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Jay and Silent Bob strike back

Jay and Silent Bob strike back
komödie , usa 2001
original
jay and silent bob strike back
regie
kevin smith
drehbuch
kevin smith
cast
jason mewes,
kevin smith,
shannon elizabeth,
matt damon,
ben affleck, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
18. April 2002
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Alles hat ein Ende. Der Karneval an Aschermittwoch, "Ben Hur" irgendwann jenseits der vier Stunden, und auch die Lindenstraße wird eines schönen Tages eingestellt werden. Ebenfalls ein Ende hat das "View Askewniverse", jener Mikrokosmos mit Stammsitz in Red Bank, New Jersey, dem bisher alle Filme von Kevin Smith entsprungen sind. Denn der Independent-Held und Schöpfer solcher Filmjuwelen wie "Clerks" und "Chasing Amy" ist, wie seine letzten beiden Streifen recht deutlich bewiesen haben, seinem Ursprungsterritorium des dreckigen Wortschatzes und der Furzwitze eigentlich längst entwachsen. Problem nur: Smith hat sich eine inzwischen recht beachtliche Fangemeinde angelacht, für die es kaum größere Helden gibt als sein legendäres Stoner-Duo Jay und Silent Bob. Es spricht für die enorme Bodenständigkeit Smith' und seine Nähe zur Fanbasis, dass er zum Abschluss des "View Askewniverse" einen Film gemacht hat, der sich einzig um seine beiden Kultfiguren dreht, als eine Art Dankeschön an die Fans. Leider ist "Jay & Silent Bob strike back" wirklich nicht viel mehr, lässt somit jegliche Substanz vermissen und verbleibt als zwar gute, aber relativ belanglose Komödie.

Als unbegründet entpuppt sich indes die Vermutung, dass sich in diesem Film nur echte Smith-Fanatiker amüsieren können. Die Anzahl der In-Jokes ist in einem erträglichen Maße gehalten, allerdings dürfte es für Smith-Unkundige etwas verwirrend sein, dass sowohl Jason Lee als auch Ben Affleck zweimal auftreten, als unterschiedliche Charaktere. Da ein Großteil der früheren Smith-Figuren hier zumindest Kurzgastspiele haben, sind Mehrfach-Auftritte von "View Askewniverse"-Veteranen kaum zu vermeiden. Und so treffen wir unsere beiden Dope-dealenden Helden am Anfang dieser Abschiedstour auch wieder da, wo sie hingehören: Vor dem Quick Stop Grocery Shop, seit "Clerks" der wohl berühmteste Minimarkt der Welt. Dessen Stammbedienstete Dante und Randal haben indes genug von den beiden Nervensägen und verpfeifen sie bei der Polizei. Wenig erfreut über diesen Standortverlust schauen Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith himself) im Comicladen ihres Kumpels Brodie vorbei (Jason Lee zum ersten, als sein Charakter aus "Mallrats"), der ihnen steckt, dass aus dem berühmten Bluntman & Chronic-Comic von Banky Edwards (Jason Lee zum zweiten) und Holden McNeal (Ben Affleck zum ersten), für den die beiden Kleindealer als Vorlage dienten (siehe dazu "Chasing Amy"), ein Film gemacht werden soll. Ziemlich entrüstet über die Tatsache, dass sie dafür keinen Pfennig Geld sehen und zudem provoziert durch Horden von kleingeistigen Arschlöchern, die auf Film-Websites böse Sprüche über ihre Alter Egos ablassen, machen sich Jay und Silent Bob auf nach Hollywood, um die Produktion des Films zu verhindern.

Und das ist dann eigentlich schon die Handlung. Ziemlich lose reihen sich von nun an diverse Eskapaden aneinander, welche den Beiden auf ihrem Road Trip wiederfahren, angefangen bei der Begegnung mit einer Bande extrem heißer Diamanten-Diebinnen (u.a. Shannon Elizabeth und Ali Larter), über die Entführung eines schlagkräftigen Orang Utans bis hin zur unfreiwilligen Gründung einer terroristischen Bewegung mit dem schönen Kürzel CLIT. Das ist alles ziemlich albern, halbwegs lustig, aber nicht sonderlich interessant. Recht schnell wird deutlich, dass es Smith in diesem Falle wirklich nicht darum ging, irgend etwas konkretes rüberzubringen, sondern einfach nur einen möglichst komischen Film abzuliefern. Was leider nur partiell gelingt: Da so ziemlich jedem Brüller der größere Zusammenhang fehlt, bewegen sich die zahlreichen Sex-, Furz- und Dope-Witze ungefähr auf dem Niveau jener Teenie-Filme, für die Smith inzwischen eigentlich nicht nur zu reif, sondern auch zu gut ist. Sein größtes Talent, das Schreiben grandioser Dialoge, die aufgrund ihrer cleveren Alltäglichkeit einen ganz eigenen Witz entwickeln, lässt Smith hier fast vollständig schleifen und wird seine größten Fans daher, bei all der guten Absicht, mit diesem Film letztlich enttäuschen.
Nur wenige konkrete Seitenhiebe bringen ein bisschen Aussage in diesen oberflächlichen Spaß, die besten (und sehr gerechtfertigten) gehen dabei in Richtung all jener Dorftrottel, die die Anonymität des Internets dazu missbrauchen, hemmungslos und ohne Sinn und Verstand auf anderen Leuten rumzuhacken (ein jeder Website-Betreiber kann ein trauriges Lied davon singen). Entsprechend geht im Abspann dann auch noch ein spezieller Gruß an die Leute aus der Talkback-Rubrik von Harry Knowles' "Aint it cool News", wo sich besonders erbärmliche Exemplare dieser Art herumtreiben.
Während die Reise von Jay und Silent Bob über den amerikanischen Kontinent doch eher wenig unterhaltsam und recht langatmig daher kommt, wird man (zumindest, was den Spaß-Pegel betrifft) für so einiges entschädigt, wenn das dynamische Duo endlich in Hollywood ankommt. Ein kurzer Abstecher zu den Dreharbeiten von "Good Will Hunting 2: Hunting Season", wo sich Matt Damon und Ben Affleck (zum zweiten, diesmal als er selbst) gegenseitig wegen ihrer jeweiligen Filmografie zur Sau machen, wird jeden Filmfreund mehr als einmal herzhaft auflachen lassen. Die anschließende Konfrontation mit den Darstellern von Jay und Silent Bob im geplanten Bluntman & Chronic-Film, Jason "American Pie" Biggs und James "Dawson's Creek" van der Beek, wird eigentlich nur noch getoppt vom unausweichlichen Set-Besuch (mit Chris Rock als Regisseur), und dem Bong-Laserschwert-Gefecht mit Mark Hamill himself. Ganz großes Kino.

Trotzdem ist es doch relativ offensichtlich, warum Jay und Silent Bob in den vorrangegangenen vier Smith-Filmen immer nur Nebenfiguren waren: Sie sind schlichtweg nicht mehr als Gag-Lieferanten, und ihr eigener Film kann daher auch nicht mehr sein als komisch, aber hohl. Ob das ein würdiges letztes Kapitel des "View Askewniverse" ist, darüber lässt sich diskutieren. Aber Schluss ist endgültig. Und wer geglaubt hat, nur Gott könne dieses Buch schließen: Niemand anderes tut es. Auch wenn man dafür bis zur wirklich allerletzten Sekunde des Films warten muss.

Frank-Michael Helmke

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