Der Kuchen wird kleiner

von Frank-Michael Helmke / 18. September 2009

Samstag, 13.08.2005 - Die Film-Industrie befindet sich weltweit in einer Einnahmekrise. Konnte der gigantische globale Erfolg der "Herr der Ringe"-Trilogie in den letzten drei Jahren noch mithelfen, die Gesamtbilanz schön zu rechnen, gibt es 2005 keine Ausflüchte mehr: Das Geld wird knapp. Schon vor drei Monaten haben wir in einem Editorial den historischen Einnahme-Rückgang an den US-Kinokassen thematisiert (zum damaligen Artikel geht es >>> hier) - ein Abwärtstrend, der sich seitdem ungebrochen fortsetzte. Lediglich der Rekord an aufeinander folgenden Kinowochen, die im Vorjahresvergleich ein Minus verbuchten, fand nach fast fünf Monaten ein Ende - bezeichnenderweise nicht durch die großen Action-Blockbuster "Episode III" oder "Batman Begins", sondern wegen des unkonventionellen Hit-Duos "Charlie und die Schokoladenfabrik" und "Die Hochzeits-Crasher". Doch seit diesem sehr kurzen Zwischenhoch ist die Aussicht wieder verhangen bis stürmisch - nach "XxX 2" im Frühjahr stürzten jüngst auch die zwei kostspieligen Kracher "Die Insel" und "Stealth" (Deutschland-Start am 15. September) spektakulär ab. Das einstmals so erfolgsverwöhnte Action-Genre, Rückgrat des Sommer-Blockbuster-Kinos, hat dieses Jahr einen akuten Bandscheibenvorfall.

Anstatt jedoch den offensichtlichen Grund für die Misere einzugestehen (dass das zahlende Publikum sich schlichtweg nicht mehr so leicht verschaukeln lässt von der mangelhaften Ware, die ihm vorgesetzt wird), üben sich die Hollywood-Bosse lieber in Fremdbeschuldigungen: Das liege alles nur a) an der Raubkopiererei und b) am von der DVD losgetretenen Heimkino-Trend - die Leute schauen die Filme jetzt halt lieber zuhause. Aber: Der Kampf gegen die Filmpiraterie läuft immer erfolgreicher und der weltweite "Kopiermarkt" stagniert seit letztem Jahr. Und: Die DVD-Verleih-Chefs in den USA haben den Schwarzen Peter bereits zurückgespielt. Seit die Filmgurken des Kino-Frühjahrs auf dem Silberscheiben-Markt erscheinen, sind Verleih- und Verkaufszahlen deutlich rückläufig. Also, wer war's nun?

Einmal Nachzahlen, bitte: Dreiste
Zuschauerabzocke bei
"Krieg der Welten"

Der Kuchen wird kleiner, und umso aggressiver kämpfen alle hungrigen Mächte des Filmgeschäfts um die verbleibenden Krümel - teilweise mit unlauteren Mitteln, auch in Deutschland. Die Olympic Filmtheaterbetriebe GmbH, Betreiber mehrerer Multiplexe in hiesigen Großstädten, berechnete in einigen ihrer Kinos (unter anderem in den beiden Hamburger UFA-Palästen) einen Überlängenzuschlag von 50 Cent für Spielbergs "Krieg der Welten". Laut Preisliste ist dieser Zuschlag erst fällig ab einer Filmlänge von über 120 Minuten - die Alien-Invasion war inklusive Abspann aber schon nach 116 Minuten vorbei (was im Übrigen auch in den Programmheften der beiden Hamburger Kinos als offizielle Laufzeit angegeben war). Auf Nachfrage im Anschluss an den per Hand mitgestoppten Kino-Besuch eines Filmszene-Redakteurs verwies das Kassenpersonal auf die bundesweite Geschäftsleitung der Olympic GmbH, welche die zu berechnenden Überlängenzuschläge für alle ihre Kinos in Deutschland festlegen würde - sie könnten da nichts machen. Wie weitere Recherchen ergaben, war auf der Website des Berliner Kosmos-UFA-Palastes (ein weiteres Olympic-Multiplex) die Filmlänge von "Krieg der Welten" sogar mit 140 Minuten angegeben. Ein Zuschlag war auch hier fällig.

Das jüngste Beispiel der härteren Gangart betrifft noch wesentlich mehr Kinozuschauer in Deutschland: Der deutsche Ableger von Buena Vista International, die Verleih-Tochter des Disney-Konzerns, wollte den Kinobetreibern für "Herbie Fully Loaded" und "Sin City" mehr als die übliche Leihmiete abzwingen - über 50 Prozent der Eintrittsgelder sollen nun direkt zurück zum Verleih fließen. Solch ein Dreh an der Mietpreis-Schraube wird nicht zum ersten Mal versucht, doch bisher konnte der geschlossene Protest der größten deutschen Kinoketten noch immer ein Einlenken des Verleihers erzwingen.
Diesmal nicht: Cinemaxx, Cinestar und UCI weigerten sich erneut, die überhöhten Preise mitzumachen - und boykottierten zunächst beide Filme. Resultat: In vielen mittelgroßen deutschen Städten, die nur über ein Multiplex einer dieser drei Ketten verfügen, kann man weder "Herbie" noch "Sin City" gucken - und die anderen Zuschauer unterstützen unwissentlich die aggressive Preispolitik der Buena Vista. Sollte diese Praxis Schule machen, werden die erhöhten Leihmieten letztlich auch zu höheren Eintrittspreisen führen. Am Ende zahlt immer der Zuschauer.

Boykott einer Bombe von Film:
Viele Zuschauer warteten vergeblich
auf den Start von "Sin City"

Die Konsequenzen auf die Zuschauerzahlen sind natürlich frappierend: "Herbie Fully Loaded" hätte auch dank der aufwändigen PR-Kampagne inklusive großer Deutschland-Premiere das Potential zu einer halben Million Zuschauer am Startwochenende gehabt. Stattdessen knackte der tolle Käfer nicht einmal die 200.000-Marke. Im Falle von Robert Rodriguez' "Sin City" - ein Meisterwerk, das wirklich jeden Zuschauer verdient hat - ist der Multiplex-Boykott besonders tragisch: Hier entgeht vielen deutschen Kinofreunden einer der herausragenden Filme 2005. Es wirft kein gutes Licht auf die Führungsspitze der Buena Vista Deutschland, wenn man es aus überzogener Gewinnsucht in Kauf nimmt, einem Großteil des hiesigen Publikums den besten Film vorzuenthalten, den man dieses Jahr auf Lager hat.
Die Gewinnsucht war es allerdings wohl auch, die den Verleih zur Räson brachte: Am Freitag Nachmittag versandte Buena Vista Deutschland eine Pressemitteilung, die sich vordergründig mit dem eindrucksvollen Start von "Sin City" beschäftigte: Trotz Boykotts der Multiplex-Ketten waren 70.000 begeisterte Filmfans schon am Donnerstag in die Kinos gestürmt. Die eigentliche Nachricht folgt erst im zweiten Satz. Zitat: "Das Boxoffice-Ergebnis (…) ist gerade auch deshalb so sensationell, da vier große Kinoketten den Film zunächst boykottiert hatten. Am gestrigen Tage konnte nun kurzfristig eine Einigung erzielt werden, so dass der Erfolgsfilm SIN CITY ab spätestens Samstag in den Häusern dieser Ketten laufen wird." Hat da jemand gemerkt, wie viel Eintrittserlös ihm durch die Lappen geht, wenn er bei so einem Erfolgsfilm hunderttausende von Zuschauern ausschließt? Oder haben die Kinobetreiber die bittere Pille geschluckt, weil sie sich wiederum die in Aussicht stehenden Einnahmen nicht entgehen lassen wollten? Von den Pressesprechern der betroffenen Kinoketten waren am Freitag jedenfalls keine Details über die genaue Einigung mit Buena Vista in Erfahrung zu bringen.

Wer auch immer nun wie stark eingelenkt hat, der Image-Schaden ist ohnehin nicht mehr abzuwenden. Letztlich tut der Verleiher mit dieser unschönen Strategie nichts anderes, als noch mehr verprellte Kinokunden in den Zweitauswertungsmarkt auf DVD zu verscheuchen - oder gleich ins Internet, wo der bequeme illegale Download schon wartet. Manche Probleme sind vielleicht doch hausgemacht.


I.
Mir macht es richtiggehend Freude, die nicht enden wollende Serie der Artikel über den Niedergang der Filmindustrie zu lesen - nicht nur, weil sie lesenswert geschrieben sind, sondern besonders, weil derartiges Gejammer nur aus dem Land der Dichter, Denker, Bedenkenträger und Besitzstandswahrer ertönen kann.

Wann war die Filmindustrie, und ich nenne sie absichtlich so, jemals eine reine, hohe, schöne Kunst? Seit ihrer Entstehung mit der Verbreitung des Tonfilms und dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit hat sich von der künstlerischen Ausdrucksform (Kino-)film ein durchkommerzialisierter, profitorientierter Wirtschaftszweig losgelöst, der ähnlich wie die Belletristik-Schwemme im Buchbereich oder die Easy-Listening-Epidemie auf dem Tonträgermarkt mit seinen technisch-künstlerischen Wurzeln nur das gemeinsame Medium teilt. Dabei bleibt es jedem Kinobesucher freigestellt, ob er sich zum Arthouse-Fetischismus bekennt oder reulos Stangenware made in Hollywood konsumieren will.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Es gibt keine heile, ganze Welt des Kinos, in der alle Menschen, gleich welcher sozialen oder politischen Couleur, allen Filmen etwas abgewinnen können. Denn, das sollte man nicht vergessen, Kino ist für die überwältigende Anzahl der Besucher ein pures Freizeitvergnügen, und da wird gerne das "delectare" dem "docere" gegenüber bevorzugt. Wie es selten vorkommt, dass sich jemand sowohl an derbem Stammtischhumor als auch an feinsinnigen, quasi literarischen Pointen erfreuen kann, ist auch vom Kinobetrieb nicht zu verlangen, dass er Filme für jedermann Geschmack abliefert. Das hieße nach der eierlegenden Wollmilchsau zu verlangen.

Kino, und darauf begründet sich sein überwältigender Erfolg verglichen mit anderen Unterhaltungsformen, ist einfach nur eine Illusion: Für die meisten Besucher soll sie unterhaltender Natur sein, eigene Wunden lecken und den Blick aus dem trostlos empfundenen eigenen Dasein hinlenken auf eine wie auch immer ausgestaltete Kunst-Wirklichkeit. Natürlich kann ein Film auch mahnende Aussagen treffen und den Besucher nachdenklich machen - aber auch das ist eine Form von Unterhaltung, vielleicht sollte man sie nur Beschäftigung nennen. Denn dass Kino alles in allem, wie anspruchsvoll oder anspruchslos aus welcher Sicht auch immer, eine Freizeit-Beschäftigung ist, ist wohl unbestreitbar.

Und aus diesen Gedanken läßt sich auch mein Vorwuf gegen die Zunft der Filmkritiker formulieren: Kulturell-intelektueller Anspruch kann nicht alleiniger Wertmaßstab für die Wertigkeit eines Films sein. Qualität ist angesichts der höchst individuell-subjektiven Wesensart des Mediums Film ein ohnehin nicht objektivierbarer Maßstab. Die Kameraführung innerhalb eines Fims kann dem einen die perfekte Umsetzung des dargebotenen Stoffes sein, für den anderen bedeutet sie nur übelkeitserregendes Wackeln und nervöses Umherirren. Aber auch die ethische Integrität des zugrundeliegenden Stoffes wird all zu gerne herangezogen, um einen Film die Daseinsberechtigung abzusprechen.

Schon lange habe ich mich darum von den Filmkritiken großer deutscher Blätter wie Welt, FAZ, SZ, Spiegel und dergleichen abgewandt, weil dort ein narzisstischer Wettlauf um die exaltierteste Rezension stattfindet, die mit einer Hilfestellung bei der Frage, ob man den besprochenen Film besuchen sollte oder nicht, nichts mehr zu tun hat. Nicht alle Drehbücher und Lebensläufe der Beteiligten ermöglichen einen universalphilosophischen Rundumschlag, und nur weil ein Film diese Interpretationsmöglichkeit nicht hergibt, macht ihn das nicht automatisch zur verdammens- und verrißwürdigen Ramschware.

Was ich vom Filmkritiker verlange, ist nichts weniger, als vom hohen Roß der feinen, künstlerisch ausgereiften Denkungsart herabzusteigen und sich einfach dem dargebotenen Film hinzugeben, ohne gleich in einen Disput über die Daseinsberechtigung des Films zu verfallen. Hingabe in dem Sinne, dass es die Qualität der Umsetzung ist, die er mit seinem Erfahrungsschatz bewerten kann, und nicht die Wertigkeit der zugrundeliegenden Geschichte. Diese Wertigkeit erschließt sich jeder Kinobesucher nach eigener Facon, und da halte ich jegliche Missionierungsversuche seitens der Filmkritik für zwecklos und bevormundend. Die persönliche Disposition spielt in diesem Falle eine so große Rolle, dass jegliche Einmischung durch die Filmkritik fehl am Platz ist. Mal steht einem der Sinn nach leicht faßlicher Unterhaltung, die einem die Abendstunden verschönern oder der eigenen Repräsentation dienen soll, mal möchte man sich mit einem anspruchsvollen Sachverhalt auseineandersetzen, dem man auf den Grund gehen möchte. Das läßt sich unendlich auf die Bedürfnisse des Kinopublikums erweitern: Sowohl bis hin zu primitiven Vulgärklamotten als auch hin zu vertrackten, höchst anspruchsvollen Werken schon eher künstlerischen Charakters, bei denen eine einfache, eindimensionale Interpretation zu kurz kommt. Kann man aber ersterer Art von Filmen ernsthaft ihr Dasein streitig machen?

Viel wichtiger ist stattdessen eine Orientierung bietende Inhaltsangabe und eine - solide belegte - Einschätzung, inwiefern die Umsetzung gelungen ist. Ob man den Film aus freier Entscheidung sehen will oder nicht, ist eine Frage, die ein Kritiker nicht beantworten sollte. Über diese Peinigung mit intellektuellen Vergewaltigungen kann er sich dann in Kolumnen ausheulen. Was man wissen möchte: Ist der Film so gut gemacht, dass es sich ihn zu schauen lohnt? Bringt der Film was Neues und bringt er das in passender Art und Weise rüber? Ist die Filmmusik besonders bemerkenswert? Solche Fragen interessieren, nicht die narzisstischen Ergüsse, ob der Inhalt des Films gut oder schlecht ist. Das entscheidet die Kinokasse, denn wir reden hier immer noch über das Massengeschäft.

Der entscheidende Unterschied zum Kunstobjekt Film ist sein Zweck: Der Industriefilm ist zum Geldverdienen da und der zugrundeliegende Stoff nur Vehikel. Der Kunstfilm ist ein schon dem Worte nach künstliches Produkt, entstanden nur als Ausdruck künstlerischen Schaffens, reiner Selbstzweck also. Hier ist auch eine rigorose Hinterfragung des Films völlig richtig, schließlich möchte ein solcher Film zu Reflexion und Erwiderung anregen. Zwar sollte man auch hier Versuchungen zur plakativen Dogmatik widerstehen können, aber Kritik heißt hier, einen reflektierten Denkanstoß für das interessierte Publikum zu bieten.

II.
Das zweite Themenfeld, das in diesen Artikeln berührt wird, ist die wirtschaftliche Lage der Filmindustrie. Hier scheinen die Bewertungsmaßstäbe für Erfolg oder Mißerfolg, für gute oder schlechte Lage der Filmwirtschaft völlig außer Rand und Band geraten zu sein. Es gab wohl keine Ära in dieser Branche, die - wie in den letzten 15 Jahren - so flächendeckend, so omnipräsent und so erfolgreich hat sein können. Die Branche hatte sich perfektioniert: Das großvolumige und großvolumig Publikum ziehende Blockbusterkino einschließlich Crosspromotion und Merchandising etc. brachte Umsätze und Besucherzahlen in die Filmwirtschaft, wie sie zuvor utopisch waren. Es ist kein Zufall, dass die mehrere Tausend Personen fassenden Multiplex-Bauten erst in den 90ern gebaut wurden.
Derzeit laufen Woche für Woche Filme im Wert von Hunderten von Millionen an - Woche für Woche, wohlgemerkt! Dass da irgendwann die Realität nicht mehr genügend "filmreife" Stoffe abwirft, weil sie von ihrem virtuellen Spiegelbild, dem Kinofilm überholt zu werden droht, ist eine Seite des Problems. Erschreckend, mit welcher Gier nur wenige Jahre nach 09/11 diese Ereignisse zu Film gemacht werden - welche Erkenntnisse sollen in so kurzer Zeit gereift sein, dass man sie in Filmen erzählen müsste? So bleibt nur pseudodokumentarisches Sensationskino, dass aber außer der entwürdigenden Entzauberung der wirklichen Ereignisse nicht viel ausrichtet.
Die andere Seite dieses Problems, die sich aus dieser Hausse entwickelt: Die Flut an Filmen, die auf uns niedergeht, kann schon rein logistisch gar nicht mehr vom Besucher wahrgenommen werden - so geraten nicht nur die wirklichen Juwelen des Films unter die Räder, sondern entsteht auch ein Verflachungsprozess bei der Drehbuchkonzeption und technischen Umsetzung, die in einer postmodernen Leichtverdaulichkeit des Films gipfelt. Es muß mit immer grelleren Effekten um die immer kürzer und knapper werdende Aufmerksamkeit des Besuchers gebuhlt werden, zu immer teureren Promotion-Preisen.
Das alles führt zu einem Erschöpfungszustand der Filmbranche, die nur gut tun kann. Wie in der Musikindustrie, die plötzlich die totgeglaubte Musik deutscher Zunge wieder für sich entdecken konnte, wird auch die Filmbranche überleben. Das wird mit einigen Krächen über geplatzte Gagenverhandlungen, Insolvenzen von Filmstudios, Verleihboykotts etc. einhergehen - umso besser, das zeigt doch nur, wie vital diese Branche weiterhin ist. Der technische Fortschritt mit der Digitalisierung jetzt auch der letzten Produktionsschritte bietet sicher noch neue, nicht erkundete Möglichkeiten. Und außerdem sollten die Gegenwart wie die Vergangenheit genügend neue Stoffe abwerfen, die es wert sind, verfilmt zu werden. Von daher halte ich die apokalyptischen Visionen, die hier bei Filmszene.de von dem ein oder anderen Autor heraufbeschworen werden, für übertrieben.

III.
Konkurrenz muss das Kino keine fürchten, denn den meisten Kinogängern geht es nicht in allererste Linie um das Filmerlebnis an sich, sondern auch um das Erlebnis innerhalb einer auf die gleiche Sache fixierten Masse. Nicht zufällig ist ein Kinobesuch sehr oft Gegenstand geselliger Abendplanung, wo man gemeinsame Interessen zusammenbringen und Denk- und Diskussionsanstöße für anschließende Gespräche finden kann. Da hier also auch schnell das Element gesellschaftlicher Repräsentation mit hineinspielt, sehe ich für das Kino keine Gefahr - vom Preisdruck her eher für die klassischen Repräsentationsangebote wie Oper, Theater oder Musical. Weil das Kino eben ein öffentlicher Raum ist, in dem man in gewissem Maße seine Gefühlsdisposition zur Schau stellt, und eben nicht nur ein Versammlungsraum zum ressourcensparenden Filmschauen, stellt auch die vermehrte Verbreitung von Heimkinos kein ernsthaftes Problem dar. Das Heimkino mag möglicherweise die technischen Vorraussetzungen eines Kinos erfüllen, die soziale Komponente eines öffentlichen Raums vermag es nicht bereitzustellen. Und daraus resultiert ein uneinnehmbarer Standortvorteil des Kinos.
Die ewig beschworene Gefahr der internetbasierten Allverfügbarkeit digitaler Medien stellt für mich ebenfalls keinen existenziellen Gefahrenfaktor dar. Sicherlich verliert das Kino seine absolute Vorrangstellung, was es den Erstzugang zum Film angeht. Da aber, wie oben erwähnt, Kino mehr ist als nur eine Filmvorführung, wird die alternative Verfügbarkeit im Internet kein ausschlaggebendes Argument sein, dem Kino fernzubleiben. Große Filmereignisse (Herr-der-Ringe-Trilogie, Matrix, Star Wars etc.) haben nach wie vor derartige Sogkraft, dass sie in einem angemessenen Rahmen stattfinden sollen. Und da ist das Kino nach wie vor konkurrenzfähig.

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