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Filmszene-Special: Interview mit "Halloween"-Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis

curtis 1 Mit dem neuen „Halloween“-Film schließt sich ein Kreis für Jamie Lee Curtis, war der Erstling von John Carpenter doch einst ihre Eintrittskarte ins Kino-Geschäft. Seitdem feierte sie auch in anderen Genres Erfolge, mit Komödien wie „Ein Fisch namens Wanda“ oder „Die Glücksritter“, aber auch in Action-Filmen wie „Blue Steel“ oder „True Lies“. Doch dazwischen immer wieder: „Halloween“. Bei der Vorstellung des Films auf dem Filmfest Hamburg sprach Filmszene mit der Schauspielerin über die Faszination des schwarzen Mannes und andere Themen.

Filmszene: Misses Curtis, warum hat man Sie noch nie zuvor in Hamburg gesehen?

Jamie Lee Curtis: Darauf gibt es eine einfache Antwort:Ich lebe in Los Angeles. Ich habe zwei Kinder und reise selten. Aber keine Sorge, es gefällt mir sehr gut hier.

Und hier sind wir wieder mit einem neuen „Halloween“-Film. War von Anfang an klar, dass Sie wieder mit dabei sein werden oder haben Sie doch ein wenig gezögert?

Ein weiterer „Halloween“-Film war so ziemlich das Letzte was ich mir noch vor ein oder zwei Jahren hätte vorstellen können. Ich war mit ganz anderen Dingen beschäftigt, als plötzlich das Telefon klingelte und Jake Gyllenhall rief an nachdem er gerade den tollen Film „Stronger“ mit David Gordon Green gemacht hatte und das der gerne mit mir über einen „Halloween“-Film sprechen möchte. Der wollte mir dann ausführlich erklären was ihm vorschwebt, aber ich meinte nur „Stop, schick mir einfach das Drehbuch und danach entscheide ich“. Das hat er getan, ich habs gelesen und sehr schnell „okay“ gesagt – das war alles.

Wie fühlt es sich denn an nach so langer Zeit noch einmal zu dieser Figur zurückzukehren?

curtis 2 Laurie ist natürlich ein völlig anderer Mensch als zuvor. Traumatische Erfahrungen bringen einen Preis mit sich und das war auch der Aspekt, der mich interessierte. Dass es eben auch Traumata gibt die sich übertragen, von einer Generation zur Nächsten und auf andere Familienmitglieder. Die ursprünglich geplante Eröffnungsszene zeigte übrigens meine bzw. Lauries Enkeltochter, wie sie nach Hause kommt und genau den Schrank öffnet, in dem ich mich vor vierzig Jahren versteckt hatte und ihn mit ihrer Taschenlampe durchleuchtet. Dieses Bild fand ich wunderschön, denn da waren wir vierzig Jahre später und doch wieder zurück im Schrank.

War es Ihre Idee, dass Laurie das Haar immer noch lang tragen soll?

Es war in meinem Sinne und dafür gibt es zwei Gründe: Erstens soll sie wie Laurie aussehen und nicht so, wie man Jamie Lee Curtis seit zig Jahren kennt. Und außerdem habe ich beobachtet, dass die allermeisten Frauen bei der Entscheidung, die sie einmal als Teenager getroffen haben bleiben. Das letzte Mal als wir Laurie 1978 sahen trug sie ihr Haar lang und da sie sich eh in einer Art Zeitkapsel eingeschlossen hat, ist es nur folgerichtig, dass sie das auch jetzt noch tut.

Lag es denn immer am Skript, dass Sie in einigen Teilen der Reihe nicht dabei waren?

Nein, das hatte viel pragmatischere Gründe. Ich war in „Halloween 1“ und das ist der Film der mr meine gesamte Karriere ermöglicht hat. Der einzige Grund weshalb ich dann auch in Teil zwei dabei war, war die Tatsache, dass der unmittelbar nach dem ersten Film ansetzt, mit Laurie auf dem Weg ins Krankenhaus – das hätte man schlecht ohne mich drehen können. Ich habe dann „H20“ gemacht, weil es meine eigene Idee war. Ich war diejenige, die sagte: Hey Leute, es sind zwanzig Jahre vergangen und wir sind alle noch im Showbusinees – lasst uns einen weiteren „Halloween“-Film machen“. Aber auch da war es das Ende des Films, dass mich zwingend auch im nächsten erforderte, zumindest für zehn Minuten. Das sind also zwei plus zwei aus „logistischen Gründen“, aber ansonsten hab ich mich auch gern mal raus gehalten.

curtis 3 Sie schießen in diesem Film sehr viel mit dem Gewehr. Wie ist Ihre Einstellung zu den amerikanischen Waffengesetzen?

Wenn Sie richtig angewendet werden, sind sie gut. Ich bin absolut der Meinung, dass jeder das Recht haben sollte zur Selbstverteidigung eine Waffe zu besitzen – sofern er alle dafür nötigen Papiere besitz,dafür geschult wurde und sie sicher verwahrt werden. Ich bin gegen ein Verbot, aber für eine Kontrolle. Es sollte allerdings keinerlei automatische Waffen geben, denn die sind ausschließlich dafür geschaffen um Menschen zu töten. 

Was macht denn die Faszination der "Halloween"-Filme aus?

Das war und ist für mich immer schwer zu beantworten, denn ich verstehe es im Grunde ja selbst nicht. Wenn man es auf die absolute Essenz zurückführt, dann ist Michael Myers, diese Erfindung von John Carpenter & Debra Hill, einfach eine einzigartiges, erschreckendes Konstrukt. Ein rätselhafter, stummer Übermensch, ohne jegliche Emotionen, den man trotz seiner Langsamkeit kaum stoppen kann, aber aber dennoch kein Roboter. Das ist die beste Erklärung, die ich anzubieten habe, aber es ist ja auch nicht mein Job das Phänomen zu erklären. Ich werde engagiert um Laurie Strode zu spielen, in einem Genre, das ich weder besonders gerne mag, noch verstehe.

Gibt es denn andere Genres die sie stattdessen sehr gerne mögen?

Oh, ich mag Komödien, habe ja auch ein paar ganz schöne gemacht. Ich lache gern, leide aber auch bei einem guten Drama gerne mit. Ich mochte „Call me by your Name“ sehr gerne und ich freue mich auf „A Star is born“.                                                                                                                                                                                                        

Können Sie denn überhaupt noch Halloween feiern?                                                                                                                                                            

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Filmszene-Redakteur Volker Robrahn
beim Interview mit Jamie Lee Curtis

Na klar! Ich habe zwei Kinder aufgezogen, ich habe mehr Halloween-Kostüme gebastelt als jeder andere den ich kenne, auch sehr schräge und spezielle zu „Final Fantasy“ oder „Warcraft“.

Und dann schauen alle gemeinsam „Halloween“-Filme?

Nein, das tun wir nicht. Ich zwinge ja meine Leute nicht ständig die Filme anzuschauen, in denen ich mitgewirkt habe. „Hey Kids, es läuft gerade „Perfect“ im Fernsehen, das bin ich da in diesem Fitness-Anzug“. Nein, so läuft das nicht und über mich und meine Filme zu reden ist auch so ziemlich das Letzte was die wollen. Deren Gedanken drehen sich viel mehr um ihr eigenes Leben und das ist auch gut so.

Letzte Frage: Wie werden Sie Ihren 60. Geburtstag feiern?

Da es mein Geburtstag ist, werde ich ihn so stilvoll, leise und unauffällig feiern, dass niemand etwas davon mitbekommen wird. Und das er auf Thanksgiving fällt, den größten Tag der Danksagung überhaupt, finde ich dabei nicht die Spur ironisch.

Volker Robrahn

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