Dewey Cox (John C. Reilly) hatte es wirklich nicht leicht im Leben.
Als Kind teilte er beim Spielen mit einer Machete versehentlich
seinen hochtalentierten und begabten Bruder in zwei Hälften,
was ihm die Familie irgendwie nicht verzeihen mochte. Doch über
den Rock'n Roll fand er seine Bestimmung und
kämpfte
sich durch eine wilde Zeit voller Frauen, Sex und Drogen. Jetzt,
am Abend seiner Karriere und mit seiner großen Liebe Darlene
(Jenna Fischer) an seiner Seite, blickt das Idol von Millionen noch
einmal zurück und lässt sich ein letztes Mal feiern.
Nachdem wir zuletzt das turbulente Leben von Ray Charles und Johnny
Cash auf der Leinwand verfolgen konnten, ist es nun also endlich
auch Zeit für Dewey Cox. Noch nie gehört? Okay, das könnte
daran liegen, dass dieser Rockstar dann doch nicht wirklich existiert
hat sondern lediglich dem kreativen Hirn von Produzent Judd Apatow
entsprungen ist. Und der Gedanke liegt ja nahe, denn nachdem sowohl
"Ray" als auch "Walk
the Line" eine fast identische Geschichte erzählten,
bei der nicht nur Frauen- und Drogenerlebnisse sondern auch gleich
noch das Kindheitstrauma austauschbar waren, darf man sich über
diese Art Biopic auch gerne mal lustig machen.
Allerdings hat die bisher ungebrochene Erfolgssträhne des Goldjungen
Apatow ("Jungfrau, 40, männlich,
sucht…", "Beim
ersten Mal", "Superbad")
mit "Walk Hard" nun ihren ersten kleinen Dämpfer
erhalten, denn der Film ging an den amerikanischen Kinokassen gnadenlos
unter und dürfte es mit seinem Thema im Rest der Welt sogar
eher noch schwerer haben. Hauptdarsteller John C. Reilly sagte daraufhin
sogar die geplante Interviewtour, welche ihn auch nach Deutschland
führen sollte, kurzfristig ab. Der Frust des sympathischen
Charaktermimen ist
verständlich,
denn nach unzähligen Nebenrollen in nahezu allen Filmen von
P.T. Anderson, dem Hit-Musical "Chicago"
oder zuletzt "Ricky Bobby" sollte diese erste große
Hauptrolle für ihn natürlich den nächsten Karriereschritt
bedeuten. Daraus dürfte nun aber erstmal Nichts werden und
es stellt sich die Frage, ob es denn tatsächlich an Reilly
liegt, das "Walk Hard" nicht so recht funktioniert.
Die Antwort lautet sowohl ja als auch nein, denn obwohl der erkennbar
hochmotivierte Mime sich mächtig ins Zeug legt und dabei singt
und tanzt wie ein Irrwisch, so ist er doch trotzdem keine Idealbesetzung.
Was zum Einen daran liegt, dass er einfach nicht aussieht wie ein
Rockstar und andererseits wohl auch nach wie vor zu unbekannt ist,
um einen komplett auf ihn zugeschnittenen Film zu tragen und so
mit seinem Konterfei verkaufen zu können, wie es hier versucht
wurde. Wer soll das sein, dessen Geschichte hier erzählt wird
und wer bitte ist der Typ auf dem Plakat, dürfte sich so mancher
gefragt und lieber abgewunken haben.
Das ist der eine, rein marketingtechnische Grund, für das
Desinteresse an der Dewey Cox-Story, aber dazu gesellen sich dann
auch noch einige handwerkliche und inhaltliche Defizite. Zugegeben,
der Film ist grundsätzlich schon witzig und recht unterhaltsam.
Allerdings bekommen wir hier auch einen ziemlich wilden und unausgegorenen
Mix geliefert, der sich nur hin und wieder als das anfühlt,
was er laut Eigenaussage eigentlich sein möchte, nämlich
eine Satire auf die oscarprämierten Vorbilder. Nun verlangt
eine richtige Satire aber auch eine gewisse Schärfe und Boshaftigkeit
und die geht dem Film fast gänzlich ab. Im Gegenteil spürt
man allzeit die Liebe und den Respekt zu den Vorlagen, so dass man
sich oft eher in einer Art Hommage wähnt.
Für
eine Parodie wiederum ist die Geschichte des Herrn Cox eigentlich
viel zu eigenständig. Zeitweilig löst man sich hier vom
ursprünglichen Vorhaben und scheint der Versuchung erlegen
zu sein, doch auch ganz gern einen eigenen interessanten Charakter
erschaffen zu wollen, eine neue Franchise womöglich. Dann begeben
wir uns aber plötzlich wieder in die überdrehten Gefilde
der "Scary Movie"-Filme nach der bekannten Art der Zucker-Brüder
(u.a. "Die nackte Kanone"). Insbesondere wenn immer mal
wieder ein Körper in zwei Hälften geteilt wird, sich davon
aber nicht abhalten lässt trotzdem noch die eine oder andere
Minute weiter zu philosophieren, wird es entsprechend absurd und
grotesk. Das ist dann zwar so gewollt, passt aber nicht so recht
zum sonstigen Stil des Films und dieses Gefühl eines ziemlich
willenlosen Durcheinanders stellt sich hier halt doch sehr häufig
ein.
Was bleibt sind daher nur einzelne, sehr gelungene Szenen, wie der Running Gag um das Bandmitglied, das Dewey mit seinen merkwürdigen "Warnungen" überhaupt erst zum Drogenkonsum verführt ("Es macht Dich total frei, aber glaub mir: Du willst das nicht ausprobieren"), oder der auch nach Jahrzehnten immer noch "der falsche Junge ist gestorben" vor sich hin singende Vater. Dazu einzelne witzige Cameo-Auftritte, deren gelungenster ganz klar das Zusammentreffen mit den zugedröhnten Beatles beim indischen Guru ist, denn Jack Black als Paul McCartney sollte man mal gesehen haben. Auch hat man sich einige Mühe mit den eigens geschaffenen Songs gemacht, die vor allem textlich amüsant sind, ansonsten aber auch nicht unbedingt länger im Ohr haften bleiben. Alles in Allem diesmal sicher kein großer Wurf aus dem Hause Apatow.

ich schliesse mich dem urteil nicht an!
der film ist sehr unterhaltsam und nicht so ein 08/15 komödie wie sie hollywood sonst fabriziert.
AUF ENGLISCH SCHAUEN!
Die Deutsche Version eines englischsprachigen Musicals zu bewerten (und überhaupt erst zu produzieren, eigentlich) ist beknackt.
Man sollte ausserdem Ray und Walk the Line gesehen haben...
Habe die deutsche Fassung in der Sneak gesehen - schlecht. Grottenschlecht.
Ich hab ihn auch auf englsich gesehen. Vieles geht bei der Synchro einfach verloren. Die Beatles fand ich gar nicht so lustig, Elvis war um Längen besser!!
Besser als "Bobby..." und um Längen besser als die Streifen, welche durch den Kakao gezogen werden.
Habe persönlich zwar kleine Probleme mit dem Humor - und gerade den aus der Apatow-Schmiede - dem Film aber eine Chance gegeben.
Die Running-Gags (die sich wiederholende Aussage des Vaters sowie das Bandmitglied, welches ihn letztlich zum Drogenkonsum verführt, obwohl dieser scheinbar alles tut, um es Dewey auszureden) zünden ganz gut.
Die Musik ist wirklich gelungen.
Und was am besten ist: den gesammelten Hollywood-Produktionen ala "Walk the Line" oder "The Doors" und "Ray" sowie zuletzt auch der scheinheilige Prüderie der US-amerikanischen Filmindustrie wird der Spiegel vorgehalten.
Ist nicht mein Fall, aber sicherlich nicht so schlecht wie hier schon gemacht.
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