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Filmszene - Special: Interview mit "Johnny English"-Darsteller Rowan Atkinson

rowan 1Wer schon live vor einem Milliardenpublikum aufgetreten ist, den bringt so leicht nichts mehr aus der Ruhe. Entsprechend entspannt und in sich ruhend präsentierte sich Rowan Atkinson daher auch im Hamburger Hotel an der Alster, wo er seinen neuen „Johnny English“-Film vorstellte. Ein noch größeres Publikum erreichte er zwar einst mit seiner Figur „Mr. Bean“ (in die er zuletzt bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London geschlüpft ist), doch als unerwartet zeitlos erweist sich nun der etwas andere Agent ihrer Majestät, der Atkinson auch schon seit fünfzehn Jahren begleitet. Warum das so ist und warum er sich gar nicht als bedingungslosen James Bond -Fan sieht erzählte Rowan Atkinson Filmszene im Interview.

Filmszene: Mr. Atkinson, wie kommt es, dass solch im Grunde doch unangenehme und rücksichtslose Figuren wie Johnny English oder auch Mr. Bean so gut beim Publikum ankommen?

Rowan Atkinson: In der Tat, ich halte die auch nicht für besonders liebenswert. Aber gerade diese absolute Selbstbezogenheit ist eben auch sehr komisch, wie sie stur ihre eigene Agenda verfolgen, dabei nicht nach rechts oder links schauen und auf niemanden hören. Und das haben in der Tat beide Charaktere, Mr, Bean und Johnny English gemeinsam. Nehmen wir zum Beispiel die Szene in der Johnny vom Boot aus das Haus beobachtet und mit seinem Kollegen Bough spricht. Der erzählt von seiner besvorstehenden Hochzeit und Johnny zeigt nicht die Spur Interesse, denn ihn interessiert einzig sein Traum vom Leben als Superagent á la James Bond. Das ist eine Szene die ihn als Mensch sehr klar definiert, so klar wie wir es mit ihm noch nie vorher gemacht haben – und nein, er ist kein besonders sympathischer Mensch.

Sowohl Sie als auch Ihre Filmpartnerin Olga Kurylenko haben schon einmal in einem echten Bond-Film mitgewirkt. Sie in „Sag niemals nie“ und Olga in „Ein Quantum Trost“. Tauscht man da Erinnerungen und Eindrücke aus?

Nein, wir haben überhaupt nicht über James Bond gesprochen. Ich wusste, ehrlich gesagt, gar nicht so viel über die Filme, die sie vorher gemacht hat, am ehesten kannte ich sie aus „Oblivion“ mit Tom Cruise. Und ich habe auch „Ein Quantum Trost“ nie gesehen. Das ist jetzt vielleicht etwas peinlich, aber wenn es einen James Bond-Film gibt, auf den viele Leute verzichtet haben ist es wohl dieser. Aber Olga hat das sehr gut gemacht, denn es ist nicht einfach als Gegenpart zu einem Johnny English zu schauspielern – weil er eben so extrem selbstbezogen ist, so stark in seiner eigenen Welt lebt.

rowan 2Aber was macht die Faszination dieser Figur aus?

Nun, wie wohl jeder Mann möchte auch Johny English zwar wie James Bond sein, besitzt dafür aber ganz offensichtlich nicht die nötigen Qualitäten. Dennoch gelingt es ihm irgendwie, meist durch dumme Zufälle, immer wieder es irgendwie zu schaffen und ans Ziel zu kommen. Das macht wohl den Reiz und den Witz aus, dass er bizarrerweise doch gewinnt und wir über seine Missgeschicke auf dem Weg dorthin lachen.

Wie viel Spaß macht es denn mit all den coolen technischen Gimmicks zu spielen und – zumindest während der Dreharbeiten – tatsächlich mal Agent spielen zu können?

Ein wenig Spaß macht das schon, aber wenn Sie mich nach der Erfahrung beim Filmemachen fragen, dann muss ich gestehen, dass ich den Prozess eigentlich hasse. Ich mag es wirklich nicht, finde es sehr anstrengend, langweilig und bar jeden Genusses. Was ich mag ist die Idee eines Film an sich, auch das Drehbuch zu schreiben und dabei Ideen in den Raum zu werfen. Auch den Film anschließend zu schneiden macht Spaß, aber die Dreharbeiten selbst nicht wirklich.

rowan 3Was in diesem neuen Film meiner Meinung nach wirklich sehr gut funktioniert und für viel Witz sorgt, ist das Konzept des analogen Agenten in einer digitalen Welt. War das auch die Voraussetzung dafür, dass Sie überhaupt noch einen weiteren „Johnny English“-Film gemacht haben oder war das sowieso geplant?

Wenn eine Figur gut beim Publikum ankommt, dann genießt man diesen Erfolg natürlich und zieht daraus auch Befriedigung. Für eine Fortsetzung ist aber dennoch immer die Idee wichtig und ich war der Meinung, dass diese Idee des Gegensatzes von analog und digital sehr zeitgemäß ist und für diese Figur gut passt. Das war in der Tat der Kern des Ganzen und daraus sind dann noch weitere schöne Dinge entstanden, wie die Virtual Reality -Sequenz, wo sich English komplett in einer künstlichen Welt befindet.

Wie ist denn Ihr persönliches Verhältnis zur digitalen Welt?

Ganz gesund, denke ich (lacht). Ich bin da sicher nicht wie Johnny English, besitze sowohl ein Smartphone als auch ein Tablet. Die sozialen Medien nutze ich dagegen nicht , einfach weil ich gerne ein etwas einfacheres Leben führen möchte. Das ist halt das Dilemma: Es tun sich damit eine Unmenge Möglichkeiten auf, die aber auch zur Last werden können. Genau wie Johnny English habe ich aber eine Vorliebe für alte, nostalgische Dinge, besonders für alte Autos oder Vinyl-Schallplatten sowie Fotos die noch auf Film gemacht werden. Dinge, die eine andere, realere Anmutung haben und die man anfassen kann.

Sie sind auch keiner von den Schauspielern, die darauf bestehen ihre Stunts selbst auszuführen, oder?

Nein, das tue ich nicht, das macht mir weder Freude noch brauche ich diese Art der Bestätigung. Ich fahre allerdings gerne Auto, meine kleine Sammlung von Wagen ist möglichst oft in Bewegung und vergammelt nicht als Ausstellungsstücke oder Wertanlage. Daher hätte ich zumindest gerne die Rennszenen und Verfolgungsjagden im Film selbst übernommen, aber wenn aus der Ferne eh nicht zu erkennen ist wer da hinterm Steuer sitzt, dann möchten die Produzenten einen da auch nicht unbedingt sitzen haben.

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Filmszene-Redakteur Volker Robrahn beim Interview mit Rowan Atkinson.

Gibt es denn schon Pläne für einen weiteren Johnny English-Film? Oder irgendeinen anderen?

Wir haben uns ja sowohl zwischen Teil Eins und Zwei als auch bis zum Dritten immer ein paar Jahre Zeit gelassen. Und ich bin halt ein ziemlich fauler Mensch und auch sehr langsam was das Filmemachen angeht. Aber an diesem haben wir jetzt sehr lange und seriös gearbeitet, gute zwei Jahre. Daher denke ich, ich brauche jetzt erst mal wieder eine Pause.

 

 

 

 

 

Volker Robrahn

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