|
Cedric the Entertainer spielte 2002 in dem Überraschungshit
"Barbershop" eine Nebenrolle,
mit der er aufgrund einiger kontroverser Bemerkungen über Martin
Luther King ein mittelschweres Poltical Correctness-Erdbeben in
der afroamerikanischen Gemeinde auslöste. Dieser öffentliche
Hajopei scheint genug gewesen zu sein, um Cedric marketingtauglich
genug zu machen für sein eigenes kleines Starvehikel.
Soviel
zur Ursachensuche, wie es überhaupt zu diesem Film kommen konnte.
Denn während den unendlichen langen 95 Minuten, über die
sich "Familie Johnson geht auf Reisen" ausdehnt, hat man
dank chronischer Ereignislosigkeit auf der Leinwand viel Zeit darüber
nachzudenken, warum überhaupt irgendwer einen Gedanken an dieses
Projekt verschwendet hat. Da fährt Nate Johnson, leicht zerstritten
mit seiner Gattin Dorothy (Vanessa Williams) und leicht genervt
von seinen drei Kindern, zum alljährlichen Familientreffen
von Kalifornien nach Missouri, wo man sich dann mit der Sippschaft
von Nates arrogantem Bruder Mack um den Wanderpokal der besten Familie
des Jahres streiten wird. Auf der langen Autofahrt durch diverse
US-Staaten passieren den Johnsons ein paar Dinge, die vielleicht
mal komisch
sein sollten, aber so uninteressant und zusammengeschraubt daher
kommen, dass es sich nicht einmal lohnt, sich detailliert über
sie auszulassen. Als symptomatisch sei lediglich der Gastauftritt
von "American Pie"-Schönheit Shannon Elizabeth genannt,
die als durchgeknallte Anhalterin genauso schnell auftaucht wie
sie wieder verschwindet, und dazwischen für drei, vier Gags
herhalten soll, die auch nicht zünden.
Die komplette Arbeitsverweigerung seitens der Kreativköpfe
schlägt auch auf die Charaktere durch: Alle Personen sind nicht
mehr als wandelnde Klischees, über die sie sich keinen Zentimeter
hinaus entwickeln. Vanessa Williams die aufstrebende, nach beruflicher
Unabhängigkeit strebende Ehefrau, Nachwuchs-Rapstar Bow Wow
(der nicht mehr Lil' ist und auch nicht
mehr so genannt werden will) als frecher Sohnemann, der natürlich
Rapstar werden will, und Beyoncés kleine Schwester Solange
Knowles als dauertelefonierende Teenagertochter schließen
sich der zweifelhaften Arbeitsmoral von Regisseur und Drehbuchautoren
an und leiern so lustlos ihre dümmlichen Texte runter, dass
man sich in einem schlechten Sonntagnachmittags-TV-Film auf RTL
wähnt. Da kann auch Cedric the Entertainer nichts mehr retten,
der wirklich komisch sein kann, aber hier schlichtweg keine Gelegenheit
dazu bekommt.
Während über die gesamte Laufzeit die Suche nach einem
zündenden Witz so erfolglos ausfällt, dass man sich bei
den lahmen Gags fast wundert, ob sie überhaupt komisch sein
sollen, erinnert man sich wehmütig an Chevy Chase und
seine Familie Griswold zurück. Die reisten seit den frühen
80ern in vier Familienurlaubskomödien (falls man das als Subgenre
ansehen will) durchs Land und brachten dabei selbst in den schlechteren
Filmen mehr Chaos und vor allem wesentlich mehr Gags zustande als
die öden Johnsons. Dass sich das afroamerikanische Kino inzwischen
so weit etabliert hat, dass nun auch gänzlich konventionelle
Mainstream-Produktionen ausreichende Erfolge feiern (der Johnson-Familienurlaub
spielte trotz vernichtender Kritiken spielend das Dreifache seines
sparsamen Budgets ein), ist zwar grundsätzlich zu begrüßen,
entschuldigt aber noch lange nicht, dass man dabei genauso miesen
Quark produziert wie das weiße Hollywood. Oder, wie in diesem
Falle, noch mieseren Quark.
|