Im
Gegensatz zum nur bedingt geistreichen deutschen Untertitel fliegt
hier eigentlich niemand irgendwohin. Denn auf dem Pariser Flughafen
geht aufgrund eines Streiks mal wieder gar nichts mehr. Und das Schicksal
der Hauptfiguren von "Jet Lag" ist es daher, ständig
auf eine neue voraussichtliche Abflugzeit vertröstet zu werden.
Dieses Schicksal teilen Felix (Jean Reno), ein ehemaliger Gourmet-Koch
und jetzt Anbieter von nobler Tiefkühlkost, und Rose (Juliette
Binoche), eine aufgetakelte Kosmetikerin mit einem One-Way-Ticket
nach Mexiko. Ansonsten haben die Beiden aber eigentlich nichts gemeinsam,
denn während der von seiner Umwelt genervte Felix versuchen will,
seine vor ihm geflüchtete Freundin zurückzugewinnen, ist
Rose genau auf dem gegensätzlichen Weg: Sie will endlich den
Mann verlassen, der sie seit Jahren schlecht behandelt. Als Rose ihr
Handy versehentlich ins Klo spült, bittet sie Felix um Hilfe
und man kommt ins Gespräch. Von Felix' Seite aus zunächst
eher widerwillig, denn mit einer Frau wie Rose kann er eigentlich
gar nichts anfangen. Trotzdem bietet er ihr schließlich an,
mit in seinem Hotelzimmer zu übernachten, da sie sich sonst keines
leisten könnte. Der von vornherein nicht besonders harmonische
Abend endet in wüsten Beschimpfungen, als sich beide deutlich
sagen was sie vom jeweils Anderen halten. Und doch scheint da auch
etwas zu sein, was die beiden unglücklichen Menschen verbindet.
Muss
ja auch, denn in einer Liebesgeschichte ist es schließlich
völlig normal, dass sich die füreinander Bestimmten zunächst
nicht ausstehen können. Unverzeihlich wäre es hingegen
wenn sich dies nicht im Laufe des Films ändert und ins Gegenteil
umschlägt. Die Frage ist, wie man diesen Wendepunkt dann einigermaßen
überzeugend hinkriegt und an dieser Frage ist Regisseurin und
Drehbuchautorin Daniele Thompson dann leider auch gescheitert. Der
Wechsel von Hass auf Liebe erfolgt irgendwann, als hätte jemand
lediglich auf den entsprechenden Schalter gedrückt und bleibt
daher nicht wirklich nachvollziehbar. Zwar nicht ganz so aufgesetzt
und albern wie im Madonna-Debakel "Stürmische Liebe",
aber auch hier wird beim Zuschauer ein ähnliches, verständnisloses
Kopfschütteln ausgelöst. So unterschiedlich werden die
beiden emotionalen Krüppel dargestellt und so unsympathisch
müssen sie sich aufgrund ihres jeweiligen Hintergrundes auch
sein, dass schon das Angebot von Felix, Rose mit ins Hotelzimmer
zu nehmen aus heiterem Himmel kommt. Realistischerweise wäre
die gemeinsame Zeit der Beiden und damit auch der Film hier nämlich
auch schon beendet gewesen.
Nun
können Liebesfilme aber ja auch Märchen sein und da müsste
man dann auch nicht auf die Karte "Realismus" setzen.
Allerdings ist dies ein einigermaßen anspruchsvoller französischer
Beziehungsfilm und kein verkitschtes amerikanisches Filmchen - das
"Märchen" scheidet daher ebenfalls aus. Für
eine Komödie sind die Charaktere aber ein bisschen zu verkorkst
und außerdem gibt es auch nur wenige Lacher. Als Drama dürfte
es dagegen auch etwas weniger leicht und schrill sein. Womit also
feststeht, dass "Jet Lag" sich irgendwie nicht einordnen
lässt, aber das muss ja an sich noch nichts Schlechtes sein.
Doch da es dem Drehbuch eben nicht gelingt, eine vernünftige
Entwicklung der Figuren zu schildern und diese über weite Strecken
in ihren Aktionen für das Publikum eher unverständlich
und auch unsympathisch bleiben, ist das dann eben doch irgendwie
ziemlich "schlecht".
Daniele Thompson hat vor langer Zeit auch die Drehbücher zu
den erfolgreichen Sophie Marceau-Filmen "La Boum" und
"Die Studentin" geschrieben, bei der Beschreibung einer
etwas erwachseneren Beziehungswelt ist sie diesmal leider überfordert.
Das ist insbesondere schade um die beiden Hauptdarsteller: Jean
Reno und Juliette Binoche gehören zweifellos zu den absoluten
Superstars in Frankreich und sind auch über dessen Grenzen
hinaus sehr bekannt und beliebt. Beide bemühen sich ja auch
redlich, können aber aus der dünnen und uninspirierten
Story nun einmal auch nicht mehr machen, als diese ihnen vorgibt.
Wirklich bedauerlich, denn vom Zusammentreffen dieser Beiden hatte
man sich doch deutlich mehr versprochen.
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