Eine Ruine im Mondlicht. Ein Geistlicher, eine wunderschöne
Braut. In der Gemeinde sitzen tote Schriftstellergrößen,
am Klavier singt Tom Waits ("Down by Law", "Coffee
and Cigarettes") "You can never hold back spring",
und der Bräutigam (Roberto Benigni) tritt in Unterwäsche
an den Altar. Dies ist die Anfangsszene aus "Der Tiger und
der Schnee", und sie gehört zum wenigen Schönen,
was dieser Film bieten kann.
Roberto
Benigni ist ja seit langem bekannt für seine peinlichen Auftritte.
Sei es bei der Oscarverleihung für "Das Leben ist schön"
oder einer beleidigenden Äußerung über Papst Johannes
Paul II., der Italiener irritiert das Publikum. Auch "Der Tiger
und der Schnee", geschrieben, verfilmt und gespielt von Benigni
ist mit extremem Rumgehampel und pausenloser sinnfreier Monologbeschallung
nur schwer erträglich. Fand Benigni in "Das Leben ist
schön" noch den schmalen Grad zwischen Kitsch und Tragik,
so ist er hier mal wieder (man erinnere sich an "Pinocchio"
oder "Der Sohn des rosaroten Panthers") jenseits der Schmerzgrenze
angelangt.
Der
römische Dichter des Werkes "Der Tiger und der Schnee"
Attilio (Roberto Benigni) ist schwer verliebt. Er träumt jede
Nacht den gleichen Traum von der Hochzeit mit seiner Vittoria (Benignis
Ehefrau und Stamm-Filmpartnerin Nicoletta Braschi), während
er sie tagsüber wie ein trotteliger Stalker verfolgt. Dann
erfährt Attilio, dass Vittoria, die im Irak Interviews mit
dem Dichter Fuad führen wollte, bei einem Bombenanschlag verletzt
wurde und im Koma liegt. Mitten im Irakkrieg kann Attilio nicht
einfach so hinfliegen, darum muss er zu einigen Tricks greifen,
um zu seiner geliebten Vittoria zu kommen. Zwischen Bomben und Plünderungen,
nervlich überreizten amerikanischen Soldaten und Fuad (Jean
Reno), der mit seinem Land leidet, versucht er ihr das Leben zu
retten. Doch auch wenn sie wieder aufwachen würde, so weiß
Vittorio durch ihre eigenen Worte vor der Abreise, dass sie ihn
erst lieben kann, wenn sie in Rom einen Tiger im Schnee sieht.
Man
kann sich in diesem Film kaum entscheiden, was das Schlimmste ist:
die Degradierung der irakischen Bürger zu Plünderern und
Dieben, die Attrappen-artigen Filmsets in den Kriegsszenen (am besten
noch mit animiertem Superkitsch-Sternenhimmel) oder Benigni, Benigni
und Benigni. Auch die Geschichte um den Dichter Fuad, der von Reno
mit einer Traurigkeit versehen wird, die zeigt, was Trauer wirklich
ist, wird sinnlos verheizt, da ja ausschließlich Benigni die
Hauptperson sein darf. Nicoletta Braschi spielt mit großer
Intensität, bis auf die Komaszenen natürlich, aber man
fragt sich an manchen Stellen, ob sie nicht ins Koma gefallen ist,
um den Monologen ihres irren Verfolgers zu entgehen.
Es gibt noch etwas, was für diesen Film spricht: Das Lied "You can never hold back spring", welches Tom Waits für den Soundtrack lieferte, ist wirklich ein Genuss. Doch eine Nummer von Tom Waits reicht leider nicht für einen kompletten Spielfilm. Die Geschichte nutzt auf schamloseste Weise den Hintergrund des Irakkriegs für eine Liebesgeschichte aus, die eigentlich nicht schlecht geschrieben ist. Besonders das Ende enthält einen Twist, der sich lohnt, aber während der Zeit zwischen Anfangssequenz und Filmende kann man auch ruhig ein kleines Nickerchen machen. Aber bitte nicht zu tief schlafen, denn die wunderschöne Anfangsszene wird im Film in anderen Versionen mehrfach wiederholt. Das ist leider auch das einzige, was einen davon abhält, das Kino zu verlassen.



Ich lasse mich nicht mehr herunter, diese peinliche Rezension einer/s frustrierten Benigni Hassers/in.
Er gehört dazu nämlich ein wenig Verstand, und der scheint dem- oder derjenigen gänzlich abhanden gekommen zu sein.
Ich muss Cla auf jeden Fall beipflichten, habe den Film selbst nur in Italienisch gesehen, war absolut begeistert und kann die deutsche Version nicht beurteilen.
Benigni polarisiert, und das ist da gute an ihm. Er ist in einer Reihe anzusiedeln mit Adriano Celentano, mit er z.B. noch zu Berlusconi-Zeiten eine ordentliche Politparodie im Italienischen Fernsehen abzog.
Der Film ist natürlich nichts für jemanden, der gerne Schema F-Filme sieht und mit einer Handlung jenseits der üblichen Hollywood-Klischees nichts anzufangen weiss.
Der Tiger und der Schnee
Ein netter Film, auf den man sich einlassen muss ohne mit dem moralinsauren Skalpell des Verstandes alles logisch zu sezieren. Natürlich gibt es Knacks und Lacks im Plot, die von Charme und Liebenswürdigkeit – manche nennen es Oberflächlichkeit – überdeckt werden
Und damit das ganze am Ende nicht im zuckersüßen Schmalz des Happyends versinkt, gibt es ja noch den tollen Song mit der Superstimme von Tom Waits, der von Beginn an immer wieder wirkungsvoll eingesetzt wird.
Es stört auch echte Benigni Fans nicht, dass er sich selbst kolportiert, wenn immer wieder Kleidungsstücke vertauscht werden oder kleine magische Wunder passieren, die nicht von dieser Welt sind.
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