was dann in der zweiten Hälfte passiert erklärt dann nicht nur alles sondern öffnet die Tür in ein Spannungsfeld dass mich noch lange nach dem Ende des Films beschäftigt hat.

Ein Blitzlicht in die Aufarbeitung des dritten Reichs den ich in dieser Tiefe absolut nicht erwartet habe und der mich in seiner Ehrlichkeit und Menschlichkeit, auch im Mut Fragen aufzuwerfen auf die es einfach keine Antwort gibt.

Natürlich braucht man Zeit, es ist ein eher langsamer Film.
Ein kleines Manko fand ich die deutsche Synchronfassing, teilweise fühlte sich das Deutsch das da gesprochen wurde nicht authentisch an.
Z.B. - so sagt doch nun wirklich keiner "Jungchen".

Aber insgesamt kann ich den Film wärmstens empfehlen, wenn man mal etwas sehen will dass einem neue Einblicke liefert und verantwortungsvoll mit Fragen von Schuld und "menschlichen Prioritäten unter schwierigen Bedingungen" umgeht.

Jetzt wo ich noch länger

Jetzt wo ich noch länger drüber nachdenke finde ich dass man dem Autor des Buchs (und auch dem Film) auch einiges vorwerfen kann - insbesondere wenn man bedenkt dass dies eine erfundene Geschichte ist.

Jedenfalls ist in der 'heissen Geschichte' zwischen dem Jungen und der ehemaligen SS Dame auch eine Menge quasi-schlüpfriges "Lolita"-Material enthalten (...'Jungchen'...), und man darf sich Fragen ob das ganze nicht auch ein wenig "Porno für Intellektuelle" ist in dem man die "Reue" gleich an die Präsentation des Objekts der Begierde mit dranhängt um das ganze zu rechtfertigen.

Ist jedenfalls auch eine mögliche Lesart wie ich meine.

Dass Oprah Winfrey das Buch aufgegriffen hat hatte sicher auch mit diesem doppelten Boden zu tun.

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