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Filmszene- Special: Interview mit "Die Piraten"-Regisseur Peter Lord

Mr. Lord, sie betonen gerne Ihre Vorliebe für die klassische, handgemachte Animationskunst. Warum dann aber jetzt ein Film im 3D-Format?

Peter Lord:  Grundsätzlich bewegen meine Mitarbeiter und ich uns natürlich gerne in unserer Komfortzone, das heißt wir möchten gerne das machen von dem wir schon wissen, dass wir es können und wie es geht. Daher war meine erste Reaktion, als das Studio uns vorschlug „Die Piraten“ doch eventuell in 3D zu machen entsprechend zurückhaltend. Was sich in nackte Panik verwandelte, als aus dem Vorschlag praktisch eine direkte Order wurde: „Ihr macht den Film jetzt bitte in 3D“.  Aber das war unbegründet, denn erstens hatte das auf unsere Hauptarbeit zunächst nur wenig Einfluss und als schließlich an die Aufnahmen ging erwies es sich als relativ leicht und unproblematisch. Was unsere künstlerische Arbeit  betrifft, hat uns die 3D-Technik jedenfalls nicht eingeschränkt und daher ist dann auch nichts dagegen zu sagen.

 

Lord 1Und in wie weit ist das Thema „Piraten“ der Tatsache geschuldet, dass diese zurzeit schwer in Mode sind?

Die Antwort darauf ist sehr einfach: Gar nicht. Natürlich ist mir bewusst, dass es seit einigen Jahren eine sehr populäre Kinoreihe mit Piraten gibt. Aber unser Ansatz ist völlig anders und die Idee zum Film kam mir, als ich das Buch „Die Piraten – Ein Abenteuer mit Wissenschaftlern“  von Gideon Defoe gelesen hatte, der jetzt auch für uns das Drehbuch geschrieben hat.   Im Gegenteil, als ich Sony die Geschichte vorschlug, war man dort eher skeptisch, gerade weil man das Thema „Piraten“ für vielleicht schon etwas zu ausgelutscht hielt. Aber es ist ja nicht nur ein Modethema sondern ganz grundsätzlich bei Kindern sehr beliebt. Praktisch jeder Achtjährige möchte sich doch zum Fasching als Pirat verkleiden, oder?  Jedenfalls ist unser Film keine kalkulierte Trittbrettfahrer-Aktion.

 

Konnten Sie denn für dieses Thema entsprechende Vorbereitungen und Nachforschungen betreiben?

Leider nein, was ein ziemlicher Skandal ist. Ich wäre wahnsinnig gern wenigstens einmal in die Karibik geflogen um mich dort entsprechend umzusehen, aber das war nicht drin.  Was vermutlich der Grund ist, dass unser Film leider historisch völlig inakkurat geraten ist. Da stimmt wirklich gar nichts, allein das Schiff ist aus Bestandteilen dreier verschiedener Jahrhunderte zusammengesetzt, die Bugfigur ist ebenfalls völlig falsch und selbst das gezeigte London stimmt hinten und vorne nicht. Was aber, ehrlich gesagt, ebenfalls zu den Dingen gehört die uns so einen großen Spaß machen – sich da völlig rücksichtslos auszutoben und alles zu vermischen was uns gefällt.  Deshalb spielt unsere Geschichte auch einfach nur in „den alten Tagen“, ohne konkrete Zeitangabe.  

 

Lord 2Der Humor ist dafür oft weniger kindgerecht sondern setzt auf das Verständnis und ein gewisses Hintergrundwissen der Erwachsenen. Und ist dabei oft ziemlich respektlos.

Oh ja, das ist er! Es war aber gerade das Reizvolle diese Figuren die einen sehr seriösen, praktisch unangreifbaren Status haben mal ein wenig vom Sockel zu stoßen - wir Engländer mögen und dürfen das. Autoritäten, den Adel und die Wissenschaftler durch den Kakao zu ziehen war uns eine große Freude, sowohl was ihre Taten als auch die Physiognomie betrifft.  

 

Im englischen Original spricht Hugh Grant den Piratenkapitän. Wie wichtig ist es denn, für so ein Projekt mit einem bekannten Namen auftrumpfen zu können?

Es ist wichtig, denn auch mir ist natürlich völlig klar, dass so ein Film Geld einspielen muss. Und die öffentliche Aufmerksamkeit ist eben einfach automatisch größer, wenn man den einen oder anderen prominenten Namen oder auch richtigen „Star“ dabei hat. Aber auch für die Schauspieler ist das reizvoll, denn wer hat schon mal die Gelegenheit so aus sich rauszugehen und in einem echten Piraten-Film mitzuspielen? Das ist eine der wenigen Gelegenheiten  extensives Overacting zu betreiben, das auch noch ausdrücklich erwünscht ist. Wäre es aber nicht so, dass die bekannten Namen für die Vermarktung wichtig sind, dann würde ich vermutlich alle meine Figuren selbst sprechen. Was für mich ein sehr großes Vergnügen wäre, aber weniger für den Zuschauer.

 

Es gibt ja nur sehr wenige Firmen, die Stop-Motion-Filme herstellen. Stehen Sie denn in Kontakt mit Ihren Kollegen in Hollywood wie z.B.  Henry Selick („Coraline“, „A Nightmare before Christmas“) und tauschen sich aus?

Leider nicht regelmäßig, auch wenn wir ab und zu telefonieren.  Was wir teilen sind eher die Mitarbeiter, die oftmals nach einem beendeten Projekt zu den Kollegen wechseln, die gerade einen technisch ähnlichen Film entwickeln.

 

Lord 3Henry Selick hat nach seiner Erfahrung mit einem Live-Action-Film („Monkeybone“) beschlossen, doch lieber wieder mit künstlichen Darstellern zu arbeiten. Würde es Sie denn reizen mal einen Realfilm zu inszenieren?

Nicht so wirklich, nein. Dafür stecke ich viel zu sehr drin in meiner Art Filme zu machen, wozu auch die Arbeit mit einem großen Team gehört, das gleichzeitig an vielen verschiedenen Abschnitten eines Films aktiv ist. Und es ist ja nicht so, dass es da langweilig wird und man stagniert. Aktuell geht es dann eben darum mit 3D zu arbeiten oder zu schauen in wieweit man sinnvoll CGI-Effekte mit einbaut. Allgemein scheint es mir, dass die Ausflüge von Regisseuren aus dem Animationsbereich in die Live Action – Gefilde recht problematisch verlaufen. Andrew Stanton von Pixar hat ja jetzt die Fronten gewechselt und das war vielleicht keine so gute Idee  (Lord spielt hier auf die kommerziell nicht allzu gut laufende Großproduktion „John Carter“ an).

 

Glauben Sie, dass Ihre „Piraten“  zu einer richtigen Franchise-Marke werden könnten und wünschen Sie sich das überhaupt?

Das halt ich durchaus für möglich, ja. Denn unsere Figuren erleben zwar „ein Abenteuer“  aber sie durchlaufen nicht die große Transformation, die den zu Beginn etwas unglücklichen oder fragwürdigen Charakteren gerne aufgezwungen wird. Haben Sie am Ende was gelernt und sich komplett verändert? – Ein bisschen vielleicht, aber nicht wirklich viel.  Daher könnte man sehr gut an dieser Stelle weitermachen. Und obwohl ich an sich kein Freund davon bin, würde ich in diesem Falle sehr gerne eine Fortsetzung machen. Nicht nur weil uns das natürlich bei der Entwicklung und Herstellung der Figuren und Sets eine Menge Arbeit sparen würde sondern weil ich diese Kerle einfach sehr lieb gewonnen habe und gerne noch länger mit ihnen unterwegs wäre. Doch, einen zweiten Teil der „Piraten“ würde ich wirklich sehr gerne machen.

Volker Robrahn

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