Das Drama - Alles nochmal auf Anfang

Originaltitel
The Drama
Land
Jahr
2026
Laufzeit
106 min
Genre
Release Date
Bewertung
7
7/10
von Volker Robrahn / 1. April 2026

Der Trend verfestigt sich: Wenn es denn nach Jahren der Flaute wieder die ein oder andere RomCom ins Kino schafft, dann muss sie irgendwie einen besonderen, ungewöhnlichen Ansatz haben. Ob die Romantik in „Materialists“ praktisch komplett rausgenommen wird oder man sie in „A Big Bold Beautiful Journey“ mit Fantasy-Elementen anreichert: Nur Boy meets Girl plus ein paar Verwicklungen genügt offenbar nicht mehr. Und so nimmt auch „Das Drama“ schließlich einen Verlauf, der sich zwar an sich bereits im Titel ankündigt, nicht jedoch im beschwingt-fröhlichen ersten Viertel des neuen Films von Kristoffer Borgli („Dream Scenario“).

Denn darin begegnen wir dem zwar durchaus attraktiven, aber auch etwas unsicher agierenden Charlie (Robert Pattinson), der es eigentlich gar nicht so recht fassen kann, dass es ihm tatsächlich gelungen ist mit seinen unbeholfenen Annäherungsversuchen die rundherum tolle Emma (Zendaya) zu erobern. Aber die beiden ergeben ein so harmonisches Paar, dass schon nach recht kurzer Zeit die Hochzeit geplant wird. Bei einem Vorbereitungstreffen mit den besten Freunden und Trauzeugen Mike und Rachel erzählen sich die Vier dann - auch dank der vom Alkohol gelockerten Zungen - ein paar kleine Geheimnisse, die man noch nicht voneinander wusste. Bis Emma dabei mit einer Geschichte herausrückt, die die anderen am Tisch dermaßen schockiert, dass auf einmal Vieles in Frage gestellt wird, selbst die bevorstehende Hochzeit.

Und von da an ist eigentlich gar nichts mehr locker und heiter zwischen diesen Charakteren, auch wenn versucht wird, sich das nach außen nicht anmerken zu lassen. Vor allem Charlie bemüht sich fast schon verzweifelt um den Anschein von Normalität, während er in Wahrheit plötzlich Panikattacken erleidet und sich die Grundsatzfrage stellt, ob er den Menschen mit dem er doch so gerne zusammen leben möchte überhaupt richtig kennt. Rachel dagegen lässt ihre erwachte Abneigung gegen Emma sehr wohl deutlich spüren und diese weiß schließlich auch nicht mehr, was sie tun oder wie sie erklären und rechtfertigen kann, was sie vor Jahren getan hat.

Das sind ein paar genauso herausfordernde wie gleichzeitig dankbare Rollen für das verpflichtete Darsteller-Ensemble, in dem Zendaya als „Traumfrau“, der man ihre inneren Abgründe weder ansieht noch zutraut, schon ziemlich perfekt besetzt ist. Aus dem aber vor allem Robert Pattinson herausragt, was angesichts seiner Leistung in Filmen wie „Der Leuchtturm“ oder „Good Time“ zwar im Grunde niemanden mehr überraschen sollte, es aber dennoch weiterhin tut, wie man an einigen Reaktionen nach der Pressevorführung erkennen konnte. Wie er hier darum kämpft, sich korrekt und anständig zu verhalten, während die Zweifel das Richtige zu tun in ihm aber immer größer werden, ist fast schon schmerzhaft mitanzusehen.


Wie überhaupt Vieles schmerzhaft und bedrückend ist, was einem Regisseur und Drehbuchautor Borgli hier vorsetzt an Situationen, in denen versucht wird den äußeren Schein zu wahren, während doch Blicke und Gesten längst anderes verraten als die Worte behaupten. Peinliche Momente bleiben dabei auch nicht aus, doch wenn sich die Figuren hier lächerlich machen ist das eher tragisch und nicht wirklich lustig. Wird aber vom Publikum oft anders gedeutet, wie eine weitere Beobachtung belegt, die der Rezensent während der Vorführung machte: Teilweise durchgehendes Gelächter und Gekicher, das wie eine Trotzreaktion wirkt, bei der auch die Zuschauer versuchen, den unangenehmen Situationen auf der Leinwand auf diese Art zu entkommen.
 

Sicher, man kann das Ganze auch einfach als schwarzhumorige Satire verstehen, aber damit macht man es sich dann in der Tat ein wenig zu einfach. Denn abgesehen von vielleicht ein paar sehr kurzen, mit überzogenen Bildern versehenen Rückblenden bzw. Visionen deutet wenig darauf hin, dass das alles nur ein großer Spaß sein soll. Dafür ist das Bemühen um solch extremen Realismus in den den Film bestimmenden Dialog- und Charaktermomenten einfach viel zu deutlich spürbar. Dennoch ein schmaler Grat, vor allem angesichts des "Aufregers" den man als Storyelement gewählt hat und auf den es sich aus Spoiler-Gründen leider verbietet in diesem Text wirklich konkret einzugehen. "Das Drama" hält auf diesem Grat aber in den allermeisten Momenten den Kurs und schafft es somit glaubhaft und realistisch zu bleiben, trotz einer stets weiter fortschreitenden Eskalation. Was dann letztlich in einer Sehempfehlung mündet, für diese interessante und ungewöhnlich umgesetzte Geschichte.

Bilder: Copyright

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