Interview mit "Die Relativitätstheorie der Liebe"-Hauptdarsteller Olli Dittrich

von Volker Robrahn / 25. September 2011

 

Filmszene: Olli Dittrich, fünf verschiedene Rollen in einem Film und fünf unterschiedliche Masken. So wie Sie hier vor uns sitzen, scheint die des Agenturchefs "Frieder" dabei noch die einfachste gewesen zu sein.

Olli Dittrich: Tja, der sieht mir halt auch ziemlich ähnlich und deshalb gab es da dann am wenigsten im Gesicht zu verkleben. Wobei das dann nicht bedeutet, dass diese Figur einem auch gleich am Nächsten ist und am Leichtesten fällt - jedenfalls nicht zwangsläufig. Da kann man auch genauso gut eine der anderen eher zu fassen bekommen, vielleicht weil es Ähnlichkeiten in der Biographie gibt oder eine andere Art von Nähe.

Und welche der Figuren war dann in diesem Fall am weitesten weg von Ihnen?

Das war tatsächlich Stevie, der Musiker. Obwohl es auf dem Papier so aussah, als sei ich da eigentlich am Nächsten dran. Aber der wirkt doch auf den ersten Blick irgendwie etwas belanglos, ein wenig schläfrig und wenig ambitioniert. So ein kleiner "Schlurfi", ohne aber deshalb unsympathisch zu sein. Wie sich herausstellte war genau diese Welt für mich aber am wenigsten präsent und ich hatte so meine Probleme diese Figur richtig zu fassen zu bekommen. Hat sich dann aber natürlich irgendwann gelegt, auch weil die Szenen mit ihm später etwas länger wurden.

Woher kommt denn überhaupt diese Lust an der Verkleidung?

Vielleicht Begabung und Veranlagung. So etwas weckt ja ganz automatisch irgendwann auch das Bedürfnis, dem dann nachzugehen. Ich hab das als Kind schon gerne gemacht und nie die Lust am Verkleiden und vor allem am Spielen verloren und erhalte mir das daher auch als Erwachsener. Wobei es ja erst auf einigen Umwegen in mein Berufsleben gefunden hat. Denn erst mit Mitte Dreißig habe ich angefangen mit Maskenbildnern zu arbeiten und zu entdecken, wie viele Möglichkeiten da noch schlummern - alleine durch die Veränderung von Äußerlichkeiten oder dem Körpergewicht, zum Beispiel.

Und woher die, ja, fast schon "Zärtlichkeit", mit der Sie vor allem die einfachen Leute porträtieren? Denn eine Parodie ist es ja weniger.

Es ist überhaupt gar keine Parodie. Das interessiert und begeistert mich halt, da ist einfach eine gewisse Nähe vorhanden. Diese Schwächen, die wir alle haben und wie wir trotzdem oft mehr scheinen und darstellen wollen. Einerseits der ständige Wettbewerb, andererseits aber doch das Herz am rechten Fleck und die ständige Sorge diesen Ansprüchen dann nicht genügen zu können. Damit sympathisiere ich sehr.

Gab es denn auch schon mal die Situation, dass Sie aufgegeben, also ein Figur einfach überhaupt nicht richtig hinbekommen haben?

Nein, so etwas gibt es eigentlich nicht, denn das Ganze ist dann ja schließlich auch irgendwo einfach professionelles Handwerk. Was selbst für diesen Film gilt, der eine größere Produktion und zweifellos eine Herausforderung und Neuland für mich war, der aber gleichwohl in seinen einzelnen Bestandteilen dann doch auch wieder gewohntes Terrain beinhaltet. Da gibt es ja eine Zeit der Vorbereitung, die einzelnen Figuren "wohnen" also schon eine Weile in mir, bevor es schließlich mit den eigentlichen Dreharbeiten los geht.

Der Film liefert verschiedene Antworten, Beispiele und sogar auch eine Theorie dafür, was denn nun "Liebe" ist. Welche würden Sie geben?

Im Film sehen wir einige Menschen unterschiedlichsten Alters und Herkunft, die an sehr verschiedenen Momenten ihres Lebens und ihrer Beziehungen zueinander besucht werden. Da gibt es ja jede Menge, im Prinzip sogar unendliche Varianten und ein paar davon zeigt unser Film.
Wir zeigen die verschiedenen Gesichter der Liebe, ohne diese komplett neu zu erfinden und ohne dass ich nun eine spezielle Antwort dazu hätte. Die Liebe produziert die schönsten Dinge überhaupt, aber eben auch viele Missverständnisse. Und natürlich die schönsten Songs.

Wie kam es denn zur Zusammenarbeit mit Katja Riemann?

Wir hatten uns vorher noch nicht im beruflichen Zusammenhang kennengelernt, wissen aber natürlich schon seit Jahren voneinander. Katja Riemann wurde vom Produzent Nico Hofmann vorgeschlagen, eine wirklich tolle Idee. Wobei ich dabei auch ordentlich Respekt hatte, denn die Frau hat ja nun schon einige Filme mehr gemacht als ich.

Das stimmt, denn die "Relativitätstheorie" ist ihre erste größere Kino-Hauptrolle und dass nun gleich in mehrfacher Ausfertigung. Spüren sie dabei jetzt eine Art besonderen Druck?

Klare Antwort: Nein! Weil mir das alles nur unglaublichen Spaß bringt und weil ich mir schon immer herausgenommen habe zum jeweiligen Stand meiner künstlerischen Karriere doch möglichst genau das zu machen, was ich gerne tun möchte.

Zum Abschluss muss ich dann aber natürlich noch nach "Dittsche" fragen. Ist dafür auch nach Jahren die Motivation immer noch da, wird es weitergehen oder ist langsam doch ein Ende in Sicht?

Irgendwann wird auch "Dittsche" mal als Fernsehformat wie es zur Zeit läuft zu Ende gehen, ja. Aber noch nicht gleich, denn noch macht es mir viel Spaß, obwohl dass ja mit Abstand die längste Figur ist, die ich je gespielt habe. Aber es ist einfach ein Format, dass mit dieser Art von Improvisation Möglichkeiten erzeugt, die man sonst so nicht zu sehen bekommt. Keine wochenlangen Redaktionssitzungen, in denen alles bis ins kleinste Detail auseinandergenommen und immer wieder verändert wird. Dieser "Goldene Moment" in einem spontanen Augenblick etwas entstehen zu lassen, das ist das Besondere bei "Dittsche". Das bringt mir nach wie vor einen Heidenspaß und ich denke doch, dass auch die nötige Frische nach wie vor da ist.


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