Nach der fulminanten Rückkehr mit „28 Years later“ im letzten Jahr wird die von Danny Boyle & Alex Garland geschaffene Reihe zu einer echten Franchise ausgebaut, bei der nun der Mittelteil der aktuellen Trilogie ansteht. Dass der aber nicht mehr von Boyle persönlich inszeniert wird, könnte dabei für die eine oder andere skeptische Sorgenfalte im Vorfeld gesorgt haben. Eine Sorge, die sich zunächst zu bestätigen scheint, denn was die jetzt verantwortliche Nia DaCosta als Auftakt für ihren „Bone Temple“ getauften Film serviert, ist eine Kombination aus überzogener Brutalität, mit der die im Vorgänger angeteaserte Gruppe um den Sektenführer Jimmy Crystal ihre Opfer quält, sowie einer doch recht klischeehaften und schon etwas zu oft gesehenen Darstellung dieser extrem sadistisch agierenden Gruppe samt ihres Gurus. Da wirkt der Film zunächst tatsächlich wie ein simples, auf reine Schauwerte und Schockszenen ausgerichtetes B-Movie, das man unter dem „28 Years“-Label eher nicht erwarten würde.

Der Drehbuchautor ist allerdings weiterhin derselbe, und im weiteren Verlauf entwickelt Alex Garland dann doch wieder eine intelligente und auch berührende Geschichte, bei der die Charakterisierung der Figuren immer mehr Raum einnimmt und sich selbst der lange wie die Verkörperung des absolut Bösen auftretende Anführer Jimmy zu einer doch etwas vielschichtigeren Person entwickelt. Während sowohl der junge Spike – die eigentliche Hauptfigur des letzten Films – als auch die wilden Pseudo-Zombies diesmal stark in den Hintergrund treten.
Im Grunde ist hier nur einer der sonst gern in ganzen Horden aufmarschierenden Infizierten relevant, der dann aber auch auf eine Art, die ihn deutlich von allen bisher in der Reihe zu sehenden Leidensgenossen abhebt. Denn der „Samson“ getaufte, körperlich herausstechende Alpha-Zombie ist der Erste, der zumindest zeitweise seine Wut und Aggression verliert und eventuell doch die Hoffnung symbolisiert, die ursprünglichen Menschen hinter den vermeintlich willenlosen Infizierten wieder hervorzuholen.

Den Weg dahin bereiten natürlich die Experimente und Forschungen des dem Zuschauer bereits bekannten Dr. Kelson, und jede einzelne Szene des von Ralph Fiennes gespielten Humanisten ist ein einziger Genuss. Schon im letzten Teil entpuppte der sich als das humane Zentrum der Geschichte, sorgte mit dem was und wie er es sagte für deren emotionalste Momente. Wie Fiennes hier voller Weisheit und Herzenswärme agiert, wie er es schafft inmitten all des deprimierenden Chaos um ihn herum sogar noch für Humor und geistreichen Witz zu sorgen, ist schon sehr beeindruckend.
Und wenn das Alles dann schließlich noch von einen furiosen Finale gekrönt wird, bei dem sich sein Dr. Kelson als eine Art wiederauferstandener Lord Voldemort zur Musik von Iron Maiden die Seele aus dem Leib spielt und tanzt (!), staunt man nur noch mit offenem Mund. Zudem (und damit sind wir wieder bei den Fähigkeiten eines Alex Garland) gelingt es hier auch noch, den bei Trilogien oft als loses Verbindungsstück etwas in der Luft hängenden Mittelteil zu einer in sich geschlossenen, runden Sache zu machen, die ihre Hauptgeschichte zu einem befriedigenden Ende führt. Da ist dann auch der etwas fragwürdige Auftakt fast wieder vergessen und man freut sich auf den nächsten Teil.
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