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Wer noch irgendwo auf dem
Speicher
eine Kiste mit seinem alten Spielzeug stehen hat, der
schwebt in großer
Gefahr, sie nach diesem Film hervorzukramen und so schnell
nicht wieder
wegzustellen. Denn „Toy Story 2“ ist vor allem in seiner
zentralen
Aussage eine hervorragende Fortsetzung des ersten Teils.
Damals haben
wir alle gelernt, daß unser Spielzeug wirklich ein eigenes
Leben
führt, sobald man den Raum verläßt (und wer hat daran
jemals gezweifelt?). Und diesmal lernen wir, was es heißt,
der
Besitzer eines Spielzeugs zu sein. Denn damit ist weit mehr
Verantwortung
verbunden, als wir uns vorstellen können. „Toy
Story 2“ beginnt mit einer bombastischen, sehr „Star
Wars“-igen Eingangssequenz
(die nebenbei den Grundstein legt zu einem famosen
Nebenplot, der
auch ein sehr „Star Wars“-iges Ende finden wird), die sofort
Hunger
auf mehr macht und die Armbanduhr für die nächsten
eineinhalb
Stunden zu einem Gegenstand ohne jede Existenzberechtigung
macht.
Im Anschluß finden wir uns in Andy’s Zimmer wieder, und all
die Spielzeuge aus Teil 1 sind noch da (zum Glück ist keiner
verkauft worden). Woody und Buzz Lightyear sind die besten
Kumpels
und sorgen nach wie vor für Ordnung im Kinderzimmer, und
auch
der kleine Hund, dessen Ankunft für die letzte
Schrecksekunde
im Vorgänger herhielt, ist voll integriert. Wer sich jemals
gewundert
hat, warum seine Haustiere merkwürdig mit dem Spielzeug
umgehen,
findet hier die Antwort. Woody ist in heller Aufregung, da Andy heute ins Cowboy-Camp aufbricht und er natürlich mit soll. Doch dann reißt bei einem Unfall sein Arm auf und Andy läßt seinen Liebling zu Hause. Es bleibt aber nicht viel Zeit zum Trübsal blasen, denn Woody rettet mutig ein anderes kaputtes Spielzeug vor einem Garagen-Verkauf. Tragischerweise bleibt er dabei selbst zurück und wird von dem hinterhältigen Spielzeug-Sammler Al entwendet. Woody ist nämlich mächtig wertvoll: In den 50er Jahren war er der Held einer Puppen-Fernsehshow (Augsburg läßt grüßen), erschien auf den Titelblättern von Time und Life, prangte auf einer ganzen Reihe von Merchandise-Produkten, und war der Chef von „Woody’s Round-up Gang“. Die ist inzwischen ein sehr seltenes Sammelobjekt, und der fiese Al brauchte nur noch Woody, um die komplette Serie teuer an ein Spielzeug-Museum in Japan zu verscherbeln. Und so lernt Woody seine ursprünglichen Kameraden kennen: Jessie, das Cowgirl; Bullseye, sein treues Pferd; und Stinke-Piet (so wird wohl sein deutscher Name sein), der Goldgräber, den nie einer kaufen wollte und der daher noch in der Originalverpackung steckt. Sie sind von der Ankunft Woodys hellauf begeistert, denn jetzt wandern sie endlich aus dem ungeliebten Karton in schöne Schaukästen, wo sie bewundert werden. Und auch Woody findet die Idee, auf ewig in einem Museum bestaunt zu werden, durchaus verlockend. Denn für Andy wird er früher oder später unwichtig werden, und in einer Kiste auf dem Speicher enden. Die anderen Spielzeuge haben indes spitz gekriegt, wer ihren Freund entführt hat, und so machen sie sich unter der Führung von Buzz auf eine riskante Rettungsmission. Und hier fängt es an, richtig wild zu werden. Denn erste Anlaufstation ist der Spielzeugladen von Al, und den zu erreichen ist schon schwer genug („Wieso überqueren die Spielzeuge die Straße? Um zu dem Huhn auf der anderen Seite zu kommen.“). Im Laden selbst entfacht dann allerdings ein wahres Feuerwerk an grandiosen Gags über Spielzeuge unter sich. Buzz vor einem riesigen Regal seiner Imitate, die sich nicht mehr verkaufen (weil sie das neue Add-on nicht haben, auf das Buzz natürlich auch ganz neidisch ist). Eine im Pool planschende Meute an Barbie-Figuren, die den Helden die Köpfe verdrehen. Eine wilde Tour in einem Modell-Auto, und so weiter und so spaßig. „Toy
Story 2“ ist ein phänomenaler und rasanter Spaß und steht
seinem Vorgänger in nichts nach. Die erste Fortsetzung eines
Animationsfilms aus den Disney-Studios, die fürs Kino
produziert
wurde, hat sich diesen Pionier-Status auch redlich verdient.
„Toy
Story 2“ kann sich einreihen in die sehr kleine Gruppe von
Sequels,
die sich mit dem Original messen können. Der einzige
Unterschied
ist, daß die wirklich famose Digital-Animation natürlich
wieder absolut perfekt und beeindruckend ist, aber eben
nichts neues
mehr darstellt. Als „Toy Story“ 1996 anlief, da saß ich mit
großen Augen im Kino und bestaunte eine Revolution im
Trickfilmgenre.
Inzwischen sind vollständig computer-animierte Filme keine
einzigartige
Besonderheit mehr, und so fehlt dieser Fortsetzung eben
jener Sonderstatus.
Aber das ist letztendlich das Schicksal jedes Sequels. Schließlich entspricht „Toy Story 2“ nicht nur visuell der Brillanz seines Vorgängers, auch das Drehbuch ist von gleicher Qualität, wenn nicht sogar besser. Denn abgesehen von den vielen köstlichen One-Linern und Späßen gelingt der Geniestreich, eine echte emotionale Verbindung zwischen Spielzeug und Zuschauer herzustellen. Wenn das Cowgirl Jessie den Blues kriegt und von ihrer früheren Besitzerin erzählt, wie sie sie vernachlässigt und schließlich weggegeben hat, dann macht sich wirklich bedrückte Stimmung breit. Man vergißt, daß es sich um „seelenlose“ (?) Spielzeuge handelt, und dies ist der anfangs erwähnte Moment für die Kiste auf dem Speicher. Wer jetzt keine stille Entschuldigung für seine eigenen Spielsachen im Kopf hat, der hat nie ein Lieblings-Kuscheltier besessen, ein außergewöhnliches Modell-Auto oder eine ganz besondere Puppe. „Toy Story 2“ schafft es, Gefühle wiederauferstehen zu lassen, die tief in unseren Kindheitserinnerungen begraben schienen (und ist gerade deshalb auch oder vor allem ein Film für Erwachsene). Allein für diesen Moment der ganz persönlichen Freude muß man dem Film zutiefst dankbar sein. Gegen Ende wird es dann sogar richtig philosophisch, wenn die Entscheidung zwischen Kinderzimmer und Museum ansteht. Was ist das bessere Schicksal: Geliebt zu werden für die Dauer einer Kindheit, oder bewundert zu werden für die Ewigkeit? Die Antwort hat der Zuschauer selbst im Herz, und das ist so ein Augenblick, wo man sich wieder wünscht, daß im Leben alles so einfach wäre wie im Zeichentrick-Film. Denn Spielzeuge kennen den Sinn ihres Daseins. Und darum kann man sie wirklich beneiden. |
| Bilder: Courtesy of Buena Vista International, Copyright 1999 |
Bilder: Copyright


„Toy
Story 2“ beginnt mit einer bombastischen, sehr „Star
Wars“-igen Eingangssequenz
(die nebenbei den Grundstein legt zu einem famosen
Nebenplot, der
auch ein sehr „Star Wars“-iges Ende finden wird), die sofort
Hunger
auf mehr macht und die Armbanduhr für die nächsten
eineinhalb
Stunden zu einem Gegenstand ohne jede Existenzberechtigung
macht.
Im Anschluß finden wir uns in Andy’s Zimmer wieder, und all
die Spielzeuge aus Teil 1 sind noch da (zum Glück ist keiner
verkauft worden). Woody und Buzz Lightyear sind die besten
Kumpels
und sorgen nach wie vor für Ordnung im Kinderzimmer, und
auch
der kleine Hund, dessen Ankunft für die letzte
Schrecksekunde
im Vorgänger herhielt, ist voll integriert. Wer sich jemals
gewundert
hat, warum seine Haustiere merkwürdig mit dem Spielzeug
umgehen,
findet hier die Antwort.
„Toy
Story 2“ ist ein phänomenaler und rasanter Spaß und steht
seinem Vorgänger in nichts nach. Die erste Fortsetzung eines
Animationsfilms aus den Disney-Studios, die fürs Kino
produziert
wurde, hat sich diesen Pionier-Status auch redlich verdient.
„Toy
Story 2“ kann sich einreihen in die sehr kleine Gruppe von
Sequels,
die sich mit dem Original messen können. Der einzige
Unterschied
ist, daß die wirklich famose Digital-Animation natürlich
wieder absolut perfekt und beeindruckend ist, aber eben
nichts neues
mehr darstellt. Als „Toy Story“ 1996 anlief, da saß ich mit
großen Augen im Kino und bestaunte eine Revolution im
Trickfilmgenre.
Inzwischen sind vollständig computer-animierte Filme keine
einzigartige
Besonderheit mehr, und so fehlt dieser Fortsetzung eben
jener Sonderstatus.
Aber das ist letztendlich das Schicksal jedes Sequels.
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