Willkommen im Hotel Mama

Originaltitel
Retour chez ma mère
Land
Jahr
2016
Laufzeit
97 min
Genre
Regie
Release Date
Bewertung
4
4/10
von Margarete Prowe / 10. August 2016

Nicht alle französischen Komödien sind einfallsreich und liebevoll geschrieben, wie sich an „Willkommen im Hotel Mama“ zeigt: Eine neuerdings job- und wohnungslose Architektin (Alexandra Lamy) von über 40 zieht wieder bei ihrer Mutter (Josiane Balasko) ein, da sie mit ihrer Firma pleite gegangen ist. Beide gehen sich auf den Keks, die seit einem Jahr verwitwete Mutter hat einen Nachbarn als Liebhaber und würde diesen gern ihren drei Kindern vorstellen, doch die drei zoffen sich lieber beim gemeinsamen Abendessen und mutmaßen beim merkwürdigen Verhalten ihrer Mama, ob diese vielleicht schon an Alzheimer leidet.

All dies könnte vielleicht lustig sein, wenn die Figuren sich entwickeln dürften oder die Protagonisten nicht einfach so unsympathisch wären. Stéphanie, die Arbeitssuchende, war früher schon ätzend zu ihren Mitmenschen und hat sich nur über ihr Geld definiert, wie man schon gleich zu Anfang des Films erfährt, als sie eine Freundin als Netzwerk nutzen will, aber diese wenig Lust zu helfen verspürt, weil sich Stéphanie, als es ihr schlecht ging, einen feuchten Kericht um sie scherte. Auf einen Job unter ihrer Würde hat sie nun keine Lust, doch dies wird in „Willkommen im Hotel Mama“ auch egal bleiben. Ihre Schwester Carole (Mathilde Seigner) hingegen findet, dass sie sich im Gegensatz zu Stéphanie hingebungsvoll um ihren Vater gekümmert hat, bevor er starb: Sie fuhr ihn jeden Mittwoch um 15 Uhr in die Rehaklinik und zurück. Wer im echten Leben schwerkranke Verwandte bis zum Ende gepflegt hat, wird über die genannte „Belastung“ kaum lachen können. Aber zwischen Champagner trinken und Besuchen im Ferienhaus im Grünen ist dies hier schon die härteste Prüfung einer Tochter.  Bruder Nicolas (Philippe Lefebvre) hingegen geht lieber zur Regatta als seine Mutter zu besuchen.

Das einzige, was in „Willkommen im Hotel Mama“ überhaupt Dynamik entwickelt, ist das gemeinsame Abendessen, wo sich alle drei die übelsten Sätze an den Kopf werfen und sich gegenseitig niedermachen, ansonsten besteht dieser Klimbim tatsächlich nur aus Witzen darüber, dass Mama ihren Liebhaber verheimlichen will und dass die Sippschaft über ihr komisches, die Liebschaft deckendes Verhalten denkt, sie habe Alzheimer.

Somit sollte, wer eine lustige französische Komödie sehen will, sich im Kino zurzeit lieber „Unterwegs mit Jacqueline“ anschauen, einen Film über einen Bauern und seine Kuh, anstatt verwöhnten Töchtern beim Herumzicken zusehen zu müssen.

Bilder: Copyright

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